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With Full Force 2001 - Roitzschjora

06.07.2001 | 09:33

22.06.2001, Flughafen

[Prolog]
Gibt es für den open minded ausgerichteten Metal- bzw. Hardcore-Fan eine reizvollere Veranstaltung als das alljährliche With Full Force? Klarer Fall von "Nein, gottverdammt!". Verstand sich also von selbst, daß Eure unermüdlichen Sensationsjournalisten von Powermetal.de wieder nach Roitzschjora pilgerten, um dort bei arg wechselhaftem Wetter ihren Spaß mit einem hochkarätigen und mit 65 Bands sehr reichhaltig bestückten Billing zu haben.
Zusammen mit etwa 17.000 anderen Anwesenden (in dieser Beziehung konnte das Festival also nicht einmal annähernd mit dem des Vorjahres konkurrieren, bei welchem noch 25.000 Besucher zu vermelden gewesen waren) gingen auch die Herren Herbert, Rainer, Rouven und Stephan den diversen Vergnügungen nach, die das Open Air so zu bieten hatte, wollen sich aber in ihren Ausführungen auf die Musik beschränken *g*


Freitag, 22.06.01

[Mainstage... DAYS OF GRACE]
Das alte Spielchen: Band, in diesem Falle die Hardcoreler DAYS OF GRACE, fängt an zu spielen und der Rezensent steht am Eingang und wartet darauf, dass die Security ihn endlich reinläßt. Dann ging es aber auch sofort vor die Bühne, immerhin klangen DAYS OF GRACE mit ihrem New School Hardcore, der einige Metal Einflüsse aufwies, gar nicht schlecht. Klar, die Band stand zwar etwas bewegungslos auf der Bühne rum, aber für einen Newcomer war der Gig absolut in Ordnung. Und der Rübezahl Gitarrist mit dem grünen Ziegenbart sorgte für den originellen optischen Akzent. Alles in allem ein verdammt guter Opener.
[Herbert]

[Hard Bowl... NEW JERSEY BLOODLINE]
Wenn die erste Band, die man bei einem Festival sieht, in Etwa musikalisch genau NICHTden eigenen Vorlieben entspricht, so ist eine gewisse Enttäuschung eigentlich vorprogrammiert. Die HC-ler von NEW JERSEY BLOODLINE hingegen schafften es, mich als HC-Muffel fast schon zum Moshen zu animieren. Dermassen geilen - wenn auch für die Szene sehr untypischen - Hardcore hab' ich persönlich schon lange nicht mehr gehört: verspielt, verschachtelt, technisch anspruchsvoll und trotzdem voll auf die Fresse; jawollja, das machte Spass! Ein wenig musste ich bei den Songs vom aktuellen Output an die Weirdos von DILLINGER ESCAPE PLAN denken, auch wenn die Jungs bei Weitem nicht so abgedrehte Arrangements haben. Aber auch das Prädikat ?Die DEATH des Hardcore" kann sich der Vierer getrost anheften, zum Einen im musikalisch-technischen Sinne, zum Anderen, weil der Frontman genauso viele Allüren offenbarte wie Mr.Schuldiner: keine Fotos von ihm sollte man machen, der Trockeneisnebel pisste ihn mächtig an, und er riet allen Anwesenden, das Kiffen und Saufen sein zu lassen, auch wenn er es nach eigenen Angaben wohl exzessiv praktiziert - Mahlzeit.
Lobenswert erwähnen möchte ich noch den ausgesprochen exzellenten Sound im Zelt (und das gleich bei der ersten Band, ein dickes Lob!) und das extrem fiese Gekeife des Fronters, welches besonders bei den älteren Old-School-HC-Granaten superb zur Geltung kam. Beim abschliessenden Cover des Latino-Classix ?La Bamba" konnte man sogar sehr amtlich das Tanzbein schwingen - geil, Jungs, einfach geil!
[Rouven]

