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Wishbone Ash - Paderborn

21.02.2009 | 19:45

30.01.2009, Capitol

Bluesrock und entspannt melodische Doppelläufe aus der Elektrischen gaben JIMMY BOWSKILL und WISHBONE ASH Ende Januar im Paderborner Capitol zum Besten.

Dass sich eine lebende Legende wie WISHBONE ASH in die ostwestfälische Provinz verirrt, hat man ja nun nicht gerade häufig. Also entschlossen wir uns kurzerhand, den Pionieren der Twin-Guitar-Kompositionen einen Besuch abzustatten. Ja, es gab schon vor IRON MAIDEN gelegentlich zwiefache Führungsstimmen auf der elektrischen Gitarre. Wer's nicht glaubt, möge sich nur einmal "Argus" anhören, ein Album, das die Band übrigens unlängst live komplett neu einspielte. Doch soll es hier nicht um Konserven-, sondern um Lebendmusik gehen. Und gerade da sollte weder mit künstlichen noch mit natürlichen oder naturidentischen Konservierungsmitteln und auch nicht mit Stimmbotox aus dem Mischpult gearbeitet werden. Und bei WISHBONE ASH wird es das auch nicht. So klingt Andrew Powell nicht mehr wie ein junger Sangesgott und gerade in den höheren Tonlagen auch nicht mehr durchweg schneidend wie Damaszenerstahl durch Butter oder ganz so treffsicher wie Robin Hood mit der Pumpgun bei aufgesetztem Lauf. Aber es reichte am Abend des 30. Januar durchaus noch, um uns direkt vor Ort von der unbestrittenen Klasse des Quartetts überzeugen zu können; vor allem, weil man Zeuge werden durfte, dass nicht nur Bandleader Andy Powell, sondern sämtliche Musiker noch mit Freude bei der Sache sind. Und das ist bekanntlich die Kirsche auf dem Sahnehäubchen ebenso präzise wie gefühlvoll geführter Instrumente.

Doch vor WISHBONE ASH betrat das Trio von JIMMY BOWSKILL, einem jungen Bluesrock-Gitarristen mit eingehender Stimme, die Bühne. Sein ebenso melodischer wie die Tradition würdigender Stil sorgte für eine angenehme Einstimmung auf die Hauptband des Abends. Gekonnt, aber sich keineswegs in übertriebenen Virtuosennummern suhlend präsentierten er und seine Mitmusiker ein ebenso smoothes wie anrührendes Set von eingängigen Nummern, deren Höhepunkt allerdings zum Abschluss des Vorkonzerts hin der B. B. KING-Song 'Three O'Clock In The Morning' brachte.

Trotz seines jungen Alters spielte der Achtzehnjährige mit bewundernswerter Stilsicherheit und Intensität. Leider wurde dieses beachtenswerte Vorkonzert nicht von allen Abendausgängern gebührend gewürdigt, denn das Capitol füllte sich erst während des dargebotenen Sets langsam so richtig. Die ersten Meter vor der Bühne blieben fast schon beeindruckend leer, was aber wohl eher der ostwestfälischen Mentalität als der gelungenen Darbietung von JIMMY BOWSKILL zuzuschreiben ist. Doch gab es dann immerhin zum Abschluss des Sets auch mehr als nur Achtungsapplaus aus der mittlerweile gut gefüllten Halle.

Als dann nach kurzen Umbauarbeiten auch schon die Musiker von WISHBONE ASH die nunmehr tiefer gestaffelte Bühne betraten, brandete gar kurzzeitig Jubel auf, der jedoch schon bald andächtigem Lauschen wich. Die Herren Powell, Skeat, Manninen und Crabtree boten ein in positivster Hinsicht routiniertes Konzert, ließen es jedoch bei aller offensichtlichen langjährigen Erfahrung keineswegs an Spielfreude mangeln. Die uns zuvor nur von Tonträgern mehr oder weniger geläufigen Stücke entfalteten so an diesem Abend einen ganz besonderen, noch gediegeneren Charakter. Musik zum Schwelgen war das, und in dieser Fassung mitunter auch noch deutlich entspannter als aus der Konserve. Es muss wohl an der zurückgelehnten, fast schon familiären Atmosphäre gelegen haben, die auf und vor der Bühne herrschte. Das eher lockere Runterspielen der Songs ermöglichte den Musikern, immer wieder Augenkontakt zum Publikum zu suchen, und auch untereinander war so manches eher hintersinnige Grinsen zu beobachten. Die Momente offenkundigerer Interaktion zwischen den Musikern waren eher kurz und deutlich rarer gesät, aber alles andere hätte zur entspannten Stimmung dieses Konzerts auch kaum gepasst.

Dass die Herren auch heftiger zu rocken verstehen, mussten sie hier niemandem beweisen, es ergab sich bei den schnelleren Passagen ganz von selbst und ohne Kippen der Stimmung in wohlfeile Aggressivität. Stattdessen boten die Musiker ihrem im Schnitt doch auch schon in die Jahre gekommenen Publikum ein durchweg angenehmes Konzert, welches durch einige visuelle Elemente noch dezent unterstützt, nicht aber überladen wurde. Einzig zum Ende hin wurde hier mit bunt beleuchteten Textilflammen im Ventilatorwind und psychedelischen Lichtelementen noch einmal hochamtlich was rausgetan. Aber da präsentierten uns WISHBONE ASH schließlich auch den Fünfzehnminüter 'Phoenix'.

Zuvor waren wir da schon Zeuge von zehn anderen, nicht weniger gelungenen Darbietungen geworden, inklusive eines schönen Schlagzeugsolos von Joe Crabtree , von Muddy Manninen auf dem liegenden Griffbrett dargebotener Gitarrenlinien und des Spähers vom "Argus"-Cover vor beständig changierenden Landschaftsausblicken auf visueller Ebene. Einer davon erinnerte gar entfernt an den Teutoburger Wald. Freilich deutlich willkommener als weiland Varus wurde Freitagnacht die Zugabe 'Blowin' Free' empfangen. Und auch nachdem die letzten Akkorde verhallt und die Musiker schon backstage entschwunden waren, hallten die "Zugabe!"-Rufe nach einem zweiten Nachschlag noch eine gute Weile nach.

Für 'Blowin' Free' hatte WISHBONE ASH auch Jimmy Bowskill noch einmal auf die Bühne gebeten, um diesen Song mit ihm gemeinsam zu performen. Der anfangs ob dieser Adelung noch leicht befangen wirkende, nichtsdestotrotz von Anfang an hervorragend spielende Jungmusiker taute während dieser Darbietung zusehends auf, und so fand ein durchweg gelungenes Konzert seinen würdigen Abschluss.

Setlist WISHBONE ASH:

1. Living Proof ("Just Testing")
2. You See Red ("No Smoke Without Fire")
3. Growing Up ("The Power Of Eternity")
4. Sometime World ("Argus")
5. The Way Of The World ("No Smoke Without Fire")
6. Vas Dis ("Pilgrimage")
7. The King Will Come ("Argus")
8. Throw Down The Sword ("Argus")
9. Engine Overheat ("Twin Barrels Burning")
10. Hard Times ("Strange Affair")
11. Phoenix ("Wishbone Ash")
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12. Blowin' Free ("Just Testing")

Redakteur:
Eike Schmitz

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