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WITH FULL FORCE 2011 - Roitzschjora

18.07.2011 | 15:31

05.07.2011, Flugplatz

Kälte, Sturm, Regen - lasst die Wasserschlacht beginnen!

Der Acker glüht, der Acker schreit. Es ist mal wieder Zeit für das With Full Force. Auch 2011 gibt es eine saftige Mischung aus Metal, Hardcore und anderen Abarten. Das Powermetal.de-Team ist da natürlich an vorderster Front - auch wenn das Wetter in diesem Jahr zum Fürchten einlädt.

Aber während für die aufziehenden Gewitterwolken niemand etwas kann, sind andere Probleme durchaus Hausgemacht. So wie der Anfahrtsstau: Bis zu fünf Stunden müssen die Fans Schlange stehen, ehe ihnen Einlass gewährt wird. Phasenweise lassen die Securities auch bis zu einer Stunde überhaupt niemanden auf's Gelände. Die Begründung: Der Zeltplatz sei voll, es würde gerade angebaut werden. Hallo? Als wenn sich die Zuschauerzahl seit vergangenem Jahr plötzlich verdoppelt hätte. Auch das Argument, viele seien ohne Karten angereist, um an der Abendkasse noch welche zu kaufen, zählt nicht. Schließlich weiß man vorher, wie viele Tickets man gedruckt hat. Kein Wunder also, dass die Fans irgendwann in den Abendstunden des ersten Festivaltags nach zig verpassten Bands die Schnauze gestrichen voll haben und eigenständig die Gitter zum Campingground einreißen – und auch die überforderten Ordner die Einfahrt ohne Einlasskontrollen freigeben. Fehlorganisation klingt noch untertrieben, hier muss eindeutig nachgebessert werden. Das bekommt jedes Festival der gleichen Größenordnung eleganter hin!
[Carsten Praeg]

FREITAG - 01. Juli 2011

Wie könnte ein anständiges Metalfestival besser anfangen, als mit klebrigen Keyboardtönen? Genau, gar nicht, deshalb schicken die Veranstalter auch pünktlich um 14.30 Uhr  die Finnen von OMNIUM GATHERUM auf die Bretter. Sänger Jukka glänzt nicht nur durch anständiges Gebrüll, sondern auch durch eine mit viel Liebe zum Detail zerrissene Buchse. Musikalisch kann sich das Ganze durchaus hören lassen und so erstaunt es nicht, dass sich immer mehr Leute vor der Bühne versammeln, um dem melodischen Death Metal eine Chance zu geben. Besonders Gitarrist Markus imponiert mit seinen gefühlvollen Gitarrensoli, die unter die Haut gehen. Nach 35 Minuten ist allerdings auch schon wieder Schluss, was ein wenig schade ist, denn die sympathischen Finnen haben einen wirklich guten Job gemacht.

Im Anschluss sorgen die britischen EVILE für noch mehr gute Laune, denn gut geölter Thrash geht immer am frühen Nachmittag. Das denken sich auch die vier Rabauken auf der Bühne und legen einen fulmimanten Start aufs Parkett. Zopfgummies werden in der ersten Reihe gelöst und ab geht's. Dem spitzenmäßigen Start folgt allerdings nach spätestens der Hälfte des Sets ein wenig Langeweile. Die Publikumsreaktionen werden gedämpfter, was wohl daran liegt, dass EVILE zu gleichförmig zu Werke gehen und zusätzlich den Fehler begehen, eine öde Midtempo-Nummer ins Set zu packen. Insgesamt dennoch eine gute Vorstellung, aber eben ausbaufähig.
[Philipp Halling]