[Mainstage... WARHAMMER]
Roh, stumpf, brutal - und immer voll in die Fresse. WARHAMMER waren als Ersatz für VOIVOD eingesprungen und spielten, trotz des schlechten Sounds, einen beachtlichen Gig. Basser Frank Krynojewski bangte wie Hölle und überzeugte durch sein düsteres Auftreten, während Sänger Volker ?Iron Lung" Frerich gekonnt mit dem Publikum kommunizierte und simple Hammersongs wie ?The Skullcrusher", ?Cries Of The Forsaken", ?Shadow Of The Decapitator" und ?Thorn Of Damnation" mit seiner unnachahmlichen Stimme veredelte. WARHAMMER steuerten auch ein paar langsame Songs ein, sorgten somit für Abwechslung und beendeten schlussendlich ihren Auftritt mit dem BATHORY Cover ?The Return" und ?Hell Is Open". Ich fand den Auftritt sehr cool, wer aber mit HELLHAMMER/WARHAMMER nichts anfangen kann, für den waren WARHAMMER nur langweilig.
[Herbert]

[Hard Bowl... SKIN OF TEARS]
Melodic-Punk-Bands aus Dschörmenie sind bei Weitem nichts besonderes mehr. Bei SKIN OF TEARS wundere ich mich aber immer wieder, wieso die Combo immer noch keinen größeren Deal vorweisen kann. Gerade das '95er Debut ?Shit Happens" zeigte auf, dass die mittlerweile zu einem Trio geschrumpfte Band locker nationale Hypes wie die DONOTS in die Tasche steckt und auch keinen Vergleich vor richtigen Größen wie etwa MILLENCOLIN zu scheuen braucht.
Auch live konnte man überzeugen, und das sogar ohne Setlist - die hatte man schlauerweise daheim liegen lassen. Aber mit unkomplizierten Fun-Punk-Songs hatte man das Publikum schnell auf seiner Seite, und als es ausserhalb des Zeltes noch anfing zu regnen (und das nicht zu knapp...), konnten SKIN OF TEARS mal eben einen absoluten Besucherrekord verzeichnen. Die Menge wurde daraufhin mit einigen Ska-Punk-Stücken bei der Stange gehalten, und nachdem die Jungs noch die beiden Coverversionen aus den '80ern - ?Walking On Sunshine" und ?Voice Of Summer" - zum Besten gegeben hatte und sich artig von der Bühne verabschiedeten, schien draussen wieder die Sonne, wobei alle Anwesenden sicherlich ihren Spass bei dem sehr kurzweiligen Gig hatten.
(Schöne Grüsse auch noch an das feige rechte Arschloch, das einen Metalhead im ?Death Metal-Fans gegen Rassismus"-Shirt, der etwa einen Kopf kleiner war als sein Angreifer, völlig grundlos und vor allem ohne jede Vorwarnung zu Boden schlug und sich dann klammheimlich verpisste)
[Rouven]

[Mainstage... FARMER BOYS]
Endlich konnte ich die FARMER mal live sehen, aber leider wurde es eine mittelgroße Enttäuschung: angefangen beim miesen Sound, der zwar relativ klar aus der P.A. wummerte, aber jeglichen Druck, insbesondere bei den Drums, vermissen liess, über die magere Zuschauermenge (dass die Schwaben eine geile Liveband sind, dürfte sich auch bis in den Osten rumgesprochen haben, oder?), bis hin zu der Tatsache, dass Sänger Matze absolut sternhageldicht war. Letzteres sorgte zwar für ein beachtliches Stageacting des jungen Mannes, hatte aber leider auch zur Folge, dass der Guteset stimmlich ziemlich schlecht drauf war. Trotz allem kamen insbesondere die dargebotenen Songs vom aktuellen Album ?The World Is Ours", u.A. ?The Good Life", ?End Of All Days"; ?We Sow The Storm", ?Turn The World To Ice" und der obligatorischen Zugabe ?Here Comes The Pain", richtig gut rüber. Auch über die Stimmung in der recht mager anmutenden Zuschauermenge konnte man nicht mosern, aber richtig überzeugend war dieser Gig aufgrund der o.g. Mängel nicht. Spass gemacht hat's trotzdem...
[Rouven]

