GLADENFOLD: Zwei Herzen in der Brust

25.02.2026 | 19:01

Von Herzensdamen, für die man alles tun würde, über düstere Vorgänger bis hin zu Krefelder Heroen  "Soulbound" und unser Interview mit GLADENFOLD hält vieles bereit. Mit einem kraftvollen sowie melodisch-tödlichen Herzen in der Brust ist es Toke und Matias gelungen, ein mehr als packendes, episches und vielschichtiges Album zu kredenzen, das seinem Vorgänger nicht nur in nichts nachsteht, sondern auch alles bereithält, um beide Fanlager gleichermaßen zu bedienen. Wir fühlten den beiden auf den Zahn.

Jungs, wie geht es euch, und wie ist die Stimmung bei GLADENFOLD?

Toke: Uns geht es großartig, danke! Momentan arbeiten wir daran, alle begleitenden Werbemaßnahmen für das Album abzuschließen, und proben für die kommenden Shows. Ansonsten versuchen wir, es wieder einmal zu genießen, dass wir die große Herausforderung gemeistert haben, die es für eine Band bedeutet, ein neues Album aufzunehmen.

Seit "Nemesis" sind fast vier Jahre vergangen – könnt ihr mir ein kleines Update geben, was seitdem bei GLADENFOLD passiert ist?

Toke: Wir haben im Zusammenhang mit der Veröffentlichung von "Nemesis" einige Shows in Finnland gespielt. Danach haben wir eine kleine Pause eingelegt, um wieder Inspiration zu finden, da die Produktion von "Nemesis" definitiv ein langer und manchmal sehr frustrierender Prozess war. Ich kann mich nicht mehr genau erinnern, wann die Arbeit an "Soulbound" begonnen hat, da wir hier und da daran gearbeitet haben, aber um 2024 herum ging es dann richtig los. Seitdem lag der Fokus, zumindest für mich, auf dem Songwriting und der Produktion.

Ihr wart Teil der CHILDREN OF BODOM-Tribute-Story in Form von 'Towards Dead End'. Welche Bedeutung hatten Alexi und die Kinder für euch als Musiker und als Band?

Matias: CHILDREN OF BODOM hatte einen großen Einfluss auf unseren Musikstil, als GLADENFOLD Anfang der 2000er Jahre gegründet wurde. Wenn es darum geht, melodischen Death Metal und Power Metal-Elemente zu kombinieren, hat COB gewissermaßen die Blaupause für diesen völlig neuen Stil der Metal-Musik geschaffen. Und das war definitiv unser Ding! Alexis inspirierendes Spiel und sein einzigartiges Songwriting waren definitiv einer der Haupteinflüsse, als ich als Teenager anfing, Gitarre zu spielen.

Euer neues Album "Soulbound" steht in den Startlöchern und ist viel ausgefeilter als eure vorherigen Alben. Ich habe gelesen, dass ihr neue Tricks lernen musstet, um das Beste aus den Arrangements herauszuholen. Könnt ihr das etwas näher erläutern?

Toke: Vielen Dank für diese Worte. Hmm... einer der Punkte war, dass wir im Vergleich zu früheren Alben viel mehr Iterationen der Songs gemacht haben. Wir haben versucht, nur das beizubehalten, was wirklich funktioniert hat, anstatt endlos Dinge übereinander zu schichten. Das passte auch zu unserem Ziel, Songs zu machen, die besser für Live-Auftritte geeignet sind, da das bei den Songs von "When Gods Descend" und "Nemesis" eine große Herausforderung war.

Das Album wirkt auch noch fokussierter und detailreicher als "Nemesis". Die Mischung aus Power- und Melodic Death Metal ist brillant – was sind eurer Meinung nach die musikalischen Unterschiede zwischen den beiden Alben?

Matias: "Nemesis" war ein ziemlich düsteres, langes und komplexes Album, und wir hatten ursprünglich vor, ein geradliniges Album mit Songs zu schreiben, die sich leichter für Live-Auftritte arrangieren lassen. Der offensichtlichste Unterschied ist der Fokus auf klaren Gesang, es gibt kaum Growls auf diesem Album. Das war nicht wirklich das Ziel, aber die Art und Weise, wie wir dieses Mal gearbeitet haben, hat uns in diese Richtung geführt. Und ich glaube, dass Esko, unser Sänger und Hauptsongwriter, mittlerweile lieber Gesangsmelodien schreibt als Growls und auch auf der Bühne lieber singt als growlt.

Aufgrund des Artworks und des Titels "Soulbound" könnte man meinen, dass es sich um ein Konzeptalbum handelt. Ist das der Fall? Welche Geschichte erzählt "Soulbound" und wer sind die beiden Protagonisten auf dem Artwork?

Matias: Du hast vollkommen Recht, es handelt sich um ein Konzeptalbum. Das Album konzentriert sich auf die Verbindung dieser beiden Charaktere, die auf dem Albumcover zu sehen sind. Es basiert auf dem Konzept der Reinkarnation und darauf, wie diese beiden Personen oder ihre Seelen ein Schicksal teilen, das sie durch Zyklen der Wiedergeburt verfolgt. Daher der Titel "Soulbound". Es beginnt mit einem Konflikt, der sie trennt, und das Album folgt ihrer Geschichte Song für Song durch verschiedene Leben hindurch.

Von den drei Songs, die ihr vorab veröffentlicht habt, gefällt mir 'Wardens Of Time' besonders gut. Ist das die perfekte Single-Veröffentlichung? Was ist das Besondere an diesem Song?

