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Unleashed - Stuttgart

01.01.2009 | 18:45

26.11.2008, LKA Longhorn

Die unverwüstlichen UNLEASHED, das brasilianische Brutalo-Trio KRISIUN und ONE MAN ARMY & THE UNDEAD QUARTET sorgen auf ihrer Stippvisite in Stuttgart für ein hochkarätiges Death-Metal-Vergnügen.

Trotz des überaus abwechslungsreichen Billings mit UNLEASHED als Headliner zieht es heute erstaunlich wenige Besucher zum Konzert der "Hammer Battalion Tour" in das LKA Longhorn nach Stuttgart. Lediglich 200 Headbanger werden heute Abend eine mächtige Breitseite in Sachen Death Metal vor den Latz bekommen. Wo sich andere lang- oder kurzhaarige Extrem-Metaller scharen, kann nur spekuliert werden. Ob es die Damen und Herren vorgezogen haben, das Clown-Theater der zeitgleich in der Schleyerhalle Stuttgart aufspielenden SLIPKNOT zu verfolgen, wage ich zu bezweifeln.

Kurz nach 19:00 Uhr legen sich SACRIFICIUM jedenfalls ins Zeug. Da sich die Band aus verschiedenen Gründen von ihrem Bassisten Samuel getrennt hat und bis dato noch keinen Nachfolger an der Viersaitigen gewinnen konnte, treten SACRIFICIUM heute Abend ohne Bassist auf. Eine eklatante Lücke in Sachen Sound klafft dennoch nicht, denn Ulrike Uhlmann und Oliver Tesch sorgen für ein Brett in Bezug auf die Klampfenarbeit. Der Anklang des wuchtigen Death Metals der Formation beim Publikum lässt allerdings zu wünschen übrig, denn zu mehr als verhaltenem Anstandsapplaus scheint das Publikum nicht imstande zu sein – und dies, obwohl sich SACRFICIUM motiviert und gut eingespielt präsentieren. Und so schämt sich der Rezensent dieser Zeilen für den Undank des Publikums, das zerstreut postiert und unter Einhaltung eines Sicherheitsabstands von sicherlich vier Metern das Treiben der Musiker mit Langeweile quittiert. Das ist arm, meine Damen und Herren!
[Martin Loga]

Setlist:
- Intro
- Towards The Edge Of Degeneration
- Killing With Style
- As Silence Dies
- Contradiction Of A Depressed Void
- I Am The Enemy
- Canvas
- Of Traumatic Memories And Tears

So, nach der "besten Band des Abends" (Zitat des Veranstalters) wollen jetzt SHADE EMPIRE etwas Schwung in die Bude bringen. Von den Finnen habe ich noch nie zuvor gehört, obgleich die Band immerhin seit 2000 aktiv ist und seitdem drei Alben veröffentlicht hat. Jetzt sind sie jedenfalls auf ihrer ersten Tour unterwegs.

Hm, so ein Live-Review kann eine ganz unangenehme Sache sein. Vor kurzem habe ich einen Spruch gelesen: "Wenn's nicht rockt, ist's für'n Arsch!" Und SHADE EMPIRE rocken überhaupt nicht. Das ist jetzt nicht so hart gemeint, wie es sich anhört, nur treffen die Jungs überhaupt nicht meinen Geschmack. Ich würde jetzt gerne sagen, dass die Band nicht mein Fall ist, aber immerhin das Publikum richtig abgeht. Aber es ist ja kaum jemand da. Und die grob geschätzten siebzehn Leute vor der Bühne üben sich in vornehmer Zurückhaltung. Läuft also alles ein wenig ungünstig für die Suomi-Band, die stark an neuere DIMMU BORGIR erinnert, ohne die Klasse und die Härte der Düsterheimer auch nur ansatzweise zu erreichen. Es gibt zwar Keyboards - es steht zumindest eines auf der Bühne -, aber das Tasteninstrument ist nur selten zu vernehmen. Immerhin bringt Keyboarder Olli Savolainen durch sein fleißiges Propellerbanging hinter den Keys etwas Bewegung hinein. Ansonsten sieht es auf der Bühne ähnlich aus wie vor der Bühne: nämlich eher statisch. Lediglich Bassist Eero Mantere fällt noch durch ein gewagtes Outfit Marke Tarnanzug (mit kurzen Hosen) und Badeschlappen auf [da hätte die Geschmackspolizei intervenieren sollen. Das geht gar nicht. Schaut euch mal das Foto des Bassisten in der Foto-Sektion an! - ML].

