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Y&T - 45th Anniversary - Burgrieden

04.11.2019 | 16:00

22.10.2019, Riffelhof

Die kalifornische Hardrock-Legende Y&T spielt zum 45. Jubiläum auch in Oberschwaben.

Dass Dave Meniketti auch nach fünfundvierzig Jahren nicht müde geworden ist, mit seiner kalifornischen Hardrock-Legende Y&T unermüdlich durch die Lande zu ziehen, und sich dabei auch in die kleineren Clubs der entlegeneren Gegenden wagt, das können wir dem Gitarrenhexer mit der klassischen Rockröhre gar nicht hoch genug anrechnen, ganz besonders vor dem Hintergrund nicht, dass Dave das letzte Gründungsmitglied seiner Band ist, das noch unter uns weilt, und seine Band mithin schon etliche Schicksalsschläge wegzustecken hatte. Die Fans wissen auch zu schätzen, dass dies keine Selbstverständlichkeit ist, und so begeben sich heute auch gut über zweihundert Leute in den Riffelhof zu Burgrieden, was für einen Werktag ein durchaus stattliches Häufchen ist, auch wenn der Riffelhof natürlich noch einigen Leuten mehr Platz geboten hätte.

Doch was das Publikum an schieren Zahlen nicht hergibt, das macht es locker wett durch seine spürbare Hingabe an die Band auf der Bühne, denn es scheint, als habe der Werktag die Spreu vom Weizen getrennt und wären wirklich vornehmlich langjährige und treue Fans am Start. Selten habe ich in einem schwäbischen Club eine solche Euphorie und Dankbarkeit im Auditorium erlebt wie heute Abend, denn schon bevor Y&T die Bühne betritt - eine Vorgruppe hat das Quartett nicht dabei - herrscht eine knisternde Atmosphäre, und als es dann dunkel wird und nacheinander Rhythmusgitarrist John Nymann, Drummer Mike Vanderhule, Bassist Aaron Leigh und zuletzt Frontmann Dave Meniketti die Bühne betreten, ist der Jubel euphorisch. Wenn man sich umschaut, sieht man nur glückliche Gesichter voller Vorfreude, denn die Leute glauben zu wissen, dass das heute nur toll werden kann.

Die Band macht dann auch schon beim Auftakt mit 'Hurricane' unmissverständlich klar, dass sie nicht gedenkt, heute auch nur einen Anwesenden zu enttäuschen. Das Quartett, das Dave Meniketti mittlerweile um sich geschart hat, harmoniert prächtig, hat sich ganz offensichtlich bei Catering ein paar Schippen extra Spielfreude schöpfen lassen und auch die Interaktion mit dem Publikum und die Laune auf der Bühne sind blendend. Von Anfang an tut sich vor allem Rhythmusgitarrist John Nymann als perfekter Entertainer hervor. Der große Blonde mit der wähenden Mähne und der Norwegerflagge am Revers der Lederjacke ist ein Motivationsmonster mit stets sympathischem Lächeln auf den Lippen, während Bassist Aaron Leigh heute als pumpendes und agiles Energiebündel im Jack-Sparrow-Look unterwegs ist und der Band zusammen mit dem ebenfalls unglaublich sympathischen Drummer Mike Vanderhule einen perfekt tighten Rock-Groove zimmert. Als es während des Konzertes dann doch zu einem kleinen Missgeschick kommt und Mikes Bassdrum ausfällt, wird die entstehende Pause professionell überbrückt, wie man es kaum besser machen könnte: Während Mike werkelt fragt Dave das Publikum kurzerhand, ob er nun was für uns singen solle, was natürlich begeistert bejaht wird. Also stellt sich Dave ans Mikro, stellt den cleanen Kanal seiner Gitarre ein und fängt an, eine improvisierte, quasi-akustische Version des 1982er-Volltreffers 'Don't Wanna Lose' zum Besten zu geben, in die dann nach und nach zaghaft Basser Aaron und Gitarrist John einsteigen. Als Mike kurz vor Schluss der Improvisation seine Bassdrum gerichtet hat, steigt auch er ein, und so hat uns ein technisches Missgeschick einen wirklich großen, einzigartigen Moment beschert, den sicher keiner der anwesenden Fans so schnell vergessen wird.