Den zweiten Slot freitagmittags auf der Tentstage zu haben, ist schon etwas Tolles. Zumindest für die KRAWALLBRÜDER aus dem Saarland wird das heute ein richtig geiler Gig. Anfängliche Zweifel, ob die Oi-Kapelle auf dem Hardcore-Metal-Punk Festival punkten kann, zerstreuen sich schon vor dem ersten Song, denn das Zelt ist wirklich prall gefüllt. Da die Saarländer sich immer treu geblieben sind und es trotzdem schaffen, feine Gitarrenleads mit deutschem Oi-Textgut zu paaren, werden die eingängigen Hits wie 'Krawallbrüder' oder 'Saarland' auch lautstark mitgesungen. Routiniert, aber trotzdem mit enormer Spielfreude rotzen uns Pascal und Co. die Hasstirade 'Halb Mensch halb Tier' in die Fresse. Im Pit geht’s bei der Ode an den Osten 'Zweite Heimat' hier natürlich besonders zur Sache und jetzt ist auch völlig klar: Der Auftritt ist ein totaler Erfolg und auf die Fortsetzung der Krawallorgie darf man sich bestimmt schon freuen.
[Christian Gaum]

Elektrisch spritzig starten DEADLOCK discomäßig an diesem Nachmittag in ihren Auftritt - etwas zur Auflockerung bevor ihr Modern Metal einsetzt. Sofort wird der Gig der bekennenden Veganer von Typen in Frauenunterwäsche besucht (einige von ihnen liefern später noch ihre ganz eigene Show). Mit aggressiven Growls scheucht Johannes Kühe auf. Sabine hingegen lässt mit ihrem engelsgleichen Stimmchen die Sonne hinter der Wolkendecke hervorluken. Politisch gesellschaftlich engagiert lädt die Truppe aus Regensburg, Jena und Berlin nicht nur zum Pogen sondern auch zum Nachdenken ein - 'Virus Jones' handelt dabei von aktuellen medizinischen Problemen. Mit 'Code Of Honor' gibt's dann wieder einen alten Bekannten auf die Ohren, während sich die besagten Herren in Damenunterwäsche anderen altbewährten Dingen widmen: Dem guten alten Ringkampf.

Während sich hier also eine Party für sich entwickelt, starten DEADLOCK mit 'Awakened by Sirens' einen Mitsingcontest. Überschüssige Energie wird freigelassen. Geschlechtsteile werden ausgepackt und mit dummen Gesichtern über den Dreck gerockt, bevor diese Feier seinen krönenden Abschluss mit 'End Begins' findet. Ring frei!
[Nadine Ahlig]

Volle Hütte und Hüpfalarm bei den teutonischen Matschmetallern DISBELIEF. Sänger Jagger und seine Mannen haben wenig Probleme, dass Publikum zum Mitmachen zu animieren. Kein Wunder bei den livekompatiblen Grooveattacken, die aus den Boxen dröhnen. Songs wie 'To The Sky' oder 'Rewind It All' lassen einem aber auch gar keine andere Chance, als zu wippen, zu springen oder mit dem Kopf zu wackeln. Einst zweifelte ich an den Qualitäten der Band, doch heute, hier, vor großem Publikum muss auch ich neidlos anerkennen, dass DISBELIEF es draufhaben und mächtig die Hütte rocken. Die Band freut's auch und so erblickt man mehrmals ein diebisches Grinsen auf den zufriedenen Gesichtern der Protagonisten. Gut gemacht!

CARNIFEX werden von der ersten Sekunde an gefeiert, was das Zeug hält. Der erste Cicle Pit lässt nicht lange auf sich warten und die Leute drehen durch. Warum nur? CARNIFEX spielen extrem öden Deathcore, der nicht besonders geschickt zwischen Geballer und nervigen Breakdowns hin- und herpendelt. Abwechslung beim Songwriting ist hier Fehlanzeige. Technisch gibt es nicht mal viel zu meckern, denn die Instrumente werden sauber beherrscht, aber es klingt schlichtweg alles gleich. Das Publikum mit Cappies und großen Ohrringen kennt dennoch kein Halten und so setzen CARNIFEX ihren musikalisch belanglosen Siegeszug fort. Öde!

