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XIV DARK CENTURIES, URSCHREI, SKJALDAR - Hof

04.02.2019 | 21:15

19.01.2019, Wiesla Rock Club

Mit Pagan Black Metal der klirrenden Kälte trotzen.

Der Wiesla Rock Club ist mittlerweile in Hof leider so ziemlich die einzige Adresse, in der man regelmäßig Liveunterhaltung aus allen Bereichen der harten Gitarrenmusik geboten bekommt. Bereits seit den 80er Jahren veranstaltet das Team im Vereinsheim des FC Wiesla Hof Konzerte, bei denen alle Freunde der Rockmusik auf ihre Kosten kommen. Von Classic Rock über Hardcore bis hin zu Black- und Death Metal reicht das breite Spektrum. Dabei schaffen es die Veranstalter immer wieder, neben regionalen Bands auch einige bekanntere Kapellen an Land zu ziehen. MASTER, WELICORUS, CASKET, REBELLION, MYSTIC PROPHECY und viele mehr haben bereits die Bühne im Wiesla gerockt, und auch heute Abend steht mit der Pagan-Black-Metal-Truppe XIV DARK CENTURIES ein durchaus bekannter Name auf dem Programm. Das Vorprogramm bestreiten SKJALDAR (Pagan Black Metal) und URSCHREI (Black Metal), die beide aus Bayreuth stammen. Angesichts der frostigen –7 Grad in Hof ist diese Art von Musik natürlich absolut passend. Da ich selbst in Hof wohne, gestaltet sich die Anfahrt äußerst entspannt und so treffe ich nach wenigen Minuten Fahrtzeit bereits im Wiesla Rock Club ein, noch bevor die Heizung im Auto richtig warm geworden ist.

Musikalisch beginnt der Abend pünktlich um 21 Uhr mit SKJALDAR. Aufgrund des geringen Platzangebotes (maximale Besucheranzahl ist 120) gibt es keine Absperrung vor der Bühne, die auch nur wenig erhöht ist. Die Fans stehen also direkt vor der Band, was für ziemlich coole, familiäre Atmosphäre sorgt. Die Bayreuther Heiden habe ich bisher noch nie live erlebt, lediglich auf YouTube habe ich vorher in einige Songs reingehört. Der ungestüme Pagan Black Metal, den SKJALDAR auf das Hofer Publikum loslässt, scheint diesem wunderbar zu munden, denn mit Jubel wird zu keiner Zeit gespart. Die Musik der Bayreuther enthält auch viele melodische Passagen, gelegentlich werden sogar kleine Ausflüge Richtung Post Black Metal unternommen. Alles in allem ein eigenständiger Sound, der richtig Laune macht und sich vom Großteil der deutschen Pagan-Metal-Bands abhebt und dabei komplett ohne Keyboard auskommt. Zumindest live. Die Jungs haben bereits zwei Alben auf der Habenseite, die sollte man auf jeden Fall im Auge behalten. Nach 45 Minuten ist der Auftritt dann auch schon vorbei und die Band verabschiedet sich vom applaudierenden Publikum und beginnt mit dem Abbau.

Sehr angenehm finde ich im Wiesla Rock Club ja unter anderem, dass es einen Raucherraum gibt, den ich in der Pause aufsuche, nachdem ich mir zuvor an der Bar noch eine Hopfenkaltschale kredenzen lassen habe. Dort trifft man wie immer so manches bekannte Gesicht und so vergehen die etwa 30 Minuten des Umbaus inklusive Soundcheck relativ schnell.

Weiter geht es mit URSCHREI aus Bayreuth. Die Schwarzmetaller machen auch optisch einiges her, denn bis auf den Sänger sind die restlichen Bandmitglieder in schwarze Roben inklusive Kapuzen gekleidet, sogar die Gesichter sind komplett vermummt. Nur beim Drummer sind noch die Augen sichtbar. Sänger Felix hebt sich von dieser Maskerade etwas ab, denn er trägt ein relativ normales Outfit mit schwarzem Zylinder. Auf der Bühne wird zudem Weihrauch geräuchert, was man vor allem in den vorderen Reihen sehr stark riechen kann und dem Auftritt einen gewissen rituellen Charakter verleiht. Auch URSCHREI hat in der Anfangszeit noch Pagan Black Metal gezockt, mittlerweile ist die Band jedoch mehr von post-apokalyptischen Themen sowie der Verbindung zur Natur beeinflusst. Derzeit arbeitet die Truppe zudem am Nachfolger des bereits 2013 erschienenen Debütalbums "Dekadenz".

Musikalisch ist URSCHREI zwar größtenteils im Black Metal verwurzelt, aber die dargebotenen Songs offenbaren auch vielerlei andere Einflüsse. So enthalten viele Tracks neben der typischen schwarzmetallischen Raserei auch sehr verspielte Parts, die sich nicht nur wunderbar in die Lieder einfügen, sondern auch für eine dichte Atmosphäre sorgen. Auch die vielen melodischen Gitarrenspielereinen wissen zu gefallen und runden das stimmige Gesamtbild ab. Ein witziges Bild ergibt sich, wenn Gitarrist Marvin zwischen den Songs an seiner E-Zigarette zieht und den Dampf auspustet, was durch die Maskerade so aussieht, als würde er innerlich verbrennen. Mit 'Der Meister und sein Lehrllng' hat URSCHREI sogar noch einen neuen Song für das Hofer Publikum dabei, der auf dem kommenden Longplayer enthalten sein wird. Bevor sich die Band verabschiedet, bittet sie noch ein Mädchen auf die Bühne, welches die Jungs bei einer Zugabe am Bass unterstützt. Somit gibt es noch 'K.I.N.G.', eine Coverversion von SATYRICON. Danach ist endgültig Schluss und URSCHREI wird mit lautem Jubel vom Publikum verabschiedet.

