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Ulme/Voltron - Spremberg

14.01.2007 | 18:57

11.11.2006, Erebos

Endlich wieder da: ULME.

Dienstag noch beim lecker Popkonfekt der Franzosen von PHOENIX, hat's uns nun nach Spremberg verschlagen. Dort spielen die wiedererstarkten ULME im kleinen, feinen EREBOS auf. Monatelang hatte mich die Nachricht schon umgetrieben, nun endlich wieder. Vor dem, nun ja, zwischenzeitlichen Split der Band hatte ich die drei Flensburger schon einmal gesehen; seitdem in die Schublade "BESONDERS WERTVOLL!" erinnerungsgemäß abgelegt. Mindestens sechs oder sieben Jahre später hat sich das Umfeld mindestens freiwillig von dieser Noise-Institution anstecken lassen. Verehrung überall.

Spremberg ist eine Kleinstadt in der mir heimatlichen Niederlausitz und vielleicht dadurch bekannt, dass hier Strittmatters DER Laden spielt. Der Club EREBOS kämpft nun schon eine ganz geraume Weile den Kampf der nimmermüden Anbieter alternativer Musikmöglichkeiten. Das nahe Cottbus ist da ebenso vom Ausbleiben anhörenswerter Musik betroffen wie die umliegenden Städte. Besucht man diejenigen Clubs, die dann die Privilegien innehaben, bessere Acts zu buchen, sind meist derbe Preise in Kauf zu nehmen. Na ja, für gute Kultur muss eben mehr bezahlt werden.

Egal, wir sind in Spremberg und stehen vor der Bühne des EREBOS. Anfangsbefürchtungen, dass das Konzert vor zu wenigen Eingeweihten stattfindet, entpuppen sich als hinfällig. Irgendwann geht die Tür auf, und ein Schwung Leute tippelt herein. Die allermeisten Gesichter sind bekannt. Sie sind es, die man im Umkreis von sagen wir 300 km auf den Konzerten dieser Art immer erblickt. Sei es bei MOGWAI, den leider kürzlich verblichenen MEN IN SEARCH OF A PERFECT WEAPON oder eben ULME. Irgendwie bleibt man eben doch unter sich.

Zunächst betreten VOLTRON aus Berlin die Bühne. Der Fünfer legt ein Set hin, das sich gewaschen hat. Anfängliches Mitwippen der Schar steigert sich zu rhythmischem Einknicken der Kniepartien, und zusehends bewegen sich die Köpfe heftiger im Takt. Vor allem die längeren Instrumentalpassagen, die meist ab der Mitte der Songs hervorquellen, überzeugen das hungrige Ohr. Um nicht missverstanden zu werden: Der Gesang des Senor Gundall prägt sich in bester Sludgemanier in das tiefgestimmte Gitarrenpaar ein. Es treten gewisse gesangliche Allianzen zu CROWBARs Grölpaket zu Tage/Nacht.

Der Sound, das fällt auch heute auf, ist im EREBOS immer besonders fett abgemischt. Liegt bestimmt auch an der Halbkreisform der Bude. Leider habe ich von den Berliner Doomrockern (noch) kein Tape oder Demo; muss ich noch nachholen. Direkt auf der Webseite http://www.voltron-is-victory.de/ können alle der bisherigen drei Demos geordert werden. Leider beschränkte sich die Bühnenpräsenz meist auf Berlin und Potsdam – hoffentlich ändert sich das umgehend.

Mit fortschreitender Zeit erhöht sich die Schlagzahl der geleerten Biere, was der Vorfreude natürlich nur förderlich ist. Drängend in die erste Reihe nehmen wir die ersten Töne ULMEs wahr. Eigentlich ist das von Anfang an jedoch das erwartete Gewitter, das da prasselt. Der Tiefdruck jedes einzelnen der drei Instrumente wirkt sich euphorisierend und vor allem bewegungsanimierend aus. Das Set, das aus den Krachern der drei bisherigen Alben und der neuen EP "The Glowing" locker zusammengesetzt ist, lockt den Nacken von Anfang an zur Bewegung. Ausblick: Auch eine Woche später kann ich immer noch keinen idealtypischen Schulterblick durchführen, ohne das Lenkrad ansatzweise zu verreißen.

ULME ist eine der Bands, von denen ich wahrhaft behaupten kann, ein Fan im Sinne des Sinnes zu sein. Vom Konzert direkt weiß ich nur noch, dass es wunderbar laut, wunderbar druckvoll, wunderbar intensiv war. Ich ärgere mich eigentlich, denn in die Verzückung, in die ich unweigerlich gerate, wäre ich auch ohne diese ganzen Biere gekommen. So hätte ich gespart und wenigstens noch ein Shirt erwerben können. Aber egal, neben mir fliegen etliche Köpfe und stampfen die Reihen, die Band überzeugt anhand ihrer Live-Präsenz auch alle "Neuen", welche sich diesem Soundphänomen genähert haben.

Wie der Rückweg zur heimischen Schlafstatt verläuft, das weiß ich nicht, so sehr hat mich dieser Gig, diese Band an sich wieder mal umgehauen. Ich bin, wenn es um die Band aus dem Norden geht, sehr befangen, aber dazu stehe ich vollends. Außerdem fällt mir das bescheidene Auftreten der Bandmitglieder immer wieder auf - sehr angenehm.

Dir, lieber Leser, lege ich wärmstens ans Herz, die folgende Tour 2007 zu besuchen; sie wird demnächst noch um einige Termine aufgestockt. Dann wird's auch was mit Anspruch und Noise. Das passt nämlich seit ULME zusammen.

Redakteur:
Mathias Freiesleben

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