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Terminal Choice - Leipzig

30.10.2006 | 22:18

20.10.2006, Hellraiser

Von kreischenden Teenies keine Spur - und das obwohl vor einigen Jahren TERMINAL CHOICE noch so viele angelockt hat. An diesem Freitag versammeln sich im Hellraiser zu Leipzig nur wenige hundert "Gruftis", deren Altersdurchschnitt wohl bei Mitte 20 liegt. Wahrscheinlich kommen sie, um ihre alten Elektro-Helden nach mehreren Jahren Bühnenabstinenz noch einmal zu feiern. Doch bis dato dauert es: Ein DJ legt bis kurz nach 21:30 Uhr neben TERMINAL CHOICE-Hits diverse andere Musikstücke aus dem Elektro-Bereich auf. Die Stimmung hebt es nicht. Alles scheint sehr verhalten zu sein. Eine Stimmung, die die ersten beiden Vorbands überdauert.

Als erstes betreten die Jungs von LIMBOGOTT die Bühne: Die beiden Frontmänner Limbosonic und Lard Mason haben ihre Kleidung und ihre Arme und Gesichter mit Kunstblut, grüner und schwarzer Farbe beschmiert. Vor allem Limbosonic wirkt mit seiner Gestik und Körpersprache wie ein geisteskranker Irrer. Gerade auch tiefe Blicke ins Publikum lassen paranoide Anwandlungen spüren. Doch weder ihr Aussehen noch ihre Musik bewegt die Menge, und das obwohl LIMBOGOTT ähnlich harte elektronische Klänge vertreten wie TERMINAL CHOICE das vor Jahren noch tat. Ihr Musik scheint zum Teil in die Richtung Elektro-Techno und zum anderen wieder in den Elektro-Metal abzudrifften. Eine recht abwechslungsreiche Show mit Musik, die einen definitiv nicht zum Einschlafen bringt. Die einzigen die sich zur Musik bewegen, sind die anderen Bandmitglieder. Aber so lange sich LIMBOGOTT mit ihrer verschwitzen Schminke ernst nehmen, sind sie sicher noch über ihren Auftritt zufrieden.

Nahezu ungeschminkt und im Gegensatz zu LIMBOGOTT auch total lieb wirken die vier Bandmitglieder von EMINENCE OF DARKNESS. Ein Name, der eigentlich etwas anderes verspricht, als das, was einem auf der Bühne geboten wird: Kein Teufel betritt die Bühne, hingegen gibt es eine gutaussehende Gitarristin und unter anderem einen Sänger, der Brian Molko von PLACEBO ähnelt. Neben insgesamt zwei Gitarren gibt es zwei Keyboards auf der Bühne. EMINENCE OF DARKNESS produzieren damit sehr eingängigen Elektro, der manchmal zwar sehr romantisch wirkt, aber eigentlich den Hörer zum Bewegen motivieren sollte. Doch nichts tut sich vor der Bühne. Kein Jubel, keine freudestrahlenden Gesichter. Scheinbar warten die Anwesenden nur auf TERMINAL CHOICE, und das obwohl die Band zum Teil ähnlichen Elektro spielt. Doch EMINENCE OF DARKNESS bieten dabei nicht nur von den Melodien her Abwechslung, sondern auch vom Gesang. Denn nicht nur der Brian Molko-Verschnitt kann auch ähnlich singen, die Gitarristin und der kurzhaarige Keyboarder können das genauso. Nach einer knappen Stunde ist ihr Auftritt dann allerdings zu Ende. Überraschenderweise kommen sogar Zugaberufe.

Eine Weile nachdem EMINENCE OF DARKNESS die Bühne verlassen haben, wird es wieder dunkel im Hellraiser. Ein Intro ertönt mit einer Warnung, einer Sicherheitswarnung. Die ersten Töne von 'Animal' ertönen, einem älteren TERMINAL CHOICE-Song. Trotz der dreijähriger Bühnenabstinenz lösen sie damit bei vielen wohl ein "Glücksgefühl" aus. Gespannt blickt das Publikum nach vorn. Doch in der Band scheint sich einiges getan zu haben: TERMINAL CHOICE war "schwanger", wie Sänger Chris Pohl bekanntgibt und stellt die beiden Neulinge vor. Danach geht es rasant weiter mit einer Mischung als alten Hits und einigen neuen Stücken vom aktuellen "New Born Enemies"-Album. Die alten, härteren Elektro-Stücke wie 'Injustice' , 'Be Like Me' oder 'Collective Suicide' kommen gut an. Bei den neuen Stücken wie 'Don't Go' wirkt das Publikum eher verhalten. Doch wenigstens Chris Pohl kleidet sich auf der Bühne, wie man es von ihm gewohnt ist: Eine weiße und eine rote Kontaktlinse, dunkel geschminkte Augen und böse, selbstgefällige Blicke. Passend zu den alten, bestimmenden Songs. Aber auch manch ein neuer Song steht den alten Elektro-Sachen von TERMINAL CHOICE nicht nach, wie beispielsweise 'Devil Daddy': Langsamer, aber harter und leicht in die Metal-Ecke gehender Elektro. Nach diesem vorerst letzten Song verlassen die Jungs das erste Mal an dem Abend die Bühne, doch Chris Pohl kündigt bereits an: Leipzig soll sich nicht verarschen lassen, dass um Mitternacht bereits "Schluss" sei. Nach nicht einmal einer halben Minute Zugaberufen bekommt das Publikum was es will, denn TERMINAL CHOICE kommen rasch wieder und spielen unter anderem noch 'Armageddon'. Danach folgt eine weitere Zugabe, und kurz vor 1 Uhr ist ihr langersehnter Auftritt vorbei. Die meisten gehen nach Hause, bis auf die einzigen Teenies, die die ganze Zeit vorn in der ersten Reihe gestanden hatten. Sie warten noch auf ihre "Elektro-Helden".

Redakteur:
Franziska Böhl

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