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The Art Of Illusion - Stuttgart

19.02.2001 | 07:46

16.02.2001, LKA - Longhorn

Wieder einmal trottete ein ”Support your Local Bands”-Abend ins
Schwabenländle, diesmal waren THE ART OF ILLUSION, die der
eigentliche Grund waren, weswegen ich nach Stuttgart ins LKA fuhr,
und MANIC DEPRESSION dabei.
Als ich gerade noch so einigermaßen rechtzeitig im LKA ankam, da ich
erst im Nachhinein erfahren hatte, dass das Ganze doch etwas früher
als ich geplant hatte begann, war ich erst mal total verblüfft, da
das wirklich die erste (mehr oder weniger) Underground-Veranstaltung
war, die zu dem mir genannten Zeitpunkt begann.

So fingen also gegen 21.45 Uhr THE ART OF ILLUSION, die sich mit
ihrem aktuellstes Album \"Labyrinth Of Fate\" sehr gute Kritiken
eingeholt hatten, mit ihrem abwechslungsreichen
Melodic-Prog-Wohlfühl-Rock an. Im Vorab ein wahrlich guter Auftritt,
den die Band aus Stuttgart da trotz lang ausgebliebener
Bühnenpräsenz vorlegte.
Zu Beginn gab’s “Money” auf die Ohren, der erste Song und schon die
erste mitreißende Melodie, die sich auch leicht ins tragische
definieren lässt, es versprach also ein mitreißender Gig zu werden.
Mitreisend, intensiv und abwechslungsreich, sehr abwechslungsreich,
da in den Songs von den Jungs sowohl Elemente vom Hardrock, Folk,
HeavyMetal und Prog verbunden werden, fast jeder Song einen eigenen
Charakter hat und sowohl englisch als auch spanisch gesungen wird,
was auch noch ein kleiner Faktor, der zum Facettenreichtum verhilft,
wäre. Der Auftritt sollte auch nicht an fehlender Bühnenpräsenz
scheitern, da Sänger Vladimir Catalina ein ausgesprochener
Scherzkeks ist, so z.B. bei “Living Dead”, bei dem er mit einem
Vampirgebiss die Bühne enterte und den für die Keys verantwortlichen
Reto Schoely vernaschte, ihn aber doch am Leben lies, da die Keys
quasi allen Songs eine Basis boten, manchmal aber auch mehr im
Mittelpunkt stand und somit ja noch gebraucht wurde. Auch wurde der
Kontakt zum Publikum nicht vernachlässigt und zumindest versucht,
die Zuschauer beim letzten Song “Gedudel” (ein noch namenloser Song
der sich lediglich auf der Setlist den Namen \"Gedudel\" eingeholt
hat), zum mitsingen anzustimmen, was teilweise auch klappte. Das
musikalische stimmte, die Performance stimmte, mit dem Sound konnte
man sich auch ziemlich zufrieden geben und die Band hinterlies einen
sehr warmherzigen Eindruck. Kein schlechter Anfang.

Die zweite und gleichzeitig letzte Band diesen Abends war MANIC
DEPRESSION, bei deren Auftritt ich die ganze Zeit versuchte, deren
etwas wirre Stilbeschreibung auseinander zu pflücken die da lautete
“Tripcorefunk”. Anfänglich konnte ich mir darunter wahrlich nicht viel
vorstellen, im Laufe des Abends jedoch entschlüsselte und
analysierte ich diese Stilbeschreibung langsam. “Funk” war vollkommen
berechtigt, da die Jungs bei manchen Songs ganz schöne Funk-Anleihen
aufzeigten, was mir persönlich nicht in den Kram passte, sich aber
doch ganz passabel anhören lies. “Core” konnte man durchaus auch
durchgehen lassen, aber was es jetzt mit “Trip” auf sich hatte konnte
ich dann nicht mehr ganz erfassen :-). Im Endeffekt hätte man wohl
auch Alternative dazu sagen können. Der Gesang basierte teilweise
auf Rap und “normalem“ Gesang, was mich als Neometaller nicht störte,
aber leicht ausdruckslos von Dannen flatterte. Jedoch muss man das
nicht gerade als negativ sehen, da dies ja durchaus beabsichtigt
sein kann. Die Gitarrenarbeit erinnerte mich teilweise leicht an
RATM und beim Ausfall einer Gitarre wurde die Wartezeit durch
Improvisieren eigentlich ziemlich gut überbrückt. Der üppige
Abwechslungsreichtum wie zuvor wurde hier nicht ganz so ausgefüllt,
was bei der Gegenüberstellung mit THE ART OF ILLUSION aber auch
seeeehr schwer ist :-). Natürlich war mal mehr Funk dabei, mal n
paar Backing-Vocals, mal mehr mal weniger Gitarre, usw. Jedoch fast
gleiche, immerwährende Songstrukturen. Auch wurde fast kein Kontakt
zum Publikum aufgenommen und es wurden nur wenige Ansagen gemacht.
Ein Punkt, an dem MANIC DEPRESSION evt. noch etwas arbeiten sollten.
So gegen 00.00 Uhr war dann auch hier Sense und danach wie jeden
Freitag reguläre Crossover-Disco.

An diesem Abend waren zwei ziemlich unterschiedliche und vom Stil
her überhaupt nicht harmonierende Bands auf den Brettern des LKA’s,
dies störte aber nicht im geringsten, denn ein Mischen von Stilen
kann durchaus reizvoll sein.

Redakteur:
Dani Schmötzer

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