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Säg Festival - Obermässing

08.06.2006 | 12:47

19.05.2006, Festivalzelt

"Klein aber fein" trifft ziemlich genau auf das "Säg Festival" im idyllischen Kaff Obermässing zu. Irgendwo zwischen München und Nürnberg lockt das Festival mit Bands wie BRAINSTORM, EKTOMORF und MERCENARY zu einem Ausflug aufs Land. Neben den eben genannten Größen stehen noch allerlei Undergroundbands auf der Bühne, die sich eher im traditionellen Metalbereich ansiedeln lassen (zumindest das, was wir am ersten Tag zu hören bekommen). Doch diese spielen vor allem am Samstag und da wir eigentlich nur wegen MERCENARY und BRAINSTORM die knapp 300 Kilometer Weg antreten, fahren wir am selben Tag wieder zurück. Pech für den Fahrer, denn das Bier ist köstlich und schont mit fairen 2€ für einen halben Liter auch den Geldbeutel. Und neben süffigem Gerstensaft kriegt der durstige Besucher noch eine ganze Reihe an Schnapsständen und sogar Met geboten, natürlich ebenfalls zu mehr als angenehmen Preisen, die schnell zu einem hohen Promillepegel führen. Eigentlich schade, dass nur so wenige Fans anwesend sind und sich das "Säg Festival" nicht über mehr Zuspruch freuen kann, denn die gelungene Mischung an Bands, die extrem günstigen Getränke- und Essenspreise, der gute Sound, genügend saubere Spülklos sowie eine Bühne in einem riesigen Partyzelt sprechen für eine gute Organisation. Bei so viel Fannähe fühlt man sich sofort wohl und auch die Bands halten sich mehr im Publikum als Backstage auf, und werden dort von Veranstaltern und Fans mit reichlich hochprozentigem versorgt, nett! Als wir ankommen heizen grad JUSTICE die Menge an, doch viel bekommen wir davon nicht mehr mit. Nachdem das erste Bier besorgt ist, wird es Zeit für ein ganz besonderes Ereignis:

MERCENARY

Die Dänen MERCENARY präsentieren uns heute gleich eine doppelte Premiere. Erstens reisen sie mit neuem Sänger und Bassisten im Gepäck an, zweitens gibt es exklusiv einen neuen Song zu hören - und der hats in sich. Aber dazu später mehr!
16 Stunden Fahrt haben die Jungs auf sich genommen um heute zu spielen und sind dementsprechend wild drauf, Party zu machen und einfach alles zu geben. Kurz vor dem Auftritt spürt man förmlich die nervöse Spannung, das Lampenfieber vor dem ersten Gig mit dem neuen Mann am Bass, René Pedersen, der sich aber sofort wohl fühlt und von seinen Mitstreitern noch mit einem freundlichen Klaps auf die Schulter motiviert wird. Und dann legen MERCENARY los und entzünden ein wahres Feuerwerk an Energie. Gleich der erste Song, 'Redestructdead', knallt ordentlich und René offenbart sein Talent als absolut klasse Sänger und unterstützt Mikkel auch gerne bei den Ansagen - ein geborenes Showtalent eben! Auch wenn die Fans noch nicht so zahlreich sind, so füllt sich das Zelt immer mehr und in den ersten Reihen nimmt die Begeisterung kein Ende, vor allem der jüngste MERCENARY-Fan, der mit seiner Mutter ohne Unterlass bangt sorgt für freudige Gesichter bei den Dänen. So muss das sein mit dem Metalnachwuchs! Auch das geniale 'Firesoul' darf wieder nicht fehlen und mit 'Loneliness' gibt es sogar eine kleine Überraschung aus dem "11 Dreams"-Repertoire. Dann kommt der neue Song zum Zug, mit dem klingenden Namen 'Soul Decision' - und zeigt MERCENARY erstmal ungewöhnt hart, bevor sich Mikkel wieder seinen typischen, wunderschön ins Ohr gehenden Gesangslinien hingibt. Die gekonnte Mischung aus brutalen Headbangerriffs und gefühlvollen Vocals, aus spannenden Rhythmuswechsel und coolen Breaks lässt die Vorfreude aufs neue MERCENARY-Album nur noch mehr steigen. Denn wenn sich alle Songs in so einem tollen Gewand präsentieren, dann kann das Werk nur punkten! Zum Schluss gibt's noch den Titeltrack '11 Dreams', der sich großer Beliebtheit erfreut und die Nackenmuskeln endgültig zerlegt. Was für ein Gig!