Die FARMER BOYS habe ich nun binnen Jahresfrist das vierte mal gesehen. Daran kann man schon ablesen, daß ich die Band an und für sich gerne mag. Die Show auf dem WFF allerdings ging dann leider ziemlich in die Hose. Das lag nicht an der Band, die sich spielfreudig und souverän wie immer präsentierte; nicht am Sound, der nach anfänglichen Schwierigkeiten absolut in Ordnung war; auch nicht an der Songauswahl, denn da gab es wie immer nichts zu meckern; nein, den Spaß an der Sache vermieste einem einzig und alleine Sänger Matze.
Der Guteste ist ja für gewöhnlich ziemlich angesoffen auf der Bühne, dieses mal allerdings war er noch dazu dermassen zugedrogt, daß wir sowohl über seinen Gesang, als auch über seine Bühnenshow das Mäntelchen des Schweigens decken, gnädigerweise.
Sicher, das allmählich zahlreicher werdende Publikum vor der Mainstage hatte trotzdem seinen Spaß an den unkaputtbaren Songs der Schwaben, welche vorwiegend ihrer dritten und mit Abstand besten Scheibe entnommen waren; nur drei ältere Nummern wie z.B. "Prized" oder das immer wieder geile "Farm Sweet Farm" verirrten sich in den dreiviertelstündigen Set, ansonsten gab es einen Sechserpack von "The World Is Ours", mit Hammerstücken wie u.A. "The Good Life", "We Sow The Storm" oder dem abschließenden, allseits bekannten "Here Comes The Pain".
Dennoch, die Jungs sollten ihrem Frontmann allmählich tüchtig ins Gewissen reden, denn so langsam scheint Meister Sayer ein ernsthaftes Alkohol- und Drogenproblem zu entwickeln. Schade, schade, schade.
[Rainer]

[Mainstage... SAVATAGE]
Ich war als SAVATAGE Fan sehr gespannt auf den ersten Auftritt mit dem neuen Sänger Damond Jiniya und dem neuen Gitarristen Jack Frost. Und was soll ich sagen? SAVATGE waren unglaublich, Jon Oliva sang wie ein zu seinen besten Zeiten und stand ansonsten wie immer mit einem fetten Grinsen hinter seinen Keys, Chris Caffery zeigte, dass er einer der besten Gitarristen der Metal Szene ist und Jonny Lee Middleton war ständig in Bewegung oder am Bangen. Damond Jiniya war ständig in Bewegung und agierte etwas theatralisch, was aber absolut cool wirkte und Jack Frost passte sich nahtlos ein, ebenso wie Drummer Jeff Plate, der gut spielte und einige Tricks mit seinen Sticks vorführte. Den Gesang teilten sich Oliva und Jiniya, die bei den alten Klassikern manchmal sogar zusammen sangen, wobei spätestens die hohen Schreie von Damond Jiniya bei ?Gutter Ballet" bewiesen, dass er mehr als nur ein Ersatz für Zak Stevens ist. Die Songauswahl war ebenfalls verdammt geil: unter anderem ?Sirens/24 Hours Ago" als Medley, ?Of Rage And War", Edge Of Thorns", ?Dead Winter Dead" und neben dem schon erwähnten ?Gutter Ballet" natürlich auch ?Hall Of The Mountain King", das den Schlußpunkt unter einen auch gut soundenden Gig setzte, der für meinen Geschmack ganz klar das Highlight des Freitags darstellte. SAVATAGE ernteten die besten Reaktionen des Publikums bis zu diesem Zeitpunkt, inklusive Zugaberufen, und waren im Billing viel zu weit unten plaziert. In dieser Besetzung sind SAVATAGE eine Macht.
[Herbert]

