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Uriah Heep - Memmingen

30.12.2003 | 12:33

09.12.2003, Stadthalle

Nachdem am Wochenende zuvor Ozzy Osbourne mit seinem Auftritt bei "Wetten, dass...?!" wieder einmal demonstrierte, dass die Jahre an einem Hard-Rocker nicht spurlos vorübergehen, durfte ich mich am 9. Dezember davon überzeugen, dass der "Madman" glücklicherweise kein typisches Beispiel für seine Generation, sondern viel mehr eine weniger rühmliche Ausnahme darstellt. Sowohl die Herren von BLUE ÖYSTER CULT als auch die von URIAH HEEP, die allesamt auch nicht viel jünger sind, zeigten eindrucksvoll, dass man auch im fortgeschritteren Alter noch sehr fit sein kann und dementsprechend auch noch ordentlich rocken kann...


FIREBALL MINISTRY

Den Anfang machte an diesem Abend jedoch das "junge Gemüse" von FIREBALL MINISTRY, das erst vor kurzem bei Nuclear Blast mit "The Second Great Awakening" seinen Einstand gab. Dementsprechend wurden an diesem Abend auch ausschließlich nur Songs von diesem Album zum Besten gegeben, während die ersten beiden Werke der Band unberücksichtigt blieben. Wie das Album, so begann auch der dreißigminütige Auftritt der vierköpfigen Band aus Los Angeles mit dem Intro 'The Second Great Awakening' und dem Opener 'King', der recht flott aus den Boxen knallte. Im Mittelpunkt des Gigs stand selbstverständlich Sänger / Gitarrist Reverend James A. Rota, der durchaus so manche Ähnlichkeit zu dem eingangs erwähnten Ozzy Osbourne ausweisen kann - zu dem jungen Ozzy, wohlgemerkt! Aber auch seine beiden Mitstreiterinnen (!) an Gitarre (Emily J. Burton) und Bass (Janis Tanaka) konnten die Blicke der Zuhörerschaft, vornehmlich natürlich der männlichen, auf sich ziehen. Dabei konnten die beiden Mädels aber vor allem durch ihr musikalisches Können überzeugen, beispielsweise bei dem schleppenden 'Daughter Of The Damned', aber auch bei 'Choker' und 'He Who Kills'. Die Band präsentierte sich ausgesprochen spielfreudig und beweglich, so dass es sehr viel Spaß machte, ihr zuzusehen. Nach 'In The Mourning' und dem Hinweis auf das aktuelle Album und Nuclear Blast war es aber auch schon Zeit für den Endspurt, der mit 'Rollin' On' und 'Flatline' sehr kraftvoll ausgefallen war. - Alles in allem also ein ordentlicher Auftritt einer Band, die im Stoner-Rock-Bereich durchaus noch von sich reden machen wird. (Auch wenn an diesem Abend nicht alle Anwesenden diese Meinung teilten...)


BLUE ÖYSTER CULT

Eine ganz andere Generation wie FIREBALL MINISTRY sind BLUE ÖYSTER CULT, die auf eine über fünfunddreißigjährige Band-Geschichte zurückblicken können. Von ganz früher sind noch Eric Bloom (Gesang, Gitarre, Keyboards), Donald "Buck Dharma" Roeser (Gitarre) und Allen Lanier (Keyboards, Gitarre) mit von der Partie, komplettiert durch Drummer Bobby Rondinelli (u.a. BLACK SABBATH, RAINBOW) und den "Neuen" (erst seit acht Jahren dabei ;-)) am Bass, Danny Miranda. - Nach einem recht spacigen Intro und einer Ankündigung vom Band rockten die Herren auch gleich ordentlich los ('Buck's Boogie') und ließen keinen Zweifel daran, dass sie einen ausgesprochen guten Tag erwischt hatten. Den Schwerpunkt hatten BLUE ÖYSTER CULT selbstverständlich auf älteres Material gelegt, aber mit 'Pocket' hatten sie auch einen Song vom aktuellen Album "Curse Of The Hidden Mirror" am Start. Ansonsten wurden aber die wichtigsten Band-Klassiker zum Besten gegeben, wie zum Beispiel 'E.T.I. - Extra Terrestrial Intelligence', 'Burning For You' oder 'Cities On Flame With Rock And Roll'. Wie es sich für BLUE ÖYSTER CULT gehört, wurde den Instrumentalteilen ein großer Raum gelassen, aber auch das Publikum wurde immer wieder mit einbezogen - so durfte es beispielsweise bei 'Cities On Flame With Rock And Roll' kräftig mitsingen. Den einstündigen Auftritt beschloss die Band aus New York mit ihren beiden vermeintlich größten Hits, nämlich 'Godzilla' und '(Don't Fear) The Reaper', bei denen auch die Stimmung im Publikum einen ersten Höhepunkt erreichte. Dementsprechend wollte sich die Zuhörerschaft damit auch nicht begnügen und forderte lautstark eine Zugabe, die sie in Form von 'Black Blade' schließlich auch noch bekam. - Unter dem Strich ein großartiger Auftritt einer großartigen Band, die fälschlicherweise oft genug auf '(Don't Fear) The Reaper' reduziert wird. Dabei hat sie sehr viel mehr zu bieten...


