Stoned From The Underground 2010 - Erfurt

22.08.2010 | 14:25

09.07.2010, Alperstedter See

Herzlichen Glückwunsch zur Dekade! POWERMETAL.de war dabei, wie eines der Kleinode der europäischen Festivals die notwendige Professionalisierung mit seinem Anspruch nach außergewöhnlich familiärem Charakter und treffsicherem Musikgeschmack verbindet.

Eine Institution der europäischen Festival-Untergrund-Szene feiert Zehnjähriges. Und wir steigen mit ein! Freudig, denn bis auf zwei Durchgänge sind wir Hörer, Besucher, Gutfinder der ersten Stunde. Das Erfurter "Stoned From The Underground" vereint seit 2001 die international verstreuten und durch das WWW bestens vernetzten Szenen der Bereiche Stoner, Doom, Punk, Psychedelik, Southern Rock, Metal und Postrock. Hier  finden sich Italiener, Peruaner, Griechen, Spanier, Japaner, Briten, Amis, Niederländer, Deutsche, Australier, Ungarn, Schweden, Österreicher, Schweizer – vor und hinter der Bühne. Die Anfahrtswege der Unverdrossenen sind teilweise schier unglaublich. Auch schon, wenn aus dem Breisgau Anhalterinnen gen Thüringen trampen, nur um zum Beispiel GORILLA MONSOON zu sehen.

Dabei sind die Erfurter selbst weit gereist. Relativ gesehen. Nachdem das allererste Fest mit SMOKE BLOW als Hauptschreihälse noch in einem abgelebten ehemaligen FDGB-Kulturclubhaus stattfand, wechselte der Tross bald an den Nordstrand. Dieses Erfurter Naherholungsgebiet war an Gemütlichkeit kaum zu übertreffen: Hatten sich die Kater der Vorabende so langsam in den blauen Himmel verflüchtigt, vermengte sich die zugewuchterte Schar mit einheimischen Badegästen, wurden CLUTCH-Shirts beim Baggern und Pritschen gesehen, feixten grillende ROTOR-Ansammlungen bei unfreiwilligen Abgängen der das Seewasser zerschneidenden Wasserskifahrer, sinnierten ATOMIC BITCHWAX-Kapuzenjacken mit grummeligen Anglern. Deren schuppige Opfer ließen sich von kraulenden Kiffköppen mit WINO-Hautbildern vergraulen. Verängstigt staunte das tumbe Volk der nahen Großraumdiskothek, als natürlich (!) gebräunte abgehärmte Typen und feiste Typinnen des Morgens die letzten Gäste ihres eigenen Etablissements waren. Hatten diese doch in separaten Räumen gemeinsam noch die After-Show-Bands abgefeiert.

Die Erfahrung lehrte die Veranstalter außerdem, Musiker wie Besucher dauernd zu überdachen, was sich in schlechtwettrigen Jahrgängen als absoluter Segen erweisen sollte. Ein Umzug folgte trotzdem. Der in Harznähe gelegene Ausflugsgipfel des Possens bei Sondershausen – übrigens auch landschaftlich hervorragend – wurde für die Jahre 2007 und 2008 zum Exil gewählt. Eine feine Alternative, die sich reizvoll abgelegen und doch kraftvoll donnernd in die Erinnerung brennen sollte. Im letzten Jahr wieder Erfurt, wieder ein Strand. Diesmal aber sollte es der Alperstedter See werden, der für das erste Juliwochenende von nun immer mehr regelmäßigen Stoned-From-The-Underground-Gängern belagert wurde.

In diesem Jahr war die Wassernähe wirklich ein Segen, eine der heißesten Festivitäten dieser Art, die je besucht wurden. Aber handelt nicht vieles von KYUSS' John Garcia über JOSIAHs Brant Bjork und DESERT SUN von unglaublichen Hitzen, von heißen Halluzinogenen und dann hoffnungsvoll behauchten hüftfreien Hasen? That's Desert Rock, dudes!

Das "Stoned" also ist zurück; hier in der heimatlichen thüringischen Hauptstadt im freundschaftlichen Umkreis eines Plattenladens, kleiner Kellerclubs und begeisterter Hobbybooker wurde 2000 die Idee geboren. Das erste SFTU im alten Clubhaus am Stadtring war schon sehr gut gefüllt, hier vielleicht bildete sich der familiäre Charakter des Festes, der bis heute erhalten geblieben ist. Nachdem hier THE KRAUTS verwirrten, die seligen CELESTIAL SEASONS charmant und unerreicht melodiös darboten, SMOKE BLOW mit dickster Rockhose so richtig Spaß verbreiteten und RED AIM sich zur Bedeutungslosigkeit gepost hatten, fallen einem längst verblichene wunderbare Kollektive wie HOEK oder CANDYBAR PLANET ein. Und CALAMUS.

