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Subway To Sally - Berlin

07.10.2005 | 13:49

02.10.2005, Huxleys Neue Welt

"Nord Nord Ost"-Tour, Support: COPPELIUS

Selbst die letzten Fans, die sich anschicken, ihren Platz in der langen Schlange einzunehmen, hören deutlich den "Kriegsgesang" derer, die die Pforte von "Huxleys Neue Welt" gegen 20 Uhr bereits passiert haben. "Blut, Blut, Räuber saufen Blut" hallt es mehr oder minder melodisch aus dem Inneren des Berliner Konzerthauses. Grund ist das anstehende Heimspiel der Potsdamer Folk-Metaller SUBWAY TO SALLY. 'Julia und die Räuber' von 1996 hat sich im Laufe der letzen zwei Jahre zur Fan-Hymne gemausert und besitzt inzwischen eine gewissen Eigendynamik.

Kurz nach 21 Uhr wird es dunkel im Saal, und während immer noch Leute hineindrängen, gibt die Vorband COPELIUS einen rasanten Auftakt mit Kontrabass, Cello, zwei Klarinetten und mehrstimmigem Gesang. Kaum zu beschreiben, was man da hört: Der Sound ist metallisch, auch wenn die Gitarren einfach durch Klarinetten ersetzt wurden und der Cellist irgendeine unbekannte Droge konsumiert zu haben scheint. Wie vom Teufel besessen toben die drei Frontmänner singend, schreiend und Klarinette spielend über die Bühne. Weiß geschminkte Gesichter, lange Gehröcke und hohe Zylinder verstärken den Eindruck, dass es sich hierbei um ein Gruselszenario aus dem 19. Jahrhundert handelt. Unterstützt wird das Ganze durch einen Butler, der den Klarinettisten Schweißtücher und Wasser reicht und nebenbei noch für die Ansagen in höflicher Sie-Form, den Backgroundgesang und diverses Handschlagwerk zuständig zu sein scheint. Dafür, dass es eigentlich ein sehr undankbarer Job ist, Vorband von SUBWAY zu sein, schlagen sich die vier Jungs ganz gut und das Publikum honoriert die brillante musikalische Leistung wohlwollend mit Gejohle und Applaus. Das Konzept von COPELIUS beinhaltet auf der metallischen Basis Ska-Elemente, Klassik und natürlich Rock 'n' Roll. Eine genaue Stilbezeichung geben zu wollen, wäre anmaßend, aber dennoch ist eine gewissen Ähnlichkeit mit THE VISION BLEAK auszumachen, wenn auch makaber-fröhlicher als die Gruselrocker. Die Gesänge sind einerseits klar und hamonisch, andererseits keifend und wild, immer unterbrochen durch halsbrecherische Klarinettensoli.

Als der Copel'sche Butler gegen kurz nach 22 Uhr die Menge fragt: "Seid ihr bereit für SUBWAY TO SALLY?", ist ein Großteil des Publikums schweißgebadet. Wie auf ein Stichwort setzten wieder die altbekannten Blut-Gesänge ein, bis nach kurzer Umbaupause dumpfe, bedrohliche Trommeln die Ankunft der Meister ankündigen. Mit dem Intro 'Stille Nacht' versetzen SUBWAY TO SALLY ihr Publikum augenblicklich in eine düster-ehrfürchtige Stimmung, die erst, als Frau Schmitt im weißen pelzbesetzten Mantel zu 'Schneekönigin' auf die Bühne rauscht, durch brandenden Jubel gebrochen wird. Nachdem man in eisiger Liebe und Kunstschnee von der Hallendecke schwelgen konnte, erschrecken SUBWAY TO SALLY mit einer gewaltigen Feuerexplosion, um 'Feuerland' einzuleiten. War die Bühne vorher eisig blau, ist sie nun in rotes und gelbes Licht getaucht und Feuerfontänen züngeln neben Frontmann Eric Fish in die Höhe. Erst hiernach erfolgt die gewohnte Begrüßung mit einem lauten "Hallo Freunde!".

Die Freude über das Heimspiel ist den Potsdamern anzusehen und bei 'Kleid aus Rosen' singt das Publikum geschlossen mit. Klassiker wie 'Die Schlacht' und 'Unsterblich' folgen. Nach einem gänsehauterzeugendem 'Eisblumen' ist die Temperatur im Huxleys bereits auf Saunahöhe. Eine einsame Gitarre im Ständer kündet vom nächsten Höhepunkt des Abends. Ingo tritt an das Instrument, zupft gelassen einen Akkord, schaut angewidert auf die Seiten und pfeift, ganz Diva, einen Rowdie zum Nachstimmen heran. Endlich zufrieden, beginnt er das Intro zu 'Maria', das jedes Mal anders ausfällt. Dieses Mal ist es ein ohrenbetäubendes Jonglieren mit Fingerfertigkeit und beinahe schmerzhaften Tonfolgen. Nahezu erlösend wirkt der letzte gezupfte Dreiklang - und Eric betritt die Bühne, um der schwarzhaarigen Frau namens 'Maria' zu huldigen. Das Publikum tobt vor Begeisterung. Damit ist es mit der Ruhe auch vorbei und ein Klassiker jagt den nächsten und den Gästen den Schweiß aus allen Poren: 'Traum vom Tod', 'Mephisto', 'Henkersbraut'. Nachdem Bodenski und Simon feuerspeiend Erics Rückkehr auf die Bühne erwarten, der während des Stagedivings kurzzeitig verschwunden ist, freut sich das Publikum mit 'Lacrimae 74' auf eine kleine Pause. 'Feuerkind' gibt noch Zeit zum Verschnaufen, dann geht es in gewohnter, tadelloser Qualität mir 'Sag dem Teufel' und 'Veitstanz' weiter.

Um 23 Uhr verlassen die Potsdamer das erste Mal die Bühne und werden vom lautstarken "Blut, Blut"-Ruf aus der Menge sofort zurückbeordert. 'Banks of Sicely' und 'Die Hexe' bringen die Halle zum Kochen. Bei 'Sieben' als dritter Zugabe treten die ersten Reihen ihren Rückzug gen Ausgang und frischerer Luft an. Völlig durchgeweicht, mit klebrigen Haaren und glückseligem Ausdruck auf den Gesichtern. Nun endlich ertönt der langersehnte Dudelsack zu 'Julia und die Räuber' und der routinierte SUBWAY-Hörer weiß, dass damit das heutige Konzert zu Ende geht. Nach dem letzten Höhepunkt bedanken sich die SUBWAYs euphorisch bei ihren Gästen und verlassen die Bühne. Während die Ersten erschöpft zum Ausgang wanken, hält sich ein harter Kern vor der Bühne und fordert noch mehr. Und tatsächlich erscheint die Band ein letztes Mal und gibt mit ihrem 'Seemannslied' eine finale Kostbarkeit mit auf den Heimweg. Fazit: Schweißtreibend, emotional, hart und einfach gut. SUBWAY TO SALLY eben.

Corina Brucker

Redakteur:
Gastautor

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