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The Darkness/Doomfoxx - Berlin

24.03.2006 | 13:25

22.03.2006, Columbiahalle

Rock'n'Roll is back in town! Denn die britischen Falsett-Rocker THE DARKNESS haben mit den Australiern DOOMFOXX eine durchaus passende Vorgruppe im Tourgepäck, und auch in den Pausen wird das relativ spärliche Publikum, welches die ca. 3500 Menschen fassende Columbiahalle maximal zu einem Drittel bevölkert, mit Konservenmucke der Marke AC/DC oder WHITESNAKE beschallt. In Sachen Location hat man wohl etwas zu hoch gegriffen - der beim letzten Konzert im Jahre 2004 proppenvolle benachbarte Columbia Club hätte es für die "One Way Ticket To Hell"-Tour vermutlich auch wieder getan.

Punkt 20 Uhr erklimmt zunächst das Quintett von Down Under die Bühne. Im Vergleich zum eunuchenhaften Organ von THE DARKNESS-Sänger Justin Hawkins röhrt DOOMFOOX-Fronter Stuart McKie merklich whiskey-geschwängert in eher kellertiefen Gefilden. Aber auch bei DOOMFOXX spielt das Show-Element eine wichtige Rolle: Während der leicht speckige Sänger mit Bowler-Hut, Nadelstreifen-Hose und -Weste eine Mischung aus Altrocker und Gentleman markiert, trägt Gitarrist Dave Thomas zumindest während der ersten Songs ein stilechtes Leoparden-Hemd, und Schlagzeuger Jase Burec hat als Fantrophäe (vermutlich von einem vergangenen Auftritt) einen pinkfarbenen Wonderbra am Drumkit baumeln. Garniert wird das ganze durch zum Teil etwas platte Texte der Marke "Hey ho, let's go, time for Rock'n'Roll" und ein echt töftes Mundharmonika-Solo. Nachdem der Aussie-Humor anfangs nicht so recht zu zünden scheint ("Who loves expensive and fast cars?" Betretenes Schweigen. "Come on, put your hands in the air." Einige Arme gehen zaghaft nach oben. "Everyone does, and that's why we have a ballad." Aha?!?), springt der Funke im Laufe des 45minütigen Gigs immer mehr auf das feierwütige Publikum über. Und schließlich darf der sichtlich gerührte Stuart sogar von einem der weiblichen Fans ein handbeschriftetes Tuch mit der Aufschrift "DOOMFOXX is Sexx" entgegennehmen. Na ja, richtig sexy finde ich eigentlich keinen der Jungs, aber sie wissen die landestypische Rock'n Roll-Botschaft recht überzeugend zu verbreiten.

A propos Sex: Das erste Mal ist bekanntlich unvergesslich. Genau wie mein erstes THE DARKNESS-Konzert. (Ja, blöde Überleitung, ich weiß.) Es war im Jahre 2003, das Debüt "Permission To Land" stand noch in den Startlöchern, und die britischen Glam-Rocker absolvierten als "Geheimtipp" auf der Zeltbühne des With Full Force Festivals ihren ersten Deutschland-Auftritt. In Erwartung irgendeiner Düstercombo wurde ich von den peinlichen Outfits nebst Spagat-Luftsprüngen und diesem merkwürdigen Kieks-Gesang völlig überrumpelt - und hatte nach dem anfänglichen Schock riesigen Spaß. Das Quartett um die beiden Hawkins-Brüder war noch jung und hungrig und verwandelte die Bühne in ein lustiges, aber gleichzeitig sehr tight rockendes Kasperle-Theater. "Permission To Land" war für einige Zeit meine liebste Party-Scheibe, und auch der einleitend erwähnte Gig im Rahmen der ersten Europatour machte durchaus noch Laune. Selbst wenn das zweite Studio-Werk "One Way Ticket To Hell ... And Back" zum Teil deutlich ernsthaftere Töne anschlägt (sofern man bei dieser Combo von Ernsthaftigkeit überhaupt reden kann), so erwarte ich von einem THE DARKNESS-Konzert demzufolge alles, nur keine zwar grundsolide, aber überraschungsarme Show. Aber genau daran krankt der nun folgende Auftritt immens.

Bühnenbild? Fehlanzeige. Sonstige Effekte (ein paar Pyros hätten ja schon genügt)? Ebenso. Wenn ich daran denke, welche Armee an Scheinwerfern drei Tage zuvor noch IN FLAMES (völlig andere Baustelle, ich weiß) an gleicher Stelle aufgefahren haben, ist das, was THE DARKNESS bieten, doppelt arm. Gut, die zahlreichen Outfits des ziemlich in die Breite gegangenen Sängers sind immer noch eine Beleidigung für die Augen. Gestreifte Lederhosen, Fransenjacken, dazu eine grellbunte Gitarre - kennt man schon. Sein Bruder Dan besitzt immer noch eine riesige Sammlung von THIN LIZZY-Shirts, von denen er ebenfalls mehrere pro Gig verschleißt. Die "alten" Songs wie 'I Believe In A Thing Called Love' oder 'Friday Night' machen heute noch genauso viel Spaß wie die rockigeren Stücke des Nachfolgers. Und das QUEEN-lastige 'Blind Man' oder die Keyboard-Ballade 'Seemed Like A Good Idea At The Time' (zu der Justin Hawkins erstmalig ein recht spacig aussehendes Tasteninstrument bedient) bereichern das THE DARKNESS-Repertoire ungemein. Höhepunkt des Auftritts sind jedoch die von Neu-Bassist Richie Edwards am Mikro interpretierten AC/DC-Coverversionen von 'Highway To Hell' (komplett) und 'Thunderstruck' (teilweise), die verdeutlichen, dass er seinen deutlich trägeren Vorgänger Frankie Poullain mehr als nur ersetzt. Nachdem der mopsige Justin offenbar nicht mehr dazu in der Lage ist, seine berühmten Luftsprünge zu vollziehen (wobei es fast schon niedlich ist, wie er ab und an wenigstens eine Andeutung davon versucht), ist Richie eindeutig der beste Rocker der Formation.

Den Fans scheint die zwar recht engagierte, aber insgesamt eher höhepunktarme Show trotzdem zu gefallen. Und als sich Justin zum finalen 'Bald' auf den Schultern eines Roadies gitarrenspielenderweise durchs Publikum tragen lässt, bin auch ich fast versöhnt. Aber nur fast. Denn das "Phänomen THE DARKNESS" hat bereits deutlich an Faszination verloren - und das nach nur zwei Alben.

Setlist:
Knockers
One Way Ticket
Is It Just Me?
Growing On Me
Dinner Lady Arms
Givin' Up
Black Shuck
Love On The Rocks With No Ice
Love Is Only A Feeling
Seemed Like A Good Idea At The Time
Blind Man
Hazel Eyes
Get Your Hands Off My Woman
Friday Night
Girlfriend
Highway To Hell/Thunderstruck (AC/DC-Cover)
I Believe In A Thing Called Love
---
English Country Garden
Bald

Redakteur:
Elke Huber

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