Jaja, im Hause SAVATAGE hat sich einiges verändert. Da ist Al Pitrelli zu MEGADETH abgewandert und dafür stieg Jack Frost (METALIUM...) ein. Und vor allem der langjährige Leadsänger Zak Stevens gönnt sich ein Päuschen (ob's für immer ist, wird man sehen - ich glaub's nicht) und dafür steht jetzt der bis dato völlig unbekannte Damond Jiniya (DIET OF WORMS) am Mikro. Und auch am neuen Album "Poets And Madmen" scheiden sich die Geister, und zwar in einer Spannweite, daß zwischen "Göttergabe" und "Sondermüll" alles vertreten ist. Die Wahrheit wird wohl, wie so oft, irgendwo dazwischen liegen.
Also rein ins Vergnügen. Um die Spannung so richtig zum Siedepunkt zu treiben, dauerte es gleich mal 10 Minuten länger, ehe es los ging (aber das kennt man ja bereits, siehe Releasedate des neuen Albums). Und dann enterten die neuen SAVATAGE die Bühne unter tosendem Applaus, um ihr neues Album gleich erstmal mit dem Song "Commissar" vorzustellen. Damit schien dieses Kapitel dann auch schon abgehakt zu sein und es folgte eine Rundreise durch alle Kapitel des bisherigen SAVATAGE-Schaffens. Als erstes gab es mit dem live sehr selten gespielten "Of Rage And War" (von der "Gutter Ballett"-Scheibe) eine kleine Überraschung. Danach kam der weitmöglichste Sprung zurück - nämlich zum ersten Album und dem gleichnamigen Song "Sirens". Beim darauffolgenden "24 Hours Ago" konnte sich Neusänger Damond erstmals richtig auszeichnen, als er selbst die höchsten Stellen ohne Probleme meisterte. Dafür sang er das anschließende, megageile "Edge Of Thorns" gleich mal eine Tonlage tiefer (das zerstörte den Song leider ein bisschen). An der Aufzählung sieht man schon, daß viele schnelle Stücke gespielt wurden, was durchaus als Pluspunkt zu vermerken ist. Aber manchmal schien es mir so, als ob da etwas vom Band kommen würde. Ich kann das allerdings nicht mit letzter Sicherheit sagen, also lassen wir das. Als nächstes kamen mit "The Wake Of Magellan" und "Dead Winter Dead" die Titelsongs der beiden vorangegangenen an die Reihe. Und kaum erklangen die ersten Töne zu "Gutter Ballett", da öffnete der Himmel seine Schleusen (das gehört ja mittlerweile zum WFF wie die Warzen zu Lemmy) und schüttete Alles über der Menge aus, was die Wolken hergaben (daß das noch lange nicht alles war, sollte sich im weiteren Verlauf des Festivals noch zur Genüge zeigen). Und endlich taute auch Großmeister Jon Oliva etwas auf, der den ganzen Auftritt über merkwürdig zurückhaltend war und kaum zu Späßen oder Faxen aufgelegt war (wenn ich da beispielsweise an die Tour vor zwei Jahren mit ROUGH SILK zurückdenke...) und veranstalte lustige Kriegstänze mit den Abdeckfolien seiner Keyboards. Zum Abschluss wurde natürlich noch "Hall Of The Mountain King" in die Menge gehauen (auch hier eine einwandfreie Gesangsleistung von Mr. Jiniya) und das war's. Ich verstehe wirklich nicht, warum SAVATAGE so zeitig (im Billing) auf die Bühne mussten, und dementsprechend schnell auch wieder runter. Gerademal eine dreiviertel Stunde durften die Jungs ran. Schade drum!
Was bleibt als Fazit? Ob man sich nun mit dem neuen Line-up anfreunden kann oder nicht, muss jeder selbst beurteilen. Fakt ist aber, dass solch geniale Songs immer für ein Ausnahmekonzert garantieren. Und somit war's natürlich ein großartiges Erlebnis und das erste WFF-Highlight.
[Stephan]

[Mainstage... MEGADETH]
Wenn es um richtig große Namen im Metal-Business geht, dann fällt ?MEGADETH" mit Sicherheit. Aber gerade in den letzten Jahren musste sich die Combo um Mastermind/Sänger/Gitarrero Dave Mustaine einiges an Schelte anhören, auch wenn man mit ?The World Needs A Hero" nach dem sehr halbgaren Output ?Risk" wieder etwas an Boden gut machen konnte.
Live ist das Quartett auf jeden Fall immer noch (oder wieder?) eine Macht, Dave war bestens bei Stimme, Neuzugang Al Pitrelli (ex-SAVATAGE) ein Augenschmaus am Sechssaiter, auch wenn es während der Dreiviertelstunde mehrmals den Anschein hatte, als wolle er sich lediglich ins Rampenlicht spielen, wie er es schon öfters bei SAVATAGE tat. Ganz besonders aber am Sound (der lediglich etwas zu basslastig war) und an der Songauswahl gab's aber absolut nix zu meckern, die Amis spielten sich durch einen Best-Of-Set, dessen Höhepunkte eindeutig ?Peace Sells" und die inoffizielle Bandhymmne ?Symphony Of Destruction" waren. Der Meute gefiel's, die Stimmung war klasse, und auch wenn fünfundvierzig Minuten für eine eigentlich recht große Band wie MEGADETH etwas zu kurz waren, ein Klassegig war's nichtsdestotrotz.
[Rouven]

