Wacken Metal Battle (Hessen) - Darmstadt

03.03.2007 | 16:48

24.02.2007, Goldene Krone

Das schöne am Wacken Open Air ist, dass man das ganze Jahr etwas davon hat. So streiten derzeit bundesweit talentierte Nachwuchsbands darum, sich im Sommer dort präsentieren zu dürfen. In der Darmstädter Location "Goldene Krone" treten an diesem Samstagabend sechs Bands unterschiedlicher Coleur gegeneinander an, um sich zunächst einmal für das Semifinale Süddeutschland zu qualifizieren. Den Wettbewerb entscheidet das Votum einer Jury.

Die Halle im ersten Stock der Krone ist mittelmäßig gefüllt, als es um 20 Uhr mit der Melodic-Death-Metal-Formation DOWNSCAPE losgeht. Die fünf Jungs aus dem mittelhessischen Gießen legen sich ordentlich ins Zeug. Mit einer sehr professionell anmutenden Performance präsentieren sie in den zur Verfügung stehenden zwanzig Minuten einige fette Songs, die ordentlich knallen und das Publikum zum Headbangen bringen. Besonders der charismatische Shouter Kai überzeugt durch seine markante Stimme und kraftvolle Bewegungen auf der Bühne. Auch die Saiteninstrumentalisten verstehen es hier, sich aktiv in Szene zu setzen. Vom ordinären Standmetal sind DOWNSCAPE weit entfernt, und so gelingt es ihnen, trotz der undankbaren Startposition richtig Wallung ins Publikum zu bringen.

Zwanzig Minuten sind schnell um, und trotz einiger Zugaberufe aus dem Publikum müssen die Musiker die Bühne räumen, da nach einer rund fünfzehnminütigen Umbaupause bereits FORCE TRANKILL, ebenfalls aus Gießen, die Bühne für sich beanspruchen. Sie zeigen Metal, der so recht in keine der üblichen Kategorien hineinpassen will. Melodisch klingt's, ein wenig nach Hard Rock gemischt mit progressiven Zusätzen. Als störend erweist sich allerdings die wenig überzeugende Performance. Der schlaksige Sänger Lars Bittner wirkt ziemlich unkoordiniert, und auch seine Begleiter dümpeln gelegentlich etwas durcheinander über die Bühne. Obwohl auch FORCE TRANKILL offenbar einige Fans mitgebracht haben, die nach ihrem Gig lauthals Zugaben einfordern, bleibt die Band am Ende nicht als überzeugend in Erinnerung.

Etwas anders sieht das schon bei den Frankfurtern NACHTGESCHREI aus, einer siebenköpfigen Mittelalter-Rockformation, die mit den üblichen Ingredienzien aus Saiteninstrumenten, Drehleier, Dudelsack und Akkordeon mit deutschsprachigen Texten ihre Stücke zimmert. Letztlich nicht ganz unvorhersehbar ist das, was NACHTGESCHREI da produzieren, dennoch ist anzuerkennen, dass man schon klischeehaftere Bands dieses Genres gesehen hat. Das Publikum reagiert positiv auf die Mittelalterrocker, ja einige angereiste Fans fordern sogar lautstark, einen bestimmten Song mit dem Titel 'Der Meister' zu spielen, der offenbar unter den bereits eingefleischteren NACHTGESCHREI-Fans schon Hitcharakter angenommen hat. Sänger Hotti versteht es ungleich besser als sein Vorgänger am heutigen Abend, sich auf der Bühne mit sicheren Bewegungsabfolgen ansprechend in Szene zu setzen. Leider kann sich seine Stimme gegenüber den Instrumentalisten nicht immer klar durchsetzen und in den höheren Tonlagen kippt sie weg. Da fehlt's wohl ein bisschen an der Atemstütze .... Obwohl sich die große Zahl der Musiker auf der kleinen Bühne nur vorsichtig bewegen kann, insbesondere Dudelsackspieler Nik aufpassen muss, dass er mit seinem raumgreifenden Instrument nirgends aneckt, hinterlässt NACHTGESCHREIs Gesamtarrangement einen recht positiven Eindruck.

Sodann betritt zum ersten und einzigen Mal an diesem Abend eine Dame die Bühne. Ruth Knepel mit ihrer Band OPALESSENCE aus Darmstadt ist an der Reihe. Ruth trägt ein langes schwarzes Abendkleid, das in Verbindung mit ihrem sinnlich roten Haar schnell die Annahme aufkommen lässt, dass hier sicher Gothic Metal gespielt wird. Und so ist es auch. Dennoch sitzen OPALESSENCE nicht den gängigen Klischees auf, mit denen nicht wenige ähnlicher Bands, die einer Sängerin die Führungsrolle überlassen, oft aufwarten. Ruth hat keine glockenklare Sopranstimme, sondern eher einen kräftigen Mezzosopran, wenn nicht gar eine Altstimme. Das Fach lässt sich ja oft nur schwer abgrenzen. Und so präsentiert sie sich auch nicht ausschließlich als zarte Elfe, sondern ergänzt weiche Fließbewegungen mit rockigen Gesten. Auf die im Gothic-Metal-Genre gerne mal verwendeten männlichen Growlparts verzichten OPALESSENCE ebenfalls nicht komplett, aber im Großen und Ganzen steht Ruth sowohl gesanglich als auch optisch im Mittelpunkt der Darbietung.Die ansonsten keyboardgesteuerten Songs sind zwar melodiös ansprechend, um ausgeprägten Ohrwurmcharakter zu entfalten, müssten allerdings noch etwas gefeilt werden.Im Rhein-Main-Gebiet scheinen OPALESSENCE dennoch bereits mit großer Überzeugungskraft gewirkt zu haben, erreicht doch die Zahl der Besucher bei diesem Auftritt ihren Höhepunkt.

