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Unleashed - Heidenheim

02.12.2004 | 13:20

29.11.2004, K2

UNLEASHED – IN BATTLE – YATTERING

Das K2 ist eine recht kleine Halle, eigentlich mehr ein relativ kleiner Discoraum mit einer ca. neun Quadratmeter großen Tanzfläche vor der Bühne, die angesichts der heute spielenden Bands eher zum Moshen und Headbangen denn zum Tanzen genutzt werden würde. Bei den Vorgruppen verirrten sich leider auch nicht allzu viele Headbanger nach vorne. Außer den knipsenden Zeitgenossen blieben die meisten Leute der Bühne zunächst respektvoll etwas fern. Gegen Ende des Sets von YATTERING wurde es etwas voller und bei IN BATTLE war das Quadrat dann gut gefüllt, die Meute mit wenigen Ausnahmen jedoch eher passiv, was sich bei UNLEASHED natürlich dann doch noch änderte. Aber eins nach dem anderen:


YATTERING:

Die Polen hatten als Opener das zweifelhafte Vergnügen auf einer winzigen Bühne spielen zu müssen, die zudem bereits von Beginn an mit allen drei Drumkits vollgepackt war. Das führte dann dazu, dass Drummer Zabek mit dem Rücken zum Publikum, ganz vorne in der Mitte der Bühne platziert wurde, was doch reichlich gewöhnungsbedürftig aussah. Dafür boten sich dem Zuschauer mal ganz neue Einblicke ins Arbeitsumfeld eines Schlagzeugers und da YATTERING eine durchaus technisch anspruchsvolle Death Metal Band sind, konnte der Trommler mit all den Breaks und Fills ganz schön Eindruck schinden. Die ungewohnte Perspektive lässt das Drumming ungleich eindrucksvoller erscheinen, weil man so auch mal wirklich sehen kann, was die Jungs hinter... bzw. in diesem Fall vor den Kesseln so leisten. Das komplexe Songmaterial machte es schwierig beim Headbangen im Takt zu bleiben, aber die fünf bis sechs Songs, die YATTERING in der ihnen zur Verfügung stehenden halben Stunde herunterknüppelten wurden vom eher schüchternen Publikum durchaus gut angenommen. Stilistisch erinnerten mich die Stücke vor allem in punkto Technik an YATTERINGs Landsleute von VADER, aber beim Riffing auch hier und da an SUFFOCATION oder gar an alte VOIVOD. Sänger Swierszczs Wechsel zwischen dominierenden tiefen Growls und wenigen hysterischen Screams zeigt zudem, dass die Band eher von amerikanischem Death Metal beeinflusst sein dürfte als von der schwedischen Schule. Dennoch passten die Jungs, die sich stilecht von unten mit Ventilatoren die Haare aus dem Gesicht blasen ließen, ganz gut ins Billing. Eine Zugabe durften YATTERING jedoch leider nicht mehr geben. (P.S.: Wie ich inzwischen erfahren habe, scheint der Drummer von YATTERING öfters mit dem Rücken zum Publikum zu spielen.)


IN BATTLE:

Nach einer kurzen, mit TURBONEGRO vom Band versüßten Umbaupause waren UNLEASHEDs Kumpel und Landsleute von IN BATTLE an der Reihe. Sie hatten nach der Entfernung des YATTERING-Drumkits deutlich mehr Bewegungsspielraum auf der Bühne, den vor allem der Sänger auch ausgiebig nutzte. Ihren Drummer Nils Fjällström, der für mich ohne Frage zu den schnellsten Blastern gehört, die ich je auf einer Bühne bewundern durfte, mussten jedoch auch IN BATTLE extrem weit ins linke hintere Eck der Bühne quetschen. Daran kann es aber kaum gelegen haben, dass der Drumsound anfangs deutlich zu laut war. Das Problem hatte man jedoch schnell im Griff und die fünf Schweden kamen mit ihrem straighten, von extrem schnellen Blastspeed-Parts geprägten und stark Black Metal-lastigen Sound, der jedoch auch dezente Death Metal-Elemente und eindeutig vom Thrash beeinflusstes Riffing enthält, überraschend gut an. Hier gab's die ersten Propeller in der Frontrow und auch die Fäuste wurden vereinzelt hochgerissen. Die mit ihrem "Battlefield Norrland"-Logo und den Flecktarnhosen sehr martialisch und trotz der gern benutzten Wikingerthematik wenig altertümlich wirkenden Recken, zwei kahlköpfig und drei mit Matte, verstanden es sehr gut, das Publikum zum Mitgehen zu animieren, wobei das heute in Heidenheim kein leichtes Unterfangen war, da die allermeisten Anwesenden anscheinend nur mit UNLEASHED wirklich vertraut waren. Aber der neue Fronter John Sandin verstand es hervorragend, Kontakt mit dem Publikum aufzunehmen, hat eine aggressive Bühnenperformance, kommt aber trotzdem sympathisch rüber und lässt sich auch mal eine Flasche Bier aus dem Publikum reichen um das Eis zu brechen. So konnten IN BATTLE die Leute mit ihrem vierzigminütigen Set, der unter anderem leicht IMMORTAL-lastige Kracher wie 'Rage Of The Northmen' oder 'Stone Faced Mountains' enthielt, dann doch recht gut fesseln. Vom neuen Album "Welcome To The Battlefield" gab's die Nummer 'The Blood Devine' und als nach der mächtigen quasi-Zugabe 'Muspellheim' Schluss war, konnte sich niemand über die tighte und mitreißende Performance von IN BATTLE beschweren.


