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THE ROLLING STONES - Düsseldorf

23.10.2017 | 15:26

09.10.2017, Esprit Arena

Die größte Rockband der Welt erstmalig seit drei Jahren wieder in Deutschland!

Rückkehr der Rock-Legenden oder einfach nur Abzocke von Musikern, die eigentlich längst reif für die Rente wären? Angesichts der gesalzenen Ticketpreise auf der "No Filter"-Tour der britischen Rock-Urväter THE ROLLING STONES gab es sicher nicht wenige Beobachter, die auf die letzte der beiden Optionen getippt hätten. Doch egal, ob ein Sitzplatz direkt vor der Bühnen nun schlappe 499 Euro kostete oder nicht, die Karten für die insgesamt drei Deutschland-Konzerte der Altrocker in Hamburg, München und Düsseldorf waren innerhalb von Minuten vergriffen. Bleibt die Frage, ob die Konzerte von Mick, Keith, Charlie und Ronnie, die zusammen über 280 Lebensjahre auf die Bühne bringen, diese Stange Geld auch wirklich wert sind. Dem wollen wir bei der letzten Show hierzulande in der Düsseldorfer Esprit Arena an diesem verregneten Montagabend auf den Grund gehen.

Doch bevor wir uns ein Bild von den rollenden Steinen machen können, müssen wir erst einmal in die nordrhein-westfälische Landeshauptstadt kommen, was sich angesichts der vielen Baustellen und einiger Unfälle auf den Hauptverkehrsadern um den Rhein herum als gar nicht so einfach herausstellt. So ist es schließlich bereits 20:00 Uhr, als wir am Veranstaltungsort eintreffen, wo die Vorband RIVAL SONS gerade die letzten Töne in das Rund des Fußballstadions gefeuert hat. Für einen wirklichen Eindruck der US-Amerikaner reicht es also leider nicht mehr, was wirklich extrem schade ist, denn als Vorband von BLACK SABBATH haben die Jungs bereits im Frühjahr einen sehr guten Eindruck hinterlassen und ich hätte mir gerne angesehen, wie sie sich vor den knapp 45.000 STONES-Fans in einer Arena dieser Dimension geschlagen haben. Um den Opener beraubt führt unser Weg dann als erstes natürlich zum Merchandise-Stand, wo eine nahezu gigantische Auswahl von Shirts, Hoodies und sonstigen Artikeln auf die Zuschauer warten. Billig sind die Tour-Shirts dabei natürlich mit guten 35 Euro nicht, doch von Abzocke kann hier auch sicher nicht die Rede sein, immerhin muss man für Textilien von IRON MAIDEN oder METALLICA aktuell genauso viel berappen. Also schnell ein Andenken eingetütet, ein wenig Flüssigkeit aus einem stilechten STONES-Becher nachgetankt und auf geht's zu unseren Plätzen.

Im Stadion angekommen, dessen Dach glücklicherweise heute geschlossen ist, erwarten uns dann bereits vier gigantische LED-Screens, von denen uns mit strahlenden Gelb hinterlegt das ikonische Zungen-Logo der ROLLING STONES entgegen leuchtet. Keine fünf Minuten später erlischt dann auch bereits das Hallenlicht und das Gelb wechselt in einen eher bedrohliche Rot-Ton, während die ersten Töne aus der gigantischen Soundanlage erklingen. Der unverwechselbare Samba-Rhythmus lässt schließlich schon die ersten Zuhörer erahnen, welcher Song heute den Opener stellt, während die anderen den Song erst erkennen, als Mick Jagger ganz alleine auf dem ausladenden Laufsteg die erste Strophe intoniert. "Please allow me to introduce myself, I'm a man of wealth and taste" - treffender könnte die Vorstellung der einstmals gefährlichsten Rockband der Welt nicht ausfallen als mit dem Mega-Hit 'Sympathy For The Devil', bevor die Briten mit dem folgenden 'It's Only Rock'n'Roll (But I Like It)' dann das Motto des heutigen Abends verkünden. Für die kommenden zwei Stunden werden die Anwesenden, deren Alter von jungen Teenagern bis zu Rentnern reicht, nämlich aus dem schnöden Altag gerissen und in einen rockenden Kosmos entführt, der alle anwesenden Generationen miteinander verbindet.



Zeremonien-Meister ist dabei natürlich wie immer Mr. Jagger, der mit 74 Jahren noch immer wie ein junger Spund über die Bühne sprintet und in seinem typischen Stil die Hüften schwingt. Sein kongenialer Partner Keith Richards wirkt dagegen fast schon reserviert, wenn er mit der Zigarette im Mundwinkel ein legendäres Gitarren-Riff nach dem anderen trocken aus dem Ärmel schüttelt. Sein Kollege Ronnie Wood ist da schon eher extrovertiert unterwegs und schmeißt sich von einer Pose in die nächste, während der immer etwas unscheinbare Charlie Watts hinter den Drums mit stoischer Ruhe einen perfekten Backbeat liefert. Doch nicht nur die vier STONES präsentieren sich heute in bester Verfassung, auch ihre Begleitband um den langjährigen Keyboarder Chuck Leavell liefert eine erstklassig Performance ab, auch wenn natürlich der mittlerweile verstorbene Bobby Keys am Saxophon noch immer schmerzlich vermisst wird. Der Stimmung in Düsseldorf tut das jedoch keinerlei Abbruch und so feiert das ausverkaufte Stadion Hits wie 'Paint It Black', 'Honky Tonk Women' oder 'Tumbling Dice' frenetisch.

