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Wave-Gotik-Treffen - Leipzig

14.08.2012 | 21:57

25.05.2012, diverse

Die "Negativ-dekadenten Jungendlichen" erobern wieder einmal Leipzig.

Die 21. Auflage des Wave-Gotik-Treffens in der Messestadt hatte dieses Jahr nicht allzu viele große Namen im Veranstaltungsprogramm. Das war wohl auch ein Grund, weswegen es insgesamt gesehen nicht so viele Besucher waren wie in den vergangenen Jahren. Ab und an war die Straßenbahn verdächtig leer und auch sonst wurde die Innenstadt nicht so stark in schwarz getaucht. Ob es nun wirklich am Programm lag, darüber lässt sich allerdings nur spekulieren. Fest steht jedoch, dass das Festival nichts von seinem Glanz verloren hat und das Rahmenprogramm von Jahr zu Jahr umfangreicher und interessanter wird. So kann man sich diesem bei den fehlenden Konzerthöhepunkten intensiver widmen als sonst. Es hat eben alles seine Vor- und Nachteile.

Freitag

Der Freitag beginnt mit einem Ausflug in das Heidnische Dorf. Hier hat das viktorianische Picknick am Nachmittag, das im Clara-Zetkin-Park stattfand, seine Spuren hinterlassen, denn es sind sehr viele Besuche in den typischen Outfits zu sehen. Als erstes musikalisches Highlight steht das Konzert von ORDO EQUITUM SOLIS auf dem Programm. Die Musik der Band passt gut hierher, wobei es durchaus noch etwas dunkler hätte sein können. Diese Band gibt es auch schon ewig, wobei es fast eine zehnjährige Schaffenspause gab. Obwohl die Wiederbelebung gut zwei Jahre zurückliegt, ist Sängerin Leithana sichtlich nervös. Immer wieder kramt sie zwischen Keyboard und Karteikarten herum. Dennoch hat die Musik von ORDO EQUITUM SOLIS nichts von ihrem Charme eingebüßt und so kann das Trio mit Leichtigkeit das Publikum verzaubern. Das wohl bekannteste Stück 'Playing With The Fire' darf natürlich nicht im Set fehlen und die Besucher bedanken sich mit viel Applaus.

Das Wetter passt super und bei dem lauen Abendwind bleibt man gern noch hier und lässt sich neben den vielen kulinarischen Köstlichkeiten natürlich weiter kulturell verwöhnen. Als es bereits dunkel ist, sind die die Damen von LAS FUEGAS am Werke, um die Besucher mit verführerischen Tänzen zu bezirzen. Die große Feuershow muss leider ausfallen, denn sie wurde von der Feuerwehr aus Brandschutzgründen untersagt. Also läuft die Show auf Sparflamme. Die Stimmung und die Qualität stimmen jedoch und so wird das Publikum bestens unterhalten.

Langsam wird es doch Zeit, ein weiteres Konzert zu besuchen. Also ab zur Straßenbahn und in den Kohlrabizirkus, denn dort spielen LACUNA COIL. Beim Eintreffen sind die Italiener bereits zu Gange und die Halle ist gut gefüllt. Also fix ein Bier geschnappt und ab zum Haare schütteln. Das Getränk braucht man auch, denn der Sound ist ziemlich mies und das muss ja schließlich irgendwie verdrängt werden. Frontfrau Cristina Scabbia weiß die Menge aber doch gut zu unterhalten. Neben 'Spellbound' gibt es beispielsweise noch 'To The Edge' auf die Ohren, ehe 'My Spirit' den Gig beendet.

Es ist gerade Mitternacht, aber nach Hause wollen wir noch nicht. Also ab in die Villa zum Tanz. Dort gibt es neben gewohnten Klängen auch "Italo-Pop". Passt ja irgendwie, wenn auch nur das Land das Gleiche ist, was hier verbindet. Allerdings ist es gar nicht so einfach in die Villa zu kommen, denn die ist bereits voll und nur so viele Leute wie gehen kommen auch wieder rein. Also heißt es warten. Nach einer Weile geht es endlich los und der Tanzabend kann beginnen.

Samstag

Der erste Tag oder besser gesagt die erste Nacht wurde doch recht lang und so ist erst einmal ausschlafen angesagt. Nach einem gemütlichen Frühstück wird der Tagesplan zusammengebaut. Dabei fällt uns erst auf, dass es in diesem Jahr relativ spät mit den Konzerten losgeht. Vor 18 Uhr ist nicht wirklich viel zu finden und so bleibt mehr Freizeit. Da klingt der "Stricknachmittag für Schwarzromantiker" ziemlich verlockend. Allerdings gibt es eine weitere interessante Veranstaltung. In der Frauenbibliothek "MONAliesA" e.V. referiert Imke von Helden zum Thema "Brothers Of Metal? - Gender, Ästhetik und Performance im Heavy Metal". Zugegeben, das Ganze klingt etwas abstrus. Wer wird da schon groß hingehen? Das haben sich die anderen auch gefragt, die mit uns vor verschlossener Tür stehen, denn der Veranstaltungsort ist bereits gut 20 Minuten vor Beginn voll und es werden keine weiteren Besucher hereingelassen. Ob es eventuell am nächsten Tag eine Wiederholung gibt kann niemand sagen. Wer hätte das gedacht.

