top banner 73

The Hollywood Vampires - Höchst

18.07.2018 | 12:13

29.06.2018, Jahrhunderthalle

Eine ganz besonders illustre Coverband ehrt viele verstorbene Rockmusikerfreunde mit einem fulminanten Auftritt.

Endlich ist es soweit, die Massen stürmen die Jahrhunderhalle und wir mittendrin. Leider gibt es heute keine ordentlichen Fotos, weil alle Fotopässe schon vergeben waren, nur ein paar wenige Impressionen, quasi als Beleg, dass ich wirklich dabei war. Da es praktisch unmöglich ist, sich auch nur in die Nähe der Bühne vorzukämpfen, wählen wir als Alternative einen Platz beim Mischpult, was zu Folge hat, dass wir zwar wenigstens einen Supersound haben, aber dafür die Sicht auf das Geschehen eher unterirdisch ist. Aber man kann halt nicht alles haben.

Bevor die Vampire ihr Unwesen treiben, darf erst einmal die Finsternis auf die Bühne. Okay, sehr düster kommt THE DARKNESS nicht wirklich daher, ist die Band doch dem Glamrock zuzuordnen und trägt teilweise das entsprechende Outfit. Besonders Frontmann Justin Hawkins (Leadgitarre und Gesang) zeigt sich mit hautengen Anzügen und später auch schon mal oberkörperfrei. Mit Bruder Dan Hawkins an der Gitarre, Frankie Poullain am Bass und niemand geringerem als Rufus Tiger Taylor am Schlagzeug (ganz richtig, Roger Taylor's Sohn) mischt er die Jahrhunderthalle schon einmal richtig auf. Sänger Justins Markenzeichen ist der hohe Gesang, den er natürlich auch dementsprechend häufig zu Gehör bringt. Er wird auch akrobatisch tätig und zeigt, dass er auch Handstand kann und mit den Füßen dirigieren, was vom Publikum begeistert aufgenommen wird. Die rockigen Songs der Herren und ihre Bühnenshow kommen allgemein gut an und werden mit gehörigem Applaus belohnt.

Setliste: Solid Gold; Growing On Me; Love Is Only A Feeling; Japanese Prisoner Of Love; One Way Ticket; Barbarian; Buccaneers Of Hispaniola; Get Your Hands Off My Woman; I Believe In A Thing Called Love

Nach einer guten Dreiviertelstunde ist der "dunkle" Spuk vorbei und wir bereiten uns mental schon einmal auf die Ankunft der Vampire vor, die manche als die teuerste Coverband der Welt bezeichnen. Das stimmt natürlich nur zum Teil, denn die Herren Cooper, Perry und Depp haben schon eine komplette CD auf dem Markt (mit weiteren hochkarätigen Mitstreitern) und ein Zweitwerk steht wohl in den Startlöchern.

Der Sound war schon bei THE DARKNESS hervorragend, kann jetzt aber bei den HOLLYWOOD VAMPIRES nur als gigantisch bezeichnet werden: eine Power ohnegleichen. Die genialen Mitstreiter von Alice Cooper, Joe Perry und Johnny Depp (beide Gitarre und Gesang) sind Tommy Henriksen (Gitarre), Keyboarder Buck Johnson, Bassist Chris Wyse und Drummer Glen Sobel. Das Intro zum Auftritt wird vom ebenfalls nicht mehr unter uns weilenden Sir Christopher Lee gesprochen und endlich betreten die heiß erwarteten Vampire die Bühne. Mit 'I Want My Now' und 'Raise The Dead' gibt es erst einmal zwei rockende Eigenkompositionen, bevor uns die ersten beiden Coversongs um die Ohren gespielt werden. Weder Gitarrist Joe Perry noch Alice Cooper merkt man das doch schon fortgeschrittene Alter an, beide spielen und singen großartig, davon kann sich manch junger Musiker noch eine Scheibe abschneiden. Gut, sie haben inzwischen ein paar Falten mehr im Gesicht, aber musikalisch sind sie einfach topfit. Und Johnny Depp könnte wahrscheinlich einfach nur auf der Bühne stehen und grinsen und würde von sämtlichen Frauen und Mädels angehimmelt. Zumindest ist das Gekreische ziemlich groß, als er die Bühne betritt. Aber da würde man ihm sehr Unrecht tun. Er schlägt sich wacker mit Gesang und Gitarre und man erfährt später, dass der Song 'As Bad As I Am' von ihm geschrieben wurde. Nun ja, eigentlich wollte er ja auch Musiker werden. Schön, dass er jetzt Schauspielerei und Musik verbinden kann.