Überleitung gelungen, denn hier sang mal Ralf. Oder Ralfi. Das ist unser Kontaktmann, unser Ansprechpartner, wenn es um die Pressegeschichten wie uns geht. Er scheint die Kommunikation nach außen zu koordinieren. Und überhaupt für vieles hier zuständig zu sein. Hauptberuflich Graphiker, entwirft er jedes Jahr auch die auffälligen szenekonformen SFTU-Motive für Plakate und das Merch. Hier ein bisschen Skull, da ein wenig Kozmik und immer die angesagteste Schriftart. Das SFTU ist nämlich modern und herrlich schrullig zugleich.

Wir treffen Ralf in diesem Jahr, als er mit langer Schultertasche und bereits leicht verdröhnt durch das Gelbgras schlurft. Auch wir haben bereits den Teufelskreis aus Sonne und Ausgleichsbier betreten und beginnen ein sehr aufschlussreiches Gespräch. Ralf kommen keine "Damals war's"-Plattitüden über die Risslippen, denn "das Stoned hat sich immer weiterentwickelt und ist sich trotzdem treu geblieben." Ist zu bestätigen. Nie unfreundliches Personal, außer manchmal vielleicht und verständlicherweise eine der Nagelfood-Damen, die sich an der Theke männlichen Hormonballungen gegenüber sehen und forsch reagieren. Wäre das Sicherheitsbedürfnis nicht eine vorausgesetzte Auflage, so könnte sich die arbeitslose Security eigentlich ihre Familien zum Kraftkreis hierher holen.

Fred Bienert saust vorbei, sein Moped knattert durch den Backstagebereich Dort ein Winken, hier ein Gruß an die Familie, bevor einer der Erfinder dieses Festes weiterfährt, das Lagerfeuerverbot kontrollierend oder die Pfandflaschenkinder einweisend. Dabei überholt er den Traktor des Bauern, auf dessen Grund und Boden wir hier campieren. Der freundliche Herr befährt in regelmäßigen abständen die Gehwege, um sie staubmindernd mit Wasser zu besprühen. Ein Junge hat sich den Wasserschlauch eines Bierwagens ergriffen und bringt vorbeigehenden Gästen kurzfristige Erfrischung, indem er ihnen Rücken, Kopf und Gesichter mit kühlem Wasser übergießt. Die danken es ihm, indem sie sein monatliches Taschengeld um nahezu vierhundert Prozent erhöhen.

Ich lobe die Friedlichkeit in all den Jahren. "Woran liegt das, Ralf?" - "Tja, ich denke mal, am Anspruch der Leute, worum es hier wirklich geht, ums Feiern, um die Mucke, um den Spaß." Außerdem, denke ich, ist auch entscheidend, dass das Festival auch einen sehr hohen Anteil an weiblichen Gästen hat, was sich sehr angenehm auf die gesamte Szenerie sowie auch die Hygieneumstände und den Ton unter den Leuten auswirkt. Da zeltet das Pärchen neben dem BLACK SABBATH hörenden Nerdbus. Das hat man auf reinem Hardcore-Rasen und Metal-Wiesen schon ganz anders erlebt.  "Welche Band würdest Du am allerliebsten fürs SFTU buchen? - "Slayer!“ - "Aha." Wir grinsen. Die Vorstellung allein fetzt. Aber der meint das ja ernst. Bärtige Lautstärketerroristen aus Nordamerika hat hier ja Tradition, wenn sich mal nur an das Gemetzel von VALIENT THORR 2009 erinnert wird.