Was ist der Unterschied zwischen Bier und einem MEGADETH-Song? Altes Bier wird schal und schmeckt nicht mehr, ein alter MEGADETH-Song bleibt geil und bringt die Leute auch im Jahr 2001 noch zum Ausrasten. So ungefähr könnte man das MEGADETH-Konzert umschreiben. Nun aber zu den Details.
Neuzugang Al Pitrelli ist durch seinen Wechsel zu den Megatoten gleich mal im Billing um eine Position nach oben gerutscht und durfte jetzt direkt nach seinen Ex-Kollegen ran. Und einige Teile der SAVATAGE-Mannschaft ließen es sich dann auch nicht nehmen, ihn und seinen neuen Arbeitgeber ausgiebig zu inspizieren.
Aber zunächst einmal zog sich auch der MEGADETH-Auftritt nach hinten raus. Nach einer Viertelstunde stürmten dann Mustaine und Co. urplötzlich auf die Bühne und legten los, obwohl noch die Hintergrundmusik lief. Zunächst gab's neueren Stoff mit "Dread And The Fugitive Mind" vom neuen Album "The World Needs A Hero" und gleich hinterher "Kill The King". Und dann endlich die gefeierten alten Sachen. Überraschenderweise wurde da gleich mal "Wake Up Dead" von "Peace Sells..." ausgegraben. Diese Scheibe bildete zusammen mit der "Rust In Peace" (davon wurden "Hangar 18", "Holy Wars" und "Tornado Of Souls" zum Besten gegeben) das Kernstück der Show. Also erfreulich viele alte Schinken - selbst bei dem ziemlich lasch vorgetragenen "Symphony Of Destruction" ging das Volk total ab - eine durchaus clevere Songauswahl. Und selbst das ziemlich lahme Stageacting der Herren MEGADETH tat der Stimmung keinen Abbruch, und so hatten die Securities buchstäblich alle Hände voll zu tun. Cool war auch, dass direkt nach dem Auftritt weitere MEGADETH-Songs vom Band angespielt wurden - sprich: noch ein bisschen weitergefeiert werden konnte. Für anspruchsvolle Konzertbesucher war dieser Auftritt vielleicht nicht besonders essentiell, aber für alle, die auf die alten Sachen abfahren, war das heute ein wahres Fest.
[Stephan)

[Mainstage... CRADLE OF FILTH]
Was soll man zu den Briten um Minivampir Dani noch großartig sagen? Mittlerweile gibt es die Combo so lange, daß sich eine große Anhängerschar rekrutieren liess, die der Band bis ins Verderben die Treue halten wird, während der Rest CRADLE OF FILTH einfach nur für lächerlich und unwichtig hält. Der Erfolg spricht eigentlich für die Band, aber mit diesem Auftritt haben COF meine schlechte Meinung über sie nur noch verfestigt.
Ich möchte hier keinem Fan etwas schlechtes tun, aber solch einen desolaten Gig, der wirklich nur noch die Bezeichnung ?grottenschlecht" verdiente, habe ich schon lange nicht mehr gesehen. Das fing beim schlechten Sound an, der dermaßen undifferenziert und matschig war, dass man noch nichtmal die Drums richtig raushören konnte. Dani war mehr als mies bei Stimme, und auch wenn er auf Platte zig Stimmlagen beherrscht - diesmal keine einzige! Egal ob Kreischen, Röcheln, Flüstern: Alles war für die Katz und klang weniger kraftvoll als der Motor eines Trabbis, was möglicherweise auch am Soundmatsch lag. Ein Kommentar zum lächerlichen Stageacting möchte man sich am liebsten verkneifen, aber der zweimalige Auftritt eines Stelzentänzers in einem peinlichen Fledermauskostüm war schon sehr amüsant. Aber auch die beiden, im weiteren Verlauf des Songs nur noch mit Slips bekleideten Frauen, die bei ?The Principle Of Evil Made Flesh" auf der Bühne rumhampelten, konnten die Show nicht mehr retten. Songtechnisch gab's zwar mit ?The Dusk And Her Embrace", ?Her Ghost In The Fog" und ?From Cradle To Enslave" einige Höhepunkte, die aber durch Dani's Performance und den miesen Sound so gut wie gar nicht zündeten.
Die einzig Positiven Aspekte setzten Backgroundsängerin Sarah sowie ex-AT THE GATES-Kesselklopper Adrian Erlandsson - ansonsten waren diese fünfzig Minuten unterstes Niveau. Schade, ich hätte mich gerne überzeugen lassen... (DAS war definitiv der absolute Flop des ganzen Festivals - der enttäuschte Kollege Rainer)
[|Rouven]

