HELLRIPPER: Schottland durch und durch

25.03.2026 | 21:13

Lustige Festivals, schottische Highlands, Legenden über Hundepriester und böse Vampirinnen - das neue HELLRIPPER-Album ist ein besonderes Hörerlebnis, ohne dass sich Protagonist James zu weit vom eigentlichen Sound seines Ein-Mann-Projekts entfernt hat. Im Gegenteil, die Songs sind noch atmosphärischer und dichter geworden. Und so gelingt es HELLRIPPER dem bisherigen Schaffen durch "Coronach" die Krone aufzusetzen. Im Zuge dieses großartigen Releases sprachen wir mit ihm und erfahren viel über die Hintergründe sowie auch über seinen Stresspegel.

Hallo James, vielen Dank, dass ich dir ein paar Fragen zu den neuesten Entwicklungen bei HELLRIPPER stellen darf. Wie geht es dir, alles in Ordnung?

Hallo, vielen Dank, dass du dir Zeit für mich nimmst – ich weiß das sehr zu schätzen! Mir geht es sehr gut, danke! Ich habe viel zu tun, aber alles ist gut.

Du hast dich konsequent an einen Dreijahreszyklus gehalten – kannst du mir kurz erzählen, was seit "Warlocks Grim & Withered Hags" passiert ist und ob dieser Zyklus Zufall ist?

Wir waren viel auf Tour! Die letzten drei Jahre waren live sehr arbeitsreich, wir sind mit vielen großartigen Bands auf Tour gegangen und haben an vielen neuen Orten gespielt! Es war besonders schön, im letzten Zyklus zum ersten Mal nach Mexiko und in die USA zu kommen!

Der Dreijahreszyklus ist reiner Zufall. Das scheint einfach die Zeit zu sein, die ich brauche, um neben all den anderen Dingen, die wir so machen, neue Musik zu schreiben! Allerdings gibt es immer auch andere Faktoren wie Labelwechsel und Terminplanung, die berücksichtigt werden müssen.

Ich arbeite aber immer an etwas! Zwischen den Alben 1 und 2 war ich zum Beispiel an ein paar Split-Veröffentlichungen beteiligt und habe eine EP herausgebracht. Und 2024 habe ich zwischen Labelwechseln und Tourneen eine eigenständige Single veröffentlicht.

Mit "Coronach" steht das vierte Album von HELLRIPPER bereits in den Startlöchern. Ich habe nachgeschlagen: Der Titel bezieht sich auf den traditionellen improvisierten Gesang bei Beerdigungen in den Highlands deiner Heimat. Könntest du die Bedeutung des Titels etwas näher erläutern?

Ja, das fasst die Bedeutung des Wortes im Grunde genommen zusammen! Es ist ein Albumtitel, den ich seit fast zehn Jahren im Kopf habe, und seitdem war es der Arbeitstitel für ein Album, an dem ich mit einem anderen Projekt gearbeitet habe! In den letzten Jahren sind die Arbeiten daran ins Stocken geraten, und es schien mir der richtige Zeitpunkt, ihn endlich zu verwenden.

Das Wort passte sehr gut zum Sound und zur Stimmung des Albums, und im Vergleich zu den vorherigen Albumtiteln, die ziemlich wortreich sind, gefiel mir die Idee eines Ein-Wort-Titels.

Wie sehr hat dich die Atmosphäre der schottischen Highlands oder deiner Heimat im Allgemeinen musikalisch beeinflusst?

Es gibt Elemente der schottischen Volksmusik, die ihren Weg in meine Musik gefunden haben, aber ich würde sagen, dass der Einfluss eher in den Texten und dem Storytelling zu spüren ist. Bis 2019, als ich in die Highlands zog, hatte ich mein ganzes Leben in Städten verbracht, und ich fühlte mich in dieser Umgebung, umgeben von Bergen, Bäumen und Gewässern, neu inspiriert. Das veranlasste mich, mich mehr mit schottischer Folklore, Poesie, Literatur usw. zu beschäftigen.

Und dann wiederum soll die Atmosphäre, die ich in einigen Tracks zu schaffen versuche, das jeweilige Thema eines Songs widerspiegeln.

Auf mich wirken die neuen Songs noch zielgerichteter, aber auch atmosphärischer, teilweise sogar episch. Wo siehst du die Unterschiede zu "Warlocks Grim & Withered Hags"?

Ich finde, dass das Album insgesamt vielfältiger ist. Ich stimme zu, dass das Album insgesamt atmosphärischer ist, und ich finde, dass es einen "kälteren" Sound hat als das Vorgängeralbum. In der Musik sind viele verschiedene Einflüsse zu finden, von Death Metal bis Elektronik, und ich habe einige Instrumente verwendet, die ich zuvor noch nicht eingesetzt habe, wie Violine, Klavier, Synthesizer und Cello. Jedes Album spiegelt einfach wider, wo ich mich gerade in meiner Songwriting-Phase befinde. Oft beginne ich den Songwriting-Prozess mit einer bestimmten Idee davon, wie ich mir die Dinge vorstelle, und fast sofort geht es dann in eine andere Richtung. Deshalb versuche ich, nichts zu erzwingen, und mache das, was mir natürlich erscheint. Letztendlich ist das Wichtigste, ob ich einen Song für gut halte oder nicht.

Du musst mir sagen, wer dieses fantastische Artwork gezeichnet hat und wie es mit den Songs auf dem Album zusammenhängt.