Das Rückgrat der Band steht - wie ihr den bisherigen Worten entnehmen könnt - also wie eine Eins hinter Dave Meniketti und der Meister kann mit dieser Unterstützung von Bandkollegen und treuen Fans im Rücken nach Herzenslust zaubern und verzaubern, und das tut er auch. Sein Gitarrenspiel ist virtuos und ergreifend, und nicht nur der Rezensent fragt sich an diesem Abend mehrfach, warum der gute Mann nicht öfters in aller Munde ist, wenn von den großen Gitarrenhelden der Hardrock-Szene die Rede ist. Egal, denn hier und jetzt ist Dave in seinem Element, er geht in seiner Musik auf, er lebt die Songs mit Leib und Seele, die Stimme ist wie eh und je und in seinen Soli versinkt er förmlich. Ein weiteres besonderes Lob darf man dem Y&T-Mastermind, dessen Frau und Managerin Jill Meniketti heute ihren Geburtstag feiert und die den Fans als Dank für den Applaus kurz über die Bühne zuwinkt, auch für die Songauswahl machen, denn es ist durchaus bemerkenswert, wenn eine Band, die fast ein halbes Jahrhundert auf dem Buckel hat und die über eine entsprechend umfangreiche Diskographie verfügt, wirklich restlos jedes Studioalbum mit mindestens einem Song bedenkt und so auch wirklich jedem Fan eine besondere Anerkennung für sein Lieblingswerk zuteil werden lässt.

Der Schwerpunkt der Setliste liegt naturgemäß bei den drei großen Klassikeralben der Jahre 1981 bis 1983, "Earthshaker", "Black Tiger" und "Mean Streak", die zusammen insgesamt zehnmal zum Zuge kommen und damit fast die Hälfte des Konzertes einnehmen, doch einen weiteren durchaus überraschenden Schwerpunkt bildet auch das ziemlich kommerzielle 1985er-Werk "Down For The Count", dessen Gassenhauer wie 'Summertime Girls' und 'Face Like An Angel' live im Jahre 2019 deutlich erdiger und rockiger wirken, als sie einst in den glamourösen Achtzigern ersonnen worden sind. Als wäre all das nicht schon großartig genug, macht uns die Band mit selten gespielten und überraschend gewählten Perlen wie 'Don't Be Afraid Of The Dark' vom 1990er-Album "Ten" oder dem Titelstück der "Contagious" von 1987 eine große Freude und vernachlässigt dabei aber auch nicht ihr ganz frühes Schaffen - sogar die ersten beiden Alben, die noch unter dem vollen Bandnamen YESTERDAY & TODAY firmierten, kommen mit je einem Stück zum Zuge - und ihr Spätwerk, denn auch von den letzten drei Alben "Musically Incorrrect", "Endangered Species" und "Facemelter" sind vier Stücke am Start, von denen das vom Publikum gefeierte 'I'm Coming Home' sogar das reguläre Set beschließen darf.

Dass die komplett begeisterten Zuschauer im Riffelhof lautstark nach Mehr verlangen, das überrascht niemanden, doch dass dieses doch überschaubare Publikum vehementer nach einer Zugabe fordert als so manches ausverkaufte Haus, das beeindruckt dann doch auch die Herren auf der Bühne, so dass diese sich nicht lumpen lassen und uns mit 'Sail On By' und 'Forever' ein gefühlvolles und großes Finale kredenzen. So sind sich am Ende aber auch wirklich alle Anwesenden gewahr, dass sie heute eine wirklich große und sympathische Band sehen durften, die bis in die letzte Reihe ausnahmslos alle packen konnte. Dass auch die Musiker einen wirklich guten Abend hinter sich gebracht haben, das wird klar, als eine gute halbe Stunde nach dem Gig die ganze Band sich nochmals unters Volk mischt und den geduldig wartenden Fans ihre Autogrammwünsche erfüllt. In dieser bestechenden Form wünschen wir uns alle, dass wir Dave Meniketti und Y&T noch sehr lange und sehr oft zujubeln dürfen, denn besser kann man klassischen Heavy Rock made in the U.S. of A. nicht zelebrieren. Danke dafür!

Setliste: Hurricane; Lonely Side Of Town; Don't Stop Running; Black Tiger; Come In From The Rain; Meanstreak; Midnight In Tokyo; Face Like An Angel; Anytime At All; Earthshaker; Don't Wanna Lose [improvisierte Version, cleane Gitarre, ohne Drums]; Struck Down; I Want Your Money; I Believe In You; Hang 'Em High; 21st Century; Contagious; Summertime Girls; Rescue Me; I'm Coming Home; Zugabe: Sail On By; Forever

Redakteur:
Rüdiger Stehle

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