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Wacken World Wide - Weltweit

16.08.2020 | 12:30

29.07.2020, Bildschirm

Wenn ihr nicht nach Wacken könnt, kommt Wacken halt zu euch - unter diesem Motto fand das Riesenfestival dieses Jahr online statt, wir haben von zu Hause zugeschaut.

Auch Wacken 2020 fiel dem Corona-Virus zum Opfer. Aber Thomas Jensen und Holger Hübner ließen sich nicht entmutigen und entwarfen gemeinsam mit ihrem Partner Telekom einen Schlachtplan für ein neues Showkonzept. Entstanden ist dabei die größte Mixed-Reality-Metal-Show aller Zeiten: Wacken World Wide, die Wacken zu den Fans nach Hause bringt – weltweit. Vom 29. Juli bis 1. August konnte man sich den Streaming-Event kostenlos ansehen. Auch danach kann man sich noch fast ein Jahr lang auf MagentaMusik 360 und der WWW-Homepage zuschalten.

Eine beeindruckende Technologie verbindet Künstler und Zuschauer weltweit. Die Künstler treten live auf und werden in Echtzeit mit präzisem Kamera-Tracking abgefilmt und direkt in das virtuelle Set integriert. Die spezielle XR-Technologie erweckt die Bühne digital zum Leben. In einem extra aufgebauten Mixed-Reality-Studio werden live Auftritte, Lichtshow und Bühnen-Effekte mit dem virtuellen Wacken-Set verbunden. All das sorgt für ein ziemlich authentischen Bühnengefühl, sowohl für die Künstler, als auch für die Zuschauer. Bei den Künstlern gibt es zwei Arten der Performance: Entweder auf einer Bühne ihrer Wahl in ihrem Heimatland, oder auf der XR-Bühne. Weiterhin gibt es auch Interviews und Archivaufnahmen vergangener Konzerte.

Die XR-Bühne ist schon interessant, man hat wirklich fast das Gefühl, live vor der Bühne zu stehen. Beim Kameraschwenk kann man die liebevollen Details erkenne, wie beispielsweise die Zeltstadt oder auch die Zuschauer, als bewegliche Lichtpunkte (von Herrn Kürsch als "Minions" bezeichnet) – samt Moshpit. Selbst die Farbe des Himmels variiert, je nach Tageszeit. Und die Bands spielen, als wären tausende Besucher vor der Bühne. Es gibt an den richtigen Stellen Applaus, sogar bei solchen Sätzen wie "I can't hear you!" wird beim Einspielen nochmal nachgelegt. Hut ab für die tolle Arbeit!

Wir haben für euch einige Highlights des Wacken World Wide angesehen und berichten davon wie von einem normalen Festival, nur dass ihr diesmal nachträglich noch dabei sein könnt. Hier sind unsere Tipps!



Wacken Metal Battle Veterans

Das virtuelle Wacken beginnt mit einem Bericht über die Bands, die bei den weltweit stattfindenden Metal Battles gewonnen haben und mit einigen Clips von Bands, die mit Wacken oder Wacken Records verbunden sind.

CRISIX - GMM
Wie es sich gehört, haben die ersten ein wenig mit der Technik zu kämpfen und eine der Klampfen ist so gut wie nicht zu hören, aber dafür gibt es gleich mehrere Kameras und eine Band, die Spaß hat, aber auch ein wenig nervös scheint. Oder vielleicht im Proberaum einfach nicht den vollen Drive bekommt. Dafür aber ihr Thrash, der fetzt nämlich ganz gehörig.

Es folgt Rundtour zu Metal-Locations in Toronto, die eigentlich nur ziemlich große Biergläser zeigt und ein paar Clubs von außen. Ich hoffe, die sind danach nicht wirklich noch mit ihren Motorrädern gefahren.

