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Sonisphere Festival - Hockenheim

03.08.2009 | 11:01

04.07.2009, Hockenheimring

Das Sonishphere Festival in Hockenheim geht dieses Jahr in die erste Runde. Wer die beste Performance an den Tag legte, erfahrt ihr hier!

Nachdem bereits AC/DC im Mai 95.000 Besucher nach Hockenheim gelockt haben, scheint sich der Festivalstandort Hockenheimring nach vielen Jahren des metallischen Entbehrens wieder zu etablieren. Obwohl das Billing mit METALLICA, den TOTEN HOSEN, THE PRODIGY, IN EXTREMO, DOWN, LAMB OF GOD, MASTODON, ANTHRAX und FIVE AND THE RED ONE mehr als amtlich ausfällt, bleibt der Zuschauerschnitt mit 40.000 etwas unter den Erwartungen des Veranstalters. Am Kartenpreis kann es meiner Meinung nach nicht gelegen haben, da dieser für das gebotene Package mit um die achtzig Euro absolut angemessen ist. Berücksichtigt man, dass das Sonisphere Festival erstmalig stattfindet, ist der Zuspruch doch beachtlich.

Der zäh verlaufende Vorverkauf war sicherlich mit ein Grund dafür, dass die Bühne nicht wie bei den Australiern im großen Rund mit Tribünen, sondern neben der Boxengasse ohne Tribünen steht. Dies führt vereinzelt natürlich zu Unmut unter den Sitzplatzkarteninhabern, denen aber adäquat geholfen wurde, indem man die Karteninhaber in den klimatisierten Pressebereich neben der Bühne lässt, den sie dank eines schwarzen Bändchens auch jederzeit wieder verlassen dürfen, um sich frei bewegen zu können.

Draußen erwarten den geneigten Besucher so allerlei Fressbuden, die eigentlich alle Wünsche abdecken. Der Funpark mit Autoscooter, Guitar-Hero-Stand, Riesenkrake sowie kleiner Händlermeile sorgt ebenfalls für etwas Abwechslung. Sogar die Preise am Merchandisingstand (25 Euro je Shirt) lassen den einen oder anderen Kauf zu, ohne dass man gleich seinen Kundenberater bei der Bank anrufen muss, um den Dispo zu erhöhen. Sonisphere Festival Hockenheim

Über den Sinn und Unsinn von Wellenbrechern zu diskutieren, finde ich mühselig. Sie dienen ausschließlich dem Schutze der Zuschauer und wurden nicht geschaffen um die Selbigen zu ärgern. Die Besucher, die es rechtzeitig geschafft haben reinzukommen sind Happy, alle Draussengebliebenen“ sind angefressen. Wobei anfänglich die Situation an den Zugängen schon etwas chaotisch ist, da man es versäumt hat, die Besucher im Pit mit Bändern zu kennzeichnen, damit diese den abgesperrten Innenraum auch einmal verlassen können. Man musste mehr oder weniger den ganzen Tag im Front Of Stage-Bereich verweilen, wenn man Abends den Hauptact aus nächster Nähe erleben will. Bei gefühlten 35 Grad im Schatten ist dies sicherlich kein leichtes Unterfangen. Doch wie bei anderen Veranstaltungen, muss sich auch dies wohl erst noch einspielen und sicherlich gibt es hierzu im nächsten Jahr die Möglichkeit, da bereits erste Gerüchte über ein weiteres Sonisphere-Festival auftauchen, wobei sogar von einem zweitägigen Event die Rede ist.

FIVE AND THE RED ONEDen Vorturner dürfen FIVE AND THE RED ONE machen, die den meisten Anwesenden sicherlich kein Begriff sind, so geht es auch dem Verfasser dieser Zeilen. Glaubt man dem Moderator von RPR1, der die Jungs ankündigt, teilte man bereits die Bühne mit Größen wie NICKELBACK. Nun ja, nächste Woche wird man erzählen, dass man schon mit METALLICA gespielt hat ... Egal, die sechs Jungs aus einem Vorort von Ulm schrammeln sich recht ordentlich durch ihr Programm, wobei das Material völlig an mir vorbeirauscht.

