Bruderschaft des Todes - Vertrauen ist tödlich
- Regie:
- Mateo Gil
- Jahr:
- 1999
- Genre:
- Thriller
- Land:
- Spanien
- Originaltitel:
- Nadie conoce a nadie
1 Review(s)
15.06.2006 | 10:18Hintergrund
Mateo Gil ist ein gefeierter spanischer Drehbuchautor und Regisseur. Aus seiner Feder stammen unter anderem Filme wie "Tesis", "Abre los ojos" (der 2001 von Cameron Crowe mit "Vanilla Sky" sein US-Remake bekam) und der weltweit gefeierte "Mar adentro" (dt.: "Das Meer in mir").
Seinen gefeierten Drehbüchern stehen gute, wenn auch nicht überragende Regiearbeiten gegenüber. Bei seinem 1999er Film "Nadie conoce a nadie" (dt.: "Bruderschaft des Todes") adaptierte Gil einen Roman von Juan Bonilla.
Handlung
Karwoche in Sevilla - auf den Straßen herrscht Trubel, überall laufen die Planungen für den großen Festumzug, alle sind im religiösen Fieber. Alle, außer Simón Cárdenas (Eduardo Noriega) und sein Mitbewohner Sapo (Jordi Mollà, "Blow"). Während Sapo im Uni-Stress steckt, bemüht sich Simón, seinen ersten Roman fertig zu stellen. Leider hat er seit längerer Zeit eine Schreibblockade und verdient sich in der Zwischenzeit mit dem Erstellen von Kreuzworträtseln seinen Lebensunterhalt.
Eines Tages hört Simón eine mysteriöse Nachricht auf dem Anrufbeantworter, die ihn dazu auffordert, das Wort "Adversario" (dt.: Gegner) in seinem nächsten Kreuzworträtsel zu verwenden. Dieses Wort markiert den Beginn eines widerwärtigen Spiels, in das Simón verstrickt wird. Irgendwer nutzt die Festtage, um ein teuflisches Rollenspiel zu spielen, in dem echte Opfer zu beklagen sind. Nicht nur ein mit Simón befreundeter Pastor stirbt auf grausame Art und Weise - von nun an liegt es an ihm, das Spiel zu spielen und eine Katastrophe bei den Festumzügen zu verhindern.
Simón hat keine andere Wahl …
Kritik
Zu allererst: Wer hat sich diesen dämlichen deutschen Titel ausgedacht??? Aus dem spanischen "Nadie conoce a nadie" (ungefähr: Niemand kennt niemanden) wurde "Bruderschaft des Todes". Dieser deutsche Titel ist mehr als irreführend, da er nichts mit der Filmhandlung gemein hat. Passt der spanische Titel noch perfekt zur Handlung, suggeriert der deutsche Titel einen Mönch-oder-sonst-was-Thriller.
Davon mal abgesehen, liefert Mateo Gil hier einen guten und intelligenten Thriller ab, der ganz im Zeichen von "The Game" steht. Dreht sich zu Beginn alles um Religion und das fast schon zu belächelnde Verhältnis der beiden Protagonisten zum Glauben, dreht sich das Blatt nach dem ersten Drittel komplett in Richtung reales Rollenspiel und nutzt die Religion nur noch als Rahmen. Natürlich sticht bei der Handlung ein wenig Religionskritik heraus (der Antagonist bezeichnet sich als den Teufel), die aber lediglich eine Nuance zum Film beiträgt. Im Mittelpunkt stehen Simón (Spaniens Liebling Eduardo Noriega) und sein Gegenspieler (dem man nach gut der Hälfte mit Gewissheit begegnet) und ihr Spiel.
Schnell kristallisiert sich eine terroristische Gruppe heraus, welche die Umzüge als Trittbrett für ihre perfiden Pläne nutzt. Einzelne Charaktere werden gegen Simón ausgespielt, bis sich am Ende das Puzzle komplett ergibt und die einzelnen Beziehungen klar sind. Leider kränkelt der Film in dieser Hinsicht ein wenig, da einige Charaktere aufgesetzt und unnütz erscheinen. Sinnbildlich hierfür ist die Rolle der María (Natalia Verbeke), da die Handlung, die sich um diesen Charakter strickt, deutlich mehr hergegeben hätte, als es sich am Ende letztlich ergibt. Zudem gibt es in diesem Zusammenhag leichte Einbußen bei der Glaubwürdigkeit.
Weiterhin gibt es einige Sequenzen, die eigenartig wirken, andere, die schlicht überflüssig sind, da sie die Handlung nicht weiter vorantreiben. Hier sei die Laser-Hetzjagd durch die Gassen Sevillas zu nennen, die zwar innerhalb der Handlung durchaus logisch erscheint, beim ersten Sehen aber leicht unfreiwillig komisch rüberkommt.