Nachdem nämlich auf dem Erfurter Zusammenschluss schon so ziemlich jede Genregröße aufgespielt hat – NEBULA, ATOMIC BITCHWAX, THE HEADS, BRANT BJORK, COLOUR HAZE, SAHG, um nur einige zu nennen, produziert die Szene immer wieder Grenzgänger und Grenzüberschreiter, die hier ihrem Ruf laut und (un)deutlich gerecht werden können. Fulminant in den letzten Jahren: DYSE, BLACK COBRA, THE TRUCKFIGHTERS, SISSIES oder DRIVE BY SHOOTING. Übrigens "überraschten" Letztere 2010 mit einem "spontan" eingeschnickten Gig in der Mittagshitze mit Pavillonromantik. Zum Zehnjährigen natürlich. Gut besucht, raurockig und liebevoll bärtig. Noch einmal übrigens: ein solcher beliebter Festivalpavillon erhob sich wie von einem unsichtbaren Himmelsrüssel gepackt plötzlich in riesige Höhen. Aufwind

Ein Warmluftstrom hatte das schwere Gerät erfasst -  um es hoch über den dösend tosenden Zuschauer tanzen zu lassen und nach diesem so unwirklichen Schauspiel auf eine bierbüchsenbesäte Brachfläche herniedersausen zu lassen.So noch nie gesehen, ordneten wir dieses Zeichen spontan und radlerbenetzt als einen freundlcihen Gruß der Natur ein.

Wieder zu Ralf. Ganz offensichtlich stößt das SFTU so langsam an seine Kapazitätsgrenzen, GARCIA PLAYS KYUSS konnte das Zelt nicht mal mehr überfüllen, der der Bühne außen gegenüberliegende Hügel war ebenfalls vollkommen mit glasäugigen Besuchern übersät. "Ja, wir mussten gestern am Freitagabend bereits Leute wieder wegschicken, weil wir einfach ausverkauft sind. Die Kombitix gehen eben am besten weg." Was ja auch Sinn macht. Bei dem Preis-Leistungsverhältnis. "Also, werdet ihr wachsen, um demnächst alle Nachfrager unterbringen zu können?" - "Nein, das nicht, wir fahren bereits ganz knapp an der Grenze, von der organisatorischen Machbarkeit und auch von den Kapazitäten her. An der heute erreichten Besucherzahl rütteln wir nicht. Das bleibt Maßgabe. Schau mal, wir hier von den Teams sind alle auch Freunde, die dafür keine Kohle bekommen und das auch nicht wollen. Eine Erweiterung und Steigerung würde erstens Arbeit und viel mehr draufgehende Freizeit bedeuten." Leuchtet ein. Natürlich versäume ich es von Panik erfasst nicht, sofort und am richtigen Ansprechpartner Karten für 2011 vorzubestellen.

Wir schwatzen über Sounds. "Das ist ja besonders wichtig, dass die Bands hier mit den zum Teil sehr hohen Ansprüchen an ihre Sounds richtig zufrieden betreut werden. Gelingt euch das denn?" - "Ach, so hoch sind die Ansprüche bei den Muckern hier gar nicht, die allermeisten sehen das eher sehr entspannt, sind hier um andere Bands zu treffen, abzuhängen etc. Aber es stimmt schon, über die Bedienung der Technik brauchen wir uns keine Sorgen machen!" (Suchblick). "Zum Beispiel der da, der Typ mit dem Iro, der ist Bühnentechniker, Roadie bei der Tour von (vergessen! - MF), der hat sich spontan bereit erklärt, die Umbauten und Anschlüsse bei den Bandwechseln zu beaufsichtigen!“ Der Typ Marke alter Britenpunk à la 1978 grinst und winkt, als hätte er durch den Lärm seiner Landsmänner von WINNEBAGO DEAL hindurch das Lob vernommen. Danach lehnt er sein waches Auge zugleich wieder in das Getümmel vor der Bühne.

Rückblick: Die lauteste, beste, psychedelischste und eindrucksvollste Band, die ich hier bisher erlebt habe, waren THE HEADS 2007. So eine Wand, unglaublich. Kamen auch herüber von der Insel, brieten alles kurz und klein und verschwanden wieder auf die Insel. Ein einziger, ein seltener Augenblick. Danach wollte ich ein halbes Jahr auf kein Konzert mehr gehen. Einfach, weil alles gesagt, gespielt, musikalisch umgesetzt war, was es an Intensität geben kann. 2010 dann rüttelt UFOMAMMUT an diesem meinem inneren Thron.

Das haben natürlich auch andere schon getan. Haben gesägt an meiner THE HEADS-Festung, haben geklopft am ganzjährig eingeschalteten "gesunden Menschenverstand". Ich weiß zum Beispiel heute noch nicht (mehr), wie ich nach dem TRUCKFIGHTERS-Gig 2006 in meine Behausung gekommen bin, nur dass ich mir meinen Nacken nach dieser Manierenschlachtung zwei Wochen lang mit Dr.-Müller-Wohlfahrt-Salbe einreiben musste. Die fabulösen CANDYBAR PLANET waren im Jahre 2001 so zuvorkommend, mein anwesendes Schwesterlein vor zudringlichen Biernasen zu bewahren. Ganz die Gentlemen. Dafür gab's gratis Diesel und ein dickes Lob für ein überzeugendes Rockkonzert.

