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VINTAGE CARAVAN, WUCAN und BLACK MIRRORS - München

04.11.2018 | 10:02

23.10.2018, Strom

Eine Überraschung, eine (kleine) Enttäuschung und ein Denkanstoß.

Das Revival des 70s-Hard Rock ist immer noch im Gange. Ansonsten wäre es nicht möglich, dass VINTAGE CARAVAN auch 10 bis 15 Jahre nach dem Start des Retro-Booms eine Headliner-Tour durchführen kann. Und zumindest der Strom-Club in München ist heute gut gefüllt. Dort ist es allerdings oft relativ eng und die letzten Konzerte, die ich hier erlebt habe, waren ohne gute Ohrenstöpsel ob der Lautstärke kaum zu ertragen.

Black Mirrors, München Strom 2018Doch BLACK MIRRORS, die erste von zwei Support-Bands hat einen guten, angenehmen Sound. Ich habe diese Belgier mit Frontdame dieses Jahr schon einmal gesehen und zwar im Vorprogramm von MAIDAVALE, einem "Wohnzimmer"-Konzert in einem kleinen, verranzten Club, wo die Tanzfläche kaum größer war als die Bühne. Es ist also schon ein Karriere-Sprung, hier in einem gut gefüllten Club zu spielen. Und auch BLACK MIRRORS selbst hat einen saftigen Sprung nach vorne gemacht. Vor allem Marcella Di Troia hat enorm an Stimmgewalt und Bühnenpräsenz hinzugewonnen, und so bringt der knackige, rifflastige Stoner Rock das Publikum sofort in Wallung. Die Band genießt die Situation sichtlich, Marcella holt alles aus sich heraus und zeigt, dass sie auch abseits der Rock-Röhre stimmlich einiges zu bieten hat. Der Mix aus knackigen Rockern, fuzzigen Psych-Nummern und fast sogar gothisch anmuteten Passagen stimmt heute Abend einfach.

Wucan, München Strim 2018Klar, der heutige Headliner ist mittlerweile eine Größe im Vintage Rock, doch der Grund meines Kommens sind im Vorfeld eindeutig die knuffigen Dresdner Experimental-Rocker WUCAN. Ich freue mich sehr, diese Wunderband nun schon das vierte Mal live genießen zu dürfen. Doch der heutige WUCAN-Gig sollte so einige Ungereimtheiten aufbringen, die mir den vollen Genuss vermiesten. Zum Ersten ist da die im Vergleich zu den BLACK MIRRORS erhöhte Lautstärke. Gerade der Bass knallt unangenehm in den Ohren, so dass der unwiderstehliche WUCAN-Groove schon bei 'Wie die Welt sich dreht' nicht so richtig zur Geltung kommt. Dann bin ich mir auch nicht sicher, ob Sängerin Francis heute einen eher schwachen Tag erwischt hat, zumindest fehlt ihrer Stimme diesmal das WUCAN, Francis Tobolsky; München Strom 2018Volumen. Äußerlich lässt sie sich allerdings nichts anmerken, sie schneidet wie immer ihre Grimassen, die Gestik ist unvergleichlich und der schnelle Wechsel zwischen Gesang, Gitarre, Querflöte und dem wunderlichen Themerin ist wie immer sehenswert.

Auch kleine technische Probleme mit der Gitarre werden von der Band souverän mit einen spontanen Jam abgefedert. Und trotzdem, irgendwas fehlt heute, die Musik wirkt ziemlich sperrig und ein Teil des Publikums, der die Band nicht kennt, wirkt auch eher irritiert. Das kann auch an der Songauswahl liegen, denn man spielt ein Exzerpt aus dem "Reap The Storm"-Longtrack 'Aging Ten Years In Two Seconds', meinen WUCAN-Liebling, der aber so nicht richtig funktioniert. Und auch das Cover 'Am I Evil' von DIAMOND HEAD macht im Kontext eines Support-Gigs meines Erachtens wenig Sinn. WUCAN macht das zwar wie immer wirklich gut und fast sogar einen eigenen Song draus, trotzdem: man hat so viele tolle eigene Songs, warum fast zehn Minuten für eine Coverversion verwenden? Ich hätte lieber 'King Korea' oder den 'Dopetrotter' gehört.

Mit VINTAGE CARAVAN habe ich gute Erfahrung, denn im Vorprogramm von AVATARIUM haben mich die isländischen Wunderkinder, die mittlerweile auch "schon" 24 Jahre alt sind, voll überzeugt und auch das 2015er-Album "The Arrival" hat im Vorfeld des Konzerts bei mir gezündet. Heute jedoch brauche ich ein bisschen, um mit den Jungs warm zu werden. Man promotet mit der Tour natürlich das aktuelle Album "Gateways", doch die ersten hier präsentierten Lieder des mir noch nicht geläufigen Albums VINTAGE CARAVAN, München Strom 2018wirken auf mich ziemlich unspektakulär und auf Nummer sicher. Das rockt zwar amtlich und der Sound hat Wumms, aber irgendwas fehlt. Und wo sind denn die Soli, die mir damals sogar den Dorian-Sorriaux-Vergleich (der von mir sehr hoch geschätzte BLUES PILLS-Gitarrist) entlockt haben? Aber vielleicht ist ja auch nur der Bass, der mir das Ohr zudröhnt.

Allerdings kommt bei den "Arrival"-Song dann doch wieder etwas bessere Stimmung auf, vor allem die Halbballade 'Innerverse' wird von der Gitarre her sehr gefühlvoll vorgetragen und 'Babylon' ist einfach ein Knaller, der mir seit Wochen im Ohr hängt. Eines jedoch macht dieses Konzert wieder mehr als deutlich: VINTAGE CARAVAN muss am Gesang arbeiten. Das ist teilweise nicht besonders beeindruckend, was Meister Oskar Logi hier am Mikro liefert. Hier klafft eine Lücke zu den RIVAL SONS, BLUES PILLS und sogar KADAVAR, die zumindest einen coolen Ozzy-Vibe in ihren Vocals haben.    

Fazit: ein guter, aber keinesfalls perfekter Konzertabend, der einmal mehr unter dem zu lauten, basslastigen Strom-Sound leidet und die BLACK MIRRORS als eindeutige Gewinner des Sets hervor bringt.

Redakteur:
Thomas Becker

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