Saxon / Rawhead Rexx - München

15.11.2001 | 03:24

14.11.2001, Metropolis

Der Tag fing wirklich schlecht für mich an. Zuerst schon Streß in der Arbeit, dann war ich pünktlich um 18.00 Uhr – wegen Interview mit Biff - vor dem Metropolis im Kunstpark Ost gestanden. Mitten während der Fahrt durch Münchens Straßen jedoch klingelte mein Handy und der Tourmanager erklärte mir, dass ich erst um 19.00 Uhr vor Ort und Stelle sein müsse. „Na toll“, dachte ich mir, „eine Stunde in der Kälte verbringen“. Ich parkte meine Karre, stieg aus und stiefelte in Richtung Nachtcafé, um dort die Wartezeit zu verbringen. Auf dem Weg dorthin löste sich der Tragegurt meiner Kamera und somit fiel diese dem Gesetz der Schwerkraft zum Opfer (Anm.: Hätte Isaac Newton diese bloß nicht entdeckt *grummel*). Jedenfalls machte mich das Klirren innerhalb meines Objektives ein wenig stutzig. Nun gut, ich trug meine Kamera wieder zum Auto zurück und begab mich erneut auf den Weg zum Nachtcafé.
Um kurz vor 19.00 Uhr rief ich dann Thomas, den Tourmanager von SAXON, an und meldete mich ordnungsgemäß zum Interview. Kurz darauf erklärte er mir, daß Biff gerade im Moment aus Wien angekommen sei. Biff ist gesundheitlich ein wenig angeschlagen und reiste deshalb erst später mit dem Zug nach. Ich sah mein Interview mit der NWOBHM-Ikone schwinden. Thomas bot mir an, mit Doug Scarret das Interview zu machen; ich willigte ein. Um 19.40 wurde ich zum Tourbus von SAXON gebracht (Dank an den netten Roadie, der mich durch die Halle, über die Bühne und durch den Backstage-Bereich geleitet hat!) und Doug empfing mich freundlich. Nun hatte ich aber wieder einmal das Problem (wie bei JUDAS PRIEST/SAVATAGE), dass ich die Vorband, RAWHEAD REXX, somit verpasste.
Das höchst interessante Interview mit dem Gitarrenvirtuosen entschädigte mich dafür allerdings voll und ganz.
Ich kam also gerade noch zu den letzten drei Songs der deutschen Powermetaller in die mittlerweile brechend volle Halle zurück. Da ich mit dem Songmaterial von RR nicht so vertraut bin, sind mir lediglich die Tracks „Rawhead Rexx“ und ein absolut göttlich gespieltes (und gesungenes) BLACK SABBATH-Cover „Heaven And Hell“ in Erinnerung geblieben.
Augen- und Ohrenzeugen zufolge jedoch, war der Support von RAWHEAD REXX exzellent vorgetragen. Jürgen Volk, Rudy Fleck, Face und Danny Löble zählen für mich nicht nur nach dem guten Auftritt auf dem BANG YOUR HEAD!!! 2000 zu den hoffnungsvollsten Bands in Deutschland. Die Stimmung und der Sound im Metropolis waren jedenfalls top.

