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Unplugged: OPETH + ANATHEMA - Frankfurt

28.11.2012 | 16:17

22.11.2012, Sankt Peter

An ungewöhnlicher Stelle greifen OPETH und ANATHEMA zu den Akustikklampfen - in einer Kirche!

Im Gegensatz zum letzten Gastspiel von ANATHEMA (welche diesmal das Vorprogramm von OPETH bestreiten) hat es mit der Bahnverbindung geklappt. Lediglich mein Fotograf Carsten kommt ein bisschen spät, was man ihm jedoch nicht verübeln kann, denn die Parkplatzsuche in der Innenstadt Frankfurts gestaltet sich in der Regel schwierig, zumindest wenn man Wert darauf legt, kein Knöllchen zu kassieren. [Zur Not muss einfach ein Taxistand herhalten. - Anm. v. Carsten] Ansonsten stehen die in erster Linie schwarz gekleideten Fans (was aufgrund eines Metalkonzerts keine Außergewöhnlichkeit darstellt, ich aber aufgrund der Location in der Sankt Peter Kirche dennoch besonders hervorheben möchte) in Reih und Glied, um Einlass in die in warmes Licht getauchte Vorhalle einzutreten. Dass das Konzert ausverkauft ist verwundert doch ein wenig, da die Setlist bei der "Heritage"-Tour arg in der Kritik stand und hier bekanntermaßen die Songs ausschließlich in ein akustisches Gewand gehüllt sind. "Stripped", um ein altes Unplugged-Album von den PRETTY MAIDS mal zu zitieren.

Pünktlich um 20 Uhr steigen die Gebrüder Cavanagh jeweils mit einer Akustikgitarre bewaffnet auf die Bretter. um mit dem Opener des "We’re Here Because We’re Here"-Albums, 'Thin Air', einzusteigen. Man merkt vor allem Vincent Cavanagh die Nervosität an, denn im Gegensatz zu den normale Konzerten liegt der Fokus ausschließlich auf seinem Gitarrenspiel. Sein Bruder Danny geht mit der Situation deutlich gelassener um und bezaubert mit einer einfühlsamen Gesangsperformance. Neben 'Untouchable Part 2' ist mein persönliches Highlight 'A Natural Disaster', bei dem Sängerin Lee Douglas im Spotlight steht und mit ihrer gänsehauterzeugenden Stimme bezaubert. Danach ruft Danny zur Abstimmung auf. Zur Auswahl stehen 'Fragile Dreams' und 'Flying'. Das Publikum entscheidet sich für 'Fragile Dreams' und wagt es, ohne auf ein Zeichen von Danny zu warten, den Takt mit zu klatschen, was erst mal in die Hose geht. Danach braucht es einige Zeit bis er den Takt raushat, um zu guter Letzt dann doch den Song auf die Reihe zu bekommen. Zum Abschluss wird PINK FLOYDs 'Another Brick In The Wall' gecovert, was mit die enthusiastischsten Reaktionen auslöst, was bezeichnend für den Gig ist. Nach vierzig Minuten verlassen die Protagonisten die Bühne, um Platz für den Headliner des Abends zu machen.

Nach einer fünfzehnminütigen Umbaupause steigen OPETH in kompletter Besetzung auf die Bühne. Den Anfang bildet 'Heritage' vom aktuellen Album. So weit nicht ungewöhnlich. Was erstaunlicher ist, ist die Tatsache, dass das Publikum während der Songs andächtig lauscht. Man fühlt sich vom Hörensagen an Konzerte in Japan erinnert, wo das Publikum ebenfalls keinen Mucks von sich gibt, um ja nichts vom Geschehen auf der Bühne zu verpassen. Das fällt auch Mikael Akerfeldt auf, der andere Umstände gewohnt ist: "Usually you drink beer and talk trash!" Auch der Umstand, dass OPETH in einer Kirche spielen, findet er belustigend:"We should play Death Metal!" [Bei Mikaels Charme kann ihm selbst bei Kollegenschelte niemand wirklich böse sein. Etwa, wenn er auf den allerersten Auftritt in Frankfurt mit CRADLE OF FILTH anspielt: "We're now playing a CRADLE-Song, 'The Forest Whispers My Name'. That's their only good song." [Grinsen, Gelächter, großartig. - Anm. v. Carsten] Und als letztes wenig Passendes wäre das Backdrop zu nennen, welches zwei in Rot gehaltene Teufel/Dämonen illustriert.

Doch zurück zur Musik, und die steht am heutigen Abend im Mittelpunkt. Neben den "Damnation"-Tracks 'Hope Leaves' und 'In My Time Of Need' finden sich einige Überraschungen in der Setlist. Da wäre zum einen das HANSSON DE WOLFE UNITED-Cover 'Var Kommer Barnen In?' zu nennen, aber auch der BLACK SABBATH-Klassiker 'Solitude' vom "Masters Of Reality"-Album stellt eine positive Überraschung dar. Des weiteren kann die Unplugged Version von 'Demon Of The Fall' überzeugen, welches durch das darbuka-artige Percussion Spiel von Martin Axenrot ein orientalisches Flair ausstrahlt. Auch ohne die Growls kann das Stück in dieser Version voll überzeugen. Dasselbe trifft auf 'Atonement' vom "Ghost Reveries"-Longplayer zu, bei dem Fredrik Akesson solotechnisch von der Leine gelassen wird und Tonlagen zockt, die an türkische Volksmusik angelehnt sind. Nach dem "Heritage"-Rausschmeißer 'Marrow Of The Earth' ist leider nach achtzig Minuten viel zu früh Schluss. Trotz des Beifalls lassen sich die Musiker nicht dazu bewegen, zurück zu kommen und verschwinden in ihrer Garderobe.

Auch wenn es ein ungewöhnlicher Abend war: mir hat’s Spaß gemacht. Neben der ungewöhnlichen Setlist ist es erstaunlich, welche Einflüsse ans Licht kommen, wenn man die Songs aufs Wesentlichste reduziert. Auch wenn Akerfeldt über die Stühle, welche auf der Bühne standen, mehr als einmal beschwert hat, hat man ihm den Spaß an der Sache angesehen. Ob OPETH in Zukunft wieder mal eine Akustiktour begehen werden steht in den Sternen, doch es stellt eine abwechslungsreiche Alternative zu den Starkstromkonzerten dar. Sowohl die Songs als auch die Musiker konnten glänzen, und das ist mehr als manch eine Band von sich behaupten kann. Denn wenn die Songs quasi im "Gerippe" überzeugen können, dann spricht es für das Songwriting.

Setlist:

Heritage
Credence
In My Time Of Need
Häxprocess
Var Kommer Barnen In?
(HANSSON DE WOLFE UNITED-Cover)
Solitude
(BLACK SABBATH-Cover)
Benighted
Demon Of The Fall
Hope Leaves
Atonement
Marrow Of The Earth

Redakteur:
Tolga Karabagli

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