FRAYLE: Interview mit Gwyn und Sean

09.01.2026 | 14:56

"Es ist eher so, als würden zwei unterschiedliche Energien auf authentische Weise aufeinandertreffen, ohne dass wir uns Gedanken um die Außenwelt machen."

Ich habe mich mit Gwyn Strang und Sean Bilovecky von FRAYLE zum Interview verabredet. Als ich die Band auf dem SUMMER BREEZE OPEN AIR im Sommer gesehen habe, empfand ich eine - stil-bedingte – Kühle und Distanz, beim Interview erwarten mich aber zwei sehr nette und aufgeschlossene Menschen. Nachdem wir uns zuerst über die enormen Distanzen in den USA – die beiden hatten eine 38-stündige Autofahrt zu einem Auftritt vor sich – unterhalten haben und sichergestellt wurde, dass Seans Tochter einen vernünftigen Snack hat – es gab Butterbrot und Banane – kommen wir endlich auch auf die Musik zu sprechen. Wir sind nämlich zusammengekommen um über das aktuelle FRAYLE-Album "Heretics and Lullabies" zu reden. Eingeläutet wird unser Interview dadurch, dass ihre Katze durchs Bild läuft und fast ein Wasserglas runterschmeißt.

Sean: So, unsere Katze ist bereit für das Interview.

Perfekt. Dann fangen wir doch mal an: Könntet ihr euch und eure Musik bitte kurz vorstellen, für all unsere Leserinnen und Leser, die euch noch nicht kennen?

Gwyn: Ja, ich bin Gwyn.

Sean: Und ich bin Sean. Und wir sind … FRAYLE.

Und wie würdet ihr eure Musik jemandem beschreiben, der sie noch nicht kennt?

Sean: Also, wir sagen normalerweise "Wiegenlieder über Chaos". Stellt euch die härteste, langsamste, schleppendste Band vor, die euch einfällt, wie CROWBAR. Und dann mischt das mit einer sanften Stimme wie bei PORTISHEAD oder etwas sehr Zerbrechlichem und setzt das zusammen. Und das ist dann FRAYLE.

Das Thema "Wiegenlieder über Chaos" ist also eure Vision. Was genau meint ihr damit?

Gwyn: Ich denke da an die Zerbrechlichkeit, wie wenn einem aus einem dunklen Raum eine unheimliche Person ein Wiegenlied vorsingt und einen damit anlockt. Und dann erzeugt Sean mit seinem Gitarrensound das Chaos und...

Sean: ...darüber lege ich das Härteste und Unheimlichste, was uns einfällt. Es ist mehr eine Atmosphäre als Riffs. Wir versuchen immer, eher an Emotionen und Gefühle zu denken als an strukturierte Riffs oder Melodien. Manchmal entstehen dabei Melodien, manchmal nicht. Zumindest nicht musikalisch. Aber es ist ein Zusammentreffen dieser beiden Aspekte, das sich aus dem Prinzip ergibt: Ich sage ihr nicht, was sie tun soll. Sie sagt mir nicht, was ich tun soll. Diese Dinge entwickeln sich einfach von selbst. Und sie treffen aufeinander.

Und ich glaube, deshalb lässt sich FRAYLE so schwer einordnen, weil wir nicht zusammenarbeiten, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen. Es geht einfach darum, ob es sich richtig anfühlt. Und was sich nicht richtig anfühlt, wird geändert. Und so entwickelt sich die Band und der Sound.

Es sind also im Grunde Wiegenlieder, die Albträume auslösen.

Gwyn: Das gefällt mir. Ja, das ist gut.

Sean: Ja. Aber dann durchlebt man diesen Albtraum, und hoffentlich kommt man dann irgendwie wieder davon los.

Du hast gerade gesagt, dass ihr beim Musikmachen im Grunde nicht zusammenarbeitet. Wie können wir uns den kreativen Prozess dann vorstellen?

