Gruppentherapie: KINGS WINTER - "The Other Side Of Fear"

30.01.2024 | 07:51

Winterkönige im Gemüsegarten: Aber bloß kein Rosenkohl!

Yeah, die erste Gruppentherapie zu einem 2024er-Album! Ja, ihr Lieben, ihr wartet schon sehnsüchtig auf die erste Soundcheck-Therapie, doch dieses Album hat damit nichts zu tun. Vielmehr heimst "The Other Side Of Fear" von Mario den ersten Zehner dieses Jahres (neben Björns Höchstnote für ECONOMIST) ein. Wenn das mal kein Grund ist, weitere Redaktionsohren zu befragen! Übrigens ist Tobias, der Gitarrist bei KINGS WINTER, nicht nur ein versierter Saitenhexer, sondern kann auch mit dem Keyboard umgehen. Und zwar dem Keyboard seines Computers, er ist nämlich auch Redakteur bei POWERMETAL.de. Aber das sollte ja für die Band kein Nachteil sein und wir haben natürlich versucht, möglichst unvoreingenommen an die Scheibe heranzugehen. Aber, auch das gehört zur Wahrheit, wir hatten vorher bereits in die beiden Videos reingehört und festgestellt, dass KINGS WINTER echt was zu bieten hat. Außer für Rosenkohl-Hasser.



Eigentlich sollte mir "The Other Side Of Fear" richtig gut gefallen. "Edge Of Existence" ging schon extrem gut durch die Gehörgänge und seitdem bekam KINGS WINTER noch einmal einen ordentlichen Schub: ein unendlich geiles Artwork, einen knackigen, zeitlosen Sound und Songs, die neben Melodie auch ordentlich Wumms haben. Das beginnende Titelstück eröffnet auf sehr dynamische Art den Reigen, 'The Lost Art Of Grey' macht vor allem mir als Tempo-Fanatiker sehr viel Freude und die Melodie von 'When Tyrants Fall' geht mir schon seit Tagen nicht mehr aus dem Kopf.

Und mit diesem tollen Abwechslungsreichtum, einem sehr cleveren Songwriting und dieser gewissen Prise Epik geht es nahtlos weiter. Mein persönliches Highlight folgt dann aber dem Ende hin mit 'Revolution's Name', eine wirklich tolle Hymne mit Sonnenaufgang-Refrain par excellence. Dazu zeigt auch Sängerin Jule auf der gesamten Scheibe, was in ihrer durch und durch passenden Stimme steckt, ehe sie final dem sehr geschmackvollen 'The Darkness Within' die Krone aufsetzt. Aber warum habe ich eingangs das Wort "eigentlich" erwähnt? Ihr habt Recht! Weg mit "eigentlich"! "Eigentlich" ist eigentlich eh nur ein unnötiges Füllwort! Das Album ist toll. Basta! Pasta? Nein, basta!

Note: 9,0/10
[Marcel Rapp]

Auch ich hatte die Möglichkeit, in "The Other Side Of Fear" hineinzuhören. Schon die ersten Sekunden des gleichnamigen Titeltracks mit den melodischen Gitarren gehen sofort ins Ohr und ich bin geneigt, meine Luftgitarre aus dem Schrank zu holen. 'When Tyrants Fall' greift leider ein sehr aktuelles Thema auf, die Lyrics sind bockstark. Das Video zu dem Song ist echt gut gemacht.

KINGS WINTER hat für mein Empfinden auf dem Album sehr abwechslungsreiche Stücke platziert. Wie unserem Chefredakteur gefällt auch mir das Tempo von 'The Lost Art Of Grey' extrem gut. Dass die Band aus Königswinter auch langsam kann, beweist sie mit dem Siebenminüter 'Destroyer Of Worlds' zumindest im Eingang. Die Stimme von Jule ist für mich facettenreich und über jeden Zweifel erhaben. Ich könnte noch so viel schreiben, empfehle aber jedem, sich selbst mal ein Bild von "The Other Side Of Fear" zu machen. KINGS WINTER haut MIR eine Hammerscheibe um die Ohren und lässt mich mit einigen Fragen zurück:

Warum kenne ich die Band erst seit diesem Album? Warum hat KINGS WINTER keinen Deal bei einem (großen) Label? Warum sehe ich die Band nicht auf einem der großen Festivals im Sommer? Was können wir in Zukunft noch von KINGS WINTER erwarten? Wird "The Other Side Of Fear" bereits jetzt schon für mich ein Anwärter für das Album des Jahres 2024 sein?

Note: 10/10
[Andre Schnittker]

KINGS WINTER – "The Other Side Of Fear" - als allererstes muss ich hier die tolle Stimme von Jule herausstellen, die mich total fasziniert. Dieses Timbre...

Mit dem Gesang, egal ob weiblich oder männlich, steht und fällt bei mir ein Album. Die Musik kann noch so toll sein, wenn der Gesang (für meine Ohren) nicht stimmt, dann geht eine Platte bei mir gar nicht. Damit wäre der erste Pluspunkt schon einmal vergeben. Der nächste Pluspunkt geht an die herausragende Gitarrenarbeit, die mich bei allen Songs einfach begeistert und gleich im ersten Track 'The Other Side Of Fear' voll einschlägt.

Womit ich auch schon bei den nächsten Pluspunkten wäre – der Musik, denn darauf kommt es letztendlich natürlich auch an. Da muss sich die Band nicht hinter anderen Bands verstecken, denen ich sonst so lausche, die Songs auf "The Other Side Of Fear" sind melodisch, eingängig und von flott bis balladesk ist alles vertreten. 'When Tyrants Fall' beleuchtet ein leider sehr aktuelles Thema und wird sehr schön mit einem passenden Video umgesetzt, nach dem flotten 'The Lost Art Of Grey' bereitet mir das eindringlich-dunkle 'Shadow Of The Cross' ein ums andere Mal Gänsehautfeeling.