Setlist:
Walzcore
At Home
Close My Eyes
Too Hot To Handle
Road To Nowhere
Crash The Sky

 

 

ANTHRAXGanz anders sieht es da schon bei den New Yorkern aus! Auf eigenen Wunsch zogen es ANTHRAX dieses Jahr vor, zumeist den Vorturner auf den Festivals zu machen und dafür die Menge ordentlich anzuheizen, was Scott Ian und Co. am heutigen Tag auch glänzend gelingt. Am meisten gespannt bin ich auf Dan Nelson, der mittlerweile seine Stimmbänder für die Obermosher strapaziert. Gleich beim Opener 'Caught In A Mosh' zeigt der Neuling, dass er ein würdiger Ersatz für John Bush und Joey Belladonna ist. Der Junge verfügt über ausreichend Ausstrahlung und Selbstbewusstsein, und man hat den Eindruck, dass er der Band schon seit Jahr und Tag angehört. Ein großer Pluspunkt ist, dass er erst gar nicht versucht, wie seine namhaften Vorgänger zu klingen, sondern Stücken wie 'Antisocial' und 'I'm The Law' seine eigenen Stempel aufdrückt. Alles in allem ein erfrischender, wenn auch recht kurzer Auftritt, was die Lust auf mehr steigert.

Setlist:
Caught In A Mosh
Antisocial
Only
Fight Em
I’m The Law

LAMB OF GODWarum MASTODON mit LAMB OF GOD kurzfristig ihren Slot getauscht haben, bleibt mir verborgen, vielleicht weil sie nach dem Auftritt von ANTHRAX die Hosen voll hatten. Doch Spaß bei Seite. LAMB OF GOD haben sich mittlerweile einen Platz in der Top Ten der sogenannten New Wave Of American Heavy Metal erarbeitet, was sicherlich auch auf die starke Livepräsenz  zurückzuführen ist. Hierzulande hat man auf zahlreichen Festivals - wie etwa Rock am Ring - seine Visitenkarte hinterlassen und wusste dank einer äußerst aktiven Performance zu gefallen, obwohl das dargebotene Material technisch sehr anspruchsvoll ist und wenig Platz für ausgiebige Posen und Rumgehopse lässt.

Immer wieder steht Sänger Randy Blythe - wie so oft - im Vordergrund und beackert die Bühne Meter um Meter, um das schon recht ausgelassen feiernde Publikum noch mehr zum Mitmachen zu animieren. Was bei der heutigen Songauswahl nicht gerade schwerfällt. Neben dem Opener 'In Your Words' haben es mit 'Set To Fail' und 'Dead Seeds' gleich drei Stücke vom 2009er Output "Wrath" ins Programm geschafft, wobei die meiste Stimmung bei 'Laid To Rest' und 'Red Neck' aufkommt.

Setlist:
In Your Words
Set To Fail
Something To Die For
Walk With Me In Hell
Dead Seeds
Laid To Rest
Red Neck
Black Label

MASTODONJetzt bleibt erst einmal ein bisschen Luft zum durchatmen. Bei gefühlten 35 Grad im Schatten tut das auch dringend Not. Wie der Name schon andeutet, servieren die Schwergewichtler MASTODON keineswegs leichte Kost. Scheinbar tonnenschwere Klangbrocken stürzen auf die Massen herab und walzen alles nieder. Das, was das Steinzeitungetüm in Gestalt der beiden Hauptakteure Troy Sanders und Brent Hinds klanglich darbietet, ist so gewaltig, dass selbst das Publikum damit etwas überfordert ist. Stücke wie 'Wolf Is Loose', 'Crack The Skye' oder das abschließende 'March Of The Fire Ants' machen keine Gefangenen an diesem Mittag unter den sonnengeplagten Fans. MASTODON werden wohl nie massenkompatibel sein, und so sinkt der Stimmungspegel merklich.

Setlist:
Oblivion
Wolf Is Loose
Crystal Skull
Blood & Thunder
Crack The Skye
Iron Tusk                                                                                                                                                                                                                   
March Of The Fire Ants

DOWNAuftritte von Phil Anselmo und Co. sind hierzulande nicht gerade häufig zu bewundern. Der einstige PANTERA-Sänger macht auch gleich von Beginn an deutlich, wer bei DOWN der Chef im Ring ist. Optisch sieht Anselmo wesentlich erholter aus als noch vor ein paar Monaten, als er für die DVD der Kollegen des Rock-Hard-Magazins ein Interview gegeben hat. Scheinbar hat der Frontmann den Absprung von Drogen und Alkohol gepackt oder besser gesagt: den Konsum halbwegs im Griff.

Gewohnt gestenreich wandelt der Sänger zwischen launischer Diva und Kumpeltyp. Als dann auch noch das Mikro ab und an aussetzt, fliegt es mit voller Wucht unter den Drumriser. Wobei solche Eskapaden scheinbar an der Tagesordnung zu sein scheinen, da sich gleich eine junge Dame aufmacht, um das geschundene Teil unter dem Schlagzeug wegzuholen.

