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Slipknot - Offenbach

28.11.2008 | 12:35

25.11.2008, Stadthalle

Das Kasperletheater aus Iowa hält Einzug in die Offenbacher Stadthalle, und die Hütte ist voll.

Der gummimaskierte Karnevalstrupp aus Iowa hat sich in Offenbach angekündigt, und viele sind gekommen. Mit 18 Uhr wurde der Einlass sehr früh angesetzt, was allerdings an der Tatsache liegt, dass viele Jugendliche erwartet werden. Zumindest wenn man sich die Seite der Stadthalle zu Gemüte geführt hat, auf der die Veranstalter die Besucher aufgefordert haben, ihren Ausweis mitzubringen, denn für Minderjährige ist heute kein Platz. Und auch sonst zicken die Ordnungskräfte in bester Hollywoodmanier rum, denn zu viel Körperschmuck wie Ohrringe, Piercings und Nieten an der Jeansjacke sind heute Abend ebenfalls unerwünscht.

Viel Platz hätten die Minderjährigen nicht gehabt, denn die Stadthalle ist ordentlich gefüllt. So voll, dass gegen kurz nach sieben immer noch Schlangen am Eingang zu verzeichnen sind.

Seit sieben sind CHILDREN OF BODOM auf den Brettern. Leider bekomme ich nur die Hälfte des Sets mit, aber auch die reicht völlig, um sich ein Bild von dem Auftritt zu machen. Alexi versucht, in seine Ansagen so viele "Fucks" wie möglich zu pressen. Genauso ist auch die Setlist gehalten, denn dabei kommen in erster Linie Hits wie 'Silent Night, Bodom Night' und 'Hate Crew Death Roll' zum Tragen. Ansonsten gibt's nichts Außergewöhnliches zu vermelden, bis auf die Tatsache, dass die Jungs lediglich mit dem Marshall-Rack auf der Bühne auskommen müssen. Die großen Speaker rechts und links von der Bühne sind ausschließlich für den Headliner reserviert. Um Punkt 19.30 Uhr ist Schluss. Für mich schon ein bisschen verwunderlich, denn ich hätte angesichts des Billings erwartet, dass dem Quartett zumindest eine Dreiviertelstunde Spielzeit gewährt wird.

Nach einer Umbaupause von knapp zwanzig Minuten schlendern MACHINE HEAD auf die Bühne. Mit dem Opener des aktuellen Rundlings "The Blackening", 'Clenching The Fists Of Dissent' knallen Robb und seine Jungs einen ordentlich vertrackten Hassbrocken in die Menge. Diese frisst ihnen sprichwörtlich aus der Hand und nutzt die Songpausen für "Machine fuckin' Head!"-Chöre. Die Pausen hat das Publikum auch nötig, denn mit 'Imperium' vom Vorgängerwerk "Through The Ashes Of Empires" folgt sogleich der nächste Nackenbrecher. Immerhin habe ich diesmal - wenn auch nicht so lang wie im Wiesbadener Schlachthof vor einem Jahr - die Ehre, die Truppe mit Sechssaiter Phil Demmel zu sehen. Damals sind ja Musiker aus dem Tourtross für den Gitarristen eingesprungen, der in die USA geflogen war, da sein Vater plötzlich verstorben war.

Was auffällt, ist die Tatsache, dass lediglich drei Alben in der Setlist berücksichtigt werden, wobei der Löwenanteil auf das aktuelle Werk entfällt. Des Weiteren spinnt Robb den "Fuck"-Faden von Alexi in seinen Ansagen weiter.

Alles in allem legen die Jungs einen ordentlichen Job aufs Parkett und verabschieden sich nach knapp fünfzig Minuten mit der Abrissbirne 'Davidian' von der Menge, die gut aufgewärmt nach dem Headliner lechzt.

Setlist:
Clenching The Fists Of Dissent
Imperium
Beautiful Morning
Aesthetics Of Hate
Old
Halo
Davidian

Um Punkt 21.20 Uhr ist es Zeit für das Kasperletheater. In diese Schublade werden Normalsterbliche SLIPKNOT stecken. Und um ehrlich zu sein: Irgendwie passt's schon. Wenn man sich anschaut, welches Brimborium und welchen Zirkus die Truppe veranstaltet, um vom Wesentlichen abzulenken, so kann man ihnen attestieren: mit Bravour bestanden.

Irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, dass dies die letzte Tour der Truppe darstellt, denn wie eine geschlossene Einheit wirken sie nicht auf mich. Jeder bangt und tänzelt in seiner eigenen Welt. Immerhin kann Corey mit Deutschkenntnissen aufwarten, aber auch er verwendet verdammt viele "Fucks" in seinen Ansagen. So viel Rebellion ist schon fast Mainstream. Das trifft auch auf die Musik zu, die schon fast poppig aus den Boxen wummert. Mit den Lichttraversen auf der Bühne wirkt das Ganze wie ein Edelbordell im Bangkoker Rotlichtviertel [da warst du schon? - d. Red.]. Das Einzige, was hier noch fehlt, sind die Mädels, die im Takt der Musik ihre Matte und Silikonbrüste schütteln.

Zumindest dieses Kaninchen lassen die Jungs (noch) im Zylinder. Bezeichnend finde ich des Weiteren die Tatsache, dass die aktuelle Single 'Dead Memories' von der "All Hope Is Gone"-Langrille frappierende Ähnlichkeit mit Coreys zweiter Spielwiese STONE SOUR aufweist.

Klar, professionell ist es schon, was hier abgezogen wird. Fast schon wie KISS für das neue Jahrtausend. Aber dass SLIPKNOT noch mit Ende fünfzig maskiert auf die Bühnenbretter steigen werden, wage ich zu bezweifeln. Ich gebe den Jungs höchstens noch eine Abschiedstour, aber dann ist Schicht im Schacht. Allein, um sich die Glaubwürdigkeit zu erhalten.

Um 22.45 Uhr gehen die Hallenlichter an. Dass die Truppe, wie von Corey angekündigt, ihre Fans keine weiteren dreieinhalb Jahre bis zur Tour warten lassen will, steht auf einem anderen Blatt. Zumindest kann man ihnen Kurzweil attestieren, was in der heutigen Zeit keine Selbstverständlichkeit mehr darstellt.

Setlist:
Intro
Surfacing
The Blister Exists
Get This
Before I Forget
Pulse Of The Maggots
Disasterpiece
Dead Memories
Psychosocial
The Heretic Anthem
Prosthetics
Spit It Out
Duality
Only One
People=Shit
(Sic)

Redakteur:
Tolga Karabagli

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