CENTURIES OF DECAY - Wings Of Decay
Darauf folgt dann eine lokale Band, die ihren Progressive Death gut und technisch und mit gutem Sound versehen in ihrem Übungsraum vorstellt. Das ist der Vorteil, der Sound ist genau so, wie er sein sollte, nur sitze ich im Sessel statt vor der Bühne zu hüpfen. Bei diesen Jungs würde ich - mit diesem Sound - sicher viel Freude haben und mit mir Hunderte, Tausende andere.

Auch in Indonesien wird für Wacken gerockt und eine Band nach Deutschland geschickt. Dieser Clip vom Metal Battle Indonesia gibt einen Eindruck und zeigt, dass selbst in Ländern, von denen man es gar nicht recht erwartet, ziemlich etwas abgeht. Dieser Event scheint echt eine mächtige Veranstaltung zu sein, das hätte ich gar nicht gedacht!

E-AN-NA - Floare de fier
Rumänischer Folk Metal ist mal herrlich exotisch. Sogar eine Bühne mit Lichtshow bieten die Südosteuropäer auf. Das ist nett, aber so langsam würde ich gerne mal einen echten Sänger hören, denn hier wird schon wieder gegrowlt.

Metal Battle Carribean? Ein weiterer Bericht wird dieser auf meiner Metal-Landkarte weitgehend weißen Region. Interessant ist, dass die oft Shirts der großen, traditionellen Bands tragen, aber üblicherweise alle Extreme Metal machen. Ja, ich brauche jetzt mal einen Sänger, keinen Schreihals. Immerhin bringt uns Kuba mal zwei Damen, aber die dürfen dann nicht singen. Trotzdem ist der Bericht klasse. Nur - insgesamt ist das bisher zu wenig Musik. Wobei dieser Einblick in die karibische Metalszene einen eigenen Bericht wert wäre, nur nicht als Auftakt zu dem virtuellen Festival, eigentlich müsste jetzt erstmal ganz viel Musik kommen.

WALKWAYS - Hell Born Shove (Impossible)
Alternative Metal, na immerhin. Die Israelis bieten mal ein wenig Melodie, gemischt mit ein bisschen Gebrülle. Ach ja, das ist schon ganz nett, aber musikalisch doch eher Hausmannskost. Die Aufnahme stammt von einem ziemlich fetten Festival, die Burschen scheinen in ihrer Heimat ziemlich angesagt zu sein.

Dann geht es mit Bildern des G!-Festivals auf die Faröer Inseln, das in diesem Jahr ebenfalls abgesagt werden musste, und kaum sind wir im Norden, gibt es richtige Musik, zumindest teilweise! Leider nur ein bisschen und dafür wieder Porträts lokaler Bands, die bei der lokalen Metal Battle mitgemacht haben.

Dann kommen die Philippinen und wieder Extreme Metal. Es gibt anscheinende ganze Erdteile ohne einen einzigen, ordentlchen Metalsänger. Allerdings redet diesmal nur die Band VALLEY OF CHROME. Ist aber nicht schlecht.

Ah. Devin Townshend sendet eine Nachricht. Nett. Das war es also mit dem Auftakt, jetzt geht es weiter mit dem ersten Konzert mit einem Studiogig von einer - na, was? Richtig, Extreme Metal Band. Namens DAMNATION DEFACED. Ich bin dann mal weg.

[Frank Jaeger]

 

Die nächste Band, die ich mir ansehe, ist Cavemen. Ach nein, RAGE. Aber inner Höhle. Und bemalt. Ja, da kennt man keine Gnade, auch wenn Peavey im Opener 'True' darum bittet. Die Herner haben sich wirklich eine originelle Location ausgesucht und spielen ein absolut sehenswertes Konzert mit perfekt arrangierten Lichtern, das bestimmt irgendwann mal als Bonus-Disc eines zukünftigen Albums eine gute Figur machen wird. Natürlich fängt man erstmal mit zwei Liedern des neuen Albums "Wings Of Rage" an, aber man muss zugeben, dass RAGE einen eigenen Stil hat, von dem die Band nicht mehr allzu viel abweicht, sodass neue und alte Songs sich nur dadurch unterscheiden, dass ich die alten besser mitsingen kann.