UNLEASHED:

Die Umbaupause vor dem unangefochtenen Headliner dieser Tour war dann etwas länger, aber noch erträglich, und nun durfte Drummer Anders auch endlich da sitzen, wo ein Drummer hingehört. Im Gegensatz zum Soundcheck der anderen Bands, den jeweils die Musiker selbst erledigten, machten das für UNLEASHED die Roadies. Als dann alles für den wahrhaft perfekten Sound eingestellt war, bahnten sich die vier schwedischen Death-Metal-Urgesteine mit ihren Instrumenten von hinten den Weg durch das Publikum und kletterten auf die Bühne, um nach einem kurzen Intro wuchtig mit dem abgefeierten Opener des neuen Albums, namentlich 'Winterland', in ihre Show einzusteigen. In Wacken hatten Unleashed noch ein Klassiker-Programm par excellence runtergespielt, doch damals versprach Johnny auf der Tour vorwiegend neues Material zu spielen, was die Jungs aus Stockholm auch einhielten. Man wusste also, was man zu erwarten hatte, und insofern wurde auch kein Murren laut, dass mit acht der fünfzehn gespielten Stücke mehr als die Hälfte von den letzten beiden Alben "Hell's Unleashed" und "Sworn Allegiance" stammten. Der Song 'Hell's Unleashed' wurde von manchen Zuschauern gar von Anfang an lautstark gefordert. Als er dann endlich angestimmt wurde, gab es wie schon mehrmals zuvor einen für die kleine Location doch recht ansehnlichen Moshpit und jede Menge wild kreisende Haarschöpfe in den ersten Reihen. Musikalisch präsentierten sich UNLEASHED in Bestform. Frederiks Soli begeistern immer wieder und Tomas ist ein fanatischer Headbanger mit seiner Gitarre. Dass Johnny Hedlund einer der charismatischsten Frontmänner der Death Metal-Szene überhaupt ist, sollte sich auch schon herumgesprochen haben. Diesmal hielt er sich jedoch mit Ansprachen leider ein wenig zurück und auf Mitsingspiele verzichtete man auch. Vielleicht deshalb, weil der Mitsinganteil bei einem Festival wohl doch deutlich größer ist, als bei einem kleinen Gig vor ca. 150 Nasen. Dennoch stimmte die Kommunikation mit dem Publikum und als die reguläre Spielzeit nach 'Into Glory Ride!' zu Ende ging, wurde verdientermaßen stürmisch nach einer Zugabe verlangt. Die gab es dann auch in Form von 'The Longships Are Coming', einer echten Hymne vom neuen Album und einem der populärsten UNLEASHED-Hits: 'Never Ending Hate'. Danach verließen die Jungs die Bühne, machten jedoch ob der weiteren Zugabe-Rufe mitten im Publikum halt und kehrten noch mal zur Bühne zurück, um den laut Johnny besonders in Deutschland sehr beliebten und gemäß offizieller Setlist eigentlich nicht eingeplanten Uraltklassiker 'Before The Creation Of Time' zum Besten zu geben, der ebenfalls richtig abgefeiert wurde.

Dann war endgültig Schicht im Schacht. Knappe siebzig Minuten sind zwar keine wirklich lange Spielzeit, die war aber dafür wenigstens intensiv. Trotzdem irgendwie schade, dass viele Death Metal-Bands nur relativ kurz spielen. Dennoch überwiegen bei mir definitiv die positiven Eindrücke. UNLEASHED boten eine abwechslungsreiche und kurzweilige Show mit einer interessanten Setlist. Zwar fehlte mein Lieblingssong 'The One Insane', aber man kann nicht alles haben. Im Endeffekt war es ein echtes Erlebnis für mich, meine favorisierte Death Metal-Band nach zwei großen Festivalauftritten auch endlich mal als Headliner in einem kleinen Club gesehen zu haben. Allerdings muss ich zugeben, dass mich die UNLEASHED-Gigs in Wacken noch mehr mitgerissen haben. Das liegt vermutlich zum einen daran, dass eine Meute von über 10.000 Leuten, die 'Never Ending Hate' schreit doch enorm eindrucksvoll rüberkommt, und zum anderen daran, dass man sich beim Fotografieren doch nicht so ganz auf die Musik einlassen kann. Das ist aber mein Problem, und sicher nicht das von UNLEASHED. Im Prinzip sollte ich noch mal hingehen, diesmal ohne Notizblock und Fotoapparat, und einfach nur Fan sein.

Setlist UNLEASHED:

Intro
Winterland
Destruction (Of The Race Of Men)
To Asgard We Fly
Legal Rapes
Shadows In The Deep
Death Metal Victory
Berserk
Don't Want To Be Born
Hell's Unleashed
Attack!
Long Live The Beast
Into Glory Ride!
---
The Longships Are Coming
Never Ending Hate
---
Before The Creation Of Time


Hier gibt's eine kleine Bildergalerie zum Konzert:
http://www.powermetal.de/fotos/fotos-633.html


Redakteur:
Rüdiger Stehle

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