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Sacred Reich - Essen

19.07.2011 | 09:48

01.07.2011, Turock

Wenn eine der kultigsten und besten Thrash-Metal-Bands der Achtzigerjahre zum einzigen Deutschland-Gastspiel 2011 lädt, lässt sich dies wohl niemand entgehen. Die nicht klein zu kriegenden SACRED REICH läuten den lauten Sommer im Essener Turock ein und holen sich hierbei Unterstützung von THE VERY END und den Jungs von TALETELLERS.

Wie kann ein Freitag-Abend schöner beginnen als mit nostalgischen Thrash-Klängen, die die Trommelfälle reizen? Dies dachten wohl Viele aus Essen und Umgebung, sodass es kein Wunder ist, dass das Turock aus allen Nähten platzt.

Genau eine Stunde nach dem Einlass beginnt um 20 Uhr das Spektakel mit den Saarländern von TALETELLERS. Mit ihrer energischen Mischung aus Heavy Metal und traditionellem Hard Rock können sie anfangs zwar nicht viele Begeisterte vor die Bühne locken. Im Laufe der knapp dreiviertelstündigen Spielzeit wendet sich jedoch das Blatt, sodass immer mehr neugierige Gesichter den frischen Klängen des Quartetts vor der Bühne lauschen. Speziell 'Rock'n'Roll Detonator' hinterlässt einen bleibenden Eindruck. Viele wippende Gesichter lauschen überdies auch neueren Songs des vor kurzem erschienenden, zweiten Streiches "Radicalizer" wie beispielsweise dem straighten Titeltrack. Zwar wirkt der Sound der Geschichtenerzähler ein wenig breiig, obgleich das der Stimmung keinen Abbruch verleiht. Abgerundet wird der akustische Anheizer durch den Ohrwurm 'Bad Motherfucker' und die TALETELLERS machen Platz für den zweiten Support-Act des heutigen Thrash-Abends.

Diese Position übernehmen die Lokalmatadoren von THE VERY END, die mit ihrem frischen Sound aus unterhaltsamem Thrash Metal und melodischem Death Metal nun Jeden aus der Reserve locken und das Turock bereits ordentlich füllen können. Speziell Sänger Björn Gooßes hat hieran einen enormen Anteil, kann er doch mit unterhaltsamen Ansagen und einer großartigen Leistung viele Besucher begeistern. Zwar müssen auch die Essener mit einigen Soundproblemen kämpfen, aber Stücke wie 'The Leper', 'Dead Is The New Alive' und 'A Hole In The Sun' vom aktuellen Schaffenswerk "Mercy & Misery" kommen bestens an. Die Halle ist proppevoll und lässt sich auch das etwas "ruhigere" 'Sewn Eye Sleep' nicht entgehen. Gooßes lässt derweil zum x-ten Mal verlauten, welche Ehre es sei, für SACRED fuckin` REICH eröffnen zu dürfen. Auch die Vorfreude aller Anwesenden steigt spürbar, als THE VERY END zur abschließenden Dampfwalze 'Blacklisted' ansetzen und das Feld nun endgültig für die glorreichen Thrasher aus Phoenix, Arizona räumen.

Das machen die Altgediegenen auch relativ zeitlich, doch vorerst nur zum Soundcheck. Aber selbst hier beginnen bereits die zahlreichen "SACRED REICH"-Sprechchöre, wo selbst der charismatische Frontmann Phil Rind sein Honigkuchenpferdgrinsen nicht verkneifen kann. Als jener schließlich die obligatorischen Worte "No Truth, No Justice, The American Way" ins Mirko brüllt und damit den Startschuss dieses schweißtreibenden und über alle Maße hervorragenden Gigs einläutet, kennt die Halle kein Halten mehr. Bereits nach wenigen Augenblicken entwickelt sich ein Circlepit nach dem anderen und etliche Stagediver entern die Bühne. Das Publikum, welches ich selten so habe ausrasten sehen, schreit sich beim markanten Refrain die Seele aus dem Leib und die komplette Band ist sichtlich beeindruckt und mit viel Spaß bei der Sache. Der Opener vom "The American Way"-Album 'Love…Hate', sowie der stampfende Headbanger 'One Nation' vollenden diesen mehr als geglückten Start, ehe SACRED REICH mit 'Independent' nun sämtliche Register ziehen und das Essener Turock in ein Tollhaus seinesgleichen verwandeln. Arnett und Rainey schütteln ein Monsterriff nach dem anderen aus dem Ärmel und Greg Hall schmettert dazu etliche Doublebass-Attacken ins Publikum, als sei es das Einfachste der Welt.