Sean: Also, ich versuche, etwas zu schaffen – Musik ist für mich immer wie Medizin. Ich versuche, eine Art Dämon oder Schmerz auf einer leeren Leinwand zu verarbeiten. Wir haben dafür ein Studio im dritten Stock, was ein echter Segen ist. All diese Verstärker, Synthesizer und alles, was ich sonst noch brauche, um diese Grundlage zu schaffen. Und im Laufe unserer Karriere ändern sich meine Methoden, wie ich die einzelnen Elemente kombiniere, ständig, aber ich mache nichts, wo ich konkret denke: "Oh, sie wird diesen Refrain darüber singen können", oder irgendetwas, was man normalerweise beim Songwriting macht. Es ist einfach eine leere Leinwand, auf der pure, authentische Emotionen oder Schmerzen zum Vorschein kommen. Und wenn das dann ungefähr zu einem Drittel fertig ist, kommt sie dazu und gibt ihren Teil dazu.

Gwyn: Und dann schreibe ich so eine Art Gesangsskizze darüber, und dann setzen wir uns zusammen und überlegen: "Okay, was gefällt mir daran? Was gefällt mir an meinem Part? Was gefällt mir an Seans Part?" Und dann entwickeln wir so eine Art grobes Arrangement.

Sean: Ja, die Arrangements entstehen gemeinsam, weil wir uns dann denken: "Oh, den Refrain sollten wir nochmal spielen", oder "Den Part haben wir schon zweimal gehört. Das ist nicht nötig." Deshalb haben wir nicht immer alle Refrains dreimal in unseren Songs, weil wir das Gefühl haben, dass die Stimmung schon da ist. Dass wir das schon kennen und es Zeit ist, weiterzumachen. Sonst würde es sich zu sehr nach Song anhören, zu "songy".

Gwyn: So tasten wir uns voran und kurz vor Ende kommen die Texte. Dann fragen wir uns: "Was löst das in mir aus? Worum soll es in diesem Song gehen?" Ich habe da so eine Art Bibliothek mit Hunderten von Riffs und Hunderten von Textfragmenten. Normalerweise schaue ich mir die an und überlege, ob da vielleicht ein guter Baustein für diesen Song dabei ist. Manchmal läuft es dann einfach, manchmal ist es ein Kampf, genau das auszudrücken, was ich im Song vermitteln will. Aber ja, die einzelnen Schritte sind immer getrennt. Wir arbeiten an den einzelnen Dingen und bringen sie dann zusammen.

Sean: Ja, ich glaube, deshalb lässt sich FRAYLE so schwer in eine Schublade stecken, weil wir nicht so sind wie: "Hey, wir sind eine Band dieser Art, lasst uns das zusammen machen." Es ist eher so, als würden zwei unterschiedliche Energien auf authentische Weise aufeinandertreffen, ohne dass wir uns Gedanken um die Außenwelt machen.

Und ich glaube, das macht es auch für uns so spannend, weil wir nie wissen, was als Nächstes passiert. Und das macht es schwierig, die Band in eine Schublade zu stecken, denke ich, was mir aber nichts ausmacht. Hoffentlich bleibt dadurch alles authentisch, sodass wir selbst richtig begeistert davon bleiben. Und wenn wir begeistert sind, dann denken wir uns: "Okay, wenn es der Welt gefällt, gut, wenn nicht, auch gut, wir sind trotzdem von unserer Arbeit überzeugt."

Mir ist aufgefallen, als ich das Album gehört habe, dass vieles in Richtung Doom geht, aber dann gibt es auch Passagen, die an Pop-Metal, so radiotauglichen Metal, grenzen.

Sean: Nu Metal.

Gwyn: Ja, absolut. An all das denken wir beim Songwriting aber nicht.

Es fühlt sich einfach richtig an. Wir haben dann einfach das Gefühl, dass wir hier oder dort noch etwas mehr Wumms brauchen. Ich denke, es ist auch eine Art Verschmelzung. Er ist eher mit härteren Sachen aufgewachsen, und ich eher mit Gothic Industrial, was an sich schon etwas kommerzieller ist. Bands wie THE CURE und so.

Sean: Ja, aber ich bin auch mit Dingen aufgewachsen, welche mich am meisten beeinflusst haben, die ich nicht lange suchen musste. Ich denke, daher kommt vielleicht der Pop-Metal oder die Zugänglichkeit, denn so habe ich die Zusammenhänge in der Musik erkannt, die mir geholfen hat. Diese zugänglicheren Sachen. Und als ich älter wurde, musste man tiefer graben, um in neue musikalische Einflüsse reinzukommen.