Setliste: Intro; Wachanfall; Echo; Dekadenz; Apathie; Krankheit Mensch; Legion; T Minus 0 Sekunden; Der Meister und sein Lehrling; K.I.N.G.

Auch dieser Auftritt konnte mich begeistern, obwohl ich die Maskerade nicht unbedingt gebraucht hätte. Auf das zweite Album von URSCHREI bin ich jedenfalls sehr gespannt. Die Umbaupause fällt diesmal etwas länger aus, da der Headliner mit einer Truppenstärke von sechs Mann gerade noch so auf der kleinen Bühne im Wiesla Rock Club Platz findet.

Als die Pagan Metaller aus Thüringen alle Instrumente und Bandmitglieder erfolgreich auf der Bühne untergebracht haben, gibt es noch einen kurzen Soundcheck und dann legt XIV DARK CENTURIES mit 'Zeit der Rache' von der noch aktuellen Scheibe "Gizit Dar Faida" auch schon los. Diese hat mittlerweile auch schon acht Jahre auf dem Buckel und man kann den Thüringern auch nicht vorwerfen, dass sie in den letzten Jahren wie wild durch die Lande getourt wären. Umso mehr freut es natürlich das Publikum, dass XIV DARK CENTURIES sich nun endlich auch einmal im Frankenland blicken lässt. Tatsächlich zum ersten Mal, wie Sänger Michel verrät. Wie immer sind die Musiker traditionell gewandet und sogar eine minimalistische Bühnendeko in Form von mehreren Schilden hat noch am Rand der Bühne Platz gefunden. Im Rahmen einer Ansage sorgt Michel dann mit den Worten "Ist etwas eng hier. Na ja, wir sind auch einer mehr... und wir sind breiter" für einige Lacher im Publikum. Die Band macht aber das Beste aus der Situation und beschränkt die Bewegungen auf das Nötigste, dafür lassen die Thüringer lieber ihre Musik sprechen.

Und die hat es in sich. Es gibt einen bunten Streifzug durch die bisherige Diskographie von XIV DARK CENTURIES zu hören, ebenso hat die Band sogar einige neue Songs für die Hofer Fans im Gepäck. Als 'Runibergun' angekündigt wird, lässt Michel die Zuschauer wissen, dass es in dem Song zwar um Franken geht, diese aber bei der besungenen Schlacht von den Thüringern besiegt wurden. Den Fans ist das herzlich egal, der Song wird trotzdem mit lautem Jubel begrüßt. Trotz des geringen Platzangebotes haben die Thüringer sichtlich Spaß an der familiären Atmosphäre, die der Wiesla Rock Club bietet, so nah an den Fans dürfte die Band sonst selten sein. Micha lässt es sich auch nicht nehmen, zwischen den Songs immer wieder durch witzige Ansagen mit dem Publikum zu kommunizieren und für den einen oder anderen Lacher zu sorgen.

Als dann 'Bragarful' als letzter Track des Abends angekündigt wird und nach der Nummer der Applaus einfach nicht weniger wird und mehrere Zuschauer lautstark bekunden, dass 'Runibergun' nochmals gespielt werden soll, lassen sich die Thüringer nicht lange bitten und geben den besagten Song erneut zum Besten. Danach ist dann aber wirklich Schluß, die Band posiert noch für ein Gruppenfoto und bedankt sich beim Hofer Publikum, welches den Dank mit ausgiebigem Applaus erwidert. Den Abbau machen die Jungs wie bereits zuvor den Aufbau selbst. Die Fans bleiben noch für das eine oder andere Bier oder Gespräch und verlassen schließlich mit zufriedenen Gesichtern den Wiesla Rock Club.

Setliste: Zeit der Rache; Skithingi; Falsche Propheten; Runibergun; Firatan; Auf zur Schlacht; Svava; Julenzeit; Schlachtgesang; Ich bin das Feuer; Atme den Wald; Sunna; Donars Söhne; Skogafulka; Bragarful; Runibergun


Wieder einmal geht ein gelungener Konzertabend im Wiesla Rock Club zu Ende. Während XIV DARK CENTURIES noch mit dem Abbau beschäftigt ist, sorgt ein Stromausfall und demzufolge absolute Dunkelheit für kurze Panik, allerdings ist Sicherung Dank Taschenlampenlicht ebenso schnell wieder drin, wie sie rausgeflogen ist. Die drei Bands haben allesamt überzeugt und den Fans ein frühes Konzerthighlight im noch jungen Jahr 2019 beschert. Bleibt nur zu hoffen, dass dieses Jahr auch endlich das längst überfällige und mit Spannung erwartete neue Album der Thüringer Pagan Metaller erscheinen wird. Nach acht Jahren wird das langsam endlich mal Zeit.

Redakteur:
Hermann Wunner

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