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Wolfsnächte-Tour - Bochum

01.06.2012 | 23:20

30.04.2012, Matrix

Mit einem derartigen Wolfsrudel, vier Bands umgebend, kann man einfach nicht besser in den Mai tanzen.

Wie kann der geneigte Fanatiker schneller, traditionell harter Klänge besser in den Wonnemonat feiern, als mit solch einem Package. Gemeinsam mit den einsamen Wölfen von LONEWOLF, den Hamburgern Speed-

Metallern von STORMWARRIOR und den Ravenlords von MYSTIC fuckin’ PROPHECY entert einer der Überflieger der vergangenen zwei Jahre die Bühne der Bochumer Matrix: POWERWOLF. Hierbei stellt der Auftritt mitten im Herzen des Ruhrgebiets das Ende dieser fulminanten Tour voller Geschwindigkeit, Kraft und Ausdauer dar. Die Wölfe sind zu Gast, beackerten in den vergangenen Wochen so manche Halle, um sie in ihren Grundmauern zu erschüttern, eine Band-Konstellation zum Fingerlecken also.

Obwohl, meiner Meinung nach, die Bochumer Zeche prädestinierter für solch eine schweißtreibende Angelegenheit wäre, versprüht die Matrix mit all seinen liebevoll und detailreichen Ecken und Nischen ein gewisses Flair. Im Ruhrgebiet findet sich für solche Anlässe also stets eine geeignete Location. Leider kommen wir nicht derart pünktlich an, um den Opener LONEWOLF noch mitzuerleben, all die zufriedenen Gesichter, die uns entgegenkamen, deuten an, mit den Franzosen und ihrem traditionellen Power-Metal doch einen ordentlichen Anheizer gefunden zu haben.

Wir müssen also nicht lange warten, um mein persönliches Highlight gleich beim Einlass mitzuerleben. So sind die Hallen gleich zu Beginn schon mehr als ordentlich gefüllt, überall tummeln sich die gierenden Anhänger, auch der Abend scheint ausverkauft und wieder einmal Erfolg versprechend zu werden. Nun ist es also auch für uns an der Zeit: STORMWARRIOR sind, obwohl sie live durchaus präsenter sein können, eine Bank, sorgten in der Vergangenheit stets für tolle Shows und auch am heutigen Abend für jede Menge Headbanger, reckende Fäuste und lautstark mitgegrölte Refrains. Lars Ramcke und seine Mannen scheinen einen guten Tag erwischt zu haben, der Sound prescht forsch und frisch aus den Boxen, die Riffs sitzen wie ein maßgeschneiderter Anzug und Gassenhauer wie das eröffnende 'Iron Gods', der Titeltrack zum aktuellen Schaffenswerk "Heathen Warrior", sowie 'Ragnarök' werden mit Wohlwollen aufgenommen.

Obwohl ich mir die eine oder andere Interpretation früherer STORMWARRIOR-Tage durchaus gewünscht hätte, frisst die Meute den Hamburgern aus der Hand. 'Heading Northe' bläst mit seinem pfeilschnellen Unterfangen ein wenig Wind in die stickig werdende Matrix, 'Metal Legacy' ist ein Stampfer vor dem Herrn und der Doppelpaukenschlag 'Heavy Metal Fire/Iron Prayers' beendet diesen energischen Auftritt, zeigt das Quartett wieder einmal von ihrer besten Seite und unterstreicht zum wiederholten Male ihren Status bei Fans und Anhängern.

