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In der Gruppentherapie: AUGURY - Fragmentary Evidence

14.07.2009 | 15:00

Ein Newcomer, der unseren Soundcheck auf Platz 3 abschließt und dabei durch die Bank auf Wohlwollen stößt. Das schreit nach einer Gruppentherapie. Lernt AUGURY kennen. Extrem Metal, wie er sein soll.




Eigentlich klar, dass die Jungs Kanadier sind. Denn AUGURY sind völlig durch. Welchen Namen wir dem Kind geben, ist dabei auch völlig irrelevant. Jazz Extreme Death Metal? Progressive Avantgarde Death Metal? Alles Schubladen-Bullshit. AUGURY sind frei von allen Konventionen, kombinieren, was ihnen in den Sinn kommt. Tiefe Growls, heiseres Gekeife, kraftvoller, glockenklarer Männergesang, hübsche Frauenstimme, Blastbeats, Metalriffs, Genie und Wahnsinn. Und das eigentlich erstaunliche ist, dass Songs der Marke 'Sovereigns Unknown', 'Faith Puppeteers', 'Brimstone Landscapes' oder das elfminütige 'Oversee The Rebirth' nach einigen Spins auch durchaus mindestens fragmentarisch im Hirn haften bleiben. Solche Musik macht ob ihres Irrsinns einfach Laune. Zumal man mit jedem Kopfhörerdurchlauf neue Details findet, die nicht nur technische Fähigkeiten, sondern auch geschickte Arrangements untermauern. Cooles Album.

Note: 8,0/10
[Peter Kubaschk]

AUGURY ham einen an der Waffel. Die Kanadier funktionieren einfach nicht im Rahmen gängiger Strickmuster und kredenzen einen Extrem-Metal-Cocktail, der höchsten technischen Ansprüchen genügt. Rasender Death Metal, gepaart mit melodisch-atmosphärischen Passagen und auch mal dissonantem Geschnitzel, dazu wüstes Geschrei und Gegrowle obendrauf gepackt - so könnte eine Kurzbeschreibung von "Fragmentary Evidence" lauten. Hier wird einfach kompromisslos und unkonventionell drauflos gehackt. Wenn man sich andere kanadische Weirdos wie CRYPTOPSY oder Devin Townsend ansieht, liegt die Vermutung nahe, dass in Kanada irgendwas ins Trinkwasser gemixt wird, was zu solch abgedrehten musikalischen Ergüssen führt.

Klingt soweit alles toll, dennoch habe ich mit der Band ein Problem - das Ganze ist eine sehr originelle Mischung, die zudem auf einem hohen technischen Niveau zelebriert wird, aber mir fehlt ein bisschen der Fluss, der rote Faden, der sich durch die Platte zieht. So richtig durchgehend starke, einprägsame Songs finde ich auf "Fragmentary Evidence" nämlich nur selten, das Material wirkt häufig recht sperrig, unzugänglich und stellenweise chaotisch. Keine Frage, AUGURY haben musikalisch hochwertige Kost am Start, die sich mir aber auch nach über einem Dutzend Durchläufen teilweise noch nicht erschlossen hat. Wer Bands wie CRYPTOPSY, DILLINGER ESCAPE PLAN, TEXTURES oder STRAPPING YOUNG LAD zu seinen Favoriten zählt, sollte AUGURY aber auf jeden Fall eine Chance geben.

Note: 7,5/10
[Stephan Voigtländer]






Mir kann keiner erzählen, dass man mit solcher Musik auch nur einen kleinen Blumentopf gewinnen kann. Mit mehr als 500 Noten pro Minute, einem halben Dutzend Breaks pro Song und sehr abwechslungsreichen Vocals, die von waschechten Growls dominiert werden, tritt AUGURY eigentlich direkt ins Aufmerksamkeits-Abseits. Wären da nicht Verrückte wie ich, die beim ersten Mal staunend vor der Box sitzen und sich freuen, neues Futter für die Schublade "50mal gehört und immer noch neu" gefunden zu haben, müsste man den Herren glatt die Existenzberechtigung absprechen. So aber fegt das Riffgewitter wohlig über mich hinweg, darf ich mich freuen, doch schon Teile gelegentlich wiederzuerkennen. Von Mitsummen ist natürlich noch immer keine Rede, dazu brauche ich wohl noch ein paar Wochen, aber die Techno-Thrash/Technical Death Ecke hat auf jeden Fall einen neuen Untermieter, der sich hoffentlich gut mit EXTOL, WATCHTOWER, ALARUM, ATHEIST, DEATH, BIOMECHANICAL und SPIRAL ARCHITECT verstehen wird. Als Anspieltipp möchte ich mal 'Jupiter To Ignite' vorschlagen, wo der Kontrast aus ruhigen Passagen und brutalem Death ganz herrlich zelebriert wird. Musikgewordene Entropie!