[Mainstage... SUCIDAL TENDENCIES]
It's 2001 and going cyco is all that's on their minds...als die SUICIDAL TENDENCIES mit ?You Can't Bring Me Down" in ihren Set einstiegen, war gleich ordentlich was los vor der Bühne und es dauerte nicht lange, bis die ersten Crowdsurfer über die Absperrung flogen. Mit Metal haben SUICIDAL TENDENCIES nur noch am Rande was zu tun; was den Fans um die Ohren geblasen wurde, war astreiner Hardcore Punk mit funkigen Einlagen. War mir aber egal, denn zu Songs wie dem göttlichen ?War Inside My Head", dem ebenso coolen ?We Are Family", ?Possessed To Skate" oder ?Cyco Vision" kann man einfach geil abgehen, was große Teile des Publikums ähnlich sahen. Der Sound war o.k. und Mike Muir ist sowieso ein Klasse Frontmann, der coole Ansagen drauf hatte und auch der Aktivposten einer gut eingespielten Band war. Für Erholung sorgten die funkigen ?Su Casa Es Mi Casa" und ?Ain't Gonna Take It", wobei erfreulich viele Songs von ?Freedumb" gespielt wurden. Vor dem letzten Song murmelte Mike Muir dann etwas von ?Suicidal maniacs on stage", was dutzende dieser Maniacs dazu brachte, die Bühne zu stürmen. Die Security war davon allerdings weniger begeistert und versuchte, die Bühne wieder zu räumen, was allerdings nicht ganz einfach war, wenn z.B. ein weiblicher Fan sich einfach an Mike Muir klammert. Jedenfalls brüllten die Fans auf bzw. vor der Bühne auch bei ?Pledge Your Allegiance" die kultigen ?S.T." Chöre lauthals mit. Danach war ein cooler Auftritt zuende und die Security hatte wieder ihre Ruhe. (Nur "Join The Army" hat gefehlt... *sniff* - Rainer)
[Herbert]

[Hard Bowl... RYKER´S]
Die RYKER'S, die sich ja vor kurzem mehr oder weniger endgültig aufgelöst haben, formierten sich zu Ehren des letzten WFF ohne Dosenpfand (!!!) noch einmal, um zu zeigen, daß man beim deutschen Hardcore um diese Band einfach nicht herumkommt. Ob Songs neueren Datums wie "End Of Line" und "Forever And A Day" oder ältere Kaliber wie "Beg To Differ", "From The Cradle To The Grave" und "My Justice" - das komplette Zelt stand die ganze Zeit Kopf. Sänger Kid D schrie die Songs heraus, bis die Glatze qualmte (was ziemlich bald passierte). Zweimal kletterte er sogar auf die Traverse um per Salto (!) in die Menge zu springen, wobei er, kaum unten angekommen, fröhlich weitersang und trotz wildesten Divens nicht davon abzubringen war. Besonders bei Mitgröhlhymnen wie "Cold, Lost, Sick" und "Gone For Good" war die Stimmung am Siedepunkt. (Das war schon direkt beängstigend... - Rainer)
An diese Action vor der Bühne kam selbst die anschließende Knüppelnacht nicht heran und das will schon was heißen. Bei den obligatorischen Zugaben gab es erwartungsgemäß das VENOM-Cover "Witching Hour" und das von hunderten Kehlen veredelte "You Never Walk Alone", das natürlich nicht fehlen durfte. Es wäre wirklich schade, wenn diese Truppe der Szene nicht erhalten bliebe.
[Stephan]