Wie man es mit gutem Marketing und einer einfachen Namensänderug gebacken bekommt, auf einem eher moderneren Festival einen sehr guten Slot zu besetzen, zeigen die ehemaligen OCCULT, heute besser bekannt als LEGION OF THE DAMNED. Achja, außer den genannten geschäftlichen Rafinessen, spielen die Holländer auch astreinen Genickbruch-Thrash, der auch in Roitzschjora eikalt zuschlägt und die Nackenwirbel der Anwesenden in Dauerrotation versetzt.

Kurze deutsche Ansagen erhöhen zusätzlich die Sympathie und so müssen sich die vier Thrasher keine Sorgen machen, dass ihnen jemand abtrünnig wird. Wo CARNIFEX noch eher gelangweilt wirkten, geben LEGION OF THE DAMNED richtig Stoff und zeigen den Jungspunden im Publikum, wo die Thrashkeule hängt. Hut ab, die Herren!
[Philipp Halling]

Beim Rock am Ring wurde es bereits prophezeit! Die Engländer von BRING ME THE HORIZON schlagen ein wie ein Hurricane und reißen sofort alles ab, was nicht angewachsen ist. Sofort brechen mehrere Circle Pits aus, die unter Befehlen von Oliver Sykes immer größer werden. Der bekennende Anti-KFC-Kämpfer weiß eben, wie man die Massen für sich beanspruchen kann. Bei 'Anthem' lässt er alle Freiwilligen nach vorne kommen und ihm High Five geben.

Mit dieser Geste meint er, sich entschuldigen zu müssen, dass er kein Deutsch kann. Mit einer scheppernden Wall of Death wird der Acker bei 'It Never Ends' umgegraben und sogar der Aufruf zur abschließenden Sitzrunde wird dieses Mal ohne zu Zucken ausgeführt. Wie es zu erwarten war, sind die Besucher des With Full Force das perfekte Publikum für diese Deathcore-Fraktion. Was Energie betrifft, sind die deutschen Fans hier genauso gut wie die englischen. Um sich für all die Zuneigung zu bedanken klettert Leadgitarrist Jona wie ein Äffchen den Monitor neben der Bühne hoch und posiert etwas ängstlich aber dennoch sagenhaft cool, während Basser Matt gänzlich in der Crowd verschwindet. Großartige Show. 
[Nadine Ahlig]

Zu AGNOSTIC FRONT gibt es eigentlich nicht viel zu sagen, denn irgendwie gehören sie schon zum Stamm-Line-Up auf dem With Full Force. Kein Wunder, hat die Band doch zahlreiche Klassiker des Genres auf den Markt gebracht, auch wenn diese nicht immer unumstritten waren in der Hardcore-Szene, wie im Falle des zwar meistverkauften, aber eben auch am meisten kritisierten Albums "Cause For Alarm". Wie dem auch sei, AGNOSTIC FRONT sind im Live-Sektor eine absolute Macht. Gitarrist Vinnie Stigma ist einfach ein sympathisches Urgestein, ebenso wie Sänger Roger Miret, der ob des schlechten Wetters eine dicke Regenjacke trägt, in der es sich dennoch hervorragend rumhampeln lässt. Die gesamte Belegschaft hüpft in einer Tour und das Publikum tut es ihnen gleich. AGNOSTIC FRONT machen einfach Spaß und die Stunde Spielzeit vergeht im Nu.
[Philipp Halling]