Nach dem Auftritt, der ohne jeden Höhepunkt vor sich hinplätschert und total an mir vorbeiläuft (sorry, aber es passiert einfach nichts, absolut nichts), habe ich mir ein paar Kritiken zu den bisherigen Veröffentlichungen der Band angesehen, und die waren durchweg positiv. Vielleicht sollte ich der Band auf CD mal eine Chance geben. Wenn dieser Auftritt nur nicht so unsagbar dröge gewesen wäre. [Das war er. Volle Zustimmung, Herr Kollege!- ML].
[Thorsten Seyfried]

Die Stimmung in der Halle wendet sich nun doch noch zum Guten, denn Elvis-Fan Johan Lindstrand lässt mit seiner Truppe ONE MAN ARMY & THE UNDEAD QUARTET absolut nichts anbrennen. Heiß und spielfreudig sind die Fünf auf der Bühne, und mit der vor kurzem veröffentlichten Langrille "Grim Tales" hat die Band ihr wohl bislang bestes Werk eingetütet. Mit einer ausgewogenen Mischung aus malmendem Groove-Death und einigen Brechern in zackigem Tempo gelingt es der Formation, die Menge mitzureißen. Ältere Stücke wie der Bandklassiker 'So Grim, So Real, So True' ernten dabei die beste Resonanz. Binnen kurzer Zeit rinnt Johan Lindstrand der Schweiß in Sturzbächen von der Stirn und den Armen. Der Schwede dürfte spätestens jetzt auf Betriebstemperatur sein.

"Wie viele von euch haben denn unser neues Album gekauft?", will er wissen. Ganze drei Fans heben die Hand. "Das kann wohl nicht stimmen", lacht der gut aufgelegte Sänger, bevor die Band die neue Groove-Walze 'Bastards Of Monstrosity' abfeuert, die sich in die Reihe der Bandklassiker prima einfügt. Auch 'Terrorist By The Knife' wird messerscharf gezockt.

Der druckvolle Sound heute Abend trägt mit dazu bei, dass ONE MAN ARMY und das Quartett der Untoten auch mich mitreißen, obgleich ich die Band auf Konserve nicht unbedingt zu meinen Favoriten zählen würde. Aber auch die Spielfreude ist bemerkenswert. Nach einer Dreiviertelstunde werden die Schweden mit stattlichem Applaus verabschiedet. Prädikat: sauber!
[Martin Loga]


Heiliges Kanonenrohr, KRISIUN sind am Start. Aaaargh! Brasiliens sympathische Extrem-Knüppler treiben seit Anfang der Neunziger ihr Unwesen, bringen es mittlerweile auf stattliche sieben Alben, sind immer fleißig am Touren und dennoch müssen sie immer wieder vor einer Hand voll Leuten spielen. Verwunderlich, denn KRISIUN sind live praktisch eine unaufhaltsame Naturgewalt, ein Orkan, der mal geschwind 50 Minuten lang durch die Halle bläst. Das ist ein Inferno, das seinesgleichen sucht. Das ist, hoppla, jetzt bin ich aber ganz ruhig.

An den Brasilianern scheiden sich dennoch die Geister. So auch heute Abend. In den ersten beiden Reihen wird gebangt wie blöde, während der Rest (insgesamt vielleicht 120 Leute vor der Bühne) ein wenig verdutzt aus der Wäsche schaut und sich zu fragen scheint, welcher Zug sie da gerade überrollt. Es ist aber auch der Hammer, wie unglaublich tight die drei Brüder ihren Set herunterprügeln, wobei der Schwerpunkt auf aktuellerem Material liegt. Stücke wie 'Vicious Wrath', 'Refusal', 'Bloodcraft' (alle von "Assassination") oder 'Slaying Steel' vom neuesten Output "Southern Storm" zeigen deutlich, wie wichtig die Erkenntnis für KRISIUN war, kompositorisch auch mal den Fuß gelegentlich kurz vom Gaspedal zu nehmen. Ich meine, die Sache wird dadurch nicht weniger heavy, ganz im Gegenteil. Diese fiesen Mini-Breaks, wo es für ganz kurze Zeit still zu sein scheint und wonach Gitarrist Moyses Kolesne Stakato-Riffs raushaut und Bruder Max das ganze mit höllisch schnellen Blasts unterlegt, sind live schlichtweg beeindruckend. Hier sorgen KRISIUN bei aller Brutalität für Abwechslung.