Doch auch wenn das Augenmerk der heutigen Setliste merklich auf den großen Songs der Bandhistorie liegt, hat der Vierer auch einige Schmankerl für die Anhänger der ersten Stunde im Gepäck. Ganz vorne an auf dieser Liste dürfte bei vielen sicher das bissige 'Bitch' vom Langspieler "Sticky Fingers" stehen, das heute ganz besonders rockig aus den Boxen dröhnt und gemeinsam mit dem über ein Publikums-Voting gewählten 'Get Off Of My Cloud' wohl den größten Seltenheitswert besitzt. Natürlich darf aber auch das aktuelle Blues-Album "Blue And Lonesome" nicht fehlen und so befördern 'Just Your Fool' und 'Ride 'Em On Down' die Zuhörer in die Zeit zurück, als die Rocker aus London noch nicht zu Weltruhm aufgestiegen waren. Die Endeckungsreise in die eigene Diskografie im ersten Teil des Konzerts beendet schließlich Keith Richards, der erneut für zwei Songs das Mikrofon von Jagger übernimmt und dabei mit dem "Exile On Main Street"-Track 'Happy' einen echten Publikumsliebling auspackt. Gleichzeitig liefert er mit der getragenen Ballade 'Slipping Away', die er heute überraschend kraftvoll intoniert, einen emotionalen Höhepunkt zwischen all den ganzen Mega-Hits.

Genau mit diesen geht es dann aber im Anschluss auch direkt weiter, wobei vor allem die schweißtreibende Version von 'Midnight Rambler', die inklusive ausgedehnter Solo-Passage und Tempowechsel auf weit über zehn Minuten ausgedehnt wird, auf ganzer Linie überzeugen kann. Der tosende Applaus nach dem "Let It Bleed"-Klassiker lässt zumindest darauf schließen, dass die STONES-Anhänger mehr als zufrieden sind. Doch die ganz großen Hit-Geschosse haben Jagger und Co ja noch gar nicht gezündet und so beendet schließlich ein Viererpack aus 'Street Fighting Man', 'Start Me Up', 'Brown Sugar' und 'Jumpin' Jack Flash' das reguläre Set mehr als angemessen. Schluss ist damit natürlich noch nicht, denn für den Zugabenblock haben sich die Rock-Dinosaurier mit dem fabelhaften 'Gimme Shelter' noch ein wirkliches Schmankerl aufgespart. Für mich persönlich war der fesselnde Track schon immer ein absolutes Highlight im Schaffen der Altrocker, doch mit seinem zum aktuellen Weltgeschehen passenden Text und einem genialen Duett zwischen Jagger und Background-Sängerin Sasha Alle mutiert der Song zum absoluten Höhepunkt des heutigen Abends, auch wenn er vielleicht in den Hitparaden nie den gleichen Stellenwert erreicht hat wie die vorangegangenen Tracks. Der größte Hit der STONES fehlt aber natürlich noch und so beschließt nach gut zwei Stunden schließlich das unvermeindliche '(I Can't Get No) Satisfaction' einen Abend, der wieder einmal bewiesen hat, dass die Briten noch lange nicht reif für die Rente sind.

Setliste: Sympathy For The Devil, It's Only Rock'n'Roll (But I Like It), Tumbling Dice, Just Your Fool, Ride 'Em On Down, Bitch, Get Off Of My Cloud, You Can't Always Get What You Want, Paint It Black, Honky Tonk Women, Happy, Slipping Away, Miss You, Midnight Rambler, Street Fighting Man, Start Me Up, Brown Sugar, Jumpin' Jack Flash, Gimme Shelter, (I Can't Get No) Satisfaction

Alles in allem kann man die eingangs gestellte Frage auch nach dem Genuss der Show nicht allgemeingütlig beantworten. Natürlich sind die Ticketpreise in den letzten Jahren explodiert und auch die STONES rufen für ihre Konzerte teilweise Unsummen auf, andererseits bekommt der Zuschauer dafür aber auch weit mehr geboten als bei anderen Shows, die sich in ähnlichen Preisklassen bewegen. Ob man das Geld nun ausgeben möchte oder nicht, das bleibt am Ende damit eine ganz persönliche Entscheidung. Ich jedenfalls bin froh, diese Legenden noch einmal auf der Bühne gesehen zu haben, denn auch auch wenn man ihnen das Alter inzwischen an einigen Stellen anmerkt, so bleiben die rollenden Steine doch weiterhin eine Klasse für sich, wenn es um ein gigantisches Rock 'n' Roll-Spektakel geht. Und so werde ich wahrscheinlich auch bei der nächsten Deutschland-Tournee wieder mit dabei sein, denn heute abend waren die STONES wahrscheinlich nicht zum letzten Mal hierzulande auf der Bühne, wie das vielsagende "Bis bald" vermuten lässt, das zum Abschluss der Show über die Bildschirme flimmerte.

Redakteur:
Tobias Dahs

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