Musikalisch gibt es an dem Set nichts auszusetzen, wobei ich persönlich noch gerne eine
PANTERA-Perle vom Kaliber 'Walk' oder 'Cemetary Gates' gehört hätte. Aber auch das DOWN-Material findet in Nummern wie dem Opener 'Hail The Leaf' oder 'Ghost Along The Mississippi' dankbare Abnehmer unter den Fans, und so gerät der kurzweilige Auftritt zu einem Triumphzug. Zum Abschluss setzt es bei 'Bury Me In Smoke' noch eine nette Einlage mit den zur Verstärkung angetretenen ANTHRAX-Jungs. Doch auch diese Aktion kann das Gemüt von Phil nicht besänftigen, so dass er nach verrichteter Arbeit mehr oder wenig angefressen von der Bühne latscht, da das Publikum seinem Empfinden nach, dieses Special nicht genügend würdigt. Vielleicht ist es gerade das, was den Star Phil Anselmo ausmacht.
[Frank Hameister]

Setlist:
Hail The Leaf
The Path
Lysergik Funeral Procession
Ghosts Along The Mississippi
Eyes Of The South
Stone The Crow
Bury Me In Smoke

IN EXTREMOUm kurz vor vier nachmittags ist es dann endlich so weit, dass IN EXTREMO die Bühne betreten. Angekündigt als die Mittelalterrocker, für die Madonna sogar ihren Chartplatz räumen musste, spielen sie ihre Show unter dem Banner der Scheibe "Sängerkrieg". Und so startet Das Letzte Einhorn auch mit zwei Nummern dieses Longplayers, die dank ihres textlich eingängigen Bekanntheitsgrades gleich gerne mitgesungen werden. "Heute back ich, morgen brauch ich" klingt es, und den 'Sieben Köchen' folgt sogleich mit 'Frei zu sein' ein weiteres Stück, das mit historischen Versen aus älterer Zeit spielt.

IN EXTREMO sind in guter Verfassung und bemühen sich, die Menge vor der Bühne in Stimmung zu bringen. So ganz gelingt das während des zeitlich überschaubaren Auftritts aber nicht, denn auch hier ist der Hitze Tribut
zu zollen, und um mich herum stehen dazu eine ganze Reihe von Leuten, die offensichtlich lieber mit ihren Kumpels quatschen, als sich über die Mittelaltermucke zu freuen.

Das Letzte Einhorn lässt sich aber die Laune nicht verderben, wenn er auch etwas sarkastisch die großen METALLICA auf die Schippe nimmt, denen IN EXTREMO nach seiner Aussage heute Abend ihr Pyromaterial geliehen haben, so dass man zur Nachmittagsstunde nun einmal ohne die typischen Showelemente der Dudelsackspielertruppe auskommen müsse.

Für meinen Geschmack wird der Auftritt zu stark von Stücken der aktuellen Scheibe dominiert. Lediglich mit 'Ave Maira' und 'Rasend Herz' wird älteres Material geboten, und als das wunderbare 'Vollmond' erklingt und die Fans endlich zum Stimmungshoch aufgelaufen sind, ist der Gig auch schon wieder zu Ende. Den "Zugabe!"-Rufen, die daraufhin erklingen, darf die Truppe leider nicht nachgeben. So bleibt der Auftritt als einer im Mittelmaß in Erinnerung.
[Erika Becker]

Setlist:
Sieben Köche
Frei zu sein
Sängerkrieg
Flaschenpost
Ave Maria
In diesem Licht
Rasend Herz
Vollmond

THE PRODIGYWas soll man als gestandener Metaller zu THE PRODIGY groß schreiben? Stilistisch scheinen die Briten so gar nicht in das heutige Billing zu passen. Dennoch verleitet das kunterbunte Treiben auf der Bühne so manchen Metalhead dazu, mitzumachen bzw. zumindest rhythmisch mit dem Fuß zu wippen. Da ich bereits das närrische Rumgehampel der beiden Protagonisten Keith Flint und Keith Palmer alias "Maxim Reality" bei Rock im Park im vergangenen Monat livehaftig erleben durfte, war ich einer der wenigen am heutigen Tag, der wusste, welchen Spaß die unter Metallern verpönte Technotruppe machen kann. Ich sage nur: ganz großer Zirkus!

Das Songmaterial haben die meisten sicherlich auch schon das eine oder andere Mal gehört. Zumindest Stücken wie 'Firestarter', 'Breathe' oder 'Smack My Bitch Up' konnte man Ende der neunziger Jahre nicht aus dem Weg gehen, da sie seinerzeit überall gespielt wurden.