Bei einem kompletten Gig mit Songs wie dem abschließenden 'Hatred Inherit' (von "Conquerors Of Armageddon"), wo nochmal die ganz grobe Kelle ausgepackt wird, würde man wohl nach zwei oder drei Liedern abschalten. Ich hätte zwar auch noch sehr gerne 'Black Force Domain' (vom gleichnamigen Erstlingswerk) mitgebrüllt, aber man kann ja nicht alles haben. Schade nur, dass so wenig los ist. Sänger und Bassist Alex scheint dennoch zufrieden und bedankt sich immer wieder mit leicht abgedroschen klingenden, aber zu hunderprozentig ernst gemeinten Ansagen. Richtig guter Auftritt und ein äußerst intensives Erlebnis. Klasse.
[Thorsten Seyfried]

Nach diesem famosen Keulenschlag der Brasilianer, der meinen Adrenalinspiegel ebenso in die Höhe schnellen lässt, geben sich nun die Headliner UNLEASHED die Ehre. Die Schweden sind bekanntermaßen ein Garant für guten Death Metal der alten Schule mit Hymnen-Potenzial. Und dass Johnny Hedlund und seine Mitstreiter mit zu den beständigsten Live-Acts dieses Genres gehören, dürfte weithin bekannt sein. Die MOTÖRHEAD des groovebetonten Todesbleis - wie ich die Band zu bezeichnen pflege - eröffnen ihren Set mit 'The Greatest Of All Lies' von der aktuellen Scheibe "Hammer Battalion" bevor sie 'Legal Rapes' derart schnell herunterprügeln, dass ich das Stück anfangs gar nicht erkenne.

Etwa 200 Warriors huldigen der Band schon zu Beginn des Sets in beträchtlichem Ausmaß. Mit 'Your Children Will Burn', dem sehr aggressiven Titelstück des aktuellen Albums, 'This Is Our World Now' sowie 'Black Horizon' geben UNLEASHED heute Abend nicht weniger als fünf Stücke der aktuellen Scheibe zum Besten, die jedoch allesamt ihre Daseinsberechtigung im Set der Wikinger-Schweden haben. Die Fans jubeln zahlreich, was Johnny mehrfach ein leicht abgedroschenes "Thank you fucking much!" abringt.

Spielerisch zeigen sich UNLEASHED von ihrer Schokaldenseite, sprich: Die Band macht Druck von vorne bis hinten. Die Fans fordern bereits früh Klassiker wie 'Before The Creation Of Time' oder 'To Asgard We Fly' ein, doch die Maniacs müssen sich noch etwas gedulden. Das wuchtige 'Into Glory Ride' mobilisiert auch den letzten Headbanger in der Halle, bevor die Band mit dem alten Klassiker 'The Final Silence' vorerst zum tobenden Ende der Schlacht bläst.

Der Applaus reißt nicht ab. Im Zugabenteil läuft 'Death Metal Victory' den Anwesenden runter wie Öl. Und als dann endlich das praktisch den ganzen Auftritt über eingeforderte 'Before The Creation Of Time' erklingt, dürfte auch der letzte Nörgler im Publikum vollauf zufrieden gestellt sein. Mit sattem Applaus werden UNLEASHED in die Nacht verabschiedet.

Unter dem Strich hat die Band einen rundum überzeugenden Auftritt hingelegt, der mich persönlich trotz alledem nicht so mitriss wie der Frontalangriff von KRISIUN.
[Martin Loga]

Setlist:
- The Greatest Of All Lies
- Legal Rapes
- This Is Our World Now
- Your Children Will Burn
- In Victory Or Defeat
- Winterland
- Don't Want To Be Born
- Black Horizon
- Warriors Of Midgard
- Midwinterblod
- Into Glory Ride
- Hammer Battalion
- The Final Silence
----
- Death Metal Victory
- Before The Creation Of Time


Als Fazit ist festzuhalten, dass die "Hammer Battalion Tour" in Stuttgart aus meiner Sicht einen sehr guten Gegenwert für das liebe Geld bot. UNLEASHED und KRISIUN in einem kleineren Club, umrahmt von drei weiteren Bands zum schmalen Preis? Das sollte man nicht verpassen, dachte ich. Dass dennoch nur etwa 200 Headbanger den Weg in das LKA Longhorn fanden, stimmt mich persönlich nachdenklich. Was ist mit eurem Hunger nach extremen Metal? Oder seid ihr etwa satt?

Redakteur:
Martin Loga

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