Summer Breeze 2000 - Abtsgmünd

29.10.2000 | 12:03

24.08.2000, Festivalgelände

Das Summer Breeze Open Air im baden-württembergischen Abtsgmünd (bei Aalen) kann man getrost als eines der letzten grösseren Festivals des Jahres bezeichnen. Und, um es vorweg zu schicken, es sind dabei sämtliche Anwesenden voll auf ihre Kosten gekommen. Unter den knapp 4.500 Besuchern durften auch natürlich die Vertreter von Powermetal.de nicht fehlen (*g*). Nachstehend also die gesammelten Impressionen der Herren Alex, Christian, Georg, Rainer und Ruben.


Donnerstag, 24.08.00


Ist schon eine ulkige Situation, wenn man seinen erklärten Favoriten gleich zu Anfang eines mehrtägigen Festivals sieht. So geschehen in meinem Fall mit den Monheimern SUIDAKRA, die das Summer Breeze Open Air pünktlich um 8 Uhr abends eröffneten. Die Band aus NRW machte jedoch -erfreulicherweise mit einem transparenten, druckvollen Sound- das Beste aus dem undankbaren slot als Opener und erntete mit ihrer folkig angehauchten Mischung aus BM und DM gute Publikumsreaktionen.
Ob mit altem Material, Songs vom überragenden \"Lays From Afar\"-Output (z.B. \"The Well Of Might\") oder Stücken von der im September erscheinenden \"The Arcanum\"-Scheibe, das sympathische Quintett konnte eine Menge neuer Freunde für sich gewinnen; nicht zuletzt dank seiner ungeheuren Spielfreude und eines angenehm ungekünstelten Auftretens. Bemerkenswert auch, wie gut das stete Wechselspiel zwischen dem hingebungsvollen Gekreische und Geröchel von Fronter Arkadius und den clean vocals seiner Bandkollegen funktionierte. Logischerweise genügte die Spielzeit von etwa 40 Minuten nicht einmal annähernd, um darin die zahllosen erstklassigen Songs des Quintetts unterzubringen; dennoch war die setlist absolut gelungen, wenngleich ich persönlich noch sehr gerne den Fetzer \"Havor\" von der Debüt-Mini \"Lupine Essence\" gehört hätte. Seis drum, alles in allem gehörten SUIDAKRA zu den absoluten Highlights des Open Airs und dürfen ihren Gig getrost als vollen Erfolg werten. (Rainer)
Entsprechend guter Dinge präsentierte sich Sänger Arkadius auch in einem Interview, das er uns unmittelbar nach dem Set spontan gewährte (s. Interview-Sektion).

Nach der Runde härterer Mucke zur Eröffnung waren ein paar Jungs aus dem Raum Stuttgart und Heilbronn dran: die Rede ist von BLACKEND, die eigentlich doch noch eher eine Szeneband sind, was aber das dieses Konzert geändert haben könnte, da die Band voll abräumen konnte. Sie wirkte agil und beweglich, vor allem Frontmann Michael Goldschmidt. Zuerst wurde die Bühne voll eingenebelt und das Intro von \"The Eye Of The Observer\" gespielt; bei dem darauf folgenden, gleichnamigen Song war der Sound anfangs nicht so doll, da man kaum die Gitarren hörte. Zunächst hätte man ja denken können, daß die Musiker nur so dastehen, aber dies wurde mit zunehmendem Verlauf der Show immer besser und auch die Technik bekam einen absolut reinen Sound hin, der mich doch stark an HYPOCRISY erinnerte. Zu den brachialen Klängen kam ein geniales Stageacting und eine geile Stimmung im Publikum dazu. Wobei der Frontmann es nicht vermeiden konnte, bei \"No More Confidence\" das viel zu kurze Gitarrenkabel, das fast als Hundeleine fungierte, aus dem Verstärker zu reißen. Das aber wirkte sich überhaupt nicht negativ auf die Show aus, ganz im Gegenteil: nach den Songs \"The Crack\", \"Burn The Fuse\", \"Beyond Forever\", \"Regression\" und dem abschließenden \"As The Sun Remains\" forderten die doch zahlreich anwesenden Fans, die den Platz recht gut füllten, eine Zugabe. Diese wurden ihnen dann auch mit einem Song vom im Herbst erscheinenden neuen Album gewährt. Dann war leider auch schon die viel zu kurze Show von BLACKEND vorbei, wobei die Anwesenden noch eine weitere Zugabe forderten, die ihnen allerdings verwährt blieb. (Ruben)