Note: 8,5/10
[Frank Jaeger]

Was die Kanadier von AUGURY uns mit ihrem zweiten Album "Fragmentary Evidence" auftischen, klingt beim ersten Anlauf wahrlich zerfahren und konturlos. Sie liefern aber bereits hier bruchstückhafte Beweismittel dafür, dass die Band durchaus mächtig was drauf hat. Technisch-progressiver Death Metal dürfte als Schublade wohl am besten passen, aber doch sehr wenig aussagen. Denn AUGURY bietet weit mehr als die durchschnittliche Techno-Death-Kombo, die blastet und breakt, bis dir die Ohren abfallen und dazu grunzgurgelt als gäbe es kein Morgen. Bei AUGURY begegnen wir auch atmosphärischen und entspannten Passagen, trotz der dominierenden Growls auch allerlei anders gelagerten gesanglichen Elementen. Dazu treten großartige Basspassagen und unfassbare Leads zwischen melodisch und disharmonisch, die nicht selten im besten Sinne an Chuck Schuldiners DEATH erinnern. Beispielsweise bei 'Sovereigns Unknown' tauchen sogar sehr intensive und begeisternde traditionelle Epic-Metal-Passagen auf, was in diesem stilistischen Kontext nach meiner Erinnerung noch nicht versucht worden ist. All das macht "Fragmentary Evidence" zu einer sehr schönen und vor allem langfristig spannenden Scheibe.

Note: 8,0/10
[Rüdiger Stehle]






AUGURY ist ein weiteres Beispiel für die überdurchschnittliche Klasse der kanadischen Szene. Denn auch, wenn die Jungs extrem heftig zu Werke gehen, ist es der Grad der technischen Raffinesse, der auch einen Weichspülmetaller, wie ich es einer bin, erfreut aufhorchen lässt. Als Freund von dominanten Bassisten, ist mir natürlich als erstes genau das aufgefallen. Und der sehr transparente und gleichermaßen sehr druckvolle Sound lässt Dominic "Forest" Lapointe alle nötigen Freiräume, um seinem Tieftöner zauberhafte Figuren zu entlocken. Dass AUGURY dabei neben aller extremen Härte auch immer wieder beinahe sphärisch-jazzige Passagen einbauen, bei denen man natürlich ab und an den seligen Chuck Schuldiner vor dem geistigen Auge spielen sieht, liegt in der Natur dieser Musik. Diese wahnwitzig schnellen Momente in Kombination mit recht melodischem Gesang, wie man sie in den Versen zu 'Sovereign Unknown' serviert bekommt, sind dann aber schon neuartig und ungewohnt für eine Band dieses Genres. Vor allem beweisen sie, dass Sänger Patrick Loisel über ein sehr flexibles Organ verfügt. Ein riesengroßes Plus für AUGURY. Wie auch der überraschende Einsatz einer glockenhellen Frauenstimme in 'Brimstone Landscapes'. Ihr merkt es, wer sich an brutalen Vocals und teils extremer Heftigkeit nicht stört, bekommt von den Kanadiern die musikalische Breitseite geliefert, die fesselt.

Note: 7,5/10
[Holger Andrae]

Astreinen progressiven Todesmetal präsentieren die verrückten Kanadier mit "Fragmentary Evidence". Wie eine linksdrehende Mischung aus GOJIRA und ZERO HOUR fetzt der teils super-flüssige, teils extrem schwere Notenjoghurt aus den Dada-Milchkannen. Man ist sich nie ganz sicher, ob die Instrumente von der Band gespielt werden oder die Musiker Opfer ihrer amoklaufenden Liebsten geworden sind. In einer extrem vertrackten Zwischenwelt knapp unter zersetzendem Wahnsinn und zerfetzender Genialität erschaffen AUGURY ihr persönliches "Guernica". Die Ingredienzien ihrer musikalischen Demontage stammen dabei aus dem gesamten Regal zeitgenössischen Metals und Rocks. Dabei gelingen ihnen zwar spannende Nummern voller Bumm-Bumm und Dingeldiding, technischem Voodoo und emotionalem Wuhu, den echten Reißer bekommen sie allerdings nicht hin. Teilweise sind die zitierten Bands allzu deutlich im Vordergrund und AUGURY erschaffen dabei lediglich das Fundament für dieses musikalische Frankensteinexperiment.

Note: 7,5/10
[Julian Rohrer]

Redakteur:
Peter Kubaschk

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