top banner 156
side banner 157

Wolfsnächte II - Hannover

05.11.2013 | 20:29

27.10.2013, Kulturzentrum Faust

Hannover heult zum zweiten Mal mit den Wölfen.

Schon zum zweiten Mal gehen die Vampire von POWERWOLF unter dem "Wolfsnächte"-Banner auf große Europa-Tour. Bereits letztes Jahr war die Rundreise unter gleichem Namen ein großer Erfolg, die drei den Wolf begleitenden Bands hießen damals MYSTIC PROPHECY, STORMWARRIOR und LONEWOLF. Noch stärker liest sich dann das Billing, dass sich die Saarländer für die diesjährige Tour ausgedacht haben. Mit WISDOM, BATTLE BEAST und MAJESTY sorgen drei momentan sehr populäre Bands für tolle Stimmung schon vor dem Auftritt der Headliner. Dass neben Hamburg und Speyer nun auch noch Hannover restlos ausverkauft ist, passt da sehr gut ins Bild.

Auf die Minute genau um 18:45 Uhr entert mit WISDOM eine Band aus Ungarn die Bühne, die mit ihrem dritten und bislang stärksten Werk "Marching For Liberty" für Furore in der Euro-Metal-Sparte sorgt. Wisdom hat schon im Vorfeld über die einschlägigen Plattformen verlauten lassen, wie wichtig ein Auftritt in Hannover für sie ist, startete doch ihre erste internationale Tour mit SABATON genau hier. Von der damaligen Nervosität ist heute nicht mehr viel zu spüren. In schicken Kostümen tritt die Gruppe vor die schon gut gefüllte Halle und wird mit großer Lautstärke empfangen. Mit 'War Of Angels' wird gleich zu Beginn eines der härtesten Stücke der Band performt, bevor es direkt mit der Bandhymne 'Wisdom' weitergeht. Die Reaktionen des Publikums lassen vermuten, dass die letzte Tour durchaus Eindruck hinterlassen hat, die Reihen sind gut gefüllt und die Temperatur im Kulturzentrum Faust steigt langsam. Auch die Songs vom aktuellen Album kommen sehr gut an, neben besagtem 'War of Angels' spielt die Band um Sänger Gabor Nagy noch 'God Rest Your Soul' und die Gute-Laune-Hymne 'Take Me To Neverland'. Auch der Longtrack 'Judas' und die beiden Bandklassiker 'Somewhere Alone' und 'Live Forevermore' werden ausnahmslos gefeiert. Es ist schon erstaunlich, dass diese Band, die - untypisch für das Genre - ganz ohne Keyboard auskommt, so gut angenommen wird und wenn das so weiter geht, steht ihr eine glorreiche Zukunft bevor. Die schon nach 35 Minuten verschwitzten Massen sprechen jedenfalls dafür.
Setlist
: War of Angels, Wisdom, God Rest Your Soul, Somewhere Alone, Take Me To Neverland, Judas, Live Forevermore

[Marius Luehring]

Nach der äußerst ansprechenden Vorstellung von WISDOM bin ich gespannt, wie sich BATTLE BEAST präsentieren, denn die jungen Finnen um Frontfrau Noora Louhimo sind bislang völlig an mir vorübergegangen. Ich hatte bis hierhin also viel Glück. Fangen wir aber mit den positiven Aspekten an: Noora ist gut anzusehen und stimmlich definitiv näher an der jungen Doro Pesch als an den Trällerelsen des Symphonic Metal. Das war es dann aber auch, da die Songs durch das übermäßig präsente Keyboard einen leichten Technoanstrich aufweisen, kann die Stimme lediglich über Pest oder Cholera entscheiden. Bereits nach dem noch ganz gelungenen Einstieg 'Let it Roar' kann man sich nur an die passable Stimme klammern, denn eine eigene Identität im Songwriting mit Widerhaken fürs Ohr gibt’s leider nicht und so hat man sich an dem vorhersehbaren Material schnell sattgehört. Realsatirisch wird es dann als man 'Enter the Metal World' proklamiert. Also, wir sind schon lange drin. Hier passt heute Abend leider gar nichts zusammen.
Setlist: Let It Roar, Out on the Streets, Neuromancer, Kingdom, Black Ninja, Enter the Metal World, Out of Control

[Arne Boewig]