Nichtsdestotrotz ist die Story sehr schön durchdacht, überrascht mit einigen Twists & Turns, und mündet in ein grandioses Ende, das ganz im Stil von "Abre los ojos" mehr Fragen aufwirft, als dass es Antworten liefert.
Eine weitere Stärke des Films ist der wirklich gute Score von Alejandro Amenábar, dem Regisseur von "Mar adentro" und Lieblingsabnehmer von Gils Drehbüchern. Amenábar ist ein weiteres spanisches Multitalent, da er wie Gil Drehbücher schreibt, immer selbst den Score zu seinen Filmen liefert und zudem noch Regie führt. Seine Arbeit an "Nadie conoce a nadie" ist eine wunderschöne und immer passende Komposition aus typischen Mystery/Thrillerklängen, mit einer Spur klassischer, spanischer Musik. Die Stimmung wird auf Grund der Klänge sehr gut unterstützt, Dynamik an den passenden Stellen eingestreut, Verwirrung an anderen sehr gut gestiftet. Und auch bei der Regie gibt es kaum etwas zu meckern. Schöne Kameraeinstellungen und ein guter Schnitt, der immer zur richtigen Zeit leichte Verwirrung stiftet, fesseln an den Schirm.
Die darstellerischen Leitungen sind recht zwiespältig ausgefallen, was vor allem an Eduardo Noriega liegt. Der Frauenschwarm spielt sehr emotionslos und stellenweise arg langweilig, ohne einen richtigen Höhepunkt zu liefern. Somit hätte man die Hauptrolle ruhig austauschen können, ohne dass der Film darunter gelitten hätte. Im Gegensatz dazu steht Jordi Mollà, der eine überragende Leistung abliefert. Emotional, verstörend, clever- einfach brillant. Die Nebenrollen sind gut besetzt, gerade die weiblichen Parts wissen zu gefallen. Sowohl Natalia Verbeke (María) als auch Paz Vega (Adriadna) machen ihre Sache gut.
So bleibt am Ende ein guter Thriller, der deutlich nachvollziehbarer als Hollywoods "The Game" wirkt und über 103 Minuten zu unterhalten weiß.
Die DVD
Das Bild (1.33:1) ist überaus durchschnittlich. Die Farben wirken zwar natürlich, sind aber leicht blass, der Schwarzwert ist ebenso mittelprächtig. Helle Flächen überstrahlen leicht, Details gehen ebenfalls stellenweise verloren. Ein Hintergrundrauschen ist ständig präsent, leichte Treppchenbildung ist auch auszumachen. Hierfür zeigt sich in erster Linie die schwache Kompression verantwortlich.
Der Ton steht dem Bild in seiner Durchschnittlichkeit in nichts nach. Es befinden sich zwei Tonspuren auf der Disc, DD2.0 stereo in deutscher und spanischer (original) Sprache. Beide Spuren bieten eine gute Sprachverständlichkeit, wobei die deutsche Spur ein wenig lauter wirkt. Das spanische Original wirkt natürlicher, wenn die Unterschiede auch nicht so gravierend sind. Ein 5.1-Mix wäre sehr wünschenswert gewesen, da der grandiose Score bei räumlicher Ausbreitung sicherlich wesentlich imposanter rübergekommen wäre.
Die Extras komplettieren das durchschnittliche Bild der DVD. Kernstück ist ein knapp 20-minütiges Making-of, das neben zahlreichen Filmausschnitten interessante Infos zum Dreh und zu den Beteiligten liefert. Ferner gibt es einen deutschen und einen spanischen Filmtrailer, TV-Spots und Texttafeln zum Regisseur und den Darstellern. Abgerundet wird das Extras-Paket mit der üblichen Epix-Trailershow.
Fazit
"Nadie conoce a nadie" ist ein schöner, spannungsgeladener Thriller, der mit seiner intelligenten und stimmungsvollen Geschichte zu gefallen weiß. Zwar gibt es einige kleinere Patzer (Hauptdarsteller, unnötige Handlungsfäden, die nicht richtig zu Ende gesponnen werden), die aber alles in allem den Filmgenuss nicht zu sehr trüben. Es bleibt ein guter Genrebeitrag aus Spanien, der vor allem mit seinem sehr schönen Ende einen gelungenen Film abrundet. Wer David Finchers "The Game" mochte, Fan des neuen, spanischen Kinos ist oder einfach einen guten Thriller sehen möchte, ist hier richtig.
- Redakteur:
- Martin Przegendza