TRIBULATION, GRAVE PLEASURES & VAMPIRE - München

22.02.2016 | 10:04

23.01.2016, Backstage Halle

The early bird catches the worm...

Der Konzert-Samstag beginnt nicht ganz nach Plan. Kollegin Hang ist zu Besuch und freut sich vor allem auf den Auftritt von VAMPIRE. Nachdem wir gegen halb acht auf dem Backstage-Gelände aufschlagen, tönt uns schon der erste Lärm entgegen. Die Hoffnung, es würde sich um einen letzten Soundcheck halten, erstickt im Keim, als wir in der Backstage Halle einlaufen. Der Auftritt von VAMPIRE ist schon in vollem Gange und so kommen wir in den Genuß von lediglich zwei Songs - zu wenig, um die Show zu beurteilen. Dennoch scheinen die Schweden Bock auf der Bühne zu haben und werden mit weit mehr als Höflichkeitsapplaus abgefeiert.

Wie sich im übrigen herausstellt, sind Hang und ich nicht die einzigen, die durch den frühen Showbeginn VAMPIRE verpasst haben. Aber egal, schließlich stehen mit GRAVE PLEASURES und TRIBULATION noch zwei Bands auf dem Plan, die mit ihren 2015er Alben in der Hartwurst-Szene eingeschlagen haben wie Bombe. Die Live-Tauglichkeit des BEASTMILK-Nachfolgers konnte ich schon vergangenen Herbst erproben, als die Dame und Herren mit unter anderem KONTINUUM im Vorprogramm im Münchner Feierwerk dem geneigten Fan zum "Climax" verhalfen.

Und so sollte es denn auch heute weitergehen, nur um einen Ticken besser sogar. Fronter Matt wirkt weniger hüftsteif und nervös als noch im September. Die Ansagen des Briten sind heute wesentlich spontaner und nicht gar so einstudiert. Die Spontanität ist ansteckend. Denn nicht nur die Band spielt sich in einen ekstatischen Rausch. Auch das Publikum wird vom ersten Song, dem "Dreamcrash"-Opener 'Utopian Scream' angefixt. Zwar haben sich die Reihen nach dem Auftritt von VAMPIRE etwas gelichtet, der Stimmung tut dies aber absolut keinen Abbruch.

Überraschend ist bei der Show von GRAVE PLEASURES vor allem, dass sich das Münchner Publikum mit der Tatsache abgefunden zu haben scheint, dass BEASTMILK endgültig tot ist und das Quintett kein zweites "Climax" mehr aufnehmen wird. Denn waren es im September noch vor allem die "alten" Songs, die besonders abgefeiert wurden, werden heute auch "Dreamcrash"-Hits wie 'Taste The Void', 'Girl In A Vortex' oder 'New Hip Moon' durch die Bank positiv aufgenommen. Besonderer Blickfang ist auch heute wieder ex-THE OATH-Gitarristin Linnéa Olsson. Die Exil-Berlinerin bewegt sich erotisch-lasziv. Niemals wirkt die Show aber aufgesetzt. Die Frau verschmilzt auf der Bühne mit ihrer Gitarre. Ihrem leidenschaftlichen, intensiven Spiel ist wohl auch der Umstand zu "verdanken", dass sie ihre Klampfe nach fast jedem Song nachstimmen muss.

Aber auch Basser Valtteri und Live-Klampfer Juho liefern einen hervorragenden Job ab. Und wo ex-IN SOLITUDE-Trommler Uno mitzockt, kann es nur genial werden. Der Schwede bevorzugt ein minimal ausgestattetes Kit. Mehr braucht ein hervorrangender Drummer auch nicht, um einen höllischen Groove zu erzeugen, um originelle Patterns zu spielen.

Die Songauswahl deckt sich weitestgehend mit jener von der September-Show. Dennoch hört das Quintett etwas überraschend mit dem sehr sanften, ruhigen 'Crooked Vein' auf. Damit ist die Stunde voll und das Publikum gerade genug gesättigt, um sich auf den nächsten Auftritt von GRAVE PLEASURES zu freuen.

Setlist: 1. Utopian Scream; 2. Taste The Void; 3. You Are Now Under Our Control; 4. Crying Wolves; 5. Futureshock; 6. Genocidal Crush; 7. Worn Threds; 8. Crisis; 9. No Survival; 10. Fear Your Mind; 11. Girl In A Vortex; 12. New Hip Moon; 13. Love In A Cold World; 13. Crooked Vein.

Nach kurzer Umbaupause entern die Headliner des heutigen Abends zu den Klängen des Instrumentals 'Cauda Pavonis' die Bühne. Etwas ungewöhnlich steigt TRIBULATION mit 'Vagina Dentata', dem Opener von "The Formulas Of Death", ein - der Song an sich hat auch eher Intro-Charakter. Aber egal, die Schweden haben heute Bock, posen was geht und haben das Münchner Publikum sofort im Griff. Ab dem ersten "richtigen" Song, 'Melancholia', ist dann klar, dass die Schweden die Gewinner des heutigen Abends sind.

Souverän diktiert Vorsteher Johannes das Publikum. Ohne aufgesetztes Gepose wirkt das Acting des Bass-spielenden Sängers äußerst bodenständig und evil as fuck. Keine Pommesgabeln, keine "Hey! Hey! Hey!"-Aufrufe ans Publikum - hier wird die düstere Mucke nicht zu Partyzwecken missbraucht. Dadurch bekommt der Auftritt des Quartetts einen finsteren Touch und Überhits wie 'Strange Gateways Beckon' und 'Ultra Silvam' (was ein herrlicher Groove!) kommen dementsprechend rüber.

Ein Manko zieht sich allerdings durch die knapp 60-minütige Show: Während sich die cleanen Gitarren im Gesamtsound recht gut durchsetzen, matschen die verzerrten Klampfen. Das liegt zweifellos nicht am Zusammenspiel der Schweden, das heute sehr tight ist. Selbst Positionswechsel innerhalb der Halle beheben das Problem nicht. Doch die Münchner haben damit anscheinend weniger ein Problem. Denn egal, ob man die Songs nun kennt oder nicht: Die Show von TRIBULATION ist dermaßen mitreissend und stimmig, dass einem nichts anderes übrig bleibt als mitzugehen. In der Form mit besserem Sound ist TRIBULATION unschlagbar!

Setlist: 1. Cauda Pavonis (Intro); 2. Vagina Dentata; 3. Melancholia; 4. In The Dreams Of The Dead; 5. Beyond The Horror; 6. The Vampyre; 7. The Motherhood Of God; 7. Rånda; 8. Winds; 9. Ultra Silvam; 10. Strange Gateways Beckon; 11. When The Sky Is Black With Devils.

Text: Haris Durakovic - Fotos: Hang Mai Le

Redakteur:
Haris Durakovic

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