Es gibt also Elemente von beidem, aber ich werde meine Gefühle nie verleugnen. Ich bin immer noch von Dingen beeinflusst, die man nicht lange suchen muss, aber genauso von Dingen, für die man wirklich tief graben muss. Es ist so, als ob all diese Dinge irgendwie zusammenkommen. Wenn ich es spüre, werde ich es nie infrage stellen und sagen: "Oh, das war zu einfach" oder "Das ist zu weit weg und zu seltsam".

Es ist eher so: "Nein, es fühlt sich richtig an. Also machen wir es einfach." Setz dir keine Regeln, wenn du deine Kunst erschaffst.

Apropos Zugänglichkeit: Ihr spielt ja auch ab und zu Coverversionen. Ihr habt zum Beispiel 'Ring Of Fire' gecovert, und als ich es zum ersten Mal hörte, brauchte ich nen Moment, bis ich dachte: "Ach, das Lied kenne ich doch!". Für "Heretics and Lullabies" habt ihr LANA DEL REY gecovert. Warum gerade diesen Song?

Gwyn: Wir wussten, dass wir ein Cover wollten. Wenn wir uns entscheiden, ein Album zu machen, arbeiten wir normalerweise ein paar Songs aus, grenzen die Auswahl dann ein und nehmen die besten als Demo auf. Wir lieben Lana. Sie ist die Königin der Melancholie. Deshalb war es für mich ganz natürlich, einen ihrer Songs zu nehmen.

Sean: Meine Tochter und ich waren gerade in Kalifornien, im Yosemite-Nationalpark. Wir saßen viel im Auto, und ich habe sie die ganze Zeit die Musik wählen lassen. Und so lief bei uns viel LANA DEL REY. Also war das irgendwie im Hinterkopf. Und als wir dann die Songs als Demos aufgenommen haben, war das einer davon. Und bei dem Song hat einfach alles am schnellsten gepasst.

Und dann, als wir mit unserem Produzenten Aaron Chaparian zusammengearbeitet haben, meinte er, das sei der erste Song gewesen, der fertig abgemischt war. Und er hatte vor den ersten Refrain eine Pause reingesetzt, wo Gwyn tief durchatmet. Und wir dachten: "Wie hätten wir das nicht machen können?" Es war großartig.

Gab es ein übergreifendes Thema für das Album? Ihr habt ja gesagt, dass ihr schon so viele verschiedene Einzelteile in eurer Sammlung habt. Habt ihr da einfach welche ausgewählt oder gab es ein Thema, an dem ihr euch orientiert habt?

Sean: Musikalisch gesehen ist es für mich einfach das, was wir für am stärksten halten und was uns inspiriert. Ich merke, dass es immer dann schiefgeht und die ursprüngliche, ungebundene Ausdrucksabsicht zerstört, wenn ich versuche, meinen kreativen Prozess oder die Zusammenarbeit mit anderen einzuschränken. Wenn ich zu viele Vorgaben mache, verfehlt das seinen Zweck. Deshalb versuche ich, das komplett zu vermeiden.

Ich habe gerade erst gelernt, dass es für mich persönlich am besten funktioniert, wenn ich mich überhaupt nicht selbst beschränke. Ich hatte eine Lehrerin – Gwyn und ich, wir waren beide auf verschiedenen Modeschulen – und sie meinte damals in einem Zeichenkurs: "Ich hasse Papier, weil es eine Kante hat. Es hat einen Endpunkt. Ich wünschte, Papier wäre unendlich groß, damit man sich beim Zeichnen nicht einschränken müsste." Und so sehe ich das im Grunde bei allem, was ich kreativ mache. Ich will einfach keine Grenzen.

Als ich "Heretics and Lullabies" das erste Mal hörte, saß ich in der U-Bahn und dachte: "Das ist der falsche Ort, um das neue FRAYLE-Album zu hören." Es hat überhaupt nicht funktioniert. Deshalb wollte ich euch fragen, was eurer Meinung nach der beste Ort wäre, um das Album zum ersten Mal zu hören. Und da wir das Thema vorhin hatten: Was würdet ihr dazu essen und trinken?