Toke: Ich meine... Sag du es mir! Aber ich höre diesen Song auch sehr gerne und spiele ihn auch sehr gerne. Er unterscheidet sich ein wenig von den anderen Songs, mit einem langsamen und gleichmäßigen Rhythmus und viel Raum für Atmosphäre. In dieser Hinsicht erinnert er mich an Songs wie 'Sanctuary Denied' von "When Gods Descend". Es ist auch einer der Songs auf dem Album, bei denen ich Gesang beigesteuert habe, was den Song natürlich für mich zu etwas Besonderem macht, aber ich hoffe auch, dass es dem Song etwas Besonderes verleiht.

'For My Queen' ist ebenfalls hervorragend und sollte aus dem Herzen jedes Mannes sprechen, der in einer Beziehung mit einer großartigen Frau ist, oder? Man würde alles für die Frau seines Herzens tun, nicht wahr?

Matias: Der Song ist wie ein zweischneidiges Schwert. Seine Botschaft kann auf verschiedene Weise interpretiert werden, wenn man ihn aus dem Konzept und der Geschichte des Albums herausnimmt. Das war auch unsere Absicht, denn er hat mehr als nur eine Ebene in seinem Text. Und ja, in diesem Sinne hast du Recht, dass der "Ich-Erzähler" des Songs wirklich bereit ist, alles für seine Königin zu tun, mit allen notwendigen Mitteln, hehe.

Zu guter Letzt möchte ich noch 'Helix Of Hate' erwähnen. Ist es eurer Meinung nach überhaupt möglich, zu hassen, nachdem man geliebt hat, oder worum geht es in diesem Song?

Matias: Du kennst sicher das Sprichwort "Zwischen Liebe und Hass liegt nur ein schmaler Grat". Diese Emotionen teilen definitiv dieselbe Leidenschaft und sind keine Gegensätze. Was den Text angeht, so lösen die Handlungen in 'For My Queen' eine Reihe gewalttätiger Konflikte aus, um die sich der Song dreht. Außerhalb der Handlung des Albums sehe ich den Song als Kommentar zu den endlosen Kriegen und der Gewalt auf der Erde, die immer mehr Rache und Hass verbreiten und uns fast wie eine Spirale umgeben. Wenn man sich die aktuellen Ereignisse in der Welt ansieht, hat man das Gefühl, dass all dies tief in der menschlichen Natur verwurzelt ist.

Ihr müsst mir die Bedeutung von 'Soulbound Parallax' erklären – was hat diese optische Besonderheit mit der Verbindung zwischen zwei Seelen zu tun?

Matias: Da es sich um den letzten Song des Albums handelt, können die Charaktere sehen, woher sie kommen, und finden ein gewisses Verständnis für ihre Handlungen in früheren Leben. Sie betrachten rückblickend aus einer anderen Perspektive (daher die Metapher von der Parallaxe), was geschehen ist, und finden ihren Frieden damit. So interpretiere ich es jedenfalls, da die ursprünglichen Textideen von Esko stammen. Jedenfalls finde ich, dass es einen schönen Abschluss der Geschichte bildet, mit einer bittersüßen Schlussnote.

Gibt es Pläne für eine Europatournee mit dem Album? Werden wir euch auf Festivals sehen?

Toke: Im Moment sind wir nur für Finnland und Japan gebucht, worauf wir uns natürlich sehr freuen. Persönlich würde ich sehr gerne in meinem Heimatland Dänemark spielen, wo das Interesse an Power Metal in letzter Zeit mit dem "Epic Fest" und mehreren anderen Festivals, die sowohl große als auch kleine Power-Metal-Künstler buchen, enorm zugenommen hat – vielleicht könnten wir zu letzteren gehören.

Wir hoffen auch, in anderen europäischen Ländern wie Deutschland und Schweden spielen zu können. Es geht darum, die richtigen Gelegenheiten zu finden, da Tourneen hoffnungslos teuer sind und wir als kleine Band alle noch andere Berufe haben, die mit den Reisen zu den Konzerten vereinbar sein müssen.

Da ihr zwei Herzen in eurer Brust habt – Power Metal und Melodic Death Metal – und eine weitere Anfrage zur Teilnahme an einem Tribute-Album eingeht, welchen Bands würdet ihr ohne zu zögern zusagen?

Matias: Ein Tribute an BLIND GUARDIAN wäre cool, eine Herausforderung, muss ich sagen. Meines Wissens gibt es nicht so viele "offizielle" BLIND GUARDIAN-Tributes.

Toke: BLIND GUARDIAN ist auch die Band, die mir sofort in den Sinn kommt. Ich würde sofort alles andere unterbrechen, was ich gerade mache, ohne zu zögern. "Tales from The Twilight World" und "Nightfall in Middle-Earth" waren mein Einstieg in den Power Metal, damals in der Highschool! Wie Matias schon sagt, wäre es auch aus rein musikalischer Sicht ein interessantes Projekt, daran mitzuarbeiten.

Vielen Dank euch beiden für die Beantwortung meiner Fragen! Was möchtet ihr unseren Lesern und euren Fans noch mitteilen?

Matias: Danke! Hört euch "Soulbound" an, wir sind sehr zufrieden mit dem Ergebnis! Es ist eine Mischung aus epischem und melancholischem Power Metal, und wir hoffen, dass es euch gefällt!

 

Fotocredits: TeppoRistolaPhotography

Redakteur:
Marcel Rapp

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