Pünktlich um 21.00 Uhr ertönte das Intro von „Killing Ground“, mit nachfolgenden Opener des neuen Outputs von SAXON. Nachdem ich nun sozusagen nackt – also ohne Kamera – war, begab ich mich inmitten der Meute, um kräftig abzubangen (irgendwo muß der Frust ja raus, nicht?). Auffällig war der gut ausgesteuerte Sound; nicht zu laut, aber auch nicht zu leise. Es folgten eine Reihe Klassiker, welche mich schon ein wenig zum Schwitzen brachten; also Jacke aus und Weiterbangen. Während „Dogs Of War“ tippte mich mein Hintermann an und fragte mich, ob ich denn ein Redakteur von Powermetal.de sei (ich trug ja, wie es sich gehört, unser Shirt). Ich nickte nur und bangte weiter. Nach dem Song tippte mir jener wieder auf die Schulter und meinte kurz und trocken: „Ihr seid ein klasse Magazin“! Ich nickte kurz, denn SAXON liessen mir keine Verschnaufpause.
Nach gut einer Stunde kündigte Biff Byford „Conquestadores“ an und ich wußte, es würde das Drum Solo folgen. So war es dann auch und was uns Fritz Randow da kredenzte, verdient die Bezeichnung extraklasse. Knapp 10 Minuten lang tobte sich der Drummer hinter seiner Schießbude aus. Durchwegs, mit klitzekleinen Unterbrechungen, hämmerte Fritz auf seine Double Bass ein; mal rhythmisch, mal dermaßen schnell, dass man meinen könnte, ein Doc (VADER) spielt hier einen auf. Dazwischen jonglierte Randow mit drei Sticks, drosch unablässig auf die Becken ein; wirbelte seine Stöckchen in die Luft und grinste dabei, als wäre es eine Nichtigkeit, in solcher Perfektion auf die Trommeln zu klopfen.
Nach diesem Höhepunkt wurde es mir einfach zu heiß inmitten der Massen (man ist ja auch nicht mehr der Jüngste); so zog ich mich in den hinteren Bereich der Halle zurück. Dort stellte ich allerdings fest, dass die Stimmung mindestens genauso am Kochen war wie in der ersten Reihe. Auch hier wurde gebangt, gesungen, mitgeklatscht und gejubelt, was das Zeug hielt.
Kurzum, das Metropolis war ein einziges Schmiedefeuer, angeheizt durch einen glänzend aufgelegten Biff Byford. Dieser Mann ist ein Phänomen! Von der ersten bis zur letzten Sekunde hatte er die gut 500 Metaller im Metropolis voll im Griff; ließ sich feiern, heizte zum Mitsingen an (wobei es dazu nicht viel brauchte, denn selbst die Songs der „Killing Ground“ wurden Strophe für Strophe mitgesungen) und war stimmlich –trotz einer fiebrigen Erkältung– voll auf der Höhe. Ihm gleich taten es vor allem Axtschwinger Doug Scarret und Viersaiter Nibbs Carter. Spielfreude pur und Heavy Metal in höchster Vollendung, das sind SAXON.
Nach einem kurzen Bass-Intro ertönten die Klänge von „Solid Ball Of Rock“, welches auch das Ende des offiziellen Sets einleitete; doch wer die Briten kennt, weiß, dass sie nie unter 3 Zugaben die Halle verlassen.
Extra Numero 1 war dann „Crusader“. Nach wie vor DER Götter-Song von SAXON.
Extra Numero 2 hieß „Denim & Leather“ und der Mob durfte wieder verstärkt mitgrölen.
Tja... und dann gingen die NWOBHM Recken von der Bühne. Es begann das Warten – die Metalheads brüllten ohne Unterlaß „SAXON“, „SAXON“ – im rhythmischen Gleichklang klatschen die Fans – bis ein völlig verschwitzter Mr. Byford auf die Bühne kam und kurz erklärte: „This is a Song that we wrote on a festival!“
Extra Numero 3: „The Band Played On“ und Biff sang wie ein junger Gott!
Numero 4: „Wheels Of Steel“, natürlich durfte ‚the fantastic audience‘ im Mittelteil des Songs mitgrölen. Nun verabschiedeten sich SAXON in gewohnter Weise; alle 5 Arm in Arm. Biff brüllte noch ins Mikro: „See you next year. RAWHAED REXX and SAXON salute you!“
Doch der Mob wollte mehr und forderte lautstark „Princess Of The Night“... und SAXON kamen noch einmal auf die Bühne. Graham Oliver stimmte nun das geforderte Lied an und 500 Menschen hüpften im Gleichklang mit Biff auf der Stelle. Schlichtweg gigantisch, was sich mir hier bot.
Dann allerdings war Schluß. Ein Blick auf die Uhr zeigte mir, dass es mittlerweile 23.10 Uhr war. SAXON hatten also 130 Minuten lang gespielt, wo bitte bekommt man das schon von den großen, alten Bands geboten.
JUDAS PRIEST brachten es auf 110 Minuten... IRON MAIDEN gar nur auf 105 Minuten. Stellt sich also hier die Frage, wer nun die wahren Helden des Heavy Metal sind?
Antwort: SAXON und nur SAXON!
Bedenkt man, dass der Eintritt an der Abendkasse gerade mal 45.-DM betrug, kann man ruhigen Gewissens sagen, SAXON bieten einem viel Metal für wenig Geld!
Für mich persönlich waren SAXON das bisherige Tour-Highlight des Jahres.

Setlist SAXON
Intro
Killing Ground
747 Strangers In The Night
Dogs Of War
Back To The Wall
Court Of The Crimson King
Dallas 1 p.m.
Never Surrender
Dragons Lair
Broken Heros
Conquestadores
-Drum Solo-
Heavy Metal Thunder
Coming Home
Strong Arm Of The Law
The Eagle Has Landed
Rock Is Our Life
Solid Ball Of Rock
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Crusader
Denim & Leather
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And The Band Played On
Wheels Of Steel
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Princess Of The Night


Anekdoten rund um den Gig:

Biff Byford kreierte eine neue Schublade im Metal. Zur Ansage von „Court Of The Crimson King“ meinte er, das wäre ein Song im Stile der „New Wave Of British Progressive Rock“.
Außerdem will der Mainman alle Münchner zum Abschluß der Tour in Moskau sehen ;-)
Nach den Gig traf ich einen jungen Nu-Metaller mit KORN-Shirt. Ich hörte, wie dieser zu seinem Kumpel sagte, er werfe das Shirt weg und hole sich jetzt ein SAXON Tour-Shirt. Gesagt getan, er kaufte sich das Teil und zog es über das KORN-Dingens drüber. Vielleicht hat er es ja zu Hause weggeworfen oder der Mama als Putzlappen vermacht ;-)
Ein ziemlich besoffener Biker (der Club ist dem Verfasser bekannt) machte seinem Unmut darüber Luft, dass es ihm zu leise sei. Ich machte ihn darauf aufmerksam, dass er eigentlich keine Ohrenstöpsel brauche. Er nahm sie heraus und darunter konnte ich in seinem linken Ohr auch noch einen Wattepfropfen erkennen. Tja, doppelt gemoppelt hält besser, sagt sich der knallharte Biker ;-)

Redakteur:
Alex Kragl

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