Dass sich dies bei den folgenden CONCEPT INSOMNIA schlagartig ändert, muss nicht unbedingt mit deren Musik zu tun haben. Ihr schwer zu definierender Sound begeistert so manchen im verbliebenen Publikum. Etwas sonderbar mutet allerdings zunächst einmal der Bühnenaufbau des Fünfers an, der nahezu wie eine Barriere zwischen sich und dem Publikum sein Keyboard an vorderster Front positioniert hat. Erst im weiteren Verlauf wird deutlich, dass dies wohl kaum anders geht, da Keyboarder Luke auch gleichzeitig die Rolle des Sängers bei CONCEPT INSOMNIA einnimmt. Und das ist auch ein bisschen das Problem: Beides unter einen Hut zu bekommen, ist auch für Luke nicht so einfach. Gerät er doch etwas zum Kasper, sobald er versucht, immer dann Bewegung in die Performance zu bringen, wenn seine Hände nicht an die Tastatur gebunden sind. Jenseits dieses Umstandes zeichnet sich die Show der erst 2004 in Altenstadt gegründeten Newcomer allerdings durch viel Bewegung zu progressivem Sound aus, der handwerklich auf durchaus hohem Niveau präsentiert wird. Das Publikum dankt's mit einem munteren Moshpit.

Die letzte Band des Abends stammt aus Fulda und nennt sich MERCURY FALLING. Rein optisch würde man bei den fünf Herren wohl am ehesten gediegenen Rock der frühen Jahre erwarten, geboten werden stattdessen melodiöse Songs, die irgendwo zwischen Power und Progressive Metal anzusiedeln sind. Sänger Michael Pabst versteht es, sich selbstsicher auf der Bühne zu geben und mit ein paar werbewirksamen Sprüchen auf's Merchandising aufmerksam zu machen. Dennoch wirkt das gebotene Programm wenig aufregend, ja fast schon zu routiniert. Ansprechende Songs alleine sind offenbar nicht genug - das Auge isst bekanntlich mit.

Inzwischen ist es fast halb zwölf nachts und der spärliche Beifall des Publikums nach Abschluss des Gigs von MERCURY FALLING dürfte auch darauf hindeuten, dass die Aufnahmekapazität hinsichtlich weiterer Wettbewerbsteilnehmer erreicht ist.
Aber nun ist es ja auch vorbei mit dem Wettstreiten, und so werden die treuen Fans des Abends (während sich die Jurymitglieder zur Beratung zurückziehen) nun mit einem brettharten Auftritt von DRONE beglückt, jener Formation aus dem norddeutschen Celle, die sich im vergangenen Jahr zu den Siegern des Wacken Metal Battle zählen durfte. DRONE sind ein gutes Beispiel dafür, dass Veranstaltungen wie diese für junge Bands hilfreich sein können. So verraten Sänger Mutz Hempel und Bassist Martin Froese bei einem kurzen Smalltalk im Backstage-Bereich, dass der Sieg im vergangenen Jahr ihnen tatsächlich den erhofften Auftrieb auf dem Weg zum Erfolg gegeben hat. DRONE halten das Publikum bis null Uhr bei Laune und zeigen, nebenbei bemerkt, dass sie tatsächlich schon einen Schritt weiter sind als die Kandidaten des heutigen Abends. Ihre Songs knallen punktgenau - und auch wer kein Fan dieser Art modernen Death Metals ist, muss einfach zugeben, dass hier auf der Bühne kräftig Gas gegeben wird.

Dann ist es so weit. Die Jury hat sich für einen Sieger des heutigen Abends entschieden. Vorweg sei angemerkt, dass keine der heutigen Bands als totaler Reinfall bezeichnet werden muss. Im Gegenteil darf hier sicher die Rede von einem Wettbewerb auf hohem künstlerischen Niveau sein. Das macht eine Entscheidung nicht einfach. Dennoch, ausgerechnet die Band mit der ungünstigen Startnummer eins hat sich in den Köpfen der Jury festgesetzt. Der Sieger des Abends heißt: DOWNSCAPE! Und wie die Publikumsreaktionen zeigen, befindet man sich mit dieser Wahl im Einklang mit den Fans. Bei DOWNSCAPE besteht berechtigte Hoffnung, dass sie DRONE mit großen Schritten hinterher eilen. Jetzt heißt es Daumen drücken für die nächste Runde.

Ein herzlicher Dank geht an dieser Stelle noch an die Veranstalter von musicXtreme, die für den vorliegenden Bericht ihre Bilder zur Verfügung gestellt haben!

Redakteur:
Erika Becker

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