ROTOR und wir: Nach dem Gig 2006 hatte sich spontan eine von andauernden Blutgrätschen und Jubelhaufen unterbrochene Fußballpartie ergeben, die von einem erfrischenden Bad im abenddämmerlichen Badesee beschlossen wurde. Ehrlich gesagt scheuchte mich ein streunender Sicherheitsberater vom Strand weg und befahl, maximal die Waden zu benetzen, wofür ich ihm immer noch dankbar sein sollte. Sehr aufmerksam, nur nüchtern schwimmen! Beide Auftritte der Schweizer von MONKEY 3 haben sich wegen ihrer Intensität ins Konzertgedächtnis eingebrannt. GOMER PYLE 2008 habe ich schwebend erlebt.

Ebenso wussten hier Neuankommer und Genreverbinder wie LONG DISTANCE CALLING, STONEBRIDE, BORN TO HULA, TONER LOW oder RODEO QUEEN zu überzeugen. Diese lange Liste lässt sich beliebig fortführen. Hier kann sich ein Überblick verschafft werden, wen die Caligula-666-Mannschaft schon alles in ihr Zelt gelockt hat. Für Quereinsteiger übrigens auch ein hervorragender Recherchebeginn.

Natürlich ist ein solches Festival auch dafür da, musikalisch enttäuscht zu werden, Zeit zu haben, sich zur Essensaufnahme zu wenden und das Bühnengeschehen geschehen zu lassen. Aber Fakt ist: Wer hier spielt, ist dem meisten "Rock" - oder dem, was heute schon als solcher gilt – stilistisch, intensiv und auch optisch weit voraus. SAVIOURS in diesem Jahr zum Beispiel: eine Ansammlung langmähniger, speckiger Rednecks, welche ihren Southern Swamp Metal dafür unerhört professionell und ungehört krachledernd in das dankbare Volk peitschen.

Aber in diesem Jahr 2010 kann eigentlich vor der Bühne gezeltet  werden. Ein Kracher jagt den nächsten. Die derbe Amifraktion mit WEEDEATER, SAVIOURS und BLACK COBRA doomt, wummt und knüppelt sämtliche noch übrige Grashalme unter die Narbe. Die Entspannteren wie das KYUSS-Gerippe mit Original-Sängerjohn oder BRANT BJORK erhalten jeweils Headlinerpositionen, die sie gewohnt gekonnt herunterreißen. Die Bilder sollen da als Ausschnitt nur mal das Glück andeuten, welches viele viele Anwesende empfanden, endlich einmal die Songs der Genrebegründer KYUSS lebend um die Ohren gehauen zu bekommen. Neben dem ultracoolen Mister Bjork bilden die Neuentdeckungen, die unverbrauchte, neue Generation einen feinen Kontrast.
Die Eröffner aus Polen nennen sich LUNA NEGRA und vermögen es, ansteckend und glücklich zugleich aufzuspielen. Deren Instrumentalrock mit postrockigen Einsprengseln verstärkt die Vorfreude auf die Lautstärke, die da folgen soll.

FIREBIRD mit dem Ex-CARCASS-Kopf Bill Steer an der Bluesrockgitarre spielen herrlich altmodischen und einfachen Rock altbritischer Couleur, dass den extra mitgereisten dem Metal frönenden Freunden Tränen in die Augen schießen. Wieder eine geachtete Figur des Musikwesens endlich einmal leibhaftig gesehen, fotografiert, das Leben lebenswerter gemacht.

Die altgedienten Griechen von NIGHTSTALKER, einige dürre Männchen in einen Münchner Mercedes gequetscht. Da huscht eine ganze Band aus einem Kombi. Wie geht das? Aber eine echte musikalische Größe, eingängige und mitziehende Songs direkt an der Euphorielinie! Die Frühabendgigs wirken meiner Beobachtung nach auf die meisten hier freudesteigernd bis erwartungswachsend. Viele Besucher haben bis hierhin einen Tag ächzend am See verpennt, den Mittagsschlaf zelebriert oder das nachmittägliche Kaffeetrinken zum Biertrinken umfunktioniert. Nun krauchen sie in Mengen so langsam auf das immer offene Festivalgelände, schnuppern hier, kichern dort, kaufen SFTU-Shirts oder halten Schwätzchen mit herumlungernden Musikern und Veranstaltervertretern.

