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W:O:A Roadshow - Hamburg

16.04.2003 | 13:43

14.04.2003, Markthalle

Also mal ehrlich, die Idee einer Wacken Open Air Roadshow ist ja ganz in Ordnung, bloss welcher Volltrottel hat sich denn dieses krude zusammengewürfelte Billing ausgedacht? ONKEL TOM ANGELRIPPER, MOB RULES, LORDI und AMON AMARTH passen nicht wirklich zusammen.
Kein Wunder, dass sich der Zuschauerzuspruch in Hamburg in Grenzen hielt. Gut, leer war es nicht, aber richtig voll auch nicht.
Da auch der mighty Comiczeichner of Steel, Jan Oidium, aufgrund eines Horrortrips neun Stunden von Berlin nach Hamburg brauchte, fiel seine Ausstellung flach, so dass nur eine Promoversion der Wacken-DVD zu bewundern war. Naja, die Clips von RAGE, SAXON, SODOM und ROSE TATTOO sahen jedenfalls schon verdammt gut aus..., aber genug davon, kommen wir zum wirklich wichtigen, zur Musik.

Als erstes durften MOB RULES ran. Es war zwar nicht viel los vor der Bühne, aber die Band ließ sich davon nicht beirren und legte mit dem Titeltrack der aktuellen Scheibe, 'Hollowed Be Thy Name', gleich gut los.
Bis auf die etwas zu dominanten Keyboards war der Sound absolut in Ordnung und die Band bewies, warum sie trotz ihres melodischen Power Metals eindeutig zu den besseren Bands dieses Genres gehört.
Die Melodien wirken nicht so kitschig-fröhlich wie bei vielen anderen Bands und die Gitarren setzen starke Akzente und dudeln nicht nur als Keyboarduntermalung. Jedenfalls kamen Tracks wie 'Speed Of Life', 'Celebration Day', das ruhigere 'End Of All Days' oder der Rausschmeißer 'Rain Song' beim leider nur spärlich vorhandenen Publikum ziemlich gut an.
Die Band selber absolvierte zwar keinen Marathon, aber die Spielfreude war der gesamten Truppe deutlich anzumerken. Ein wirklich gelungener Gig von MOB RULES, schade nur, dass so wenig Leute ihn gesehen haben.

Was dann folgte, war eine Demonstration in Sachen Viking Metal.
Gut, man kann darüber streiten, ob AMON AMARTH jetzt Viking oder Death oder gar Viking Death Metal sind, aber was die Jungs boten, war mal wieder der pure Wahnsinn. Das Eröffnungsdoppel 'Death In Fire' und 'Bleed For Ancient Gods' sorgte jedenfalls für massenweise fliegende Haare im Publikum.
Diese geniale Kombination aus eingängigen Melodien, treibendem Drumming und schädelspaltenden Riffs bekommt keine andere Band so gut hin. Gut, soundmäßig war Sänger Johann Hegg kaum oder nur schwer zu hören, aber wen stört das?
Die Band war bestens aufgelegt, spielte wirklich gut und das Stageacting war ebenfalls, wie von AMON AMARTH gewohnt, sehr agil. Ständig flogen die Haare, während Johann die Massen anfeuerte. Tracks wie das eingängige 'Vs. The World', das treibende 'For The Stabwounds In Our Back' oder 'Annihilation Of Hammerfest' wurden vom jetzt zahlreicher vorhandenen Publikum ordentlich bejubelt.
Zum Abschluss des Gigs gab es dann mit der Hymne 'Last Of Pagan Blood' und natürlich DEM AMON AMARTH Song, 'Victorious March', nochmals zwei Göttergaben, bevor die band als siegreiche Normannen die Bühne verließ. Massive Zugaberufe waren die Folge, leider wurden die Fans aber nicht erhört.

Dafür durfte ja ONKEL TOM ANGELRIPPER plus Backingband die Meute erfreuen.
Und, um das schon mal vorwegzunehmen, der Gig war wie immer totaler Mist. Bis auf den neuen Song 'Bon Scott Hab Ich Noch Live Gesehen' gab es die totgedudelte Mischung aus Eigenkompositionen der Marke 'Diebels Alt', bei dem die Fans auf die Bühne durften (und dort auch erstmal blieben) und Coverversionen von Trinkerhits wie 'Schnaps, Das War Sein Letztes Wort'.
Nun, den Fans, das muss ich gestehen, schien es zu gefallen, ONKEL TOM wurde jedenfalls mit Sprechchören ziemlich abgefeiert, ich hatte allerdings nach fünf Songs genug von diesem einfältigen Müll und habe mir den Rest des Gigs vom Vorraum aus angehört. Und sollte ich das noch einmal ertragen müssen, denke ich ernsthaft über einen Wechsel ins Straight Edge-Lager nach... .

Headliner des Abends waren dann LORDI, die, das muss man leider so sagen, diesem Status nicht gerecht wurden. Während des Gigs wanderten jedenfalls immer mehr Leute ab und die Stimmung von ONKEL TOM und AMON AMARTH wurde auch nicht erreicht.
Dabei waren LORDI wirklich eine Augenweide: Die Bühne war mit Leichenattrappen dekoriert, der Drummer spielte hinter einem Metallzaun und die Steinsäulenattrappen mit blutrotem LORDI-Schriftzug sahen auch nicht schlecht aus.
Dazu war die gesamte Band als Monster verkleidet, der Sänger glänzte mal mit Fledermausflügeln, dann mit einer blutigen Fleischerschürze. Optisch konnte man nicht meckern, die Show war schon mit viel Liebe zum Detail aufwändig gestaltet. Musikalisch hingegen kann man bei LORDI durchaus geteilter Meinung sein, nicht jeder steht auf eingängigen Hardrock/Metal, der sich hemmungslos bei TWISTED SISTER, KISS und ALICE COOPER bedient.
Lieder wie der eingängige Smasher und Rausschmeißer 'Would You Love A Monsterman?' oder auch 'Devil Is A Loser', 'Monster, Monster' und 'Rock The Hell Outta You' gehen sofort ins Ohr und lassen sich problemlos mitsingen. Das riss mich persönlich zwar nicht gerade vom Hocker, aber schlecht oder gar nervend war es auch nicht. Ein guter Gig einer nicht schlechten Band, zumindest kenne ich LORDI jetzt... .

Alles in Allem ist die W:O:A Roadshow keine schlechte Idee, nur sollte man nächstes Mal einen zugkräftigen Headliner verpflichten und Saufbold Angelripper zu Hause lassen, dann kommen bestimmt auch mehr Leute.

Redakteur:
Herbert Chwalek

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