side banner 78

Slipknot - Berlin

20.11.2008 | 09:36

15.11.2008, Arena

Ein Konzert wie ein Rausch: finnische Melodien, Maschinenkopf-Wahnsinn und ein Masken-Massaker. Fucking awesome!

Corey Taylor führt sich auf wie der Dompteur einer wild gewordenen Meute - mit Erfolg. Mitten in ihrem Hit 'Spit It Out' fordert der Frontmann von SLIPKNOT das Publikum auf, sich gefälligst hinzusetzen: "Get down, motherfuckers." Die gerade noch tobende Masse vor der Bühne gehorcht. Bedrohlich wabert der Sound. "Springt, wenn es wieder losgeht!" lautet die Botschaft für die tausenden Gäste der fast ausverkauften Berliner Arena-Halle. Und da ballern die Drums schon wieder. "Jump the fuck up", ruft Taylor. Und die Menge springt nach oben, eskaliert. Es ist einer der Höhepunkte eines Abends, der reich gefüllt ist mit Superlativen.

Leider gehören CHILDREN OF BODOM nicht dazu. Die Band, die sonst als Headliner große Hallen füllen kann, hat den undankbaren Job des Anheizers. Undankbar deswegen, weil ihr Auftritt mit knapp einer halben Stunde denkbar kurz ausfällt. Allerdings ziehen sich die Jungs um Alexi "Wildchild" Laiho sehr achtbar aus der Affäre. Mit Hits wie 'Downfall' oder 'Angels Don't Kill' werden die Besucher beschallt, die als Dank viel Beifall klatschen. Und schon da ist klar, welches das Wort dieses Abends wird: "motherfucker", in Abwandlung auch "motherfucking". Alexi macht den Anfang: "This is motherfucking heavy metal", schreit er. Nur bekommt das leider nicht jeder mit. Vor allem am Ende der riesigen Halle klingt der Sound wie der Start eines Flugzeugs. Näher an der Bühne dran ist er glücklicherweise besser, die Melodien von Songs wie 'Blooddrunk' sind in ihrer Brillanz erkennbar. "Are you a fucking hate crew?", fragt Alexi am Ende der coolen Show, die mit einem dynamischen 'Hate Crew Deathroll' beendet wird. Viel zu kurz. Und dennoch ist die Begeisterung im Publikum groß.

Bei MACHINE HEAD steigt die Stimmung weiter. Knapp eine Stunde dauert ihr Auftritt und enthält die wichtigsten Hits der Bandkarriere wie 'Davidian'. Gerade dieser Song ist einer der fettesten Momente des Abends. "Circle pit, come on", schreit Frontmann Rob Flynn. Kapuzenjacken fliegen durch die Luft, Crowdsurfer in die Arme der vielbeschäftigten Sicherheitsleute vor der Bühne. Magische Augenblicke. "This Song ist dedicated to Dimebag Darrell", kündigt Flynn das grandiose 'Aesthetics Of Hate' an, dessen Gitarrenmelodien für immens viel Gänsehaut sorgen. "Machine fucking Head, Machine fucking Head", skandiert die Meute. "Prost, Motherfucker!", ruft Flynn zurück. "Hebt eure Biergläser", fordert er die Menge auf, um kurz darauf den ekstatisch klingenden Übersong 'Halo' zu beginnen. An dessen ruhigem Ende brennen ein paar Fans Wunderkerzen ab. Mit 'Imperium' schließen MACHINE HEAD ihren fantastischen Auftritt ab. Ein riesiger Vorhang verhindert ab nun den Blick auf die Bühne.

Als der Stoff wieder beiseite gezogen wird, fängt das Inferno mit 'Surfacing' und einem krachenden Boller an. Neun Maskenträger machen ab jetzt einen Krach, der apokalyptisch klingt und die Fans vor der Bühne in Raserei versetzt. Die Sanitäter und die Security vor der Bühne leisten Schwerstarbeit. Denn SLIPKNOT krawallen einen Kracher nach dem anderen. Dazu wird die große Bühne durch Feuerfontänen und eine wilde Lichtshow beleuchtet. Joey Jordison schlägt den infernalischen Takt, Chris Fehn und Shawn Crahan stehen auf Hebebühnen an den Bühnenseiten vor ihren Percussions. Und Corey Taylor brilliert mit seiner Stimme, egal ob bei Brüllern wie 'Pulse Of Maggots' oder eher getragenen Nummern wie 'Dead Memories'. Wessen erstes SLIPKNOT-Konzert das ist, will der Sänger wissen. Knapp die Hälfte des Publikums meldet sich artig. Gerade als Neulinge erleben sie SLIPKNOT in Höchstform. Songs wie 'Get This' oder 'Prosthetics' geraten zu Triumphzügen. Der Zugabenteil setzt dem Konzert die goldene Krone auf. Vor allem 'People=Shit' lässt im Moshpit vor der Bühne noch einmal ungeahnte Energiereserven entstehen. Die Erkenntnis danach: Würden SLIPKNOT in dieser aggressiven Form als Anheizer einer Protestdemo gegen was auch immer eingesetzt, das betreffende Stadtviertel wäre platt wie eine ungeschützte Stulle in einem zu voll gepackten Rucksack. Fucking great Straßenkämpfermusik.


Setlist SLIPKNOT:

Intro
Surfacing
The Blister Exists
Get This
Before I Forget
Pulse Of The Maggots
Disasterpiece
Dead Memories
Psychosocial
The Heretic Anthem
Prosthetics
Spit It Out
Duality
Only One
People=Shit
(Sic)

Redakteur:
Henri Kramer

Login

Neu registrieren

Wir verwenden Cookies, um unsere Website besser gestalten und verbessern zu können. Diese nutzen wir unter anderem für die Reichweitenmessung und zu Marketing- und Optimierungszwecken. Durch die weitere Nutzung der Website stimmst Du der Verwendung von Cookies zu (weitere Informationen gibt es hier).