Feuchtbiotop mit 100 Arten

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Re: Feuchtbiotop mit 100 Arten

Beitragvon Teichfrosch » Montag 13. Dezember 2010, 20:19

@Loenz: Sehr treffend beschrieben =) Und genau das macht auch den Charme der Musik aus... Das Album ist nicht durchkalkuliert und bis in die letzte Note durchkomponiert, sondern bewahrt sich seine urwüchsigen Beschaffenheit.

@Martin: Du wirst hier ja noch zum Dauergast :grins: Freut mich.

@Vaillant: Huch, sowas gefällt dir? Na damit hätte ich ja nicht unbedingt gerechnet. Aus der Richtung kommen noch ein paar mehr Alben, aber wenn du die Spielart an sich schon magst wirst du die warscheinlich schon kennen. Falls nicht: Ohren auf!

@Jhonny: Hast du nicht in Julians Thread geschrieben du hättest gedacht, Stoner wäre nur was für dämliche Kiffer? Also wenn du keine Kiffermusik magst dürfte das Album über mehr als die Hälfte der Spielzeit eher nicht so dein Jagdgebiet sein... Wäre natürlich schön, wenn du es trotzdem versuchst, und ausreden will ich es dir Weissgott nicht, aber es ist schon sehr psychedelisch und drogenbenebelt an vielen Ecken ;)


Nachdem ich jetzt den ganzen Tag an meiner Hausarbeit gesessen und nebenbei das Forum belagert habe wird es Zeit, dass ich noch ein Album reinstelle. Vielleicht auch zwei. Oder drei... Hmm! Wollte ja eigentlich bis zum Ende des Jahres durch sein mit dem Spaß... da muss ich wohl wiedermal die Schlagzahl erhöhen.


Platz LXXV

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Another Breath - The God Complex (2009)


Ein weiteres Hardcore Album, und auch hier findet man alle dazugehörigen Attribute: Songs die die 3 Minuten Marke selten überschreiten, Shouts und keine unnötig komplizierte Songsstrukturen. Etwas ungewöhnlich für Hardcore handelt es sich hierbei um ein Konzeptalbum rund um das Thema Glaube, Gott, Zweifel... Nur um das klar zu stellen, die Thematik ist nicht unbedingt ungewöhnlich, aber wirkliche Konzeptalben gibt es sehr selten - dafür bietet die Musik auch einfach zu wenig Spielraum aufgrund der meist geringen Länge der Songs und der vergleichsweise simplen Instrumentierung. In bequem portionierbaren 26 Minuten wird auf dem Album alles in Grund und Boden gebrüllt und mit Selbstzweifeln jeglicher Art aufgeräumt. Fast ein wenig schade ist, dass die Band auf ihren längsten Songs am besten ist, derer aber (logischerweise) nicht viele hat. Es fängt mehr als furios an mit dem Bomben-Opener "No God" welcher sich langsam steigert und sich zur Mitte hin zu einem der besten Hardcore Songs der letzten Jahre entwickelt, und danach lässt die Band nicht locker bis man mit dem grenzgenialen Schlusstrack "Eleventh Hour" nach guten 26 Minuten so richtig schön den Kopf gewaschen bekommen hat. Besonders positiv fällt mir ein ums andere Mal der gekonnte Dynamikwechsel auf, welchen die Band teilweise innerhalb eines Songs vollzieht - das ist kein stumpfer Prügelcore sondern moderner, fesselnder, perfekt umgesetzter Melodic Hardcore. Achja, der Shouter ist absolute Weltklasse.


No God - einer der besten Songs des Albums

I Want To Live - guter Song, ich hätte lieber andere genommen...


