Voll-Fett-Festival - Reichenbach

17.06.2004 | 11:30

09.06.2004, Bürgerstüble

Es ist verdammt schade, dass sich so viele Metaller das Voll-Fett-Festival haben entgehen lassen. Tja. Da kann man nur sagen: Selber schuld! Trotz vorzüglichen Bands, einer ebensolchen Location und Stimmung waren schätzungsweise nur knapp 30 Zuschauer erschienen. Dabei sollte das Festival seinem Namen vollauf gerecht werden.

Schon die Eröffnungsband PRESIDENT EVIL aus Bremen mischte mit ihrem Stoner Thrash die wenigen Anwesenden ordentlich auf! Die Band klingt tatsächlich wie ein räudiger Bastard aus SLAYER und KYUSS. Unglaublich, aber wahr.
Und das schlug sich auch in der Bühnenshow nieder, die sich mit Bangen, Posen und Rotzrocken der besten Elemente der jeweilgen Genres bediente, ohne aufgesetzt zu wirken. Schade, dass diese innovative Band, die ihr Debütalbum "The T(h)rash N' Roll Assholeshow" gerade unter der Aufsicht von Andy Classen eingeprügelt hat, noch immer ohne ordentlichen Deal durch die Lande tingelt.

Zwischen den Bands konnte man gemütlich nach draußen auf die Terrasse des Bürgerstübles gehen und sich zu seinem Bierchen ein frisch gegrilltest Würstchen oder Leberkäse aus der hauseigenen Metzgerei gönnen. Ebenfalls vorzüglich! Bei dem schönen Wetter kam auf der Terrasse wirklich zünftige Festival-Stimmung auf.

Über die Livequalitäten der Ungarn EKTOMORF braucht man eigentlich keine Worte mehr zu verlieren. Nachdem sie, wie übrigens auch MNEMIC, am Wochenende die Talentstage bei "Rock im Park" und "Rock am Ring" in Schutt und Asche gelegt hatten, zeigte sich, dass die unglaubliche Intensität der Band sich letztlich trotzdem am brachialsten in kleinem Rahmen entfaltet.
Die Jungs präsentierten neben vielen Granaten ihres aktuellen Albums "Destroy" auch einen neuen Song, den sie im September für ihr neues Album wieder unter der bewährten Regie von Tue Madsen in Dänemark aufnehmen werden. Wenn dieser Song repräsentativ für das gesamte kommende Album ist, dann steht uns ein weiteres Killeralbum von EKTOMORF bevor.

Stichwort Dänemark! (Was für eine Überleitung!) Dänemarks heißester Newcomer MNEMIC legte ebenfalls einen furiosen Auftritt aufs Parkett. Es schien, als wollte die Truppe EKTOMORF an Intensität noch überbieten, was ihnen an diesem grandiosen Abend auch zweifelsohne gelang. Geschickt mischte die Band die stärksten Stücke ihres Debüts "Mechanical Spin Phenomena" mit einer Coverversion von STRAPPING YOUNG LADS' 'All Hail The New Flesh' und FEAR FACTORYs 'Self Bias Resistor' (vollmundig als 'Self Bitch Reanimator' angekündigt). Auch MNEMIC entfalteten in kleinem Rahmen eine unglaubliche Druckwelle, die alle Anwesenden völlig platt wälzte. Dies dürfte nicht zuletzt auch am vorzüglichen Sound gelegen haben, den der bandeigene Mischer aus der PA zauberte. Diese Band hat noch eine große Zukunft vor sich.

Die METALLICA-Coverband CUNNING STUNTS aus Köln hatte die undankbare Aufgabe, die wenigen verbliebenen Gäste nach den drei vorzüglichen Auftritten dieser drei ausgezeichneten Bands noch bei der Stange zu halten. Aber es gelang! Und wie!
Mit 'Die, Die My Darling' und 'Creeping Death' als Einstieg, spielten sich die Jungs durch eine clever zusammengestellte Setlist und boten viele Songs besser dar als METALLICA selbst. Ich sage nur: Keine Timing-Schwankungen des Schlagzeugers! (Oder hatte ich nur schon zu viel Bier?) Insofern war die Darbietung fast schon ein wenig unrealistisch.
Mit viel Liebe zum Detail und spielerisch auf höchstem Niveau wurden neben METALLICA-Perlen wie 'Master Of Puppets' und 'Seek And Destroy' auch weitere von METALLICA gecoverte Songs zum Besten gegeben. Höhepunkt war dabei natürlich 'Am I Evil' von DIAMOND HEAD.

Alle Bands des Abends und natürlich vor allem der Veranstalter hätten ein wesentlich größeres Publikum verdient gehabt, auch wenn der Spaßfaktor enorm hoch war und alle Bands von den Anwesenden abgefeiert wurden. Hoffentlich spricht sich dieser Geheimtipp ein wenig in der Szene rum, damit im nächsten Jahr die Besucherresonanz dem Rahmen und dem Niveau der Veranstaltung entspricht. Bürgerstüble rules!

Andreas Siegl

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