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Trivium, As I Lay Dying - Köln

25.11.2012 | 19:46

28.10.2012, Live Music Hall

Understatement vs. Selbstdarstellung.

TRIVIUM drehen ihre letzte Runde mit "In Waves" und haben dabei AS I LAY DYING und auch CALIBAN mit am Start – sicher nicht das schlechteste Package des Jahres.

Doch den Anfang machen mit UPON A BURNING BODY ebenfalls Landsmänner des Headliners. Die Truppe kommt für den Stil recht eigenartig, aber dennoch irgendwie stilvoll im 30er-Jahre-Look mit Hemd, Weste und Pomade im Haar auf die Bühne. Dass sie nur Anheizer sind, ist ihnen vermutlich bewusst, aber mindestens genau so egal. Direkt beim ersten Song fordert der Sänger, dass die Meute doch mal bitte abgehen und einen ordentlichen Pit zustande bringen soll – und seine sehr direkte Aufforderung wird auch prompt erfüllt. Der Deathcore wird gut angenommen, was auch am ordentlich variablen Gesang liegt; darüber hinaus bleibt die Band aber leider etwa blass (vom einmalig auftretenden Flamenco-Intro mal abgesehen, das macht Laune!). Handwerklich ist das Gebotene über jeden Zweifel erhaben und auch die Songs sitzen im Prinzip, aber das ist leider nichts, was einem im Jahr 2012 noch aus den Latschen hauen kann. Ihrer Funktion als guter Opener werden UPON A BURNING BODY dennoch mehr als gerecht, denn man erreicht das Publikum und wird als erste Band des Tages schon wirklich ordentlich abgefeiert. Ob man für pushende Ansagen allerdings ständig die Songs unterbrechen muss, sei mal dahingestellt.

Deutschland wird auf dieser Tour durch die Essener von CALIBAN vertreten. Und wie sie so auf die Bühne kommen, könnte man meinen, dass ein riesiger Greifvogel den Weg in den Umkleideraum gefunden und dort seine Notdurft auf die Shirts der Band verrichtet hat – aber das ist natürlich alles bloß Dekoration im Stile des aktuellen Outputs "I Am Nemesis", dem auch der restliche Bühnenaufbau und vor allem die Setlist angepasst ist. Die Gruppe scheint nach wie vor selbstbewusst hinter eben jenem Album zu stehen, denn heute sind über die Hälfte der Songs von diesem. Das Konzept, ein rhythmisch spannendes Metalcore-Fundament mit einer post-rockigen Lead-Gitarre zu verfeinern, funktioniert auch live absolut bestens. Das ist Material zum Abgehen und zum Schwelgen zugleich. Das insgesamt doch sehr junge Publikum frisst der toll als Einheit auftretenden Band bedingungslos aus der Hand. Andi weiß sich zu bedanken und stürzt sich in die Menge. Dass Deutsche bekanntermaßen zu wenig lachen, weiß auch eine junge Dame in den vorderen Reihen und sorgt mit ihrem hysterischen Gekreische während einer Ansage dafür, dass die Band vollkommen aus dem Konzept kommt und erst einmal eine Minute lang gelacht werden musste – schön. Aber in erster Linie geht es hier natürlich im Metal, welchem bei 'I Will Never Let You Down' mit einer riesigen Wall Of Death gehuldigt wird. Ansonsten ist noch bemerkenswert, wie sehr sich der klare Gesang über die Jahre Stück für Stück verbessert hat. Zwar wurden heute auch einige zusätzliche Spuren vom Band eingespielt, aber das soll die Entwicklung von Denis Schmidt keineswegs schmälern. Fans der älteren Stunde werden mit CALIBAN anno 2012 vielleicht nicht glücklich werden, die vielen neuen Fans jedoch schon. Und dass RAMMSTEIN-Cover wird wohl ewig polarisieren.

Setlist: Dein R3.ich, It's Our Burden To Bleed, We Are The Many, I Will Never Let You Down, Davy Jones, 24 Years, Sonne, Memorial, The Bogeyman