Gelegentlich gibt Mr. Cooper den Ansager, wenn er darauf hinweist, welcher Musiker nicht mehr unter den Lebenden weilt, wobei das bei den meisten Songs gar nicht nötig ist, sind diese doch durch die Bank weg Klassiker, die man kennt. Da hören wir zum Beispiel 'Five To One/Break On Through' von THE DOORS, 'The Jack' von AC/DC - hier wirft Alice Cooper Karten ins Publikum - 'Ace Of Spades' von MOTÖRHEAD, oder 'Baba O'Reily von THE WHO. Natürlich dürfen auch Songs von AEROSMITH ('Combination' und 'Sweet Emotion') und ALICE COOPER ('I'm 18' und später 'School's Out') nicht fehlen. Auf der großen Leinwand im Bühnenhintergrund laufen Filme, die jeweils die verstorbenen Künstler zeigen und bei 'People Who Died' sieht man einen Friedhof mit Grabsteinen, auf denen ebenfalls deren Namen stehen.

Fast am Ende der Show gibt es dann den für mich emotionalsten Augenblick, als Johnny Depp die 'Heroes' von David Bowie besingt, während im Hintergrund Bilder dieses großen Künstlers zu sehen sind. Johnny singt dieses Lied mit so viel Gefühl, es ist einfach unglaublich. Gänsehaut pur. Dafür wird er auch mit einem riesigen Applaus belohnt.

Damit ist der Abend auch schon fast vorbei, denn nach 'Train Kept A-rollin' verlässt die Mannschaft erst einmal die Bühne, wird aber natürlich durch den anhaltenden Applaus noch einmal zurückgeholt. Als dann eine Schulglocke ertönt, weiß jeder, was die Uhr geschlagen hat: 'School's Out!', gemischt mit 'Another Brick In The Wall'. Wie immer fliegen riesige Ballons ins Publikum und wenn diese zurück auf die Bühne geschubst werden, macht Herr Cooper Jagd auf sie und lässt sie mit seinem Stock platzen. Kurz vor Schluss stellt er die Band vor, wobei er den sich "versteckenden" Johnny Depp suchen muss, der natürlich noch einmal frenetisch abgefeiert wird. Ganz am Ende wird Herr Furnier noch einmal witzig, wenn er dem Publikum mit einem Grinsen im Gesicht erklärt: "And playing the part of Alice Cooper tonight – ME!" Gelächter im Publikum, dann werden alle aufgefordert, noch einmal kräftig mitzusingen, bevor sich die Herren endgültig verabschieden.

Ein toller Abend mit hervorragenden Künstlern, denen man den Spaß angesehen und angehört hat. Da kann man nur hoffen, dass sie spätestens, wenn die angekündigte zweite Platte das Licht der Welt erblickt hat, wieder auf Tour gehen - gerne natürlich auch früher. Ich bin auf jeden Fall wieder dabei.

Setliste: I Want My Now; Raise The Dead; I Got A Line On You (Spirit Cover); 7 And 7 Is (Love Cover); My Dead Drunk Friends; Five To One/Break On Through (To The Other Side) (Doors Cover); The Jack (AC/DC Cover); Ace Of Spades (Motörhead Cover); Baba O'Riley (The Who Cover); As Bad As I Am; The Boogieman Surprise; I'm Eighteen (Alice Cooper Cover); Combination (Aerosmith Cover); People Who Died (The Jim Carroll Band Cover); Sweet Emotion (Aerosmith Cover); Bushwackers; Heroes (David Bowie Cover); Train Kept A-Rollin (Tiny Bradshaw/Yardbirds Cover); Zugabe: School's Out/Another Brick In The Wall (Alice Cooper Cover)

Redakteur:
Hannelore Hämmer

Login

Neu registrieren