Peavey wendet sich auch direkt an das Publikum in der ganzen Welt und hofft, dass "Rage from the Cave" ihnen Spaß macht, bevor mit 'Straight To Hell' richtig gegroovt wird. Natürlich ist es seltsam, wenn nach einem Song statt Applaus völlige Ruhe einkehrt, aber das mindert die engagierte Performance der Vier Metaller auf der Höhlenbühne nicht. Vier? Ja, Peavey erklärt auch die Aufstockung und stellt die Band vor, bevor er mit 'Black In Mind' einem meiner Favoriten rausholt. Tatsächlich folgen nun nicht einfach ein paar Klassiker, womit RAGE einfach auf Nummer sicher hätte gehen können, sondern der Titelsong des aktuellen Albums darf das Rampenlicht für sich beanspruchen und mit 'My Way' und 'Down' werden auch mal Songs rausgesucht, mit denen ich überhaupt nicht gerechnet hätte. Das ist cool und macht den Auftritt umso spannender, bevor dann mit 'Don't You Fear The Winter' die alten Fans bedient werden. 'Higher Than The Sky' ist dann der Rausschmeißer und beendet einen tollen Auftritt, den man sich wirklich einsehen sollte. Ja, bei diesem Song muss Peavey ein wenig kämpfen, das hat er damals aber auch extrem hoch eingejodelt, aber daran sieht man, dass der Auftrtt wirklich authentisch ist. Gut gemacht, Peavey!

[Frank Jaeger]

 

ANTHRAX ist auch da. Beziehungsweise auf vier Mattscheiben, denn die fünf Burschen haben einfach ein paar Lieder jeweils daheim gespielt und aufgenommen und das ganze zu drei Videos zusammengeschnitten. Die grafischen Effekte hätten sie sich zwar sparen können, aber mit 'Time', 'Madhouse' und 'I Am The Law' macht man sicher nichts falsch. Witzig sind die T-Shirts, die drei Musiker tragen mit der Aufschrift "I Am The #1 Guy in This Group". Nur Scott Ian und Joey Belladonna nicht. Warum wird aber aufgeklärt, ihre Shirts sind nicht pünktlich angekommen. Ian mit Tarnhose und schwarzem T-Shirt geht dann ja noch, aber wer hat Belladonna das Hippie-Shirt geliehen? Gut, dass er eine Lederjacke drübergezogen hat. Sehr unterhaltsam, was die Fünf da abziehen und wert, angesehen zu werden. Der Quarantäne-Jam mit ANTHRAX ist eine Bereicherung für das Wacken Wold Wide.

[Frank Jaeger]

 

Aber jetzt wird es wieder ernst, denn nun kommt Ice-T und BODY COUNT. Die Band ist auf der Bühne im berühmten Whiskey A Go-Go in Los Angeles und beginnt das Konzert erstmal mit einer Coverversion. Welche? 'Raining Blood' von SLAYER. Das Lied wird wild und brutal runtergezockt, nur leider kann Ice-T das Stück wirklich nicht singen. Aber egal, immerhin ist das mal anders und ein durchaus gewagter Beginn, denn: Wird er das im Laufe des Sets noch toppen können?

Für mich ist das ein klares Ja, aber ich mag BODY COUNT und den alten Crossover. Schon 'Point The Finger' kann den Energielevel halten und jetzt passt Ice-T auch besser in den Gesamtsound. Angepisste, politische Texte und ein ungewöhnlicher Sinn für Humor, auch gerne mal fäkalisch, wie er in 'Bowels of the Devil' beweist, das ist Ice-T, der das ganze Konzert lang einen wirklich hohen Aggressionslevel an den Tag legt, aber dazu trägt auch die wild rockende Band und vor allem Gitarrist Ernie C bei, denn alle strahlen einfach Energie aus. 'Manslaughter', das groovige Rassismus-Stück 'No Lives Matter' und der Klassiker 'There Goes The Neighorhood' machen mächtig Spaß. Natürlich wird später auch noch der 'Copkiller' rausgeholt. Ich kann mir den Pit bildhaft vorstellen, der sich vor der Bühne in Wacken gebildet hätte. Eine Stunde Vollbedienung mit Message, bei der es sich lohnt, auf die Texte zu hören.

