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TOMORROW´S EVE - Neunkirchen

04.02.2003 | 13:55

31.01.2003, Stummschen Reithalle

Sehr gespannt war ich auf dieses Konzert, da es sich ja um die CD-Release-Party der zweiten TOMORROW´S EVE-CD handelte und im Vergleich zum sehr vielversprechenden Erstwerk mittlerweile nur noch der Keyboarder Oliver Schwickert und der Gitarrist Rainer Grund übrig geblieben sind. Die Neuzugänge Rouven Bitz (Gesang), Oliver Jungmann (Schlagzeug) und René Müller (Bass), mit einem jungen Altersdurchschnitt von ca. 23 Jahren mussten in ziemlich große Fußstapfen treten, da Ihre Vorgänger schon auf der ersten CD-Release-Party für offene Münder sorgen konnten.

Den Opener für diesen Abend in der angenehm gefüllten Halle in Neunkirchen übernahmen PANAMA. Diese boten sehr groovenden, bassorientierten Rock ihrer ersten CD "Winding the moon down", der zwar eigenständig klingt, aber dessen Wurzeln u.a. in Bands wie Extreme, Queensryche oder eben Van Halen zu suchen sind. Die Klasse der genannten Bands konnten sie zwar nicht ganz erreichen, aber welche Band kann das schon von sich behaupten. Trotzdem bewegten sie sich auf einem sehr hohen Niveau und spielten sehr tight zusammen. Durch ihre lockere Art, mit Unvorhergesehenem umzugehen, wurden sie auch im Laufe des Sets immer sympathischer. So machte es keinen Abbruch, dass das Metronom des Drummers mal für ein paar Takte nur über die P.A.-Boxen statt über den Kopfhörer des Drummers zu hören war. Ein nicht ganz unbekanntes Mitglied aus der Prog-Metal-Szene können sie auch in ihren Reihen verzeichnen, nämlich den Bassisten Martin Reichhardt von der alten Lautrer Band SUPERIOR.
Die zwei Gitarristen spielten auf ihren Strats eher rockige und cleane Sounds. Die mehrstimmigen Gesänge des Frontmanns und den Gitarristen, die meistens in mittleren Tonlagen gehalten wurde, kamen schon sehr überzeugend rüber, sind aber an manchen Stellen noch ausbaufähig. Beim letzten Song vor der Zugabe kamen dann noch akustische Instrumente wie Mandoline zum Einsatz. Nach den stilistisch breitgefächerten Eigenkompositionen hatten PANAMA in ihrer Zugabe noch ein Cover-Schmankerl von GENESIS und zwar “Land Of Confusion“. Da man den fetten Synthie-Bass vom Original wegen fehlendem Keyboard nicht bringen konnte, wurde das Stück zu Gunsten einiger Härtegrade und einem erhöhten Groove-Faktor durch die Boxen geblasen.

Dem Publikum merkte man allerdings an, dass die Mehrzahl von ihnen wegen des Headliners gekommen waren. So legten TOMORROW´S EVE mit dem obligatorischen Keyboard-Intro los und konnten schon nach wenigen Minuten alle Zweifel aus der Welt räumen, dass die oben erwähnten Neuzugänge das Niveau nicht halten könnten. Oliver Jungmann war „zufälligerweise“ der Schlagzeugschüler des Vorgängers, der mittlerweile seine Brötchen mit etwas kommerziellerer Musik verdienen darf. Das Auftreten war sehr professionell und die Songs der neuen CD wurden spielerisch absolut sauber auf den Punkt gebracht. Rainer spielte auf seiner Les Paul sehr songdienlich und verlieh den Stücken mit seinen Brat-Riffs im Brachial-Sound die nötige Härte.
Zum neuen Sänger Rouven Bitz fällt es mir schwer objektiv zu bleiben, da dieser noch in der Melodic-Power-Metal Band WARCHILD singt, in der ich auch mit von der Partie bin. Allerdings kann gesagt werden, dass er seine Sache dafür, dass er die Songs in Rekordzeit lernen musste, sehr gut hingekriegt hat. Bei Progressive-Bands steht der Gesang nicht so im Vordergrund wie bei anderen Acts. So hatte auch er manchmal das Problem, was er mit sich anfangen sollte, wenn die Herren Musikerkollegen sich an ihren Instrumenten in den langen Instrumentalparts auslebten. Deshalb war er auch manchmal singenderweise im Publikum unterwegs. Dieses Problem hatten DREAM THEATER ja zuletzt damit gelöst, dass sie James La Brie Rasseln an die Seite gestellt haben.
Da die an diesem Abend erstmals live vorgestellte 2.CD, auf der noch der alte Sänger zu hören ist, peinlicherweise noch nicht da war, konnte der Gesang nur bei der Zugabe “Success“ (von der ersten CD) mit dem Vorgänger verglichen werden. Hier war allerdings nur schwer ein Unterschied feststellbar, da Rouven sich sehr an die Interpretation der CD hielt.
Die Lightshow war wie bei der ersten CD-Release-Party wieder sehr geschmackvoll auf die Musik abgestimmt. Die Musik selbst kann man als konsequente Weiterentwicklung der ersten CD beschreiben. Bei TOMORROW´S EVE wird immer noch mehr Wert auf sehr gut ausgefeilte Arrangements als auf ausufernde Frickeleien gelegt. So können sie ohne weiteres in einem Atemzug mit Bands wie VANDEN PLAS oder THRESHOLD genannt werden.
Das Konzept der Platte ist aus dem Science Fiction-Bereich und hat einen sozialkritischen Bezug. Hintergrund ist, dass eines Tages die menschlichen Gene optimiert und kontrolliert werden. Der Spiegel der Schöpfung (so auch der CD-Titel “Mirror Of Creation“) dient als Ausgangspunkt für die Geschichte um einen optimierten Jungen, um die Story nur mal ganz kurz anzureißen. Näheres gibt’s unter www.tomorrows-eve.de.

Nach Zugaberufen konnte nur noch ein Stück der ersten CD gespielt werden, bevor man die vorgegebene musikalische Sperrfrist einhalten musste. Alles in allem war das mal wieder ein Abend für Freunde anspruchsvoller Rockmusik, die um kurz nach zwölf bestimmt nicht enttäuscht den Nachhauseweg angetreten haben.



SETLIST

1. Optimization
2. Cold Science
3. If Eyes Turn Blind
4. Lost
5. Live Your Dream
6. Next Chapter
7. New Orders
8. Crazed Gunmen
9. Mirror Of Creation
10. Too Many Lies
11. Point Of No Return

12. Success

Redakteur:
Tilmann Ruby

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