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Thunderstone/Crystal Ball - Ludwigsburg

31.12.2005 | 13:14

04.12.2005, Rockfabrik

Als wir gegen 19.30 Uhr vor dem Eingang der RoFa angekommen sind, herrscht erst einmal Entsetzen. Gerademal ein Pärchen steht vor dem noch verschlossenen Haupteingang. Wurde die Show etwa abgesagt? Kann eigentlich nicht sein, da ein Nightliner - wie bei Konzerten üblich - seitwärts parkt. Nach ein paar Minuten kommt glücklicherweise ein Unbekannter die Abfahrt des nebenanliegenden Parkhauses herunter gelaufen, der uns aufklärt, dass die Show im Club 2 der RoFa stattfindet. Was, im Club 2? Haben die so wenig Karten verkauft? Hmmm, ein Hinweis an der Tür wäre in diesem Fall sehr hilfreich gewesen. Angekommen im Club 2 herrscht dann Ernüchterung, höchstens 70 Nasen haben sich hierher verlaufen, was den ganzen Abend dann doch etwas entspannter angehen lässt, auch wenn alles ein wenig spartanisch wirkt und das spärliche Bühnenlicht nicht wirklich das Herz eines Fotografen erwärmt. Was soll's, "That's Rock'n'Roll, Baby". Insgesamt soll die ganze Tour bisher eher schlecht wie recht verlaufen sein, was die Besucherzahlen angeht.

TEMPESTA

Pünktlich um 20 Uhr eröffnen die Schweizer TEMPESTA den Abend, die von Anbeginn mit ihrem flotten Hardrock ordentlich abgehen. Da stört es auch nicht, dass gleich bei der ersten Nummer 'Just For One Day' für eine knappe Minute der Strom ausfällt und die Band dann nach dem zweiten Break im gleichen Stück noch einmal ansetzt. Die Schweizer haben Ende 2004 unter der Leitung von CRYSTAL BALL-Frontmann Mark Sweeney ihr Debüt "Fulltime Joker - Fill The Voids" eingespielt und sind aufgrund dieser Verbindung mit in das Tourpackage reingerutscht. Besonders auffällig ist hier Fronter Reto Thalmann, meiner Meinung nach die eidgenössische Antwort auf METALLICAs James Hetfield, der sicht nicht nur das Posing vom Meister abgeschaut hat. Insgesamt hinterlässt das Quartett einen ordentlichen Eindruck und wirkt weitestgehend eingespielt, einzig das covern der KID ROCK-Nummer 'American Badass' hätte man sich getrost schenken können. Alles in allem ein netter Appetitanreger.

Setliste TEMPESTA:
Just For One Day
I'm Back
Stagedive
Do You Understand
F***
American Badass
Platinum
Pain
Opposite

CRYSTAL BALL

Den eigentlichen Hauptgang bekommt man am heutigen Abend in Form von CRYSTAL BALL serviert. Beeindruckend wie sich die Schweizer über all die Jahre entwickelt haben. Über 400 Shows hat man innerhalb von sechs Jahren absolviert, was sich gerade in der Liveperformance erkennbar niederschlägt. Selten habe ich eine so homogene Band erlebt. Selbst den Weggang von Gitarrist Tom Graber hat man scheinbar unbeschadet überstanden und hat sich für die "Melodic Metal Masters"-Tour mit einem Schwaben an der Sechssaitigen und den Tasten verstärkt. Musikalisch reiht sich Leckerli an Leckerli. Einzig das Fehlen der "Virtual Empire"-Übernummer 'Am I Free' im Programm lässt ein wenig Trübsal bei mir aufkommen, als mein Blick über die Setliste schweift. Der Rest liest sich dennoch gut und CRYSTAL BALL bieten einen gesunden Querschnitt durch ihre bisherige Schaffensphase. Mit 'Walk Through Time' vom neuen Album "Time Walker" hat man sogar eine weitere Hymne im Programm, die sich vor den bisherigen Live-Übernummern wie 'Helvetia' oder 'Am I Free' verstecken braucht. Ich kriege ja jetzt noch Gänsehaut, wenn ich die Nummer höre. Gekonnt bindet Frontmann Mark Sweeney das willige Publikum in den Abend ein. Überhaupt scheint der agile Frontmann sehr mitteilungsbedürftig, so gibt es unter anderem auch eine Erklärung, weshalb er jetzt einen stylischen JON BON JOVI-Kurzhaarschnitt hat, was an seiner neuen Freundin liegt. Wohl dem, der noch Haare hat. Aber auch ansonsten erweist sich das Publikum äußerst begeisterungsfähig, wobei sich besonders ein junger Mann direkt vor der Bühne als Megashouter erweist und den hauptamtlichen Sänger ein ums andere Mal lautstärketechnisch übertönt. Ein geiler Abend, auch wenn die Schweizer schon nach gut 70 Minuten mit 'Powerflight' und dem Rausschmeißer 'Helvetia' das Finale einläuten. Es kommt ja noch eine Band. Jederzeit gerne wieder, meine Herren!

Setliste CRYSTAL BALL:
Digital World
Tear Down The Walls
Dance With The Devil
My Life
He Cames To Change
Private Visitor
Lay Down The Law
Opposites Attract
Walk Through Time
Stare At The Sun
Forever And Eternally
Savage Mind
Powerflight
---
Helvetia

THUNDERSTONE

Nach diesem Auftritt werden es THUNDERSTONE wohl schwer haben, noch einen draufzusetzen. Sänger Pasi Rantanen gilt ja nicht gerade als Entertainer, was sich leider auch am heutigen Abend bewahrheitet. Sicherlich brauchen sich die Finnen musikalisch nicht zu verstecken, auch wenn der letzte Output "Tools Of Destruction" keineswegs mit seinen Vorgängern "The Burning" oder "Thunderstone" konkurrieren kann. Auch live zünden die neuen Stücke nur bedingt und die Stimmung kühlt merklich ab. Schade eigentlich, vielleicht hätte man gut daran getan THUNDERSTONE vor CRYSTAL BALL spielen zu lassen. Selbst Kracher wie 'Forth Into The Black' oder 'Sea Of Sorrow' wollen am heutigen Abend nicht so richtig zünden. Sicherlich sind die Finnen keinesfalls schlecht, wirken aber zu abgeklärt und etwas hüftsteif im Vergleich zu dem bisher Gebotenen. Schade…

Setliste THUNDERSTONE:
?
Eyes Of A Stranger
Forth Into The Black
Liquid Of The Kings
Break The Emotion
Let The Demons Free
Sea Of Sorrow
Welcome To The Real
I Will Come Again
Until We Touch The Burning Sun

Alles in Allem ein tolles Package das mehr Zuschauer verdient hätte. An den Kartenpreisen von durchschnittlich 15 bis 17 EUR kann es nicht gelegen haben.

Redakteur:
Frank Hameister

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