Gwyn: Also, ich denke, ein dunkler Raum mit vielen Kerzen ist immer noch meine erste Wahl, um neue Musik zu hören, besonders Musik, die Emotionen wecken soll. Ich möchte wirklich, dass man sich vollkommen darauf einlassen und alle Ablenkungen von außen ausblenden kann. Zum Essen: ein Glas Rotwein und Schokolade.

Sean: Ja, sie hat immer Schokolade da.

Gwyn: Ja, immer Schokolade.

Zartbitter- oder Vollmilchschokolade?

Gwyn: Vollmilchschokolade. Ich weiß, sie ist nicht so gesund, aber sie schmeckt einfach so gut.

Da stimme ich dir vollkommen zu. Das ist doch das perfekte Rezept für einen gemütlichen Winterabend.

Gwyn: Ja, absolut perfekt.

Rotwein, Schokolade, Kerzen und das neue FRAYLE-Album. Apropos Album: Das gesamte Grafikdesign ist wirklich etwas Besonderes. Die Farbe Rot spielt eine große Rolle, sowohl im Album als auch auf dem Cover. Soweit ich weiß, war die Farbwahl sehr bewusst und gezielt.

Sean: Wir haben von Anfang an unsere Fotos und Videos selbst gemacht und machen das auch weiterhin. Wenn es also um die eigentliche Content-Erstellung und die Dreharbeiten geht, filme ich normalerweise selbst oder, falls ich selbst vor der Kamera stehen muss, übernimmt ein Freund das Video.

Wir drehen also die Videos und machen die Bilder, aber beim Grafikdesign und Layout sind wir nicht so gut. Also haben der Schlagzeuger auf dem Album, John Morgan, und seine Frau, Jen Pierce, das Foto für das Cover genommen und es komplett rot eingefärbt. Sie haben auch Details hinzugefügt, wie zum Beispiel, dass das Herz, das sie herauszieht, hervorspringt, die Krone glitzert und ein paar Tränen zu sehen sind. Ein Freund von mir, Ron Crutch, hat dann das Layout für das Logo erstellt, weil wir uns vorher nicht sicher waren, wo es hinkommen sollte. Nachdem Jen die rote Farbgebung vorgenommen hatte, habe ich für das Innenmaterial einfach unsere anderen Fotos genommen und sie rot gefärbt.

Gwyn: Wir wussten, dass das Album rot werden sollte. Es musste rot sein. Aus irgendeinem Grund hatte ich seit dem letzten Album "Skin Is Narrow" eine sehr klare Vorstellung davon, wie dieses Album ästhetisch aussehen sollte. Ich sagte: "Nein, nein, es muss rot sein. Wir müssen alles rot färben." Und die Albumcover erzählen eine Geschichte, und dieses hier ist sozusagen der Höhepunkt von allem. Ich glaube also, dass das Cover im Grunde schon lange vorher feststand.

Und aus irgendeinem Grund hatte ich eine sehr klare Vorstellung davon, wie alles aussehen sollte. Ich wusste ganz genau dies und das und jenes – und Rot.

Sean: Und dann war es meine Aufgabe, herauszufinden, wie ich das umsetzen konnte.

Und das Bild auf dem Albumcover soll doch auch eine Göttin darstellen, wenn ich mich nicht irre?

Gwyn: Eine Gottheit, ja.

Sean: Ja, was gewissermaßen eine Weiterentwicklung aller Cover ist. Für unsere "White Witch"-EP haben wir eine Kettenmaske aus dem Baumarkt gebastelt, ein Stück Kette abgeschnitten und sie Gwyn aufgesetzt. Und unbewusst war das der Beginn einer Entwicklung sowohl der Cover als auch von Gwyns Vorliebe für Gesichtsschmuck.

Wie hat sich diese Sache mit dem Gesichtsschmuck entwickelt? Wie sah da der kreative Prozess dabei aus?

Gwyn: Ich hatte ursprünglich für das Cover von "White Witch" ein Gefühl, welches mich antrieb. Da gab es keine bewussten Gedanken zu, sondern eine Art innerer Antrieb.