[Mainstage... H-BLOCKX]
Deutschlands Crossover-Pioniere hatten im Vorfeld des Auftrittes zwei schwere Lasten zu tragen: zum Enen musste man niemand geringeren als BAD RELIGION ersetzen, und zum Anderen war meine Wenigkeit sicherlich nicht der einzige, der bezweifelte, dass die Mannen um Fronter Henning es schaffen würden, das härtetechnisch doch etwas anspruchsvollere Publikum in ihren Bann zu ziehen.
Aber die H-BLOCKX kamen, sahen und siegten - eine dermaßen geile Stimmung hätte wohl selbst der optimistischste Fan nicht erwartet: ein ansehnlicher Moshpit, Crowdsurfer en Masse und fast alle Songs wurden begeistert mitgesungen bzw. -gegrölt. Wobei die Band ihre besten Momente bei den alten Stücken wie ?Little Girl", ?Move", ?Step Back", ?Revolution", ?One Day", ?Fly" oder der viel umjubelten Zugabe ?Risin' High" hatte. Auch das ERIC BURDON-Cover ?Ring Of Fire" kam richtig gut an, aber die neuen Stücke, die Henning begeistert vorstellte, wollten nicht so recht ankommen. Nicht etwa, dass die stimmungsgeile Meute keinen Bock auf neue Sachen gehabt hätte, aber die Stücke, die allesamt wie ?SUCH A SURGE meets LIMP BIZKIT" klangen, waren nun echt alles andere als das Gelbe vom Ei.
Ich frage mich immer noch, wieso da jetzt drei Sänger/Shouter auf der Bühne rumhampeln, denn bei den Songs, welche die altbekannten H-BLOCKX-Stärken repräsentieren, reicht Henning völlig aus. Ist wirklich schade mitanzusehen, was aus einer einst recht innovativen Band geworden ist: Ein Neo Metal-Klon ohne eigenes Gesicht.
Lässt man die neuen Stücke allerdings außen vor, bleibt unterm' Strich ein geiler, Laune machender Auftritt, bei dem es die H-BLOCKX sogar geschafft haben, BAD RELIGION einigermassen würdig zu ersetzen. Respekt!
[Rouven]

[Mainstage... MOTÖRHEAD]
Ja, wo bleiben sie denn? Ein Busunfall hätte beinahe den Auftritt des Freitags-Headliners MOTÖRHEAD ins Wasser fallen lassen, aber um Mitternacht, mit 75 Minuten Verspätung und den legendären Worten ?We are MOTÖRHEAD and we're gonna kick your ass" stiegen die Mannen um Lemmy in ihren Set ein.
Die Verspätung, für die sich Lemmy artig entschuldigte, hatte aber keine Auswirkung auf den Set. Lemmy röhrte wie eh und je ins Mikro, sein Bass knarzte ordentlich und Phil Campbell zockte souverän seine Gitarrenparts. MOTÖRHEAD wären aber nicht so gut, wenn nicht Drumdynamo Mikkey Dee der Band einen ordentlichen Arschtritt verpassen würde. So holzten sich MOTÖRHEAD, unbeeindruckt vom mäßigen Sound durch einen ganzen Set an Klassikern wie dem Opener ?We Are Motörhead", ?Bomber", ?No Class", dem eher unbekannten ?Over Your Shoulder", ?Metropolis", das verdammt geil rüberkam und ?R.A.M.O.N.E.S.", das dem kürzlich verstorbenen Joey Ramone gewidmet wurde.
Danach fragte Lemmy nach den Punks im Publikum, um nach positiver Antwort ?God Save The Queen" zu spielen. Neueren Kram gab es in Form von ?Civil War", ?Sacrifice", bei dem Mikkey Dee ein kurzes Drumsolo spielen durfte und ?Born To Raise Hell", wo DORO im Hintergrund mit ihrer dünnen Stimme versuchte, mit Lemmy mitzuhalten, nur um daran kläglich zu scheitern. Das Highlight war ?Orgasmatron", das Lemmy, nur von grünen Spots angestrahlt, herrlich dämonisch ins Mikro röhrte. Nach ?Iron Fist", das nahtlos in ?Killed By Death" überging, war erstmal Schluss, aber die Fans brüllten noch nach Zugaben, die sie in Form von ?Ace Of Spades" und des fiesen ?Overkill" auch bekamen. Danach war endgültig Schluss und MOTÖRHEAD hatten bewiesen, daß sie immer noch ordentlich rocken können.
[Herbert]

