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UMBRA ET IMAGO - Affalter

28.05.2012 | 11:53

31.03.2012, Linde

Konzert oder Talkshow?

Neuerdings ist es in Mode gekommen, dass man bei den Zeiten auf den Konzerttickets nicht mehr so genau weiß, ob mit dem angegebenen Beginn der Abend an sich gemeint ist, oder der Gig des Hauptacts. So ist es auch heute, dass zur angegebenen Zeit die erste Vorband schon vorbei ist. Dummerweise ist TRAUMTÄNZER genau die Band des Abends, die ich wirklich gern gesehen hätte, da ich es bis dato noch nicht zu einem Konzert geschafft habe. So agieren beim Eintreffen bereits HERZPARASIT auf der Bühne. Viel bekomme ich zum Glück nicht mehr mit, denn diese ideenlose Mischung aus RAMMSTEIN und OOMPH! ist so ziemlich das schlechteste, was ich in letzter Zeit live gesehen habe. Sorry, aber dieses Rumgehampel auf der Bühne mit "lustigen" Lichtern am Hut ist einfach nur peinlich und ohne Sinn. Darauf kann man locker verzichten!

Nach kurzer Umbaupause geht es mit UMBRA ET IMAGO los. Die Band wird vom Publikum herbei geklatscht. Nun hat sich der Saal wieder gut gefüllt. Mozart erscheint im schwarzen Umhang und seine Partnerin Madeleine Le Roy trägt das bekannte schwarze, durchsichtige Kleid mit Engelsflügeln. Mit 'Liebeslied' geht es bei den Karlsruhern an diesem Abend los und die Fans sind von Anfang an euphorisch mit dabei. Nach kurzer Begrüßung geht es dann gleich mit 'Perfect Baby' weiter. Mozart als guter Entertainer bekannt, überspannt aber an diesem Abend sehr weit den Bogen. Immer wieder faselt er sinnlose Dinge zwischen den Songs. Da ist der Versuch, den erzgebirgischen Dialekt nachzuäffen, noch am harmlosesten. Sinnfreie Aussagen folgen Schlag auf Schlag, so dass man am liebsten den Saal verlassen möchte. Will er damit von der nicht mehr dargebotenen SM-Show ablenken?

So wird der musikalische Beitrag leider nur zur Nebensache, der ja wirklich nicht schlecht ist. Neben 'Lieber Gott' erklingt auch 'Machina Mundi'. Erst das lange und geniale 'The Final Last Dream' lässt die Band zur Hochform auflaufen und die Gäste können die Zeit ohne abgedroschene Phrasen genießen. Auch die Outfitwechsel von Gesangspartnerin Madeleine Le Roy geraten da eher in den Hintergrund. Einzig als sie sich kurze Zeit oben ohne zeigt, gehen die Blicke in den vorderen Reihen zu ihr und die Kameras werden gezückt. 'Ohne Dich' beendet erst einmal das reguläre Set, was an diesem Abend doch ein sehr zwiespältiges Gefühl hinterlässt.

Aber den Fans gefällt es und sie fordern mehr von UMBRA ET IMAGO. Mit 'Sonntagsandacht' geht es weiter, nachdem die Kanzel aufgebaut ist. Mozart erscheint als Mönch, aber ohne Peitsche, sondern nur mit Zepter, um seinen Anhängern die Leviten zu lesen. Bei 'Alles schwarz' singt die Menge lauthals mit und feiert ab. Und als es endlich wieder angenehm ist, fängt der Herr Musiker wieder mit dem Gequatsche an. Heute muss EISBRECHER herhalten. Nanu, hat der olle UNHEILIG-Graf als Schimpfobjekt ausgedient? Gewissenermaßen hat Mozart ja recht, aber wenn er immer und immer wieder das gleiche über die Kollegen erzählt und beschimpft, mutiert er langsam zum eigenen Gespött. Die Kritik ist berechtigt, aber durch seine Art und Wiese, parodiert er sich langsam selbst und wird damit selber mehr und mehr zur Lachnummer. Nun werden auch noch Kippen gegen alte UMBRA ET IMAGO-Kalender getauscht. Oh man, wo sind wir nur gelandet? Hier geht es eher wie auf einem Basar zu, als auf einem Konzert. Bitte wieder Musik!

Mit dem selten gespielten 'Milch' gibt es eine kleine Entschädigung für die wartenden Fans, was der Sänger den Damen widmet. Langsam aber sicher neigt sich der Abend seinem Ende entgegen. Noch einmal fordert Mozart dem Publikum alles ab, als es zum Finale 'Amadeus' auf die Ohren gibt. Jetzt können die Fans noch ein letztes Mal mit der Band feiern und auch die Mitglieder der beiden Vorgruppen sind mit dabei. Vor und auf der Bühne geht es ausgelassen zu und am Ende gibt es doch noch eine kleine erotische Zugabe. Mozart schnappt sich seine Partnerin und die hängt ihre Beine über seine Schultern und sie nun kopfüber. Er lässt seine Zunge zwischen ihren Beinen kreisen...

Kann man sehen muss man aber nicht. Aber es wirkt ziemlich auf Krampf, so nach dem Motto: Irgendetwas in die Richtung müssen wir machen. Aber egal, zum Glück passiert am Ende nichts schlimmeres, als nach den Feuereinlagen von Madeleine Le Roy ein Vorhang abfackelt. Ein heißes Konzertende, dessen Verlauf eher mäßig war.

Redakteur:
Swen Reuter

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