Ich glaube, ich musste unbewusst eine Maske tragen, um mein Gesicht zu verdecken. Wenn ich zurückblicke und analysiere, was damals los war, war ich sehr unsicher beim Singen und definitiv nicht selbstbewusst, sehr schüchtern, sehr introvertiert. Und ich denke, das spiegelt das wider, es repräsentiert jemanden, der versucht, sich irgendwie selbst zu unterdrücken oder tatsächlich unterdrückt wird.

Ich denke, daher kommt das. Heute, mit dem Gesichtsschmuck... die Lieder und die Texte, die ich schreibe, sind sehr, sehr persönlich, und ich bin sehr, sehr, sehr verletzlich, wenn ich diese Sachen singe. Es erlaubt mir also, einen Teil von mir selbst zu verbergen oder zu bewahren. Es fühlt sich an, als würde ich mich ein wenig verstecken und maskieren, sodass ich das tun kann, ohne mich extrem nackt oder verletzlich zu fühlen. Ich sage immer, die Person, die die Songs schreibt, ist nicht die Person, die auf die Bühne geht und sie singt. Es muss einen Unterschied geben, damit man aus sich selbst heraustreten und das Ganze so präsentieren kann, dass man dabei nicht innerlich zerbricht.

Sean: Ja, und das hat auch coole Nebeneffekte. Wir haben auf unserem ersten Festival in Tschechien gespielt, und da kamen Mädchen mit ihren eigenen Versionen von Gwyns Gesichtsschmuck und standen ganz vorne. Es ist echt toll zu sehen, wie die Fans das auch aufgreifen. Es ist immer wieder aufregend, so etwas zu erleben.

Ich meine, als Fotograf schätze ich solche Dinge immer, weil sie so unverwechselbar sind. Es ergibt einen richtig coolen Look.

Sean: Ja. Und das war nicht geplant, wir sind einfach darüber gestolpert, und es hat sich authentisch angefühlt, also haben wir einfach weitergemacht. So ist das meiste bei FRAYLE. Wir setzen uns da keine Grenzen, aber wenn wir etwas finden, das uns gefällt, machen wir einfach weiter.

Wenn ich mich nicht irre, habt ihr euch vor ungefähr zehn Jahren kennengelernt, aber die Band hat vor acht Jahren als Weihnachtsgeschenk angefangen.

Sean: Ja genau. Ich hatte kurz zuvor mit dem Trinken aufgehört und hatte so viel Energie, mit der ich nichts anzufangen wusste. Also wollte ich wieder aufnehmen, aber mein ganzes Zeug hat irgendwie einfach nur rumgelegen. Ich hatte hier und da eine Gitarre und habe einfach so rumgespielt und Gwyn hat mir dann zu Weihnachten Logic geschenkt, eine Aufnahmesoftware.

Und das Tolle an Logic ist, dass man es nach dem Kauf einfach hat. Man muss nicht für Updates bezahlen. Die sind kostenlos, und das ist einfach genial - so sollte jede Software sein. Jedenfalls hat es meine Liebe zum Aufnehmen und zur Musik wieder richtig entfacht. Und deswegen musste ich Gwyn dann quasi zum Singen überreden.

Dieses Logic-Geschenk war also der eigentliche Anstoß für FRAYLE, weil ich sie immer wieder in der Badewanne singen hörte. Und ich meinte dann: "Hey, komm schon her!" Und sie so: "Nein, nein, nein, nein, das mache ich nicht."

Also habe ich als Erstes den PORTISHEAD-Song gecovert. Der war auch auf unserem "White Witch"-Album, weil er sich für sie vertraut anfühlte. Er kam ihr bekannt vor. Und dann hat sie mich quasi 16 Kilometer weit weggeschickt...

Gwyn: Geh. Verschwinde aus dem Haus.

Sean: ...und ich habe ihr beim ersten Singen nicht zugehört.

Und so fing FRAYLE an.

Wann sehen wir euch denn wieder in Europa?

Sean: Das wissen wir noch nicht.