[Frank Jaeger]

 

Das "Wacken World Wide" wird mir vorher von Promo-Texten als völlig neues, digitales Konzerterlebnis angepriesen, bei dem der Zuschauer und die Band dank neuer, innovativer LED-Technologie sich fast so vorkommen, als wären sie bei einem echten Konzert. Also bin ich durchaus gespannt, wie das bei LONG DISTANCE CALLING aussieht. Die Instrumental-Rocker habe ich schon mehr als zehn Mal live gesehen und kann daher sicher beurteilen, ob sich das anfühlt wie ein echtes Konzert. Doch schnell wird klar, dass hier diese Technik gar nicht angewandt wird, sondern dies nur für zwei bis drei Acts pro Tag gilt, bei dem es den Zusatz "XR" gibt.

Dennoch, der Bühnenaufbau hat durchaus etwas von einem normalen Konzert und die Projektionen im Hintergrund sind hübsch, aber dass das Quartett sich super wohlfühlt, kann ich dennoch schnell verneinen. Klar, die Vier sind nicht sehr extrovertiert, aber bei einem Konzert wird eben doch geschwitzt und mit den ganz großen Gesten gepost. Das ist hier merklich nicht der Fall. Nein, alle vier sind mit großer Konzentration bei der Sache, wodurch ein bisschen die Lockerheit flöten geht. Das wird zwar mit zunehmender Dauer etwas besser, aber es ist eben doch ein riesiger Unterschied zum Original-Erlebnis.

Deutlich wird auch, dass sich ein Song wie 'Voices' nicht besonders für die Live-Situation eignet. Das ist ohne Frage eine tolle Nummer, aber wenn alle vier Bandmitglieder in den ersten ungefähr 90 Sekunden nur rumstehen und alles vom Band kommt, ist das nicht gerade unterhaltsam. Wahrscheinlich ist die Zeit mit Publikum besser zu überbrücken, aber in diesem Stream funktioniert das eben nur bedingt. Auch wegen der fehlenden Interaktion zwischen Band und Publikum kann sich das hier natürlich nicht wie ein echtes Konzert anfühlen. Da hatte ich ob der großen Töne vorher schon - wenn auch fälschlicherweise - mehr erwartet.

Davon abgesehen ist der Gig natürlich dennoch bärenstark, denn LONG DISTANCE CALLING ist einfach eine fantastische, top eingespielte Band, mit der Erfahrung von nun fast 15 Jahren. Dass hier der Fokus auf "How Do We Want To Live?" liegt und mit 'Black Paper Planes' nur eine ältere Nummer gespielt wird, ändert daran natürlich überhaupt nichts.

[Peter Kubaschk]

 

Eine der erfolgreichsten Rockbands Deutschlands spielt auf der XR-Bühne des Wacken World Wide: IN EXTREMO. Die Jungs sind mittlerweile wieder mehr mittelalterlich unterwegs als vor einigen Jahren, als sie auf den Scheiben ihren frühen Einfluss reduziert hatte, und live ist das Ganze nochmal besser gemischt, was die Auftritte der Band immer zu sehr unterhaltsamen Shows macht. Dass man natürlich mit dem Oberkracher 'Mein Rasend Herz' beginnt, ist eine fette Ansage und 'Feuertaufe' danach nicht minder. 'Störtebecker' folgt, es scheint, als wollte IN EXTREMO heute jeden vor den Bildschirmen zum Aufstehen und Tanzen bringen. Aber es gibt ja auch ein neues Album, weswegen es bei diesem Auftritt mit dem Titelsong 'Kompass zur Sonne' und 'Troja' zwei Live-Premieren zu feiern gibt. 'Unsichtbar'. 'Frei Zu Sein', dann das grandiose 'Vollmond', der Klassiker 'Merseburger Zaubersprüche II', 'Liam' und 'Quid Pro Quo', so geht es hin und her durch die Diskographie und der Hörer fragt sich immer wieder, ob die Band tatsächlich nur Hits am Start hat! Toller Auftritt, der mit den verschiedenen digitalen Einspielern im Hintergrund noch eine weitere Dimension erhält und den die Band professionell spielt und dabei tatsächlich den Eindruck macht, Spaß zu haben.

