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Smash Fest 07 - Hückelhoven-Hilfrath

15.01.2008 | 12:40

31.10.2007, Haus Sodekamp-Dohmen

Ein Metalfestival der besseren Sorte im Haus Sodekamp-Dohmen, wo normalerweise Schlager-Fritzen ihre Songs zum Besten geben. Genauer gesagt befinden wir uns in Hückelhoven-Hilfarth, was man grob als Vorort von Köln bezeichnen kann. Und Veranstalter REDRUM INC. fährt so einiges auf, u. a. die Durchstarter VOLBEAT aus Dänemark als Headliner. Skål!

Nachdem wir ein paar Hindernisse bei der Anfahrt überstanden haben, betreten wir die noch spärlich gefühlte Halle und bekommen erst mal einen Labelsampler von Century Media for free in die Pfoten gedrückt. Beginnt doch schon mal gut. Die Räumlichkeiten sind noch sehr spärlich besetzt, und so hat der Opener des Abends, RUNNING MAN, die undankbare Aufgabe, das Parkett anzuheizen. Eine Hand voll Zuschauer betrachtet den mehr als soliden Auftritt der noch jungen Burschen um den quirligen Frontmann Jens. Geboten wird uns eine Mischung aus Hardcore und Punk der Marke RAISED FIST, nicht besonders spannend, aber so lässt sich durchaus die erste Metalschorle vertragen.
[Daniel Schmidt]

Darauf folgen GODS WILL BE DONE aus Paderborn, welche im Dienst ihres vor kurzem veröffentlichten Fünf-Track-Demos unterwegs sind. Das Quintett kann mit dem tight runtergespielten Thrash der alten Schule aus Bay-Area-Zeiten die schon gut gefüllte Halle zum Kochen bringen. Frontsau Gulle schüttelt seine nicht enden wollenden Dreads präzise wie ein Uhrwerk. Oft erinnert der Sound an KREATOR, EXODUS oder THE HAUNTED, aber auch an alte MACHINE HEAD und PANTERA. Teilweise kocht die Stimmung aber über: Diverse Capoeira-Vollpfosten haben sich im Verlauf des Abends leider nicht unter Kontrolle, so dass sich einer meiner Mitreisenden dank eines eben solchen sein Schlüsselbein bricht. Hervorgehoben sei hierbei ein Zwei-Meter-Riese, Statur wie Ottfried Fischer und Reiner Callmund zusammen, der um sich schlägt, als gäbe es kein Morgen, und ohne Rücksicht auf Verluste agiert. Die Smash-Fest-Crew reagiert aber professionell, versorgt meinen Kumpel ordentlich und entfernt den Widerling zu später Stunde. Leider zu spät.
[Daniel Schmidt]

Die nach einer recht kurzen Umbauphase auf die Bühne stürmenden CYRCUS sind in der niederrheinischen Gegend kein unbeschriebenes Blatt und für ihre kraftvollen und schweißtreibenden Liveshows bekannt. Mit der zuletzt veröffentlichten EP "Another Phrase" konnte man zudem nicht nur bei POWERMETAL.de eine gute Kritik einfahren. Und man soll nicht enttäuscht werden. Ein erstklassiges, eigenständiges Allerlei aus PAPA ROACH, 36 CRAZYFISTS, ALIEN ANT FARM, DEFTONES, DISTURBED, P.O.D. und MUDVAYNE gab's hier "in the face". Sehr kernig, sehr authentisch, sehr geil. Auch die überaus sympathischen Ansagen von Fronter Chubby können unterhalten. Die Crowd rastet auch hier, diverse Pog- und Springorgien werden vollzogen. Die Truppe ist wohl einer der Gewinner des Abends.
[Daniel Schmidt]