Grrrrr! Was nimmt man als Festivalbesucher nicht alles in Kauf - Regen, gepanschtes Bier (nur ein Gerücht *g*), Aufgabe sämtlichen Luxus´, um total dreckig und halb taub ein paar Krachmachern beizuwohnen und... fast zwei Stunden Warten auf MOTÖRHEAD. Aufgrund eines Buswechsels stand die Band nämlich erst halb eins auf der Bühne, so daß man sich in freudiger Erwartung (bzw. später dann etwas angesäuert) länger die Beine in den Bauch stand, als der Auftritt dann eigentlich dauerte. Was aber wirklich daneben war, war die Vertröstungstaktik des Veranstalters. O-Töne: "Es gab eine kleine Verspätung, sodass die Umbaupause eine halbe Stunde länger dauern wird" (22:15 Uhr). "MOTÖRHEAD sind gerade erst angekommen und Lemmy muss sich noch eine halbe Stunde warm machen" (ca. 23:15 Uhr). Zu dumm nur, daß kurz vor Mitternacht die Bühne immer noch total verwaist war, also das Equipment samt Band wohl doch noch nicht angekommen war. Erst einige Minuten after Midnight ließ sich Mikkey Dee kurz blicken, um zu versichern, dass es nur noch zehn Minuten dauern würde.
Und dann gings ENDLICH los. Mikkey Dee, Phil Campbell und dieser andere Typ kamen auf die Bühne und hatten nicht vor, irgendwelche Gefangenen zu machen. Der Einstieg ließ gleich erstmal gar keine Wünsche offen: "We Are Motörhead", "Bomber" und "No Class". Geil!!! Aber wie könnte es anders sein, es reihte sich ein Klassiker an den nächsten (is ja schließlich MOTÖRHEAD). Bei "R.A.M.O.N.E.S." wurde dem kürzlich verstorbenen Joey Ramone gedacht. Auch Deutschlands Metalqueen DORO hatte ihren Auftritt - allerdings schien sie bei "Born To Raise Hell" nur zum Bangen da zu sein und nicht zum Singen, ersteres machte sie jedenfalls sehr ordentlich - dafür gibt's ein Metalbienchen. Nach dem Song gabs noch ein Küßchen für diesen einen Typen und DORO war wieder verschwunden. Weiter ging die wilde Fahrt mit "God Save The Queen", "Civil War", "Shoot Me In The Back", "Orgasmatron" (Kuuuuuuuuult!!!) und "Sacrifice" mit Schlagzeugsolo. Bei der Vorstellung der Bandmitglieder bekam dieser eine Typ natürlich auch den meisten Applaus (er wurde von Phil mit "lovely" vorgestellt - nanu, wie jetzt??). Der Set neigte sich dem Ende entgegen - mit "Iron Fist" und "Killed By Death" - MOTÖRHEAD kamen nochmal für eine Zugabe zurück - das waren "Ace Of Spades" und "Overkill" - und alles war vorbei. Zum Schluss musste dieser eine Typ auch noch seine Klampfe kaputtmachen und auch Mikkey schien von seinem Schlagzeug die Schnauze voll zu haben und warf den Mikroständer mitten rein.
Trotz später Stunde hatten sie ihren kompletten Set durchgezogen. Einen tosenden Sturm der Begeisterung hatten sie entfacht und getreu dem Sprichwort "sie kamen, sahen und siegten" hatten sie einen glorreichen Triumph davongetragen. Aber trotz des tosenden Mobs war es die ganze Zeit friedlich. Im Pit verloren des Öfteren einige Dutzende den Boden unter den Füssen, doch sofort wurde aufgeholfen und weitergefeiert. Heute wurde eindeutig der Kultstatus dieser Band untermauert und bewiesen, dass dieser eine Typ von MOTÖRHEAD noch lange nicht zum alten Eisen gehört.
[Stephan]

[Knüppelnacht... siehe Seite 2]

Redakteur:
Rainer Raithel

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