Wer mal in das ganze Album reinhören will, dem würde ich sehr "Makyo" oder "I Am The Messiah" ans Herz legen, insbesondere ersterer ist absolut infernalisch geil.
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Re: Feuchtbiotop mit 100 Arten

Beitragvon Teichfrosch » Montag 13. Dezember 2010, 23:06

Platz LXXIV


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Kylesa - Spiral Shadow (2010)


Ich habe anfangs gesagt, dass ich "neuere" Werke betonen würde. Dieser Linie bleibe ich treu :) Eigentlich dürfte so ein "junges" Album nämlich nicht in so einer Top100 auftauchen, aber da ich schon den Vorgänger in einer solchen eingebaut hätte und dieser ebenfalls "nur" von 2009 ist, habe ich mich für das neuste Werk der Band entschieden. Sludge ist Stilprägend für das Album, und wie es sich bei diesem Stil gehört ist es laut, mit betont matschigem Sound und wabernden Songstrukturen. Das Ganze gibt ein ziemlich schräges Gesamtkonzept, irgendwie habe ich immer das Gefühl, dass die Band teilweise bewusst unkonventionelle Tonfolgen verwendet um den Hörer zu überraschen und zu fordern. Vielleicht ist das aber auch nur Ausdruck ihres grundeigenen Stils und ich interpretiere da zuviel rein. So oder so, die Musik ist grade anfangs durchaus anstrengend, ich habe lange gebraucht um mich da "reinzuhören". Das liegt unter anderem am Sludgesound, aber zum anderen auch an der gewöhnungsbedürftigen Shouter/Sängerkombination, den zwei permanenten Drums die ordentlich Lärm machen, den Gitarren die mehr Klangtexturen erzeugen als Riffs zu verarbeiten... oder anders gesagt, es ist einfach schwierige Musik, die Aufmerksamkeit und Geduld erfordert. Wenn man sich aber durch das sperrige Gehölz durchgeschlagen hat lichtet sich dieses irgendwann, und eine fremde, seltsame, aber wunderschöne und höchst interessante Klanglandschaft bietet sich den Ohren an, sich an ihr zu laben. Eine der wenigen Metalbands, bei denen ich eine Frau am Mikrophon nicht als eher störend empfinde, dabei bin ich (glaube ich) kein Chauvinist, aber Männerstimmen sagen mir einfach mehr zu :)


To Forget - hier singt nur das Mädel.

Crowded Road - und hier shoutet nur der Knabe.

Spiral Shadow - Titeltrack und einzigartig schräg und genial, inkl. einem herrlich unkonventionellen und abgedrehten Solo.
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Re: Feuchtbiotop mit 100 Arten

Beitragvon Martin van der Laan » Montag 13. Dezember 2010, 23:12

Zu KYLESA: Läuft ganz gut rein, aber irgendwie haben mir da BONGZILLA und EYEHATEGOD mehr gegeben aus dieser Ecke.
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Re: Feuchtbiotop mit 100 Arten

Beitragvon Azmodes » Montag 13. Dezember 2010, 23:27

Ich als QotSA-Verehrer bin bei der Ankündigung des Geier-Debüts auch ziemlich feucht geworden, stürzte mich über die ersten Lieder und war auch angetan. Aber richtig Aufmerksamkeit zukommen lassen hab ich dem endgültigen Album dann nie so wirklich. Komisch eigentlich, da ich die Scheibe netterweise dann sogar zum Geburtstag geschenkt bekommen habe. Dem wird gleich mal oberste Priorität zugewiesen.

Martin van der Laan hat geschrieben:Zu KYLESA: Läuft ganz gut rein, aber irgendwie haben mir da BONGZILLA und EYEHATEGOD mehr gegeben aus dieser Ecke.

Das, was ich von Kylesa kenne, wütet für mich auch nicht ganz in dieser Ecke. Da wird viel flotter, verspielter und rockiger abgerifft als bei den erwähnten zwei Bands. Schön urig und ins Gesicht, aber doch mit System und Farbe. Baroness mit Eiern. Wer in die Spartenlade grabschen will, kann auch sagen, dass Kylesa vom Gesang mal abgesehen nicht mal wirklich Sludge sind. Abrasive Experimental Stoner Metal? Who cares. Traditionelle Südländerware oder bong-worshipping-doom jedenfalls nicht. Und geil allemal. Auch wenn ich erst mit den letzten zwei Alben vertraut bin.
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Re: Feuchtbiotop mit 100 Arten

