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Savatage, Pertness - CH-Pratteln

21.06.2001 | 13:21

20.06.2001, Konzertfabrik Z7

SAVATAGE suchten einmal mehr das Z7 in Pratteln heim, und nicht Wenige dürften gespannt gewesen sein, wie sich der neue Shouter der Brigade macht. Dementsprechend fanden gut 800 Nasen den Weg in den Metaltempel. (Und das obwohl AC/DC am selben Abend ein Konzert im Zürcher Letzigrund gaben!) Es war die einzige Headliner-Show der Metalgötter auf der laufenden Tour, wodurch wir in den Genuss einer längeren Spielzeit kamen.

Doch beginnen wir beim Support-Act. PERTNESS aus dem schweizerischen Berner Oberland hatten die Ehre für den Mountain King zu eröffnen. Die Jungs machten ihre Sache gut, traten sehr selbstsicher auf und zeigten keinen Schimmer von Nervosität (ich bin dennoch überzeugt, dass sie nervös waren!). PERTNESS schienen mit ihrem melodiösen Metal zu gefallen und ernteten dankbar den Applaus. Der Sänger ist zwar nicht das Riesentalent, und viele der Songs kamen mir jeweils verdächtig bekannt vor (\"Hab´ ich das nicht schon irgendwo mal gehört??\"), doch alles in allem wars ein kompakter Gig, der den Stimmungspegel deutlich ansteigen liess.

Nun aber rückte der Augenblick der Wahrheit unaufhaltsam näher. Welche Figur wird der Nachfolger von Goldkehlchen Zak Stevens abgeben? Die Erwartungen waren gross, und die Neugier unermesslich.
Als die Lichter schliesslich ausgingen und SAVATAGE die Bühne stürmten, schien es die meisten wie ein Blitz getroffen zu haben! Grund hierfür war die schwarze Gestalt, welche, die Arme weit in Richtung Hallendecke gestreckt, engelgleich über die Bühnenbretter fegte. Es war Damond Jinyia, jener Mann, auf den alle gewartet hatten.
Gänzlich in schwarz gekleidet und mit einer dunklen Sonnenbrille auf der Nase sang Damond die ersten zwei Songs zusammen mit Jon Oliva. Dabei liess er seine pechschwarze Matte kreisen und gestikulierte wild in der Luft herum. Sein Auftreten war sehr theatralisch und voller Dramatik, und mit seiner Ausstrahlung zog der junge Shouter auf Anhieb jeden in seinen Bann.
Die anwesenden Metalheads mussten wohl erst alle wieder die Kinnlade hochklappen - doch dann ging die Post auch im Publikum ab. Es wurde gebangt, Luftgitarre gespielt und SAVATAGE wurden abgefeiert! Als die Truppe als dritten Song das wunderschöne \"A Handful Of Rain\" anstimmten, kam Mr. Jiniya zum ersten Mal ganz allein zum Zug, und legte seine düster-sanfte Stimme in den Song, ganz hingebungsvoll, und löste eine sagenhafte Gänsehautstimmung aus.
SAVATAGE spielten all ihre grossen Stücke wie \"Sirens\", \"Gutter Ballet\", \"Dead Winter Dead\" und natürlich eine Reihe von Stücken des neuesten Outputs \"Poets And Madmen\". Jack Frost, der zweite Neuzugang der Metalheroen, präsentierte sich auf der Bühne energiegeladen und legte eine Power an den Tag, als wäre es sein letzter Gig! Wie ein Irrwisch fegte er über die Bühnenbretter, fast so, als würde er irgendein geheimnisvolles Ritual abhalten. Ganz klar, Jack und Damond bringen einen ganz frischen Wind in diese Band, lassen sie in einem völlig neuen Licht erscheinen. Kurz: Die beiden wühlen SAVATAGE so richtig auf, zeigen dem Mountain King, wo Gott hockt!
Bei \"Edge Of Thorns\" überzeugte Jiniya einmal mehr mit seiner faszinierenden Stimme, einmal unschuldig, dann wieder evil. Dass er seinem Vorgänger Zak Stevens dennoch nicht das Wasser reichen kann liegt auf der Hand - jedenfalls rein gesangstechnisch gesehen. Im Gegenzug stopft Damond dieses Manko mit dem Charakter und dem Ausdruck, die er in seine Stimme legt und zugleich eine beinahe schauspielreife Inszenierung darbietet. Seine Bandkollegen Chris Caffery, Johnny Lee Middleton sowie Jeff Plate werden fast schon in den Schatten ihres Frischlings gestellt...
Mit welchem Song SAVATAGE den Set beendet haben, kann ich beim besten Willen nicht mehr sagen (hab´ auch die Setlist völlig vergessen...), ist in diesem Moment aber auch unwichtig. Ich weiss nur eins: An diesem Abend habe ich mich verliebt - in die Stimme eines gewissen Damond Jiniya. Und: Meine verrostete Liebe zu SAVATAGE ist wieder entflammt!

Redakteur:
Francoise Stähelin

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