Nach einer sehr kurzen Umbaupause wacht Hannover dann endlich wieder auf. Die eingeschlafenen Beine werden wachgeschüttelt und die Hände können endlich wieder gen Himmel gereckt werden. Es ist Schluss mit Techno und Zeit für MAJESTY. Hier muss niemand mehr aufgefordert werden, in die metallene Welt einzutreten, denn viel mehr Metal als MAJESTY geht ja sowieso kaum. Das stahlhaltige Spektakel mag man nun kitschig oder sogar völlig egal finden, über die Live-Qualitäten der Baden-Württembergischen Donnerreiter lässt sich allerdings nicht streiten. Gespielt wird heute ein Querschnitt durch die gesamte Bandhistorie, die Metalforce-Phase mal außen vor gelassen. Hier reiht sich tatsächlich ein Mitklatscher an den anderen. Und besonders 'Thunder Rider' zeigt erst live und in voller Lautstärke sein ganzes Potential, das dürfte ein künftiger Klassiker werden. MAJESTY ist und bleibt eine starke Liveband, auch wenn man mit dem Stampfmetal natürlich nicht viel falsch machen kann. Aber Songs wie 'Heavy Metal Battlecry' oder 'Sword And Sorcery' sind einfach stark, machen Laune und haben zudem ausreichend Eier. Hannover ist wieder wach und mehr als bereit für den Headliner.
Setlist: Metal Law, Make Some Noise, Hail To Majesty, Thunder Rider, Heavy Metal Battlecry, Sword And Sorcery, Metal Union
[Marius Luehring]

Für POWERWOLF gibt es momentan nur einen Weg, und der führt steil nach oben. Das stellt nicht nur die gesamte zweite Ausgabe der Wolfsnächte-Tour unter Beweis, sondern vor allem auch der heutige Auftritt der Alphamännchen des bunt aufgestellten Rudels. Die Saarländer haben sich in den letzten Jahren sowohl generationsübergreifend als auch gerade bei jungen Fans einen großen Stein im Brett erspielt und sind auf dem besten Weg, den gleichen Erfolgsweg wie SABATON einzuschlagen. Man könnte auch sagen: die Headliner von morgen (Ich dachte, die headlinen die Tour heute schon? Ich nehme an, ihr meint auf Festivals. Da sind POWERWOLF aber sicher besser als SABATON. FJ). Auf lyrischer Ebene gehen Vampire, Werwölfe und Religion wie immer augenzwinkernd Hand in Hand und die Meute in der Faust reckt ausgelassen selbige und singt sich die Stimmbänder krumm. Doch dabei soll es nicht bleiben, denn innerhalb des Publikums gibt es, möglicherweise durch den Generationenunterschied bedingt, zwei unterschiedliche Auffassungen davon, wie man ein Konzert genießen sollte. Während den älteren Semestern und den traditionsbewussten jungen Fans mitsingen, Fäuste recken und headbangen reicht, wird direkt vor der Bühne bis zur Mitte des Saals gemoshed wie es sonst nur bei Extrem Metal-Shows üblich ist. Das missfällt nicht nur meinen Nebenmännern und mir, sondern auch Sänger Attila, der die raufende Menge dazu anhält, mal ein paar Gänge zurückzuschalten, damit niemand zerquetscht wird. Sehr löblich. Auf Jubel folgt Schweigen in der Gemeinde. Organist Falk nimmt die Spannung aus der Situation und verkündet, dass Attila heute Geburtstag hat. Die Fans bringen ihm ein ordentliches Happy Birthday-Ständchen, sodass mit 'Resurrection by Erection' und 'Coleus Sanctus' (dt.: heiliger Hoden) fortgefahren wird, ohne die obligatorische Frage auszulassen, ob denn auch alle Männer heute eine anständige Morgenlatte hatten. Ergebnis: Hannover hat mehrheitlich Stehvermögen. Weniger schön ist, dass man nicht um ein Drum-Solo herumkommt. Unnötig, immer und überall. Sei's drum, denn mit 'Kreuzfeuer', dem Überhit des aktuellen Chartbreakers "Preachers of the Night", geht es tadellos weiter und auch die Uh-Ah Mitsingspielchen bei 'Werewolves of Armenia' dürfen nicht fehlen. Attila und Falk teilen das Publikum dazu mittig und abwechselnd wird getestet, welche Seite den Dschinghis Khan besser drauf hat. Auch wenn Attilas Seite länger braucht, um in Fahrt zu kommen, einigt man sich schlussendlich auf ein Unentschieden. Im Anschluss dürfen wir uns noch die Weisheit 'Dead Boys Don't Cry' ins Poesiealbum schreiben lassen und bei 'We Drink Your Blood' mutieren auch alle Vegetarier zu Vampiren. Es folgt noch die dreiteilige groß gefeierte Zugabe aus 'Raise Your Fist, Evangelist', 'Saturday Satan' und 'In the Name of God ', bevor Attila sich von den Publikumsresonanzen äußerst gerührt zeigt und die Fangemeinde als große Heavy Metal-Familie lobt. So sieht es mal aus und so geht ein über weite Strecken toller Konzertabend zu Ende. Hoffentlich kann man bald wieder mit den Wölfen heulen.
Setlist: Lupus Daemonis, Sanctified With Dynamite, Prayer in the Dark, Amen & Attack, All We Need Is Blood, Sacred & Wild, Resurrection by Erection, Coleus Sanctus, Drum Solo, St. Satan's Day, Kreuzfeuer, Werewolves of Armenia, Dead Boys Don't Cry, We Drink Your Blood,  Lupus Dei
Encore: Prelude to Purgatory, Raise Your Fist, Evangelist, Saturday Satan, In the Name of God (Deus Vult)

[Arne Boewig]

 

Redakteur:
Arne Boewig

Login

Neu registrieren