Ein ganz besonderes Merkmal des Summer Breeze -das zeichnete sich bereits am ersten Abend des Festivals ab- war die sehr ausgewogene Mischung aus verschiedensten Musikstilen. Nach dem folkigen Black Metal von SUIDAKRA und den Thrash-Klängen von BLACKEND stand mit FLESHCRAWL nun eine waschechte Death Metal-Truppe in den Startlöchern. Die Schwaben veröffentlichen in schöner Regelmässigkeit feinste Old School-Werke, in letzter Zeit mit immer deutlicher werdender Elchtod-Prägung. Entsprechend groß war die Erwartungshaltung, zumal das Quintett als ausgezeichnete Liveband gilt.
Und so sollte denn das nach Todesblei dürstende Volk vor der Bühne auch nicht enttäuscht werden. Ungeachtet des leider mässigen, weil recht matschigen Sounds, sorgte die Truppe um Growl-Künstler Sven für jede Menge Stimmung unter den Anwesenden. Mit beachtlicher Spielfreude ballerten sich FLESHCRAWL durch einen ca. 40-minütigen Set, wobei vor allem das entmenschte Gegrunze des Frontmanns dem geneigten Zuhörer die Freudentränen in die Augen trieb.
Zwar verzichteten die Ulmer gänzlich auf Material ihrer ersten 3 Alben und brachten mit \"Dark Dimension\" und dem Titelsong auch nur 2 Stücke von ihrem vorletzten Output \"Bloodred Massacre\"; dafür allerdings kamen gleich 6 Songs des fabelhaften letztjährigen Werks (\"As Blood Rains From The Sky... We Walk The Path Of Endless Fire\") zu Live-Ehren. Granaten wie \"Path Of Endless Fire\", \"Graves Of The Tortured\" oder das unnachahmlich machtvolle \"As Blood Rains From The Sky\" sorgen allerorten für helle Begeisterung, das Publikum hatte sichtlich seinen Spaß. Kurzum, FLESHCRAWL machten umißverständlich klar, daß sie zur absoluten Elite der teutonischen Todesbleiszene gehören und daß sich ein Großteil der schwedischen Kapellen im direkten Vergleich sehr, sehr warm anziehen müssen. (Rainer)

\"Metal Is War\" - so begann der Set der Stuttgarter US-Metaller von SACRED STEEL. Und mit einem hervorragendem Stage Acting ballerten sie einem einmal mehr ihre gnadenlosen Powersongs entgegen. Gerrits Stimme war wieder mal für viele Anwesende nicht gerade das, was sie bei einer Power Metal Band erwarten, aber in guter US-Metal Tradition sage ich da nur \"des ghört so\". SACRED STEEL jedenfalls liessen einen Kracher nach dem anderen los: \"Blood On My Steel\", \"Stormhammer\", \"Carnage Rules The Fields Of Death\", \"By The Wrath Of The Unborn\", \"Master Of Thy Fate\", \"Dark Forces Lead Me To The Brimstone Gate\" und natürlich den oberamtlichen Hammer \"Wargods Of Metal\". Ein größerer Teil des Publikums ging begeistert mit und auf der Bühne gab es fast alles, was ein Metalherz begehrt (Abgesehen von guter Musik zumindest ;-) - Rainer). So fuchtelte Gerrit z.B. mit seinem Schwert herum, während hinter ihm Pyros hochgingen. Dazu kam noch die massive Livepower der Schwaben. Fazit: SACRED STEEL haben wieder alles gegeben und es war wie immer sehenswert. Einziger Kritikpunkt war aus meiner Sicht das JUDAS PRIEST Cover \"Breaking The Law\", denn dafür war Gerrits Stimme doch nicht so sehr geeignet. (Georg)

Nach BM, Thrash, DM und US Metal gab es zum Abschluß eines rundum gelungenen Eröffnungstages mit CREMATORY noch einen amtlichen Headliner, den man grob (ganz, ganz grob) dem Gothic Genre zuordnen kann. So sehr die Pfälzer -vorsichtig formuliert- auf Platte auch polarisieren, live sind sie unzweifelhaft eine Bank und wissen mit einem schmissig vorgetragenen Best Of Programm stets zu gefallen.
So kam es denn auch an diesem Tage, wie es sich für einen Gig des Vierers mit Steuerfrau gehört: aufbauend auf dem gewohnt soliden Fundament der Rhythmus-Abteilung überzeugte Gitarrist Markus mit bretthartem, staubtrockenem Riffing und schönen clean vocals, garnierte Tastenfrau Katrin dies mit simplem, aber catchy angelegtem Geklimper und überzeugte Frontmann Felix mit seinem kernigen Grunzgesang. Letzterer präsentierte sich auch einmal mehr als souveräner Frontmann, der das gut mitgehende Publikum im Griff hatte.
Ich für meinen Teil hätte gerne einige ältere Songs wie z.B. \"The Eyes Of Suffering\" oder \"Ist Es Wahr\" gehört, doch auch mit einer überwiegend aus Nummern des aktuellen \"Believe\"-Albums (z.B. \"The Fallen\", \"Take\") und des vorzüglichen Vorgängers \"Act Seven\" (u.a. \"Fly\", \"I Never Die\") zusammengestellten Setlist konnten CREMATORY absolut überzeugen. Lediglich das etwas mißglückte SISTERS OF MERCY-Cover \"Temple Of Love\" hätte sich die Combo sparen sollen und stattdessen zum Beispiel den für meine Begriffe absoluten Höhepunkt des neuen Albums, \"Caroline\", zocken können. Auch hätte ich anstelle der -zweifellos gelungenen- Ballade \"Perils Of The Wind\" als Abschluß der Show lieber nochmal einen echten Kracher gesehen. Diese kleineren Kritikpunkte tun der gelungenen Zusammenstellung des sets aber beileibe keinen Abbruch.
Zwar hat man die Band auch schon mal etwas spielfreudiger und generell enthusiastischer gesehen, ein gefälliger Auftritt war es aber dennoch allemal, zumal es am Sound (druckvoll und sauber) und der Lightshow (unspektakulär, aber geschmackvoll) wahrlich nichts zu kritisieren gab. Fazit: ein solider gig eines würdigen Headliners. (Rainer)
Setlist: Redemption Of Faith; I Never Die; The Fallen; Fly; Waiting; Temple Of Love; Take; Shadows Of Mine; Away; Tears Of Time; Perils Of The Wind
Bitte beachtet auch unser Interview mit CREMATORY in der entsprechenden Sektion.

Redakteur:
Rainer Raithel

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