[Frank Jaeger]

 

Heute gibt sich Jennifer Haben mit ihren Jungs die Ehre und spielt auf der XR-Bühne. Bisher habe ich BEYOND THE BLACK erst einmal live gesehen und war sehr angetan, deshalb bin ich gespannt, wie sich die Band bei diesem doch eher ungewöhnlichen Konzert schlagen wird.

Mit 'Horizons' geht es direkt los, gefolgt von 'Golden Pariahs' und zeigt eine gut gelaunte, spielfreudige Band, die offenbar sichtlich Spaß hat, auf dieser Bühne zu stehen. Direkt vor dem Gig wurde übrigens eingeblendet, dass man den QR-Code fotografieren soll, um life per Zoom in die Sendung zu kommen. Und für alle diejenigen, denen es vielleicht bisher entgangen ist: Jennifer bietet nicht nur etwas für die Ohren, sondern auch fürs Auge! Nach dem Hinweis, dass die Zuschauer doch bitte alle angebotenen Features ausprobieren und Spaß haben sollen, spielt die Band einen älteren Song: 'In The Shadows'. Jetzt kann man auch sehen, dass eingeblendete Zuschauer "live" dabei sind. Zwischen den Lichtern, die als Zuschauer fungieren, tauchen immer mehr Bilder von teilnehmenden Personen auf, die von überallher zugeschaltet sind. Das sieht schon ziemlich cool aus.

Weiter geht es mit 'Wounded Healer' und dem großartigen 'Heart Of The Hurricane'. Auch hier sind wieder ganz viele "live" dabei. Zu 'Human' überrascht Jennifer mit einem Outfit-Wechsel: Raus aus dem schicken schwarzen Einteiler, rein in ein nicht weniger schickes, langes rotes Kleid mit außergewöhnlichem Kopfputz und einer Maske, mit der sie anfangs beim Singen das Gesicht verdeckt.

Auch bei BEYOND THE BLACK klappen die Applauseinspieler übrigens prima und das akustische 'Through The Mirror' mit Feuerschalen und virtuellen Kerzen, schafft noch einmal eine ganz besonder Atmosphäre. Sehr gefühlvoll geht es weiter mit 'Unbroken', bevor es einen weiteren Outfit-Wechsel gibt und es mit 'Lost In Forever' wieder etwas härter zur Sache geht – da darf auch ein wenig Pyro nicht fehlen. Auch im "kleinen Schwarzen" macht Jennifer eine exzellente Figur, wenn ich das mal so sagen darf. Die Schlussphase dieses Konzertes wird durch 'When Angels Fall' eingeläutet, es folgt das rasante 'Shine And Shade' bevor mit 'Hallelujah' ein furioser Schlusspunkt gesetzt wird. Eine klasse Show einer sympathischen Band!

[Hanne Hämmer]

 

Am Freitag, den 31.7.20, geben sich die Herren von BLIND GUARDIAN die Ehre. Gleich vorweg: ein tolles Konzert! Es beginnt mit einem Intro aus dem Orchesteralbum "Legacy Of The Dark Lands", bevor wir direkt 'Into The Storm' geworfen werden. Danach erklärt Hansi Kürsch, dass sie dieses Jahr eigentlich gar keine Shows mehr spielen wollten, aber "Wacken hat gerufen und wir hörten den Ruf und sind nun hier, um eine schöne Speed Metal-Show zu spielen".