THE SETUP haben im direkten Anschluss leichtes Spiel. Die Underground-Heroen aus Antwerpen feuern mit sichtlicher Begeisterung ihre Hardcore-Granaten in die Menge und erhalten in den ersten Reihen sofort großen Zuspruch. Dabei kommt den Jungs sicherlich auch der Umstand zugute, dass das Publikum zu einem recht hohen Prozentsatz auf die stampfenden Moshpit-Garanten der Band eingestellt ist - auch wenn die beiden bisherigen Alben hierzulande wohl eher nur in Insider-Kreisen bekannt sein dürften. Doch nach einer souveränen halben Stunde purer Energie dürfte sich dies bereits geändert haben. Band und Publikum verlassen zufrieden den kürzlich aufgekeimten Pit und schließen alsbald Freundschaft. Vielleicht die Gewinner des heutigen Tages!
[Björn Backes]

Die Hometown-Gigs von Chefveranstalter Michael 'Mighty' Dohmen und seiner personell leicht veränderten Truppe von REDRUM INC. sind gerade für die ortsansässigen Liebhaber der härteren Klänge das jährliche Highlight des Smash Fests. Und wie gehabt findet sich die Band als Einheizer für die beiden Headliner prima ein und mobilisiert selbst diejenigen, die bislang eher der leckeren Kaltsaftschale zusprachen. Dabei ist der heutige Gig auch eine Art Bewährungsprobe für das nunmehr dritte Demo "DEMOlition 2007", welches hier zu einem nicht gerade knappen Anteil livehaftig vorgestellt wird - und das mit bravourösen Reaktionen. Das thrashigere neue Material inspiriert nicht nur die Headbanger-Fraktion unter den Zuschauern zu Bewegung, auch die Hardcore-Gemeinde fühlt sich von Dohmen höchstpersönlich zu allerhand Action vor der Bühne ermutigt und tobt sich gewaltfrei aus. Man sollte meinen, die Aufforderung, Kampfsportaktionen in der Turnhalle zu belassen, habe ihre Wirkung gezeigt ...

Nach der fulminanten Semi-Ballade 'Haze' und dem standesgemäßen Cover-Abschluss - dieses Mal 'Enter Sandman' - darf die Band sich über zahlreiche gereckte Fäuste freuen - zu Recht, denn die Performance ist einmal mehr überragend. Möglicherweise wird die Band in Kürze im Vorprogramm von TORTURE KILLER (mit Chris Barnes!) durch Europa tingeln. Augen auf, Leute!
[Björn Backes]

BORN FROM PAIN folgen der Einladung nach Hilfarth bereits zum zweiten Mal, was für die Veranstalter auch insofern erfreulich ist, als dass die Band immerzu für ein gutes Following aus dem nahe liegenden Grenzgebiet gut ist. Und tatsächlich sind die Musiker nicht die einzigen Vertreter der Heineken-Heimat, wie der Frikandel-Slang vor der Bühne zeigt. In Sachen Völkerverständigung ist jedoch keine weitere Unterstützung notwendig; bei BORN FROM PAIN sprechen heute die Gitarren, und die stampfen samt der Songs des Killerwerks "War" derart unerbittlich brutal, dass man unwiderruflich dazu gezwungen wird, alle Körperteile in Bewegung zu bringen. Junge, Junge, was haben diese Mannen einen brachialen Groove. Song für Song steigert sich schließlich die Euphorie, die auch den neuen Frontmann Kevin Otto mitzieht, der hier seine Live-Premiere als Fronter bei den Holländern gibt und allen Befürchtungen zum Trotz sehr warmherzig empfangen wird. Zahlreiche gebrochene Nacken später ist schließlich eines Gewiss: Dies ist DIE Show des Abends - tight und unantastbar und in ihrer Souveränität reif für die ganz großen Festivalbühnen. Mein Nebenmann formuliert es insofern auch treffend: "Mensch, würden die aus New York kommen, wären die richtig groß." Eine Aussage, die ich nach diesem fulminanten Gig nur noch unterstreichen kann!
[Björn Backes]