Beitragvon Julian Rohrer » Montag 13. Dezember 2010, 23:34

KYLESA machen das, was sie machen, richtig gut. Die drei Songs haben mir gefallen.
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Re: Feuchtbiotop mit 100 Arten

Beitragvon Teichfrosch » Dienstag 14. Dezember 2010, 01:13

@Azmodes: BARONESS mit Eiern? Ich hoffe das soll nicht heißen, dass BARONESS schlecht sind oder keine Eier haben. Ähm, was soll das überhaupt heißen? :grins:
Nuja, QOTSA machen schon andere Musik, es ist nicht dasselbe, die VULTURES haben mehr Blues und Hardrock drin... aber wenn man QOTSA mag sollte man auch hier eigentlich ziemlich richtig liegen, allein schon wegen der unverwechselbaren Stimme, und soo weit ist es nicht von QOTSA weg.


Platz LXXIII


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Misery Signals - Controller (2008)


Es gibt sie noch, die wirklich guten Metalcorealben. MISERY SIGNALS sind schon eine Weile unterwegs, dies ist ihr neuster Output, und hiermit zeigen sie, wie spannend und gut Metalcore allen Unkenrufen zum Trotz sein kann. Dieses Album ist ein guter Beweis dafür, dass der Stil keineswegs nur sich selbst kopiert und still steht, dass Metalcore aus mehr besteht als aus einem zusammengestückelten Song bestehend aus Shouts, Cleanvocals und Breakdowns die in wahlloser Reihenfolge aneinandergefügt werden. Die Jungs aus den USA leisten hier ganze Arbeit hinsichtlich Songwriting, und auch andere Elemente heben die Platte angenehm von der Genrekonkurenz ab. Da ist zum einen, wie schon erwähnt, das quasi nicht vorhandene Breakdowngewichse, hier werden Breakdowns stimmungsvoll und immer sinnvoll eingesetzt. Weiterhin begeistern die ruhigen Passagen, atmosphärisch passend in die Songs eingewebt, und der scharfe Kontrast zwischen bemerkenswert tiefen Shouts des Sängers, welche schon fast eher wieder Growls sind, und den leichtfüßigen Melodien, welche sich durch das ganze Album ziehen. Natürlich bleibt es absolut erkennbar Metalcore, und wer mit dem Stil nichts anfangen kann wird auch hier nicht den heiligen Gral entdecken (der kommt weiter oben in dieser Liste), aber für aufgeschlossene Zeitgenossen, welche nicht AS I LAY DYING als die einzige tragbare Metalcore Kapelle ansehen, bietet sich hier ein phantastisches Album mit kraftvollen und ergreifenden Songs.


Parallels - geht eigentlich nur bis 3:42, kein Plan was die Überlänge mit ohne Ton aussagen soll.

Homecoming - Finaltrack und einer der besten Songs des Albums mit schönen, ruhigen Passagen.

Set in Motion - muss hier anstatt "A Certain Death" stehen, ist aber trotzdem ein bärenstarker Song.
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Re: Feuchtbiotop mit 100 Arten

Beitragvon Teichfrosch » Dienstag 14. Dezember 2010, 01:41

Das letzte für Heute. Mein Zeitplan drängt :)


Platz LXXII


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Enslaved - Axioma Ethica Odini (2010)


Na klar, die mussten kommen. Und auch hier wähle ich das überragende neuste Werk der norwegischen Schwarzheimer mit dem latenten Hang zur Progressivität, und kein älteres Album, aber man darf diesen Platz durchaus als stellvertretend für das Gesamtwerk dieser großen Band sehen. Zumindest der Redaktion dürfte es vom Soundcheck noch vertraut sein, und soweit ich das mitbekommen habe gibt es auch ansonsten so einige Anhänger dieser tollen Band, daher diesmal einfach Balsam für die Metalseele, welche ich in diesem Thread nach Herzenslust schände und piesacke, hehe. Tja, was soll man noch groß sagen was nicht schon gesagt wurde? Die OPETH des Blackmetal präsentieren sich so stark wie eh und je, möglicherweise sogar noch stärker als je zuvor, aber das wird die Zeit zeigen. Blackmetal gepaart mit progressiven Sounds, kraftvolle Riffs treffen wunderschöne Melodien, Gekeife und warme Cleanvocals stehen hier genauso gleichberechtigt nebeneinander wie Dissonanz und Harmonie und ergeben zusammen ein vielschichtiges, dichtes und fesselndes Gesamtkunstwerk.