Wir haben uns zur Tagesmitte in den genau und scharf geschnittenen Schatten eines Jungbaumes gebettet und wandern mit unserem Kühle spendenden Retter den Hang des kleinen Hügels hinauf. Euphorisch und zufrieden vor uns hin glucksend, sprudeln Radlerrunden gepaart mit typischen sinnfreien und tiefgreifenden Unterhaltungen über die Death-Metal-Szene, ungezogene Heranwachsende. Eifrig werden lustige Festivalvorkommnisse zum Besten gegeben. Dreckig gelacht. Zwischendurch schleppt der Tross sich zum Badestrand. Der See hat es in diesem Jahr nicht leicht, wir stellen uns bildhaft vor, wie sich in der Mitte des meist unberührten Biotops die schwimmenden Bewohner im Exil zusammengefunden haben, um den haarigen, tätowierten Unterschenkeln zu entkommen, die da im Flachwasser den Schlamm und Kies aufwirbeln. Ein, zwei Stuhlsitzkreise haben sich im Brackwasser gebildet, welche sich ständig erweiteren. Die Büchsen kreisen, genau wie die lauten Versuche zunehmen, Volkslieder mehrstimmig nachzugrölen. Die eine erste Textzeile von "Ein weißer Schwan", die sich im Kollektivbewusstein gerade noch so festgebissen hat, wird um "Blablablablaaaaas!" erweitert, was etwa drei Stunden lang anhält. Impuls dieses untypischen Verhaltens muss die Blaskapelle gewesen sein, die unweigerlich dem Trende folgend auch hier am frühen Morgen die Schlafenden akustisch penetrierte. Die Erfurter Kleinkinder, welche sich mit ihren Erzeugern unter das bunte Volk gemischt haben und deren Sandburgen besonderen Schutz durch die Doomster genießen, finden das alles sehr lustig. So wie wir. Sich mal richtig zur Feile machen. Hei, Sommerfrische! Hallo sonnige Idylle!

Die Jugend spielt an sich eine sehr große Rolle hier auf dieser generationenübergreifenden und einigenden Veranstaltung: Die Jungmannen von SAMSARA BLUES EXPERIMENT und auch THE MACHINE gehören eben zu jener neuen Generation von Bands, die die Jam für sich neu entdeckt haben. Neben der freien Energie frei kombinierter Rhythmen werden hier jeweils Tonwolken kreiert, die dich einhüllen, umschweifen und liebevoll vor die Brust schlagen. Das ebenfalls von einer ganzen Reihe von Anfangzwanzigern und Spätpubertierenden durchsetzte Publikum geht gierig bei jedem dieser Töne mit. Ollen Rockern mit Lücken im dünn wallenden Schütthaar ist die Freude offensichtlich ins Gesicht genagelt.

Auch uns verlässt das selige Grinsen nicht, vor allem, als die bekennenden Alkoholiker und an sich recht zerschossenen Figuren von WEEDEATER ein dermaßen "phattes" Set abliefern. Schade um die Menschen dahinter, aber wer sonst würde eine solche mitrupfende Tieftonmusike erschaffen können. Die schwedischen KONGH agieren in Ansätzen ähnlich, aber mit eben zehn Jahren weniger Weed in den Bronchien.

UFOMAMMUT ist was, das angeht, noch einen Tick meisterlicher. Drei Italiener, die es trotz oder gerade wegen der Vielschichtigkeit ihrer Alben auch leibhaftig schaffen, wahre Weltengeschichten aus Doomschmerz, Erderwärmung, Überfluss und Verzweiflung anzuhäufen und aufzuschichten, sind der Konzerttipp schlechthin! Überall ringsumher sieht man die Leute abdrehen, mitgehen, kopfwehen. Nicht umsonst beschließen Sie nach dem altgedienten Stirnband Brant Bjork dieses rundum gelungene "Stoned From The Underground" 2010.

Übrigens zum Dritten: Neben den einschlägigen Netzwerken wie YouTube, Facebook oder MySpace und vielen euphorischen Einträgen der Festivalbesucher findet sich in dieser Fotogalerie unserer Fotografin Jennifer Höfers eine ganze Menge wundervoll festgehaltener Momente des SFTU 2010. Vielen Dank, Jenny!

Redakteur:
Mathias Freiesleben

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