Mit einer halben Stunde Verspätung gegenüber der auf der Setlist ausgeschriebenen Anfangszeit entern die Headliner des Abends, VOLBEAT, geschwind die schon gut vorgeheizte Bühne. Jetzt wird es verdammt eng in den vorderen Reihen. Verwöhnt von hervorragenden Auftritten auf diversen Festivals und Konzerten habe ich dementsprechend hohe Erwartungen an die Jungs, welche leider nur mit Abstrichen erfüllt werden. Die Johnny-Cash-verliebte Combo muss vor allem in den vorderen Reihen mit einem recht matschigen Soundwirrwarr kämpfen. Eine Box knarzt unüberhörbar. Schade.

Das Publikum presst die allerletzten Reserven aus jeder Pore des Körpers, kann aufgrund der zuvor rockenden Bands aber nicht mehr aus sich herausholen. Die Masse ist an so einem langen Abend schon sehr ermüdet und kann die ständigen Antriebsversuche von Michael Poulsen, der stimmlich an eine Mischung aus Elvis und James Hetfield erinnert, nur bedingt erfüllen. Die Musikfreunde geben in der Nacht vor Allerheiligen alles. Highlight des Auftritts: Man holt einen kleinen Chor auf die Bühne, der den Frontmann stimmlich unterstützen soll. Dem Trupp ist die Freude ins Gesicht gemeißelt. Auch vollzieht man das schon zur Angewohnheit gewordene Jack-Daniel's-Ritual. Nichtsdestotrotz: Es scheint ein sehr routinierter Gig für die dänischen Stars zu sein. Auch zu kritisieren ist die Aufstellung der Setlist. So hätte man einige schnellere Songs wie den Kracher 'A Moment Forever' zu Anfang spielen und ruhigere Songs à la 'The Garden's Tale' zum Ausklang geben sollen. Darüber hinaus verabschiedet man sich schon nach einer guten Stunde, auf den Plänen war eine halbe Stunde mehr angegeben - Nachtruhe lässt grüßen. Aber: Das klingt alles so negativ, ist es aber nicht. VOLBEAT spielen routiniert, eingespielt und gut, aber nicht so hervorragend wie ich es von anderen Konzerten der Nordlichter kenne. Nach mehreren Monaten ohne Pause ist halt auch mal die Luft raus.
[Daniel Schmidt]

Rückblickend hat das diesjährige Smash Fest mal wieder zahlreiche Wahrheiten zutage gebracht, deren wichtigste Offenbarung wohl die ist, dass die Szene am Niederrhein zu den lebendigsten und tolerantesten der Republik gehört. Wenn Bands wie VOLBEAT von derselben Fanschar abgefeiert werden wie die Brutalo-Bolzen von BORN FROM PAIN und darüber selbst eher emotionaler musizierende Truppen wie CYRCUS als Gewinner gefeiert werden, dann läuft hier verdammt noch mal einiges richtig gut! Allerdings wäre dies alles nicht möglich, würde die passende Location sowie eine entsprechende Organisation nicht hinter dem Ganzen stehen. Hier haben Dohmen und seine Crew jedoch erneut einen superben Job abgeliefert. Das Smash Fest ist auch 2007 ein Festival von Fans für Fans gewesen und nicht zuletzt wegen der überaus fairen Preise die regional wohl beste Alternative für alle kopfschüttelnden Heavy-Maniacs. Dies bedeutet aber zugleich, dass die Crew im nächsten Jahr harte Arbeit vor sich hat. Diesen sympathischen Event bzw. das abwechslungsreiche Line-up noch einmal zu übertreffen, ist nämlich nach den begeisterten Eindrücken 2007 eine knallharte Herausforderung. Wir sehen uns also 2008 wieder, um uns zu überzeugen, dass 'Mighty' es einmal mehr geschafft hat.
[Björn Backes]

Redakteur:
Daniel Schmidt

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