Adam Burke ist für das Artwork verantwortlich, und ich finde es absolut großartig, was er daraus gemacht hat! Er ist so gut in dem, was er tut, und ich weiß, wenn ich ihn um etwas bitte, wird das Ergebnis gut sein. Wie ich bereits erwähnt habe, finde ich, dass das Album einen "kälteren" Sound hat als das vorherige, und das wollte ich mit dieser dunkelgrauen und blauen Farbpalette darstellen. Ich wollte mehr von der schottischen Landschaft in diesem Album haben, da ich das bisher noch nicht hatte, und die Inspiration dafür war ein Ort in der Nähe von Rannoch Moor. Ich wollte, dass das Albumcover einen ähnlichen Stil wie das vorherige hat, aber auch, dass einige Dinge komplett anders sind, daher gibt es diesmal die verschobenen Positionen und Perspektiven der drei Figuren und der Ziege. Die drei Figuren stehen für nichts Bestimmtes, sondern sind inspiriert von verschiedenen schottischen Fabelwesen wie der Bean-nighe, der Baobhan Sith und der Caoineag und sind eine Verschmelzung dieser Wesen.

Das Video zum Opener 'Hunderprest' wurde beim British Damnation Festival 2025 gedreht. Welche Erinnerungen hast du an das Festival?

Es war ein lustiges Festival, genau wie ich es erwartet hatte! Wir haben schon bei einer früheren Ausgabe des Festivals gespielt, und es war einer meiner Lieblingsauftritte bis heute. Die Organisation war perfekt, und die Mitarbeiter und alle Beteiligten waren unglaublich nett und hilfsbereit, also war es ein guter Tag!

Wir konnten uns eine Reihe großartiger Bands ansehen und mit Freunden abhängen, die wir nicht so oft sehen, das war ein Highlight. Und natürlich war das Publikum, wie man im Musikvideo sehen kann, total am Ausflippen, was immer hilft!

Und auf welcher Legende basiert der Song? Ich habe irgendwo etwas über Dog Priest gelesen, kannst du mich aufklären?

Der Song basiert auf der Legende von Hunderprest, dem Hundepriester – dem Vampir von Melrose Abbey. Der sündige Kaplan erhielt seinen Spitznamen aufgrund seiner Gewohnheit, mit seiner Meute von Hunden auf Pferden zu jagen. Nach seinem Tod wurde er der Legende nach auf dem Friedhof der Melrose Abbey beigesetzt. Da sein Geist jedoch keine Ruhe finden konnte, erhob er sich bei Einbruch der Nacht aus seinem Grab, um die Dorfbewohner und seine ehemalige Geliebte zu quälen und seinen Blutdurst zu stillen.

Er wurde schließlich besiegt, als eine Gruppe von Mönchen aus der Melrose Abbey Hunderprests blutgetränkten Körper bei Tageslicht exhumierte, ihn in Brand steckte und die Asche in den Wind streute, um sicherzustellen, dass der Vampir die Stadt nicht mehr quälen konnte.

Und was hat es mit den Baobhan Sith auf sich? Was macht diese böse Vampirin für dich so verführerisch?

In der schottischen Folklore sind die Baobhan Sith weibliche Vampire, die durch die Wälder der Highlands streifen. Mit ihren wallenden grünen Kleidern, die ihre Hufe bedecken, sind sie dafür bekannt, Jäger zu verführen und die Männer zum Tanz um ein Feuer einzuladen, bevor sie ihnen mit ihren scharfen, klauenartigen Fingernägeln die Kehle durchschneiden und ihr Blut trinken. Der Track ist musikalisch etwas länger, durchläuft verschiedene Stimmungen und fühlt sich wie eine Art Reise an, und die Geschichte der Baobhan Sith schien mir passend dazu zu sein. Ich habe den "Pre-Chorus" dieses Tracks geschrieben, der mir eine Art Walzer-Feeling vermittelte, was wiederum sehr gut zu den Verführungstechniken der Baobhan Sith passte. Die Violine wurde zu diesem Abschnitt hinzugefügt, da ich fand, dass sie das "Walzer"-Element "traditioneller" wirken ließ.

Wie du merkst, habe ich viele Fragen zu den einzelnen Songs, aber gestatte mir noch eine letzte: Warum hat es eine Pferdekrankheit mit 'Mortercheyn' auf das Album geschafft?

Das ist eine kleine Anspielung auf einen Track aus dem Vorgängeralbum mit dem Titel 'The Nuckelavee'. Mortercheyn soll die Krankheit sein, die das Wesen verbreitet und die tatsächlich Pferde tötet. Die Krankheit wird in diesem Fall verwendet, um den Verfall und Niedergang der Gesellschaft darzustellen. Dieser Track wurde, zusammen mit 'Kinchyle (Goatkraft And Granite)', aus einer eher persönlichen Perspektive geschrieben, was für mich etwas ganz Neues ist.

Wieder einmal hast du fast alles selbst gemacht, daher muss ich dich fragen: Ist das auf Dauer nicht unglaublich anstrengend oder ist es eher eine Erleichterung, weil du dich nur um dich selbst kümmern musst?

Beides! Aber das ist einfach meine Art, Dinge zu tun, und ich mache das schon so lange, dass es sich ganz natürlich anfühlt! Auf diese Weise habe ich mehr Spaß, kann in meinem eigenen Tempo arbeiten und mit allem experimentieren, was mir gefällt, und es ist auch sehr praktisch. Zufälligerweise habe ich das Gefühl, dass ich auf diese Weise auch die besten Ergebnisse erziele.

James, nochmals vielen Dank für das Interview – ich wünsche dir alles Gute für dieses großartige Album! Was möchtest du unseren Lesern und deinen Fans noch sagen?

Vielen Dank für eure Zeit und vielen Dank an alle, die das gelesen haben! Schaut euch HELLRIPPER auf den sozialen Medien an, die ihr nutzt, und hört euch "Coronach" an, wo immer ihr eure Musik bekommt! All Hail the Goat!

 

Fotocredits: MM Photography

Redakteur:
Marcel Rapp

Login

Neu registrieren