Wer meint, dass Phil Anselmo durchgeknallt ist, wird eines Besseren belehrt. Von der Rückseite des Laptops von Liam Howlett leuchtet in pinkfarbenen Lettern das Motto dieses Auftritts entgegen: "Take Me To The Hospital". Mich müsste man nach dieser Energieleistung auch ins Krankenhaus einliefern. Die Bühne mutiert zur Laufbahn, und gerade der agile Keith Flint (der Blonde) sprintet von einer Ecke zur anderen und animiert das mehr oder weniger gewillte Publikum zum Mitmachen. Ein erfrischender Auftritt!
[Frank Hameister]

Dann ist endlich Zeit für eine Exkursion in die Sphären des Punk. Oder zumindest in das, was bei Campino und seiner Band DIE TOTEN HOSEN davon noch übrig ist. Punk mit ursprünglicher Undergroundattitüde machen die HOSEN wohl schon lange nicht mehr, aber dennoch: Hier kann man sicher sein, dass die Vollgastruppe den Hockenheimring zum Kochen bringt.

Das Düsseldorfer Programm beginnt mit der Liverpooler Hymne 'You'll Never Walk Alone'. DIE TOTEN HOSEN nutzen die ihnen eingeräumte Spielzeit von 75 Minuten perfekt und brennen eine Partyrakete nach der anderen ab. Gleich beim dritten Lied wird kräftig mit den Augen gezwinkert: "Wir waren die Jungs von der Opel-Gang!" Ja, ja, da wirkt wohl noch der vergebliche Versuch des trudelnden Autobauers nach, mithilfe der erwachsen gewordenen HOSEN die Absatzzahlen nach oben zu pushen.

Wenn es schon schwerfällt, über die Eintrittskonditionen ins Paradies zu singen, wie schwer muss es erst sein, dorthin zu gelangen? Nach den ersten Textzeilen zur zweiten Strophe bricht Campino ganz unvermittelt seine Bemühungen ab, um sich geschwind der Nachhilfe aus dem Publikum zu bedienen. Zusammen mit einem hoffnungsvollen Nachwuchssänger schaffen es DIE TOTEN HOSEN dann auch, sich dem Paradies zu verweigern, wenn der Weg dorthin so schwierig ist. Mit einer Bierdose als Entlohnung und einem unvergesslichen Erlebnis, darf der sich junge Mann wieder unters Publikum mischen.

Egal ob 'Wünsch dir was', 'Auswärtsspiel', 'Hier kommt Alex', 'Zehn kleine Jägermeister' oder die unvermeidliche Aufforderung, niemals zu den Bayern zu gehen: Es ist Dauerpartystimmung angesagt, die dann viel zu zeitig ihr Ende finden muss.

METALLICANach einer einmal mehr zu überstehenden Umbaupause im Anschluss an die Düsseldorfer Band stehen endlich METALLICA auf dem Programm. James Hetfield mag es 2009 ja gerne pathetisch und schlägt gleich zu Beginn des Gigs den Bogen zur großen METALLICA-Familie, zu der wir uns zugehörig fühlen sollen. Solch wärmender Wort hätte es bei mir gar nicht bedurft, denn auch ohne die Beschwörung von Papa Het mischen sich in meiner Zuneigung zu METALLICA alle Zutaten einer langjährigen Beziehung. Und dann kann es eben vorkommen, dass man nach einem begeisterten Beginn Mitte der achtziger Jahre irgendwann bitterlich enttäuscht wird und den Scheidungsantrag eigentlich schon dem Anwalt seines Vertrauens übergeben wollte. Gut, dass ich das unterlassen habe und mich stattdessen wieder von der METALLICA-Energie des Jahres 2009 habe einfangen lassen.

Nachdem Tuco in der Leinwandsequenz aus "Zwei glorreiche Halunken" erneut auf der Suche nach dem Schatz von Grab zu Grab irrt, wird die Schatzsuche jäh von einem wohl bekannten Intro unterbrochen. METALLICA werden doch nicht? Doch sie werden! Auch der wenige Sekunden andauernde Ausfall des Gitarrensounds hält diese Eröffnungsabrissbirne nicht auf: "Fight fire with fire, the ending is near, fight fire with fire, bursting with fear, we all shall die!"

Naj a, so schlimm kommt es dann zwar nicht, aber in Sekundenschnelle reiße ich mir mein Piratentuch vom Kopf, das mich vor der sengenden Tageshitze schützen soll und versuche, die zusammengeklebten Haare in Schwung zu bringen. Auf jeden Fall bin ich vom ersten Moment an auf Betriebstemperatur. Ist der Ausbruch solch nostalgischer Gefühle noch steigerungsfähig? Oh ja! Kaum ist das Gegenfeuer erloschen, sitze ich auch schon auf dem elektrischen Stuhl!