Zum zweiten Male stehen nun die Waliser von BULLET FOR MY VALENTINE auf dem With-Full-Force-Acker. Mit 'Carmina Burana' läutet das Quartett einen ganz besonderen Auftritt ein. Denn stolz kann man verkünden, dass die Bullets zum allerersten Male ein europäisches Festival headlinen. Nicht schlecht für eine Band aus dem kleinen Bridgend, was? Mit 'Your Betrayal' startet eine Kracher-Show mit Bombenstimmung, sogar Krücken werden in die Luft geworfen. Doch nach der Aufwärmphase ist es Zeit, richtig heavy zu werden. Vorhang auf für 'Waking the Demon'. Die Fans stürzen sich in einen körperlichen Kampf, während man die Nackenmuskeln reißen hören kann. Kleine Mädchenherzen schlagen höher und überhaupt spalten BULLET FOR MY VALENTINE ziemlich die Gemüter: Von abfälligen metrosexuellen Vorwürfen bis Liebesschwüren ist alles dabei. Doch am Ende zählen Fakten. Und diese zeigen, dass die Jungs eine saftige Keule schwingen lassen können. Egal ob Tracks vom METALLICA-angehauchten "Scream Aim Fire", vom Emocore-ähnlichen "The Posion" oder von der aktuellen Scheibe "Fever" - es wird getanzt, gepoged und gecircled, als würde es kein Morgen geben. Umrahmt von zärtlich sanften Balladen wie dem zu Tränen rührenden 'Say Goodnight' oder dem für Schreiarien sorgenden 'Tears Don't Fall' gelingt Matthew Tuck und Kollegen eine rundum gelungene Headliner-Show, welche mit Bierduschen kräftig gefeiert wird. Gratulation, Jungs! This time you won't be hurt...
[Nadine Ahlig]


All-Star-Kapellen sind ja immer so eine Sache: bekannte Mitglieder und am Ende dann doch meistens etwas Ernüchterung. INSIDIOUS DISEASE sind da ein ähnliches Phänomen. Die erste Scheibe "Shadowcast" bietet zwar soliden Death/Grind, aber versetzt einen nicht gerade in atemloses Staunen. Live allerdings räumen die Schlächter um Marc Grewe, Shane Emburry, Tony Laureano, Silenoz und Jardar mächtig ab. Wie, ihr kennt die nicht? Dann ist euch auch an dieser Stelle nicht mehr zu helfen. Der simple Death Metal geht spielend leicht in den Nacken und man kann mal so richtig die Sau rauslassen bei den ebenfalls fetten Groove-Passagen! Ein würdiger Einstieg in die diesjährige Knüppelnacht!

Die von mir in der Vergangenheit gemiedenen WATAIN bekommen heute die Chance ihres Lebens: Ich werde mich nach genügend Genuss von Erdbeerweinschorle auf sie einlassen. Nun ist es an ihnen, mich zu beeindrucken. Es dauert nicht lange, bis die blutbesudelten Teufelsanbeter mich in ihren Bann gezogen haben. Der wohldurchdachte, aber eben auch rockende Black Metal der Schweden ist eigentlich ein Selbstläufer, denn die groovig-melodiösen Momente kann man nur wohlwollend entgegennehmen. Also Augen zu und genießen. WATAIN beweisen, warum sie zur Zeit so gehyped sind, nämlich weil sie eine mehr als solide Show abziehen. Feuer, Blut und guter Black Metal in der Tradition von Bands wie DISSECTION. Amtlich!

Nach dieser Leistung der Schweden haben nun die deutschen Panzergrenadiere von NEGATOR die Gelegenheit, zu beweisen, was sie im Knüppelsektor zu bieten haben. Eigentlich eine ganze Menge wie ich finde, allerdings ist unsere heutige Position - nämlich weiter hinten links im Partyzelt - nicht die beste.

Der Sound ist einfach grottig, alles viel zu laut, die Gitarren schreien nur und ansonten erklingt in den Ohren in den Pausen zwischen den Songs nur ein abartiges Klirren. Die Headbanger weiter vorne feiern die Band dennoch gebührend ab, mir geht das Ganze allerdings ziemlich auf die Ketten. Schade!
[Philipp Halling]

Redakteur:
Enrico Ahlig

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