Wir wären fast im November wieder dort gewesen. Aber wir sind eine kleine Band mit großen Booking-Agenturen, die uns immer ganz hinten anstellen. Ich weiß, dass sie daran arbeiten, uns wieder dorthin zu bringen. Und wir haben vor Kurzem auch wieder die Booking-Agentur in Europa gewechselt. Unser Manager und die Booking-Agentur versuchen also beide, uns so schnell wie möglich wieder dorthin zu bringen. Aber wir wissen es noch nicht genau. Ich glaube aber, es wird bald soweit sein. Das Booking für die US-Tour mit DOGMA ging auch binnen wenigen Wochen über die Bühne. Es hat sich alles gefügt.

Gwyn: Wir sind normalerweise eher spontan.

Sean: Und das machen wir gerne.

Manchmal also ein halbes Jahr im Voraus. Manchmal nur zwei Wochen.

Sean: Oder ein Jahr. Früher haben wir Touren ein Jahr im Voraus gebucht. Aber jetzt können diese Agenten das einfach so regeln. Also lassen wir uns darauf ein. Wir sagen immer, wir versuchen, flexibel zu sein wie Wasser. Einfach nehmen, was kommt.

Wo wir grad beim Touren sind, zum Schluss noch eine Frage: Nennt mir bitte jeweils eine Band, mit der ihr gerne auf Tour gehen würdet, entweder als Vorband oder als Headliner. Es darf aber nicht dieselbe Band sein.

Gwyn: Ich fange an!

Sean: Ja, bitte.

Gwyn: Also SLEEP TOKEN ist im Moment...

Sean (seufzt): Ich wusste, dass du das sagen würdest.

Gwyn: Ich finde einfach, das würde super zusammenpassen. Und sie sind momentan total angesagt. Was sie machen, wie sie ihr Material vermarkten und wie sie eine richtige Familie aufgebaut haben, das ist einfach unglaublich. Ich finde, sie haben Dinge getan, die ich schon ewig nicht mehr gesehen habe. Und wer auch immer das macht, ist verdammt genial.

Sean: Wir wissen ja eigentlich, wer das macht, weil wir denselben Booking-Agenten wie SLEEP TOKEN haben. Immer wenn wir gefragt werden, mit wem wir auf Tour gehen wollen, sagen wir: SLEEP TOKEN. Aber natürlich gibt es eine lange Liste von Bands, die das auch wollen.

Ja, der Hype, den sie um die Band herum erzeugt haben, ist faszinierend.

Sean: Ja, ziemlich genial. Und jetzt hat sie mir die Antwort weggeschnappt, und ich weiß nicht, was ich sagen soll.

Ich würde sagen, vielleicht HEALTH. Ich denke, das passt. Ich glaube, deren Publikum würde gut zu uns passen. Es ist schwer, uns in eine Schublade zu stecken, wir können mit vielen Bands spielen. Wir waren zum Beispiel mit CRADLE OF FILTH auf Tour. Es war fantastisch. Wir haben zwar nichts mit Black Metal zu tun, aber es war großartig. Ich glaube, bei Bands, die sich auf ihre Charaktere konzentrieren, steht das Publikum total auf das, was Gwyn macht.

Aber ich finde auch die Szene ohne starke Charakterorientierung sehr interessant und ich mag auch viele dieser Bands und bin ein riesiger HEALTH-Fan. Ich fände es super, das zu machen, denn ich glaube, ihre Fans – auch wenn sie uns vorher vielleicht noch nicht gehört haben – würden verstehen, was wir machen, weil die emotionale Verbindung sehr ähnlich ist. Ich denke, wir würden durch diese Konzerte viele neue Fans gewinnen.

Und ich würde es einfach wahnsinnig genießen, HEALTH jeden Abend zu sehen. Also, ich denke, für mich wäre es im Moment HEALTH.

Gwyn: Ja, wir haben sie vor Kurzem wiederentdeckt und hören sie seitdem in Dauerschleife.

Na dann, toi, toi, toi, und hoffentlich sehen wir uns bald wieder in Europa. Vielen Dank, dass ihr euch die Zeit genommen habt!

Gwyn: Wir haben zu danken. Das bedeutet Bands wie uns sehr viel. Wir wissen das wirklich sehr zu schätzen. Danke.

Sean: Vielen Dank. Auf Wiedersehen.

 

Die Live-Bilder sind von mir, aufgenommen beim Auftritt auf dem SUMMER BREEZE OPEN AIR 2025.

Redakteur:
Chris Schantzen

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