AS I LAY DYING betreten die Bühne, reißen mit 'Condemned' (ungewöhnlicher Opener!) auf der Stelle die Hütte ab, und das auffälligste daran ist, dass nichts auffällig ist. Im Vergleich zu den anderen Bands des Abends, aber auch zur Szene im Allgemeinen, wirken die fünf Jungs fast schon unscheinbar. Hier ist ist nichts aufgesetzt, hier wird sich nicht selbst präsentiert, nein – hier steht die Musik noch absolut im Vordergrund. Und das ist vermutlich einer der vielen Gründe, warum die Band bei so vielen Leuten einen so großen Stellenwert besitzt. Ich zähle mich zu diesen und habe immer wieder eine große Freude daran, dem Feuerwerk beizuwohnen, welches Tim Lambesis (der mittlerweile zu einem totalen Tier mutiert ist) mit seinen Mannen abbrennt. Dass die Raketen bei jeder Pyro-Show aber die immer gleichen sein müssen, das darf man schon kritisch anmerken – zumal die Band eigentlich genug andere Knaller im Köcher hat. Aber das hält keinen der Anwesenden davon ab, Moshpit-Granaten wie '94 Hours', 'Through Struggle' oder 'Nothing Left' abzufeiern. Es sitzt einfach jeder Song, somit auch die beiden neuen 'Cauterize' und 'A Greater Foundation' (wenngleich mit 'My Only Home' oder 'Overcome' aus meiner Sicht noch stärkere Nummern auf "Awakened" zu finden sind). Die Band ist selbstbewusst, hält das Publikum über die gesamte Distanz in Bewegung und verlässt das Feld somit als klarer Gewinner des Moments - auch wenn dies nach 50 Minuten früher passiert, als den meisten lieb ist. In den letzten Jahren waren AS I LAY DYING häufig in Europa und dabei entweder auf Festivals oder als Support (bzw. Co-Headliner) von HEAVEN SHALL BURN, AMON AMARTH oder nun TRIVIUM unterwegs. Es wird endlich mal wieder Zeit für eine Headliner-Tour. Wirklich.

Setlist: Condemned, 94 Hours, Paralyzed, Cauterize, Forever, Through Struggle, Anodyne Sea, Nothing Left, Confined, A Greater Foundation, Within Destruction, The Sound Of Truth

Bescheidenheit sucht man bei TRIVIUM allerdings vergebens. Die zwei großen und zwei kleinen "T", die wie Säulen auf der Bühne stehen, wollen einem vermutlich sagen: "Schaut her, jetzt kommt TRIVIUM, der wahre Headliner!" Und genau das ist nach 'Hallowed Be Thy Name' vom Band (das erschreckend viele Zuschauer nicht zu kennen scheinen!) auch der Fall: 'In Waves' wird einem um die Ohren gehauen. Die Band legt bei einem guten sowie druckvollen Sound munter los und zeigt dabei, wie kurzweilig Lieder durch den Einsatz von drei Sängern arrangiert werden können, solange dies songdienlich passiert. Corey Beaulieu ist ist zwar der einzige Mattenträger der Band, nutzt diese dafür aber auch mehr als anständig. Ansonsten ist es natürlich Bandkopf Matthew Heafy, der sich in Szene zu setzen weiß. Und auch wenn TRIVIUM seit "The Crusade" vom Sound her wieder deutlich moderner geworden sind, wird man den Eindruck nicht los, dass Matthew sich vor allem während der (verdammt starken) Soli und bei den Ansagen immer mehr einem gewissen James Hetfield annähert; die Parallelen sind teilweise erschreckend auffällig.

Vor 'Entrance Of The Conflagration' wird das Publikum dadurch angestachelt, dass Paris die wohl bisher beste Stadt der Tour war – und das will natürlich keiner aus Köln und dessen Umland auf sich sitzen lassen, so dass der Mob hier besonders tobt. Zwei Songs später verkündet Matt allerdings sehr versöhnlich, wie sehr Deutschland doch zu einer Art zweiten Heimat für TRIVIUM geworden ist. Das hört man zwar von mindestens jeder dritten Band, und dennoch nehme ich es auch dieser wieder ab.

Die Band bietet auch im Folgenden weiter einen bunten Blumenstrauß mit Songs sämtlicher Alben. Ein besonderes Highlight ist dabei wie immer 'A Gunshot To The Head Of Trepidation'. Dazu würde das Publikum vermutlich auch ohne besondere Aufforderung steil gehen, aber dennoch muss Matthew hier noch einmal zeigen, wie oft man das deutsche Wort "Spring!" in einem Song unterbringen kann. Gezählt habe ich nicht, aber so an die 30mal dürften es gewesen sein. Und so kommt es, dass man sich an einen Club-Urlaub erinnert fühlt, denn: andauernde Animationen wirken irgendwann ziemlich ermüdend. Einer Sache, der man jedoch so schnell nicht überdrüssig wird, ist das unterstützende Gebrülle von Corey: präzise und kräftig.

Warum die Band in Köln einige Songs weniger spielt als auf anderen Stationen der Tour, erklärt sich mir nicht so richtig, doch auch so wirkt die Show absolut rund. Musikalisch haben TRIVIUM sicher alles richtig gemacht und eine sehr gute Show abgeliefert. Ansonsten täte ihnen aber genau das gut, was AS I LAY DYING so strahlen lässt: Der Fokus auf das Wesentliche.

Setlist: Capsizing the Sea (Intro), In Waves, Like Light To The Flies, Rain, Down From The Sky, Entrance Of The Conflagration, Black, Watch The World Burn, A Gunshot To The Head Of Trepidation, Built To Fall, Pull Harder On The Strings Of Your Martyr, Torn Between Scylla and Charybdis, Throes Of Perdition, Leaving This World Behind (Outro)

Redakteur:
Oliver Paßgang

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