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Symphony X - Frankfurt

23.02.2008 | 11:32

20.02.2008, Batschkapp

Keine vier Monate nach der Tour mit DREAM THEATER als Anhang beglücken SYMPHONY X ihre Fans mit einem erneuten Gastspiel in Mainhattan. Diesmal fungiert das Quintett als Headliner und kann den Traumschatten nicht ganz abwerfen, denn mit DREAMSCAPE und CIRCUS MAXIMUS im Schlepptau stehen auf dem Papier zwei interessante Vorgruppen auf dem Programm.

Gemeinhin ist Papier ja geduldig, der Rezensent dieser Zeilen allerdings nicht. Das Einzige, wovon DREAMSCAPE träumen, als sie um 20.40 Uhr die Bretter besteigen, ist, irgendwann mal in derselben Liga wie das "Traumtheater" zu zocken. Doch bis dahin ist es ein weiter Weg, denn interessante Tempowechsel sucht man im Sound des Quintetts vergebens. Interessant ist des Weiteren die Tatsache, dass alle an diesem Abend zockenden Bands genauso aufgestellt sind wie DREAM THEATER: Sänger, Gitarrist, Keyboarder, Drummer und Bassist. Von daher sind die Voraussetzungen ähnlich, nur dass jede Combo anders an die Sache herangeht.

Obwohl die Songs allesamt im Midtempobereich angesiedelt sind, findet das Publikum ohrensichtlich [soso ... - d. Red.] Gefallen an der Truppe. Während der Gitarrist im Verlauf der kompletten 35 Minuten kein einziges Mal die Miene verzieht, ist der Sänger das komplette Gegenteil und geht ab wie ein Teletubbie mit zu viel Gummibärchensaft in der Blutbahn. Von Stageacting kann bei den engen Bühnenverhältnissen nicht die Rede sein, doch die Combo macht das Beste draus und wird mit warmem Applaus verabschiedet. Bevor dies jedoch der Fall ist, wird die letzte Ansage des Sängers von einem Batschkapp-Mitarbeiter unterbrochen, der ein Auto mit Offenbacher Kennzeichen ausruft, welches - gelinde gesagt - sehr ungünstig geparkt ist. Getoppt wird das Ganze mit dem lapidaren Kommentar, dass die Eintracht in eineinhalb Jahren wie die Kickers in der zweiten Liga spielen wird. Für diese Statements konnte des Bübche nur Lacher ernten.

Nach einer knackigen Umbaupause von fünfzehn Minuten läutet ein an den "Gladiator"-Soundtrack angelehntes Intro den Einmarsch von CIRCUS MAXIMUS ein. Hier ist zwar deutlich mehr Schmackes dahinter, doch im Gegensatz zum DREAMSCAPE-Frontmann hat Michael Eriksen nur Eierquetschgesang drauf. Klar, instrumental sind die Jungs über alle Zweifel erhaben, doch das allein macht noch keine guten Nummern. Auch hier ist das Songwriting zu einfach gestrickt und lässt jegliche Spannung im Keim ersticken. Dabei erinnert das Quintett an proggig angehauchte EUROPE. Des Weiteren müssen sich auch CIRCUS MAXIMUS mit den engen Bühnenverhältnissen auseinandersetzen, meistern zumindest diesen Parcours mit Bravour. Im Vergleich zu DREAMSCAPE ist deutlich mehr Euphorie im Publikum zu spüren, was kein Wunder ist, denn jede andere Kapelle wäre an dem Abend imstande gewesen, Briketts nachzulegen. Dennoch ist es für mich persönlich verwunderlich, dass nach dem knapp 45 Minuten langen Auftritt "Zugabe!"-Rufe in den vorderen Reihen gegrölt werden.

Als nach dreißig Minuten das Hallenlicht erlischt, kennt die Begeisterung im Publikum keine Grenzen mehr. Zum Intro der neuen Scheibe "Paradise Lost" stampfen SYMPHONY X auf die Bühne, um gleich danach mit dem Opener 'Set The World On Fire (The Lie Of Lies)' einen guten Start aufs Parkett zu legen. Zwar ist die Truppe bis in die Haarspitzen motiviert, doch der Gig wird durch zwei Punkte getrübt: Zum einen sind da die Rückkopplungen von Michael Romeos Gitarre zu nennen, die der Livemischer das komplette Konzert über nicht in den Griff bekommt, und zum anderen Russel Allen selbst, der stimmlich leicht angeschlagen ist und die Höhen nicht so hinbekommt, wie man's sonst auf CD von ihm gewohnt ist. Dieser Umstand wird jedoch durch die Spiellaune und die engagierte Performance ein bisschen wettgemacht. Nicht allein wegen des neoklassischen Gitarrenspiels von Romeo, der sich mit Herz und Hingabe durch die Songs fiedelt, weckt der Sound Erinnerungen an YNGWIE MALMSTEEN mit progressiven Soundtupfern. Ansonsten beträgt der Aktionsradius der Musiker – Russel Allen ausgenommen – maximal zwei bis drei Meter.

Generell kann man sagen, dass der heutige Abend für die Frontmänner unter einem schlechten Stern steht, denn niemand kann in allen Punkten durch die Bank überzeugen. Jedoch steckt selbst ein angeschlagener Allen die Frontröhren der zwei Vorgruppen mit links in die Tasche, und er hat darüber hinaus ein sehr hohes Unterhaltungspotenzial vorzuweisen. Bei den wenigen Ansagen, die der Gute macht, liegt das Publikum vor Lachen am Boden. Ein Zuschauer in den vorderen Reihen bemängelt, dass es ständig in den Songs fiept. Allen, der mit dem Begriff "Fiepen" nichts anfangen kann, macht sich darüber lustig, indem er meint, dass sein "Cock fiept". Außerdem hat der Sänger in Teddybärenformat zu viele Frankenstein-Filme gesehen, denn mitten in einem Song geht er abgehackten Schrittes auf Mr. Romeo zu, um ihn dann an sich zu knuddeln.

Angesichts der Rückkopplungen wirkt es wie ein Wunder, dass Michael Romeo nicht entnervt das Handtuch schmeißt und von der Bühne stolziert. Dabei lässt er sein inneres Chi auspendeln und schafft es, seinem Instrument die unmöglichsten Töne zu entlocken und dem Publikum zu demonstrieren, dass man nicht nur mit dem Teufel um die Wette fiedeln, wie dies ein Mr. Malmsteen in aller Regelmäßigkeit fabriziert, sondern jedes Solo anders klingen lassen kann. Nach siebzig Minuten ist erst mal Sabbat angesagt, doch die Jungs lassen sich nicht lumpen und kommen noch mal für zwei Zugaben auf die Bretter, um sich danach endgültig zu verabschieden.

Im Herbst wollen SYMPHONY X good old Europe erneut einen Besuch abstatten. Hoffentlich haben sie dann bessere Vorgruppen und einen noch besseren Livemischer im Gepäck.

Redakteur:
Tolga Karabagli

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