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THRESHOLD, ENOCHIAN THEORY, CRYPTEX - Aschaffenburg

23.04.2013 | 12:58

13.03.2013, Colos-Saal

Ein Leckerbissen für Prog-Gourmets und eines der ersten Highlights des Jahres.

Die Voraussetzungen für eine schnelle Anfahrt nach Aschaffenburg stehen ungünstig, da die A5 und A3 zum Feierabendverkehr hoch frequentiert ist und zudem seit Dienstag Schneechaos mitsamt Massenkarambolagen und stehengebliebenen Fluggästen herrscht. Daher bin ich auch nicht verwundert, als ich auf die A5 fahre und der Verkehr stockt. Doch zu meinem Erstaunen hat sich der nach einem Unfall gebildete Stau, nach einer knappen halben Stunde wieder aufgelöst. Somit ist ein pünktliches Eintreffen im "Colos-Saal" gesichert.

Eigentlich ist der Beginn auf 20 Uhr angesetzt, da das Konzert jedoch am Mittwoch über die Bühne geht und ich am nächsten Morgen zu einer betrieblichen Schulung muss, bin ich froh, dass die Vorband CRYPTEX aus Salzgitter um 19.30 Uhr mit ihrem Set loslegt. Dabei erinnert die Darbietung an eine abgespeckte Version von JON OLIVA'S PAIN, da der Sänger die ersten drei Songs am Keyboard Platz nimmt und die (noch nicht ganz so volle) Halle von dort aufheizt. Dabei wird auf die Hinzunahme eines Bassisten zu Beginn des Sets verzichtet und das Trio kann des Weiteren mit Gitarre und Drums aufwarten. Während der Sänger mit seiner stimmlichen Klangfarbe  Erinnerungen an Steve Lee (R.I.P., ehemaliger Sänger von GOTTHARD) weckt, ist der Sound von klassischem Hardrock geschweige denn Progressive Rock weit entfernt. Klar, die Jungs machen gut Stimmung, doch so richtig mitreißen können sie mich zumindest nicht. Auf jeden Fall muss die Truppe soundmäßig keine Einbußen mitnehmen und im Laufe der Darbietung kommt auch ein bisschen Stimmung auf, als der Sänger zum Bass greift und der Gitarrist statt der E-Gitarre an der Akustikklampfe zupft. Erstaunlich ist auch die Tatsache, dass die Band eine Spielzeit von einer Dreiviertelstunde zugesprochen bekommt, welche für die Startcombo üblicherweise bei 30 Minuten liegt. Alles in allem nett aber mich haben sie als Fan nicht hinzu gewinnen können.

 

Nach einer erfreulich kurzen Umbaupause stehen ENOCHIAN THEORY aus England auf den Brettern. Dabei hat es das Trio nicht leicht sich in die Herzen der Zuschauer zu spielen, da der sehr kopflastige Sound Erinnerungen an CYNIC weckt, ohne jedoch annähernd ihre Klasse zu erreichen. Zudem kommt die Rhythmusgitarre vom Band und als ob das nicht genug ist, schmiert nach dem zweiten Song die Bassanlage ab. Kaum nimmt die Band wieder Fahrt auf, gibt das einzige Mikrofon der Truppe den Geist auf. Während die Rhythmussektion fleißig weiter spielt, wünscht sich der Sänger und Gitarrist erst gar nicht auf der Bühne zu stehen und schimpft verständlicherweise wie ein Rohrspatz. Das Ersatzmikro funktioniert danach zwar wieder, doch irgendwie ist die Luft raus. Danach versucht das Trio verlorenes Terrain wieder zu gewinnen und legt ein paar Briketts drauf, doch so wirklich will der Funke nicht rüberspringen.

 

Um 21.40 Uhr steigen endlich THRESHOLD mit 'Mission Profile' auf die Bühne, um mit aller Macht zu demonstrieren wie richtig guter Progressive Metal gespielt werden muss. Damian Wilson sieht zwar mit seinem Vollbart aus wie der schlanke Bruder von Russell Allen, doch geht sehr agil zu Werke und ist unentwegt auf der Bühne unterwegs. Lediglich Keyboarder Richard West und Drummer Johanne James sind an ihren Arbeitsplatz
gebunden, was sie nicht davon abhält um die Wette zu grinsen. Karl Groom und Pete Morten haben mächtig Spaß in den Backen und duellieren sich förmlich mit ihren Gitarren, während Tieftöner Steve Anderson mit stoischer Miene ein solides Soundfundament legt. Alleine die Gitarrensoli vom Gitarristenduo können sich hören und sehen lassen und sind es allein Wert dem heutigen Konzert beizuwohnen. Meine persönlichen Highlights sind neben dem von der „Rock Hard“-CD bekannten Tracks auch 'Coda', 'Pilot In The Sky Of Dreams' und 'Slipstream', wobei die restlichen Songs alles andere als Ausschussware sind. Alleine die Backingvocals, welche von Richard West, Karl Groom und Pete Morten geschmettert werden, können sich hören lassen. Ich habe schon einige Konzerte besucht, doch selten habe ich eine Band gesehen, die so gut untereinander und mit dem Publikum harmoniert. Da wirkt nichts aufgesetzt, was sie nicht nur mir sehr sympathisch macht. Der komplette "Colos-Saal" schießt steil durch die Decke, was die Band dazu animiert, das Letzte aus sich heraus zu holen. An dem heutigen Abend stimmt einfach alles: Sound, Stimmung und allen voran das Publikum.

Natürlich lässt sich das Sextett am Ende nicht zwei Mal bitten, um noch zwei Zugaben zu zocken. Nach 'Light & Space' und dem bereits erwähnten 'Slipstream', findet das Konzert nach hundert Minuten ein viel zu frühes Ende. Das findet auch das Publikum und feiert die Jungs gebührend ab. Besonders sympathisch ist Damian Wilson, der am Ende zwei Mal stagedived und sich noch in den Innenraum begibt, um von sich und den Fans Fotos schießen zu lassen.

Eines meiner persönlichen Konzerthighlights für dieses Jahr, welches schwer zu toppen sein wird. Doch warten wir’s ab. Das Jahr hat noch einige Highlights zu bieten. Nichtsdestotrotz ist die Messlatte hoch gelegt.

 

Setlist THRESHOLD:

 

 

Mission Profile, Don’t Look Down, Hollow, Coda, Part Of The Chaos, Colophon, Pilot In The Sky, Ashes, Angels, Staring At The Sun, Long Way Home, The Rubicon
------------------
Light & Space, Slipstream

 

Redakteur:
Tolga Karabagli

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