Also ist der Plan wieder ein anderer. Es geht zurück in die Innenstadt, mal an der Moritzbastei vorbeischauen und sich über die zahlreichen Hobbyfotografen belustigen, die jeden halbnackten Damenhintern festhalten müssen. Mittlerweile werden sogar Stadtführungen angeboten, wo der Unwissende an die Orte in der City geführt wird, wo es besonders viele Gruftis vor die Linse gibt. Irgendwie machen mir solche Informationen Angst. So etwas führt mittlerweile dazu, dass mehr Schaulustige als Schauobjekte da sind. 'Mad World' schießt mir dabei durch den Kopf. Um diesen Zirkus zu entgehen, schauen wir uns das mal lieber aus sicherer Entfernung und von oben an. Es geht auf den "Uni-Riesen". Von hier oben hat man eine tolle Aussicht und Überblick über die Stadt. Dazu noch ein Getränk - so lässt es sich aushalten! WGT einmal anders.

Doch etwas Beschallung muss schon sein. Bevor unser Weg erneut in den Kohlrabizirkus führt, schauen wir noch obligatorisch im Innenhof der Sixtina vorbei. Dort beginnen gerade OPUSCULUM ihr Konzert. Der Sound erinnert stark an BLUTENGEL nur noch mit schlechterem Gesang. Da nützt es auch wenig, wenn eine Tänzerin mit dabei ist. Mehr als zwei Songs kann man sich das echt nicht antun. Also ab zu DARK FORTRESS!

Die sind zweifelsohne das schwarzmetallische Highlight des diesjährigen Treffens. Die Bayern warten zwar noch auf den ganz großen Durchbruch, das sollte aber nicht mehr allzu lange dauern, schließlich waren die letzen beiden Alben "Ylem" und "Eidolon" absolute Kracher. Und an neuem Material wird bereits gearbeitet. Ein wenig unglücklich ist für diesen Samstagabend sicher die Location ausgewählt. Der Kohlrabizirkus ist zwar eine wunderschöne Halle, aber erfahrungsgemäß sind hier Sound und Akustik ausbaufähig. Pünktlich mit unserem Eintreffen betritt auch die Band die Bühne auf der schon bunter Nebel wabert. Und da es bei einem Festival immer gilt, keine Zeit zu verlieren, legen die mit ordentlich Corpsepaint versehenen Herren mit 'Osiris' los. Das bringt gleich eine Menge Haare zum fliegen und treibt schon zum Anfang der Show die Stimmung hoch. Da es einmal so gut läuft wird gleich weitergemacht und 'Ghastly Indoctrination' der Halle entgegen geschleudert. Mit 'The Valley' wird es ein bisschen ruhiger, aber nicht minder spektakulär. Schließlich gibt es einen Gast auf der Bühne, nämlich Ar von SECRETS OF THE MOON. Und dieses Stück demonstriert die größte Stärke der Landshuter, den spielerischen Wechsel von Tempi und Melodien. Absolute Extraklasse. Mit 'Cohorror' und 'CataWomb' beweist man dann ganz schnell, dass schneller aber doch irgendwie besser ist. Das hat aber nur kurz Bestand, denn mit dem neuen Song 'Rise Of Phoenix' kann man mit einer Midtempo-Nummer noch ein ganz großes Highlight abliefern. Zum Schluss gibt es noch den Song, der am meisten erwartet wird: 'Baphomet' vom "Eidolon"-Album ist ein echtes Brett, und die Halle ist kurz vorm überkochen. Allerdings kommt es dazu nicht mehr, denn die fünfzig zugestandenen Minuten sind schon mehr als ausgeschöpft. Bleibt nur zu sagen, dass sich der Weg hierher gelohnt hat, auch hat sich der Sound nach anfänglichen Schwierigkeiten mit zunehmender Spieldauer gebessert.

Was gibt es nach solch einem Knallerauftritt besseres als Klassik? Eben nichts, und so kann der Wechsel nicht abrupter sein. Zwar spielen im Kohlrabizirkus noch SECRETS OF THE MOON und AMORPHIS, doch die beiden Bands haben wir in der letzten Zeit oft gesehen und zur Klassik in der Krypta des nahe gelegenen Völkerschlachtdenkmales hat es bis dato noch nie geklappt. Das VOCALENSEMBLE BORINZI und das JOHANN STRAUSS ORCHESTER Leipzig spielen das "Requiem c-Moll". Das Konzert passt absolut genial zum Veranstaltungsort und selbst wer kein Klassik-Fan ist, erlebt hier etwas Einzigartiges.

Danach stellt sich die Frage: Was nun nach solcher Musik? Im nicht allzu entfernten Werk II sind ja noch SIGUE SIGUE SPUTNIK auf der Bühne zu erleben. Als wir ankommen ist die Halle brechend voll. Die Stimmung ist super und nach dem davor Erlebten braucht man, zugegeben, erst einmal etwas Anlaufzeit für diesen Sound und vor allem die Optik, denn das Outfit des Sängers ist ja nun nicht gerade alltagstauglich. Aber Spaß macht der Auftritt trotzdem. Die Fans können sich über '21st Century Boy' oder 'Atari Baby' freuen. Selbstredend darf der Überflieger 'Love Missile F1-11' nicht fehlen. Dazu geht es vor und auf der Bühne ordentlich ab. Alles in allem ein starker Auftritt.

Nebenan in der Halle D läuft bereits die bekannte "When We Were Young"-Party. Da das Motto und die Musik gut zum Abend passen kann man den hier sehr gut ausklingen lassen, bevor es zu später Stunde Richtung Bett geht.

Redakteur:
Swen Reuter

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