Nachdem das Publikum ebenfalls "ready" ist, geht es weiter mit 'Welcome To Dying'.
Nun habe ich BLIND GUARDIAN ja schon das eine oder andere Mal gesehen und kann wirklich keinen Unterschied zu anderen Livekonzerten feststellen, es wird gespielt wie immer. Nach 'Banished From Sanctuary', kommt die Feststellung, dass jetzt alle wohl warm geworden sind und man etwas mehr Speed machen könnte, was sogleich mit 'I'm Alive' umgesetzt wird. Als danach 'Lost In The Twilight Hall' angekündigt wird, wird der Publikumsapplaus einmal mehr perfekt umgesetzt.

Aber auch für dieses virtuelle Wacken hat BLIND GUARDIAN eine besonderes Schmankerl im Gepäck: So dürfen wir uns über einen neuen Song namens 'Violent Shadows' freuen, begleitet von frenetischem Applaus. Leute, der geht ja mal so richtig ab! Wenn das neue Album in diese Richtung weitergeht, dann wird das grandios!

'Born In A Mourning Hall' trumpft mit tollen Lichteffekten auf – und inzwischen sind die Schweißperlen der Herren nicht mehr zu übersehen. Die Band gibt wirklich alles, wie immer. Bei 'Valhalla' kommt doch ein wenig Wehmut auf, kann man doch nur Zuhause mitgrölen. Es ist nett, wenn Herr Kürsch den Support der "Minions" einfordert – das sind die Lichtpunkte, die man als "Publikum" sieht – und natürlich den Support von allen Zuschauern, wo auch immer sie sich befinden mögen. Auch bei 'MAJESTY' klappen Applaus und Rufe, von Seiten der Technik gesteuert, hervorragend, man hat wirklich das Gefühl, zwischen Menschenmassen zu stehen.

Bevor die Show mit 'Mirror, Mirror' endet, gibt Hansi Kürsch noch seiner Hoffnung Ausdruck, dass dies eine einmalige Erfahrung gewesen sei. Er wünscht sich ein Wiedersehen im nächsten Jahr – aber dann statt "Minions" doch wieder echte Menschen! Auch das Verbeugen mit Schlussapplaus klappt prima – danke BLIND GUARDIAN für ein tolles Konzert!

[Hanne Hämmer]

 

Auch SABATON ist dem Wacken World Wide-Ruf gefolgt und spiel ein Konzert auf der XR-Bühne. Diesmal können sie nur mit kleinem Gepäck anreisen und wir müssen mit virtuellen Panzern Vorlieb nehmen, allerdings gab es "echte Pyros".

Wie bei den "normalen" Konzerten üblich gibt es erst ein Intro auf die Ohren, bevor es mit 'Ghost Division' losgeht. Auch hier merkt man während des ganzen Konzerts nicht, dass die Band nur vor imaginärem Publikum spielt. Als es nach 'Great War' mit 'The Attack Of The Dead Men' weitergeht – mit sehr ungesund aussehendem, grünlichen Nebel im Hintergrund – hat die Saitenfraktion wieder die obligatorischen Gasmasken auf und Joakim zusätzlich den "Gaswerfer" in der Hand.

Anschließend erzählt Joakim etwas über diese spezielle Show und diese spezielle Zeit, bevor er die Frage stellt, was denn SABATON auf der Bühne braucht? Richtig: Panzer, denn jetzt folgt 'Panzerkampf' und so rollen die virtuellen Panzer hinter der Band auf die Bühne. Die Sache mit dem Applaus am Ende der Stücke klappt übrigens hervorragend. Und vielleicht sollte man auch noch erwähnen, dass natürlich die Tonqualität prima ist, so klar wie heute habe ich 'The Last Stand' (und alle anderen Songs) eigentlich noch nie gehört.

