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U.D.O. - Bochum

09.11.2013 | 11:45

30.10.2013, Zeche

Deutsches, authentisches Kulturgut wird an diesem Abend groß geschrieben. Für diesen Anlass dürfte es keine passendere Location gebe als die Zeche im Herzen Bochums.

Der General des deutschen Heavy-Metals beehrt erneut das Ruhrgebiet. Wer vor einem halben Jahr seinen Headliner-Auftritt auf dem Rock Hard Festival beobachten konnte, weiß, dass unser Udo Dirkschneider noch voll im Saft steht und seit vielen Jahren eine mehr als verlässliche Bank im einheimischen Metallsektor darstellt. Der Auftritt von U.D.O. belegt abermals diesen Status. Auch wenn das Publikum überwiegend vom Alter etwas gehobener erscheint, kann es sich auf eine grandiose Darbietung des altbewehrten Solinger Stahlguts gefasst machen, das speziell in Punkto Songauswahl die Asse reihenweise ausspielt.

Gemeinsam mit BLOODBOUND und den Emporkömmlingen von PIKE’S EDGE heizt uns’ Udo Ende Oktober der Bochumer Zeche ein. Die Klampfen glühen, die Kehlen röhren, die Fäuste werden gestreckt. Der heutige Abend sollte sich als Siegeszug einheimischer Stahlkultur entpuppen. Doch bevor es zur Sache geht, strömen die Massen reihenweise in die Zeche. Reibungslos und zeitfreundlich gelangt man schnell in die heiligen Hallen, bestellt ein Bier, wirft einen raschen Blick auf den Merchandise-Stand und blickt erwartungsfroh zur Bühne, sobald der erste Ton aus den Lautsprechern strömt.

PIKE’S EDGE aus München darf sich heute als Einheizer präsentieren. Auch wenn anfänglich der Sound noch ein wenig gewöhnungsbedürftig ist, legen sich die Jungs mit ihrem schweren Rockbrett ordentlich ins Zeug. Das lockt auch eine gewisse Menge Zuschauer vor die Bühne und die erfreuen sich an grundsoliden Stücken wie das startende 'Demands', 'Space And Time' und das abrundende 'Deathwatch'. Frontmann Fikret Mujkic macht derweil eine gute Figur und freut sich, dass sein tighter Mix aus Härte, Melodie und Groove nicht gerade schlecht ankommt. Auch wenn der letzte Funke (noch) nicht überspringen mag, so hämmert sich PIKE’S EDGE doch mit diesem Auftritt in einzelne Köpfe der Masse vor der Bühne.

Ähnlich verhält sich die Menge auch beim folgenden Act. Die Power Metaller von BLOODBOUND lassen sich musikalisch eher in die Happy-Metal-Ecke drängen, sind also auf Klatschen und Chöre angewiesen. Auch wenn sich die Zeche bis hierhin mehr als gut gefüllt hat, sind die Bochumer nicht gänzlich von BLOODBOUND begeistert, die mit 'Moria' ihr Faustreck-Set beginnen. Mit fünf Alben auf der Habenseite erweisen sich die Jungs nicht gerade als grün hinter den Ohren, sodass Songs wie 'When Demons Collide', 'Behind The Moon' sowie 'Book Of The Dead' und das abschließende 'Nosferatu' routiniert, aber auch spielfreudig und agil vorgetragen wird. EDGUY-, HAMMERFALL- und Konsortenfreunde kommen hier vollends auf ihre Kosten, doch stahlschmelzend ist dieser Auftritt trotz etwas besserem Sound noch nicht.

Das ändert sich aber bei unserem verlässlichen Pappenheimer. Nach zwei soliden Acts übernimmt nun Mr. Dirkschneider das metallische Zepter des Abends und legt einen absoluten Siegeszug hin. Der Fokus liegt nun mehr auf U.D.O.- als auf ACCEPT-Klassikern, sodass auch gewisse Altperlen ihren Platz ins Set des Altmeisters gefunden haben. Mit dem Titelstück sowie 'King Of Mean' vom neusten Streich "Steelhammer" wird der Auftritt standesgemäß und unter großem Beifall eingeleitet. Im Laufe des Sets geben sich sowohl alte Stücke wie das grandios vorgetragene 'They Want War', 'No Limits' und 'Mean Machine' als auch neuere Brecher der Marke 'A Cry Of A Nation', 'Metal Machine' oder 'Never Cross My Way' gegenseitig die Klinke in die Hand und bilden das Herzstück einer rundum geglückten Setliste. So sieht Teutonenstahl aus. Auch wenn das Bandkarussell in diesem Jahr speziell an den Gitarren ein wenig ins Drehen kann, fügen sich auch die Neuen wunderbar in den U.D.O.-Reigen. Die Klampfen entfalten sich in voller Pracht, der Sound ist unheimlich druckvoll, Dirkschneider gut bei (Säge)Stimme und die hungrige Meute vor der Bühne hat den Spaß ihres Lebens. Die Stimmung ist durch die Bank weg mehr als gut und der Funke, der bei PIKE’S EDGE und BLOODBOUND nicht überspringen wollte, schlägt nun schwermetallische Purzelbäume. Die Riffs fräsen sich sinnbildlich ins Mark. So geht es im Set mit 'Go Back To Hell', dem furiosen 'Timebomb' und 'Holy' nahtlos weiter und es ist, einfach ausgedrückt, eine unheimliche Freude, solch einen Abend genießen zu dürfen.

Im Zugabenteil, der dementsprechend lautstark gefordert wird, haut U.D.O. noch einmal kräftig auf die ACCEPT-Nostalgietrommel. Der Altmeister schießt obligatorisch 'Metal Heart', 'Balls To The Wall' sowie 'I’m A Rebel' und das abschließende Up-Tempo-Bollwerk 'Fast As A Shark' inklusiver Mitsingspielchen zu Beginn ins Publikum. Egal, ob wir uns nur dieses Ende oder den gesamten Auftritt betrachten, es wird klar, dass Dirkschneider mit dieser Songauswahl nichts falsch gemacht hat.

Nach zwei Stunden proppevoller Spielzeit blickt Udo schließlich in die Menge und sieht überall zufrieden dreinblickende Gesichter. Er weiß, er hat seine Schuldigkeit getan, doch im Grunde genommen hat er weitaus mehr am heutigen Abend geleistet. Kraftvoll, spritzig und voller Nostalgie wurde ein bandeigener Evergreen nach dem anderen in die Menge geschmissen, die Fäuste wurden gereckt und die Refrains mitgegrölt. So und nicht anders sieht ein gelungener U.D.O.-Abend aus. Dirkschneider gehört mit dieser Form noch lange nicht zum alten Eisen und zeigt auch im höheren Alter, wie deutsches, schweres Kraftmetall auszusehen hat. Danke für einen Abend voller Riffs, Hymnen und mehr sympathischer Ausstrahlung.

Redakteur:
Marcel Rapp

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