Über Allem thront jedoch nach wie vor Phil Rind, der mit 'Violent Solutions' und 'Administrative Decisions' diese Thrash-Zeitreise aufrechterhält. Dass hierbei das gesamte Turock aus dem Häuschen ist, ist angesichts dieser Musiklegende und ihrer unnachahmlichen Auswahl an Klassikern kein Wunder. Nach 'Free' folgt nun ein Quartett der Spitzenklasse. Eingeleitet durch 'State Of Emergency' sind es 'Crimes Against Humanity' mit obligatorischer Mitklatsch-Garantie, das zunächst ruhig beginnende, dann aber explodierende 'Who’s To Blame', sowie die Highspeed-Nummer 'I Don’t Know', welche zum Verneigen animieren. Dies tun auch einige Stagediver, ehe sie sich wieder in das Meer aus tobenden Fanatikern stürzen. Mit welchem Engagement die Ami-Thrasher überdies bei der Sache sind, ist auch aller Ehren wert.

Da nun beinahe jegliche Songs von "The American Way" ihren berechtigten Platz gefunden haben, steuern die Jungs nun auf die Zielgerade zu: Der Titeltrack der Debüt-Scheibe wird hier ebenso beherzigt wie das auf Live-Konzerten oft abgefeierte 'War Pigs' von BLACK SABBATH. 'Deathsquad', das auf keinem Konzert fehlen darf, rundet schließlich diesen famosen und nicht alle Tage erlebenden Gig von SACRED REICH ab. Wohin man schaut findet man ausschließlich erschöpfte, aber unglaublich zufriedene Gesichter. Angesichts dieser zum Finger leckenden Setlist ist dies auch kein Wunder. Ein Gassenhauer darf jedoch nicht außer Acht gelassen werden, sodass 'Surf Nicaragua' als krönender Abschluss in die Zugabe gesteckt wurde. Das Turock verbündelt noch einmal all seine Energie und mosht sich die Seele aus dem Leib. Nach rund 80 Minuten feinstem Thrash Metal streichen Rind/Arnett/Rainey/Hall schließlich die Segel und verabschieden das Essener Publikum unter tosendem Applaus und zahlreichen "Zugabe"-Rufen in einen wohlverdienten Feierabend.

So verlasse auch ich schließlich das Ruhrgebiet in Richtung Heimat mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Solch ein Thrash-Spektakel hab ich wahrlich nicht oft gesehen. Jeder der dort anwesend war, wird mir zustimmen, dass dieser Auftritt von SACRED REICH ein Besonderer war. So ist es sicherlich traurig, dass es 2011 bei diesem einzigen Deutschland-Besuch bleibt, doch angesichts solcher Energieleistungen ist die Vorfreude auf zukünftige Gigs in "Good Old Germany" immens. Thrash-Herz, was willst du mehr?

Setliste:

  1. The American Way
  2. Love…Hate
  3. One Nation
  4. Independent
  5. Violent Solutions
  6. Administrative Decisions
  7. Free
  8. State Of Emergency
  9. Crimes Against Humanity
  10. Who’s To Blame
  11. I Don’t Know
  12. Ignorance
  13. War Pigs (BLACK SABBATH-Cover)
  14. Death Squad
  15. Surf Nicaragua

Redakteur:
Marcel Rapp

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