METALLICA"Burning in my brain, I can feel the flame!" Da ich zu "Ride The Lightning"-Zeiten noch kein METALLICA-Konzertgänger war, kann ich mich nicht daran erinnern, ob ich den Titelsong des zweiten Albums jemals live gesehen habe. Umso höher rechne ich den Mannen an, dass sie 2009 keine Scheu haben, den zahlreich anwesenden Sandmann-Ohren diesen Klassiker um dieselben zu hauen. Es wäre dann natürlich zu schön gewesen, direkt in 'For Whom The Bell Tolls' überzuleiten. Ich glaube, dann wäre es aber für einige neu hinzugestoßene METALLICA-Hörer zu irritierend geworden. Stattdessen werden kurz die sündigen Zeiten aus den neunziger Jahren gestreift, indem das noch mit viel Wohlwollen als Metalsong durchgehende 'Fuel' zum Besten gegeben wird. Auch durch die Nostalgiebrille betrachtet muss ich ja zugeben, dass sogar ein solches Werk an diesem Abend seine Anhänger findet.

Für mich kommt erst wieder der ganz große Gänsehautfaktor zum Tragen, als die Mutter aller METALLICA-Balladen angestimmt wird: 'Fade To Black' rundet auf eine ergreifende Art und Weise den "Ride The Lightning"-Eröffnungsreigen ab. Danach wird verständlicherweise der Fokus auch auf das aktuelle Album "Death Magnetic" gelegt. Grundsätzlich gefallen mir zwar viele dieser Lieder, aber ob sie das Zeug zum Klassiker haben, muss sich erst noch weisen. Ein bisschen fehlt den Songs ein griffiger Refrain. Am ehesten traue ich noch 'The Day That Never Comes' den langfristigen Durchbruch zu, um zu einem solch unverzichtbaren Teil einer METALLICA-Show zu werden, wie es 'One' und 'Master Of Puppets' heute sind. 'One' wird natürlich obligatorisch mit einer opulenten Pyroshow eingeleitet. Es stellt sich allerdings die Frage, ob es dem Ansinnen des Liedes gerecht wird, wenn neben dem Leuchtfeuer auch fröhliche Silvesterraketen in den Himmel schießen. Egal, wollen wir da mal nicht zu kritisch sein, denn toll anzuschauen ist das auf alle Fälle.

METALLICAZu einem richtig fetten Stampfer hat sich über all die Jahre auch 'Sad But True' entwickelt. Tausende, die ihre Fäuste auch heute dazu im Takt in die Höhe recken und die Energie dieses Songs aufsaugen. Leider nicht ganz zu vermeiden ist natürlich der 'Nothing Else Matters'-Moment. Ich glaube, darauf warten ganze Heerscharen an weiblichen Begleiterinnen, die diese Band mit diesem einen Song gleichsetzen. Also, die Feuerzeuge raus und ordentlich auf die Tränendrüse gedrückt! Irgendwann hat der Altmetaller auch diese Minuten überstanden. Das reguläre Set wird dann mit dem Sandmann beendet. Ja, ich gebe zu, dass ich mir den Song mittlerweile wieder ganz gut anhören kann, nachdem ich ihm eine ganze
Zeit lang überdrüssig war.

Der Zugabenteil wird fast schon traditionell mit einer Covernummer eröffnet. Dieses Mal wird 'Stone Cold Crazy' herausgepickt. Ich persönlich hätte zwar lieber einen METALLICA-Song mehr gehört, aber mich fragt ja keiner. Als Überraschungsmoment zaubert die Band anschließend 'Trapped Under Ice' hervor, um mit 'Seek And Destroy' das große Finale einzuläuten. Der sowieso schon von der Hitze ausgedörrten Kehle wird nun noch einmal das Letzte abverlangt.

Nach zwei Stunden findet ein überzeugender METALLICA-Auftritt schließlich sein Ende. Wie üblich lässt sich die Band anschließend endlos feiern, und Lars Ulrich verspricht, so bald als möglich wiederzukommen. Ich fasse das nicht als Drohung auf, sondern freue mich, wenn es wieder so weit ist.
[Stefan Karst]

Setlist:
Fight Fire With Fire
Ride The Lightning
Holier Than Thou
Fuel
Fade To Black
Broken, Beat And Scarred
Cyanide
Sad But True
One
All Nightmare Long
The Day That Never Comes
Master Of Puppets
My Apocalypse
Nothing Else Matters
Enter Sandman
----
Stone Cold Crazy
Trapped Under Ice
Seek & Destroy

Redakteur:
Frank Hameister

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