So dauert es abermals nicht lange, als es mit kraftvoll schmackhaftem Heavy-Metal aus eigenem Lande endlich weitergeht. Ein atmosphärisches Intro ertönt, die Bühne verdunkelt sich und die ersten Reihen füllen sich mehr und mehr: Die Zeit von MYSTIC PROPHECY ist gekommen. Eine massive Gitarrenwand, stets nach vorne treibende Drums und dieses markant raue Stimmchen der Frontröhre Liapakis sind jene Trademarks, auf die die Fans auch heute zählen können. Power-Metal der leicht amerikanischen Art wird hier nach allen Regeln der Kunst zelebriert. Mit 'Eyes Of The Devil', 'Savage Souls' und 'Sacrifice Me' wurde ein Einstand nach Maß gewählt, das neue, überaus geglückte Album "Ravenlord" steht beim Auftritt selbstverständlich im Vordergrund, so dass im Laufe der knapp 50 Minuten Spielzeit das Titelstück, das bärenstarke und laute 'Die Now', 'Hollow' und 'Endless Fire' nicht fehlen dürfen. Abermals wird die Band lautstark gefeiert, Sprechchöre durchqueren die gesamte Räumlichkeit, das Quintett weiß sich selbst zu Feiern und zu zelebrieren, gibt ihrer Meute letztendlich mit den allseits bekannten, beliebten 'Satanic Curses' und dem abschließenden 'Evil Empires' noch Ohrenfutter der Extraklasse, um schließlich ausgelaugt, aber zunehmend glücklich, die Bühne für das Grande Finale freizugeben.

POWERWOLF, eine Band, die einen ähnlichen Hype wie die Schweden von SABATON erleben dürfen, bestreitet also als Headliner diese vorzügliche Tour. Die Greywolf-Brüder, mit dem Aushängeschild Attila Dorn an ihrer Seite, haben mit dem immer noch aktuellen Schaffenswerk "Blood Of The Saints" im vergangenen Jahr für ein Spektakel unter den Traditionalisten gesorgt. Worauf sich die gesamte Matrix auch an diesem Abend einstellen kann, sind epische, leicht okkulte Chöre, einen immensen Grölfaktor, Riffs, die sich tagelang nicht mehr aus den Hörwänden verabschieden und, wie sollte es bei dieser Bandzusammenstellung auch anders sein, eine vor Schweiß, Eifer und Power nur so triefende Magie, die alle anwesenden hier ab den ersten Tönen des anfänglichen 'Agnus Die/Sanctified With Dynamite' umgibt. Auch dieser Auftritt startet energisch, für den abschließenden Tourgig werden bei allen Anwesenden noch mal die letzten Reserven mobilisiert, Stücke wie 'Prayer In The Dark', das fabelhaft vorgetragene 'We Drink Your Blood' oder das Kraftbündel 'Dead Boys Don’t Cry'/'Werewolves Of Armenia' werden gierig aufgenommen und Instrumentalisten kommen mit dem anschließenden Drumsolo von Roel van Helden buchstäblich auf ihre blutigen Kosten.

Auch wenn man kein Freund von POWERWOLF zu sein scheint, so muss man ihnen neidlos anerkennen, dass sie ihr Publikum, wie am heutigen Abend, felsenfest im Griff haben und stets einen Auftritt der Superlative abliefern. Dies bestätigt der zweite Teil ihres famosen Auftritts, der mit 'Saturday Satan' und 'Lupus Dei' zwei Ohrwürmer der Spitzenklasse in Petto hat. Die Leute singen einmal mehr lautstark mit, wer nach dem heutigen Abend ohne Heiserkeit die nächsten Tage übersteht, scheint irgendetwas falsch gemacht zu haben. Und damit dieser Fall auch nicht eintritt, gibt es im Zugabenbereich mit 'Kiss Of The Cobra King' und 'In Blood We Trust' noch zwei amtliche Hymnen, das Wolfsrudel holt noch einmal alles aus sich heraus, die Blutreserven werden gebündelt, doch irgendwann endet auch der schönste Abend. Mit tosendem Applaus und abermals lautstarken Sprechchören werden POWERWOLF und die restlichen Wölfe in den wohlverdienten Feierabend geschickt. Brav wird sich bei den restlichen Bands, den zahlreich gekommenen Fans und beim Veranstalter gedankt, die Matrix in Bochum leert sich langsam aber sicher und viele glücklich dreinblickende und doch etwas müde wirkende Gesichter zeigen mir und allen anderen, dass sich auch dieser Abend vollends gelohnt hat. Power-Metal-Fans, so unterschiedlich sie auch sein mögen, kamen hier auf ihre Kosten und blicken auf ein tolles Truppenpackage zurück. Danke.

Redakteur:
Marcel Rapp

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