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Waldstock Open Air - St. Johann im Walde (AT)

15.08.2007 | 02:36

28.07.2007, Sportplatz

Es gibt Teile von Österreich, die hat man selbst als Einheimischer noch nicht gesehen. So geschehen mit Osttirol, dem wirklich letzten Winkel hinter den Bergen, irgendwo im allerletzten Eckchen des Landes. Schön ist das auf jeden Fall, denn schon auf unserer Fahrt durch die wilde Berglandschaft wird klar, dass das ein besonderes Event wird. Der einzige Wehrmutstropfen ist dabei ein Telefonat mit SERENITY-Frontman Georg, der uns eröffnet, dass die Tiroler Ausnahmeband leider nicht wie geplant spielen wird, da ihr Drummer erkrankt ist und sie somit kurzfristig absagen mussten. Aber immerhin spielen mit INZEST und DARKWELL noch zwei Partien aus Innsbruck und Umgebung zusammen mit der lokalen Coverband UNDERCOVER (origineller Name ;-)) und den kurzfristig für SERENITY eingesprungenen STOCKHOLM SYNDROM aus dem Nachbarkaff (oder so ... aber in Osttirol gibt's halt nur Käffer). Die Location kann sich auf jeden Fall sehen lassen, umrahmt von einem wilden Gebirgsbach, einer absolut atemberaubenden Berglandschaft und schönen Wäldern - und selbst das Wetter stimmt bis auf einen kurzen Regenschauer, den wir zusammen mit den Jungs von INZEST unter der Plane bei Grillerei und Alkohol verbringen.

Als es dunkel wird, strömen langsam die ersten Besucher auf das kleine Gelände, das nicht nur mit einer super Infrastruktur an Alk- und Bierständen, Bänken, Tischen und einem kleinen Essenständchen beeindruckt, sondern zudem auch saubere Klocontainer mit Klopapier aufweist. Lobenswert! Und auch die kleine Bühne ist für die Zuschaueranzahl völlig ausreichend und kommt ohne große Lichtshow oder Sicherheitsabsperrung aus, was ebenfalls zur familiären Atmosphäre beiträgt. Das Publikum besteht zum Großteil aus Einheimischen, eine Mischung aus Dorjugend und Landmetaller, die dem Event einen gewissen Dorffest-Charakter geben, was aber ganz und gar nicht unsympathisch ist. Für Stadtmenschen wie mich wirkt das zu späterer Stunde und mit so viel Alkohol allerdings etwas wild ... aber Osttirol ist eben ein wildes Land, und als selbst die Barkeeper besoffen ausschenken (und man als Frau dabei zu einem ordentlichen Alk-Bonus kommt) wird klar: Hier ist einiges anders, und das ist irgendwie auch gut so! ;-)

Die erste Band des Abends, STOCKHOLM SYNDROM, knallen uns fast eine Stunde lang groovigen Death Metal um die Ohren, der dabei ganz offensichtlich von Bands wie SIX FEET UNDER inspiriert ist, was zusätzlich durch ein Cover der eben genannten Vorbilder untermauert wird. Dazu spielen die Jungs ihre eigene Version vom AC/DC-Klassiker 'TNT' und sind für Genrefans auf jeden Fall ein gefundenes Fressen. Mich trösten sie allerdings nicht über den Verlust der Melodic-Metal-Talente SERENITY hinüber, die zumindest meinen Geschmack eher getroffen hätten als STOCKHOLM SYNDROM.

DARKWELL sind danach die Überraschung des Abends. Lang ist's her, seitdem ich die Innsbrucker das letzte Mal gesehen habe, und noch länger ist's her, seitdem die Band in mein Leben getreten ist. So sind DARKWELL für mich immer etwas Besonderes und bringen mit ihren Songs einfach Erinnerungen an eine gute Zeit zu Tage, die mich immer wieder berühren.

Seitdem Sängerin Stefanie in der Band ist, haben DARKWELL auch live endlich die Präsenz, die sie verdienen - denn Steffi ist nicht nur eine super Sängerin, sondern ist auch eine absolut charismatische, natürliche und extrem sympathische Frontdame, die weiß, wie man sich bewegt und wie man das Publikum mit Charme und einem Lächeln auf seine Seite bringt. Schnell haben DARKWELL die Aufmerksamkeit der Osttiroler gewonnen, die sich auch durch die verrückte Stilmischung an diesem Abend nicht abschrecken lassen und jede Band einfach abfeiern. DARKWELL Anno 2007 rocken wie Sau, sind mittlerweile mehr Rock als Gothic und haben einfach Spaß auf der Bühne. Das eingespielte Team wirkt reifer und motivierter denn je und macht Lust auf ein neues Album (hoffentlich bald!) - und auf mehr Live-Auftritte.