Während wir mit 'The Red Baron' weiter zu den Geschehnissen um 'Carolus Rex' (die Herren natürlich wie immer passend gewandet) und anschließend zu den 'Fields Of Verdun' eilen, wird danach zumindest auf der Bühne zu 'Primo Victoria' wie immer ordentlich gehüpft. Und sich auch tatsächlich versungen – da kam doch wirklich ein "Through the gates of hell" zuviel von Joacim, der daraufhin natürlich erst einmal fürchterlich grinsen musste. Tja, live ist live und ein live-Fehltritt ist sympathisch und zeigt, dass niemand perfekt ist.

Joakim freut sich, dass sie wieder auf der Bühne stehen, auch wenn er hier etwas vermisst – schließlich spielen sie in Deutschland! Na, was könnte das wohl sein? Richtig das Bier. Aber seine Kollegen haben das schon geahnt und vorgesorgt und so erscheint Tommy mit zwei Bechern Bier. Allerdings, hinterlistig wie er nunmal ist, macht er das nicht aus reiner Menschenfreundlichkeit und um Joakim einen Gefallen zu tun, sondern hat einen Plan, um das Ganze interessanter zu machen. Wenn er es schaffen sollte, das Bier schneller als Joakim zu trinken, darf er den nächsten Song auswählen. Natürlich gewinnt er und wird von Joakim gutgelaunt als "you fucking asshole" beschimpft, obwohl er sich nicht vorstellen kann, welchen Song Tommy denn unbedingt spielen will - ah ja, das glauben wir ihm aufs Wort. Aber der kontert, dass es der Song ist, den er IMMER spielen will: 'Swedish Pagans', was ja nicht unbedingt eine schlechte Entscheidung ist. Auch hier ist es schade, dass man – oder besser gesagt: ich - alleine mitgrölen muss. Tja, dann kommt der kindische Spieltrieb der Jungs zum Zuge und sowohl Tommy als auch Chris kleben ihm grinsend mehrere Plektren auf die schweißnasse Stirn – das sieht zu albern aus. Joakim muss natürlich wieder lachen und wirft die Plektren anschließend ins "Publikum".

Bei 'Bismarck' kann es Spaßmacher Chris nicht lassen und kitzelt Joakim ganz hinterlistig, womit er sich einen gestreckten Finger einhandelt und einen weiteren Lacher produziert. Mit 'To Hell And Back', viel Pyro und einer Band, die um die Wette strahlt, als würde sie wirklich vor 70 000 Leuten spielen, endet das Konzert. Während das Outro 'Dead Soldiers's Waltz' läuft, begleitet die Band donnernder Applaus aus der Technik, der wirklich echt klingt, es wird sich verbeugt und gewunken, Tommy wirft sogar Plektren in die Menge und die Kamera zeigt noch einmal die offensichtlich gut gelaunten, fröhlich winkenden Jungs.

Es war toll und außerdem soll man sich ja immer möglichst viel Positives herauspicken: Wann kann man Konzerte schon einmal so nah am Geschehen aus der ersten Reihe verfolgen?

[Hanne Hämmer]

 

Zusätzlich gab es zahlreiche sehensewerte Auftritte aus früheren Jahren, unter anderem von IRON MAIDEN, NIGHTWISH, ARCH ENEMY, IN FLAMES, MOTÖRHEAD und vielen mehr. Ein Stöbern auf Magenta TV lohnt sich auf jeden Fall und ein besonderer Dank gebührt den Wacken-Organisatoren, sie aus der unmöglichen Situation das Beste gemacht und uns immerhin einige der Bands in die Wohnzimmer gebracht haben. Aber hoffentlich werden wir das Wacken Open Air 2021 wieder ganz normal erleben können. Übrigens: Man kann immer noch Wacken 2020-Merchandise bestellen!

Redakteur:
Raphael Päbst

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