Hörproben sind natürlich nur Appetithappen, solch ein Album genießt man am besten als Ganzes.

Giants - sehr mächtig... sehr gut!

Lightening - der Rausschmeißer, flott, abwechslungsreich, spannend, toll.
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Re: Feuchtbiotop mit 100 Arten

Beitragvon Chavo89 » Dienstag 14. Dezember 2010, 04:33

Teichfrosch hat geschrieben:Nuja, QOTSA machen schon andere Musik, es ist nicht dasselbe, die VULTURES haben mehr Blues und Hardrock drin... aber wenn man QOTSA mag sollte man auch hier eigentlich ziemlich richtig liegen, allein schon wegen der unverwechselbaren Stimme, und soo weit ist es nicht von QOTSA weg.


Naja, irgendwie schon. Ich bin seit Jahren QOTSA-Fan und die TCV-Platte hat mich nie sonderlich angesprochen. Nein, ich besitze sie nicht mal. Dabei mag ich von den Königinnen am Liebsten die "Songs for the Deaf", die dem Geier-Album am Nächsten kommen müsste. Ich kenne die CD nur von einem Kumpel und sie hat mich nie so gepackt, dass ich sie hätte kaufen müssen.
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Re: Feuchtbiotop mit 100 Arten

Beitragvon Jhonny » Dienstag 14. Dezember 2010, 10:09

Misery Signals klingt sehr überzeugend

Enslaved auch, wobei ich da bisher immer eher die 90er Scheiben spannender fand irgendwie.
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Re: Feuchtbiotop mit 100 Arten

Beitragvon Azmodes » Dienstag 14. Dezember 2010, 12:22

Teichfrosch hat geschrieben:@Azmodes: BARONESS mit Eiern? Ich hoffe das soll nicht heißen, dass BARONESS schlecht sind oder keine Eier haben. Ähm, was soll das überhaupt heißen? :grins:

Schlecht sindse nicht und in Sachen Behängung baumelt da unten sicher auch etwas. Im Vergleich zu Kylesa aber wohl glitzernde Weihnachtsikosaeder oder dergleichen. Will sagen, dass Kylesa direkter, dicker und weniger vertrackt werkeln, aber doch auch diese progressive sludgeoide Schiene befahren. Ohne damit zu sagen, dass sie stumpf wären natürlich.

Chavo89 hat geschrieben:
Teichfrosch hat geschrieben:Nuja, QOTSA machen schon andere Musik, es ist nicht dasselbe, die VULTURES haben mehr Blues und Hardrock drin... aber wenn man QOTSA mag sollte man auch hier eigentlich ziemlich richtig liegen, allein schon wegen der unverwechselbaren Stimme, und soo weit ist es nicht von QOTSA weg.

Naja, irgendwie schon. Ich bin seit Jahren QOTSA-Fan und die TCV-Platte hat mich nie sonderlich angesprochen. Nein, ich besitze sie nicht mal. Dabei mag ich von den Königinnen am Liebsten die "Songs for the Deaf", die dem Geier-Album am Nächsten kommen müsste. Ich kenne die CD nur von einem Kumpel und sie hat mich nie so gepackt, dass ich sie hätte kaufen müssen.

Ich hab sie mir gestern noch mal komplett eingeflößt und muss sagen, dass sie die typischen Homme-igen Momente besitzt, aber nicht durchgehend zu fesseln weiß. Einige coole Songs hat sie schon zu bieten, in meine hypothetischen Top100 würde sie jedoch nicht kommen. Time will tell. Maybe.
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