Vor allem das coole Gepose von Bassist Roli und Gitarrist Nussi ist neben Steffi ein wahrer Blickfang, und die Setliste kann sich mit Songs wie dem Klassiker 'Realm Of Darkness' oder dem Ohrwurm 'Fate Prisoner' sehen lassen. Als Zugabe gibt’s dann noch meinen absoluten Favoriten, den "Black-Metal-Song" 'Suspiria' vom gleichnamigen Debüt-Album. Black Metal deswegen, weil hier einfach superschnelle Riffs und geniales Double-Bass-Drumming (wo Moritz mal wieder sein Talent unter Beweis stellt) mit langsamen, extrem emotionalen Gesangslinien kombiniert werden. Grandios! So bleibt zu hoffen, dass sich DARKWELL in Zukunft nicht mehr ganz so rar machen auf den Bühnen dieser Welt (oder zumindest mal des Landes) und uns weiterhin mit so enthusiastisch-rockenden Auftritten überraschen!
[Caroline Traitler]

Nachdem DARKWELL mit melodischen, jedoch durchaus rockigen Klängen begeistern, sollte nun eine Welle Brutalität in Form der Tiroler Band INZEST über St. Johann im Walde und seinen Bewohnern hinwegrollen. Die vier Mann starke Truppe betritt im stets gleich bleibenden Line-Up die Bühne: Vokiller Markus Wenzel, Drummer Marco Eller, Gitarreo Simon Schafferer und Bassist Dominik Steffan.

Nach einem interessanten Intro wird die pure Vernichtung mit dem Knaller 'Reincarnation Suffering' vom ersten Album "The Sickest of Society" eingeleitet und schon nach den ersten Takten wird klar, dass dies ein gewaltiger Auftritt werden würde! Selbiges denkt wohl auch die zahlreich angereiste Inzucht-Proll-Gemeinde (Anmerkung: Liebevolle Bezeichnung der INZEST-Fans und Band) aus dem nördlichen Tirol und mosht das Festivalgelände (und einige aus den eigenen Reihen) platt, bis zum letzten Ton aus der Gurgel des Herrn Wenzel verklungen ist.

INZEST selbst präsentieren sich nach längerer Bühnenabstinenz energiegeladen, spielfreudig und mit einer gesunden Portion Aggressivität: Eine Mischung, die auch beim ortsansässigen Publikum durchaus gut ankommt und welche mit exzessivem Headbangen in den ersten Reihen und einem Dauer-Moshpit belohnt wird. Gute 45 Minuten geben die Jungs Songs wie 'Murderline', 'Master Killah', '100% Underground' und das HATEBREED-Cover 'Straight In Your Face' zum Besten. Der bis zum Höhepunkt growlende, äußerst routinierte Markus Wenzel, welcher die etwas passive Bühnenpräsenz seiner saitenzupfenden Mitstreiter mit doppeltem Einsatz kompensiert, trifft mit seiner Darbietung wohl nicht nur die vor der Bühne dahinschmachtenden, mit INZEST-Shirts eingedeckten Hauptschulmädchen bis ins Herz, nein, der ganze Veranstaltungsort erzittert vor der musikalischen Macht des "Prollmeisters" und seiner Deathcore-Mannen. Die vier Tiroler überzeugen mit brutaler Drumarbeit, pfeilschnellen und harten Riffs - und nicht zuletzt auch durch Charme, Witz und Sympathie. Denn hier wird nicht nur für, sondern auch mit dem Publikum gerockt!

Und um die Darbietung noch etwas interessanter zu gestalten, werden zwei Gastsänger bei den letzten beiden Nummern auf die Bühne gebeten: Inzucht-Neuzugang Ralph-Deimon-Amman beim Song 'Necrosphere' und eine Dame namens Tanja bei der KATAKLYSM-Nummer 'In Shadows and Dust'. Leider werden beide Auftritte mit Pannen überschattet, wie z. B. ein totaler Mikroausfall - bzw. ist von Tanja den kompletten Song hindurch nicht viel bis gar nichts zu hören, was das Ganze zum Schluss etwas chaotisch macht und nicht nur in mir den Eindruck erweckt, dass man aus diesem KATAKLYSM-Burner wohl besser kein Duett hätte machen sollen. Denn weniger ist oft mehr und Mister Markus Proll an der Front hätte diesen Cover-Song alleine vielleicht besser gemeistert.

Der Auftritt hat definitiv Lust auf mehr gemacht und das Warten auf das neue "inzüchtige" Werk "Grotesque New World" wird somit für viele Leute, mich eingeschlossen, nun umso schwieriger. Abschließend bleibt nur noch zu hoffen, dass die Band in Zukunft öfters die Bühnen dieser Welt betreten und über uns hinwegfegen wird! Jeder Liebhaber gnadenlos bösartiger, aggressiver und kraftvoller, mit Leidenschaft durchtränkter Mucke sollte sich schleunigst das musikalische Material der Inzucht-Burschen beschaffen, denn diese "100% Tyrolian Prollpower" darf niemandem vorenthalten bleiben! In diesem Sinne: Weiter so ... and stay proll! ;-)
[Elisabeth Ebenbichler]

Nach diesem Auftritt ist das Energielevel von so manchen Besuchern ziemlich am Ende, und während die jungen Headbanger zur Bar stürmen, macht sich im Publikum ein erstaunlicher Schichtwechsel bemerkbar, denn jetzt ist es Zeit für Oldies und Oldschool mit der lokalen Cover-Band UNDERCOVER. Das lässt nicht nur die Herzen der eher älteren Damen und Herren im Publikum höher schlagen, auch die Jungspunde lassen sich schnell vom Talent der Band überzeugen, die mit einem talentierten Sänger (der auch noch nebenbei bemerkt seine Violine bei einigen Songs auspackt), einer Menge Hits von BLACK SABBATH bis URIAH HEEP, Hammond-Orgel-Nostalgie und viel gute Laune für einen perfekten Ausklang des Festivals sorgen.
[Caroline Traitler]

Redakteur:
Caroline Traitler

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