URIAH HEEP

Nach der obligatorischen Umbaupause von etwa einer halben Stunde war es Zeit für den Headliner des Abends, nämlich URIAH HEEP. Zu dieser Band habe ich seit ziemlich genau 15 Jahren ein ganz besonderes Verhältnis, da mein erstes, richtiges Konzert überhaupt eben ein URIAH HEEP-Gig war. Doch schon damals trat die Band in der immer noch aktuellen Besetzung auf, nämlich mit Gründungsmitglied Mick Box (Gitarre), Lee Kerslake (Drums), Trevor Bolder (Bass), Bernie Shaw (Vocals) und Phil Lanzon (Keyboards). Und der Fünfer ließ auch keinen Zweifel daran aufkommen, dass sie zu alt für eine energiegeladene Show wären, denn mit 'Easy Livin'' stiegen URIAH HEEP gleich mit einem ihrer größten Hits ein. Normalerweise ist das ja immer eine Gefahr, wenn eine Band ihr ganzes Pulver schon zu Beginn verschießt, aber im Falle von URIAH HEEP sieht das natürlich anders aus, da diese Band genügend Hits in der Hinterhand hat, um mehrere Stunden bestreiten zu können. Ohne Umschweife ging es mit dem epischen 'Shadows Of Grief' - etwas überraschend, da dieser Song nicht allzu oft in der Setlist zu finden ist, aber deshalb umso erfreulicher! :-) - und 'Cry Freedom' weiter, bevor Bernie das inzwischen bestens gelaunte Publikum begrüßte. Dabei betonte er, dass wir ja alle "one big country" bzw. "one big family" wären und dass wir an diesem Abend einfach eine gute Zeit zusammen haben sollten ("party starts now"). Im Vordergrund sollte aber natürlich die Musik stehen, und so gab es mit 'Pilgrim' und 'Other Side Of Midnight' zwei weitere Songs aus der frühen URIAH HEEP-Historie zu hören. Bei dem All-Time-Klassiker 'Stealin'' erreichte die Stimmung ihren vorläufigen Höhepunkt, was zum Teil natürlich auch daran lag, dass Bernie immer wieder versuchte, das Publikum durch Mitklatschen bzw. Mitsingen einzubeziehen. Natürlich kamen auch die ruhigeren Momente nicht zu kurz - so wurden bei dem sehr verhaltenen Beginn von 'Wise Man' die Feuerzeuge gezückt, und bei 'The Wizard' kam selbstverständlich auch dieses Mal wieder Micks Akustikgitarre zum Einsatz. Anschließend ging es aber wieder mit satten Gitarrenriffs weiter ('Devil's Daughter'), bevor auch schon der Endspurt angezogen wurde. Dazu wühlten URIAH HEEP aber noch einmal ganz kräftig in der Klassiker-Kiste und zogen 'Sunrise', 'Gypsy' - leider etwas stark gekürzt - und das überragende 'July Morning' heraus. Damit wollten es die fünf Engländer dann auch schon bewenden lassen, doch mit einem 65-Minuten-Auftritt wollte sich natürlich niemand abspeisen lassen, sodass sehr lautstark nach zumindest einer Zugabe verlangt wurde. Allzu lange ließ sich die Band dann aber auch nicht bitten, und nachdem Mick sich bei den verschiedensten Leuten bedankt hatte, wurden noch drei weitere Songs gespielt, nämlich 'Bird Of Prey', 'Bad Bad Man' und die Lagerfeuer-Hymne 'Lady In Black'. Während Bernie bei 'Bird Of Prey' zu absoluter Hochform auflief und mit eindrucksvollen Screams begeistern konnte, merkte man bei 'Lady In Black' deutlich, dass ihm dieser Song nicht wirklich auf den Leib geschrieben wurde. Im Großen und Ganzen bot er aber - wie auch seine Kollegen - einen sehr guten Auftritt, und man hatte zu jedem Moment das Gefühl, dass die Band ebenso viel Spaß hatte wie das Publikum. Mick ist ja sowieso immer bestens aufgelegt, aber auch der Rest der Band sprühte nur so vor Spielfreude. Daher war auch die Länge (bzw. Kürze) des Auftritts der einzige wirkliche Schwachpunkt des Gigs. (Gut, man könnte auch noch anbringen, dass die Setlist ausschließlich aus gut abgehangenen Songs bestand, aber gerade diese will das Publikum ja schließlich hören...)


Setlist von URIAH HEEP:

Easy Livin'
Shadows Of Grief
Cry Freedom
Pilgrim
Other Side Of Midnight
Stealin'
Wise Man
The Wizard
Devil's Daughter
Sunrise
Gypsy
July Morning
---
Bird Of Prey
Bad Bad Man
Lady In Black

Redakteur:
Martin Schaich

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