Ganz stark ist auch das leicht balladesk daherkommende 'Destroyer Of Worlds', bei dem Jule mit ihrer Stimme bei mir so richtig in die Vollen trifft – ganz großartig. Auch hier entzückt mich wieder die Gitarrenarbeit. Bei 'Sonic Thunderstorm' ist ja schon der Name Programm, wenn es stellenweise speedmäßig zur Sache geht und nach dem flotten 'Revolution's Name' freue ich mich über das zweite etwas balladeske Stück 'The Darkness Within', das einmal mehr von Jules mich verzaubernder Stimme lebt.

Was bleibt fazitmäßig zu sagen: beeindruckende Instrumentalfraktion, Gesang, der mir unter die Haut geht, Kompositionen, die mitreißen. Nicht zu vergessen, das phänomenale Cover-Artwork! Auch wenn KINGS WINTER bisher leider an mir vorbeigegangen ist, so konnte ich das jetzt ja nachholen und hoffe, dass wir noch ganz viel tolle Musik von dieser Truppe zu hören bekommen!

Note: 9,5/10
[Hannelore Hämmer]

Ich habe großen Respekt vor dem Eifer und auch der Professionalität, mit der Jule und Tobi aus Königswinter Metal in die Welt pushen. Ich sage das als Musikinteressierter, aber auch als interessierter Musiker, der mit seiner Frau auch Musik (ge)macht (hat), eine Familie managt und es eben nicht geschafft hat, in dieser Kombination schon zwei Alben und zwei EPs veröffentlicht zu haben. Insofern: Hut ab.

Und den behalte ich auch gleich in der Hand, wenn ich sehe, mit wie viel Herzblut das Ehepaar bei der Sache ist. Man merkt, dass Tobi Jules Stimme verstanden hat. Er schreibt die perfekten Riffs für ihre kraftvollen Gesangslinien. Es passt, sitzt und wackelt selten.

Hervorheben möchte ich auch, dass Tobi spürbar auslotet, was er aus der Gitarre herausholen kann. Es macht Spaß zu sehen, wie er und die Band versuchen, jedem Song seinen eigenen Stempel aufzudrücken. Hier stehen also alle Zeichen auf Grün. Warum zückt der Rohrer dann nur 7,5 Punkte?

Weil es im Kern nicht ganz meine Musik ist. Der modern angehauchte Uptempo-Hardrock geht in weiten Teilen an meinen Hörgewohnheiten vorbei, weshalb ich das Album nach unserer strengen Wertung eben nicht "öfter auflegen" werde. Wer mit den genannten Attributen aber mehr anfangen kann als ich, wird eine Wundertüte öffnen. Und ein Stück weit eine Referenz für selbstveröffentlichte Musik erhalten, an der sich andere Bands ohne Label im Rücken messen lassen müssen.

Note: 7,5/10
[Julian Rohrer]



Kennt ihr das? Ihr seid bei Arbeitskollegen zum Essen eingeladen. Die Vorfreude ist groß, da es überbackenen Auflauf gibt. Doch kaum ist der erste Bissen im Mund macht sich Ernüchterung breit. Das Essen ist reichlich, wunderschön serviert, die Käsekruste perfekt, der Gargrad vom Fleisch auf den Punkt getroffen und auch die Soße könnte man fast trinken, so formidabel ist die Würze. Doch es ist auch Gemüse im Auflauf (was grundsätzlich kein Problem ist) und zwar in Form von Rosenkohl. Ich mag keinen Rosenkohl und verstehe auch nicht, warum er in einen Auflauf gehören sollte. Eigentlich will ich nicht mehr weiter essen, aber wie sage ich es meinem Kollegen, dass mir das Essen so gar nicht schmeckt und ich echt kämpfen muss meine Portion zu schaffen?

Odin sei Dank habe ich dieses Problem nicht, denn Tobi kann mit subjektiver Kritik einwandfrei umgehen und ich bin einfach zu ehrlich, um hier nicht meinen Senf ungefiltert dazuzugeben. Seine eigene Arbeit (ohne Not) in eine Gruppentherapie zu geben, bezeugt nicht nur das nötige Selbstbewusstsein für sein Schaffen, sondern auch ziemliche Eier. Da bei einer Gruppentherapie in der Regel auch Leute dabei sind, die mit der entsprechenden Musik nichts anfangen können, ist negative Kritik vorprogrammiert.

Nein Tobi, diese Cojones hätte ich nicht gehabt. Chapeau dafür. Analog zu Julian ist "The Other Side Of Fear" auch nicht meine Lieblingsspeise – erschwerend kommt allerdings noch hinzu, dass ich mit der Klangfarbe von Jules Stimme überhaupt nichts anfangen kann. Schlimmer noch. Sie passt in meinem kleinen Mikrokosmos überhaupt nicht zur Musik, bei der ich ständig auf Growls und einigermaßen harsche Vocals warten würde. Folgerichtig ist dann auch 'The Darkness Within' der einzige Track, der mich wirklich überzeugt, weil Jules Gesang dort deutlich besser harmoniert als auf dem Rest der Platte. Das ist doppelt schade, weil - wie mit meinem Essensvergleich aufgezeigt - die restlichen Komponenten gute Arbeit sind. Die Melodien sind griffig, der Sound modern, aber trotzdem luftig, und das Songwriting sitzt einwandfrei. Also eigentlich eine gute 8-Punkte-Scheibe. Wenn ich doch nur Rosenkohl mögen würde.

Note: 6,0/10
[Stefan Rosenthal]

 

Fotocredits: Jule Dahs





Redakteur:
Thomas Becker

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