Setlist:
Redestructdead
Firesoul
World Hate Center
Loneliness
Soul Decision
11 Dreams

EKTOMORF

Ich muss ehrlich gestehen, dass ich letztes Jahr an einer akuten EKTOMORF-Überdosis litt, doch hat man die Ungarn eine Weile mal nicht gesehen, macht das sogar richtig Spaß. Energie pur verwandelt das Zelt in einen tobenden Mob und EKTOMORF stellen sich schnell als die Gewinner des Abends heraus, was die Publikumsreaktionen angeht. Fast scheint es so, als wären die meisten Fans heute wegen EKTOMORF angereist und schon vor dem Auftritt werden die Jungs mit minutenlangen EKTOMORF-Chören auf die Bühne gebeten - Beeindruckend! Auch wenn die Band musikalisch immer noch nicht mein Fall ist, muss ich doch gestehen dass mich die Truppe rund um Frontcharismatiker Zoltan mit ihrer brachialen Show immer wieder beeindruckt. Songs wie 'Show Your Fist' oder 'I Know Them' vermitteln rohe Energie und ansteckende Rhythmen, und schnell hat sich die Meute warmgebangt und ist nicht mehr zu bremsen. Optisch hat sich seit dem letzten Jahr nicht viel verändert, die Band ist nach wie vor mit Hüpfen und wildem Bangen beschäftigt und auch Bassist Csaba führt wieder eine seiner beliebten roten Trainingshosen aus. Als ich MERCENARY vor dem Zelt treffe, singen diese im Chor zu einem gerade laufenden EKTOMORF-Liedchen die Zeilen von SEPULTURAs 'Roots Bloody Roots', was erstaunlicherweise gut zum Song passt. Ja, ich gebs zu, da war Alkohol mit im Spiel aber lustig zum ansehen war das allemal! Auch wenn EKTOMORF stilistisch zuerst gar nicht ins Konzept passen, so schaffen sie es doch die meisten Fans zu mobilisieren und ein Stimmungshoch zu zaubern, über das sich auch BRAINSTORM im Anschluss freuen können.

Setlist:
Set Me Free
Show Your Fist
Instinct
Fuck You All
You Leech
I Know Them
Destroy
United Nations
Burn
Fire
Tear Apart
Serial Men
The Holy Noise

BRAINSTORM

Ab dem ersten Ton von BRAINSTORM herrscht Gänsehautstimmung und Begeisterung. Die Band ist einfach dafür geboren um live zu spielen und die eingängigen Mitsing-Melodien kommen auf der Bühne noch besser zur Geltung, ganz großes Kino. Andy spielt förmlich mit dem Publikum, singt mit voller Leidenschaft und übt sich im Grimassenschneiden und Lächeln, bis man ihn lieb gewonnen hat. Doch BRAINSTORM sammeln heute mehr als nur Sympathiepunkte. Die Show sitzt, die Stimme ist klasse, der Sound nach anfänglichen Schwierigkeiten auch sehr okay und die Saitenfraktion in bester Poser- und Solo-Laune. So macht das Spaß! Schon alleine der Opener 'Worlds Are Coming Through' entpuppt sich schnell als Mitsing-Hit und die erstklassige Setlist wartet mit einem Highlight nach dem anderen auf. Inzwischen haben sich alle warmgetrunken und die Menge ist in bester Feierlaune. MERCENARY, die schon mit BRAINSTORM on the road waren sind natürlich allesamt anwesend, um ihre ehemaligen Tourkollegen abzufeiern und werden dabei liebevoll von den Fans mit Schnaps und Bier versorgt. Eine Tatsache, die dazu führt, dass beim genialen 'All Those Words' auch wir aus voller Kehle mitsingen und uns allen in den Armen liegen. Aber der Song ist einfach wie geschaffen dafür und auch Andy freut sich auf der Bühne über die vielen Chorgesänge seiner Fans. Leider ist die Show viel zu schnell wieder zu Ende, auch wenn BRAINSTORM mehr als eine Stunde einfach alles gegeben haben. Nach der obligatorischen Zugabe und einem Gig voller positiver Energie, tollen Ohrwurmmelodien und Emotionen fällt der Abschied schwer. Nur der aufkommende Regen, der uns die ganze Rückfahrt bis nach Innsbruck begleiten sollte, macht es etwas leichter.

Setlist:
Worlds Are Coming Through
Blind Suffering
The Leading
Invisible Enemy
Highs Without Lows
Shiva's Tears
Fornever
Soul Temptation
All Those Words
Shadowland
Painside
Burn My Soul
Doorway To Survive
Inside The Monster

Redakteur:
Caroline Traitler

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